Frankfurt stürmt an die Tabellenspitze

Von am 16. Oktober 2011 – 16.24 Uhr 54 Kommentare

Der 1. FFC Frankfurt hat dank eines Kantersiegs gegen den FC Bayern München am siebten Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga die Tabellenführung übernommen, Potsdam und Duisburg hatten bei ihren Siegen hingegen mehr Mühe als erwartet.

Das vermeintliche Topspiel zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem FC Bayern München geriet zu einer einseitigen Angelegenheit. Die Frankfurterinnen fegten den namhaften Gegner vor der stattlichen Anzahl von 3 230 Zuschauern mit 7:1 (5:1) aus dem Stadion am Brentanobad.

Ergebnisse und Tabelle der Frauenfußball-Bundesliga

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Hattrick von Smisek
Fatmire Bajramaj eröffnete früh den Torreigen (10.), Ex-Nationalspielerin Kerstin Garefrekes (14.) sowie ein lupenreiner Hattrick von Sandra Smisek (29., 32., 35.) schraubten die Führung in die Höhe, ehe Laura Feiersinger für die Gäste Ergebniskosmetik betrieb – es war der erste Gegentreffer für die Frankfurterinnen in dieser Saison (41.). Erneut Garefrekes (75.) und die eingewechselte Jessica Landström (85.) sorgten dafür, dass die Gastgeberinnen, bei denen Dzsenifer Marozsán nach ihrer Knieverletzung ihr Comeback gab, dank des besseren Torverhältnisses die Tabellenführung übernahmen.

Sandra Smisek

Sandra Smisek (re.) erzielte einen lupenreinen Hattrick © Nora Kruse, ff-archiv.de

Klägliche Bayern
Bereits in der Vorsaison hatten die Frankfurterinnen den Gast mit einer 8:2-Packung nach Hause geschickt. „Ich bin froh, dass ich mit meinen 34 Jahren den jungen Hasen noch Konkurrenz machen kann“, frotzelte die gut gelaunte dreifache Torschützin Smisek nach der Partie. Bayern-Trainer Thomas Wörle stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Es soll keine Ausrede sein, aber meiner Mannschaft haben heute sieben Spielerinnen gefehlt, das hat man auf dem Spielfeld gemerkt. Aber wir haben heute kläglich agiert und Frankfurt kann man nur Punkte abnehmen, wenn alles optimal läuft.“

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Potsdam siegt mit Mühe
Meister 1. FFC Turbine Potsdam kam gegen Schlusslicht SC 07 Bad Neuenahr nur zu einem 1:0 (0:0)-Erfolg und musste somit trotz des siebten Siegs im siebten Spiel die Tabellenführung an Frankfurt abtreten. Jennifer Cramer erzielte vor 2 050 Zuschauern den Treffer des Tages, als sie eine Flanke von Viola Odebrecht per Kopf aus acht Metern verwertete für eine an diesem Sonntag ansonsten blasse Turbine-Mannschaft (70.). Gäste-Trainer Colin Bell konnte Positives aus der knappen Niederlage ziehen: „Die Mädels haben taktisch ausgezeichnet gespielt. Einstellung und Laufbereitschaft stimmten zu 100 %. Das müssen wir jetzt konstant bringen, dann ist mir nicht bange um den SC 07.“

Martina Voss-Tecklenburg

Martina Voss-Tecklenburg kehrte an ihre alte Wirkungsstätte zurück © Marion Kehren / girlsplay.de

Duisburg ringt Jena nieder
Der FCR 2001 Duisburg kam gegen den FF USV Jena ohne die grippekranke Stefanie Weichelt dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit zu einem 3:0 (0:0)-Erfolg. Mandy Islacker brach nach einer knappen Stunde gegen den gut eingestellten Gegner mit einem Schuss aus elf Metern den Bann (57.), ehe in der Schlussphase Linda Bresonik mit einem unhaltbaren Schuss ins rechte Toreck (79.) und Barbara Müller aus kurzer Distanz (86.) gegen das Team ihrer Duisburger Ex-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg den Sieg unter Dach und Fach brachten. „Wir haben zunächst wie in Essen wieder eine mäßige Leistung abgeliefert“, so Duisburgs Trainer Marco Ketelaer. „Im zweiten Durchgang haben wir aber deutlich besser gespielt und zumindest von der Effizienz her überzeugt.“

Erneute Klatsche für Leverkusen
Bayer 04 Leverkusen musste nach der 0:5-Niederlage gegen den 1. FFC Frankfurt auch im zweiten Heimspiel binnen einer Woche eine herbe Schlappe einstecken. Gegen den SC Freiburg setzte es eine 1:5 (0:3)-Niederlage. Kerstin Boschert brachte die Gäste per verwandeltem Foulelfmeter in Führung (5.), Hasret Kayikci erhöhte kurze Zeit später zum 2:0 (10.), ehe sie wenige Minuten später verletzungsbedingt vom Platz musste. Essi Sainio (40.) sorgte noch vor der Pause für die Entscheidung. Den Gastgeberinnen gelang zwar durch Carolin Dej der Anschlusstreffer (59.), doch die Französin Marina Makanza und Julia Zirnstein (90.) machten den Auswärtssieg der Breisgauerinnen perfekt.

Nadine Keßler

Der VfL Wolfsburg ließ in Hamburg nichts anbrennen © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

HSV kann zuhause nicht gewinnen
Der Hamburger SV hat im vierten Heimspiel der Saison seine vierte Heimniederlage kassiert. Gegen den VfL Wolfsburg verloren die Hanseatinnen das Nordderby mit 1:3 (0:1). Nach der Halbzeitführung der Gäste durch Nationalspielerin Martina Müller (6.) keimte bei den Gastgeberinnen nach dem Ausgleich durch die Ex-Potsdamerin Jessica Wich (57.) kurzzeitig Hoffnung auf, doch Lena Goeßling schlug postwendend zurück (58.) und die neuseeländische Nationalspielerin Rebecca Smith stellte in der Nachspielzeit den Endstand her (90.+1).

Essen setzt Höhenflug fort
Die SG Essen-Schönebeck hat ihren Aufwärtstrend fortgesetzt und im siebten Spiel den vierten Sieg gefeiert. Nach dem 1:1 gegen den FCR 2001 Duisburg in der Vorwoche feierte das Team einen ungefährdeten 4:0 (1:0)-Auswärtssieg bei Aufsteiger 1. FC Lok Leipzig. Die Treffer für die Essenerinnen erzielten Charline Hartmann (8.), Linda Dallmann (75.), Jessica Bade (86.) und die eingewechselte Sabrina Bemmelen (88.).

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

54 Kommentare »

  • Lucy sagt:

    Zitat Ballander:
    „das mit der bratwurst finde ich nicht schlimm. der würde ich auch hinterherhecheln und sie verspeisen wollen 😉 ist doch ein witziges bild. man spielt auf die tradition des gastvereins an und schafft so aufmerksamkeit auch bei leuten, die keine ahnung haben, wer oder was jena überhaupt ist.“

    Finde das ja auch ein bisschen lustig, was sich der FCR da ausgedacht hat 🙂

    Aaaaber jetzt überlegt mal, der FFC Frankfurt hätte so ein Plakat entworfen und ausgehängt (so rein theoretisch)… Was da los gewesen wäre in Fußballdeutschland… 😉

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  • Tobias sagt:

    Ich denke, dass es bei den Stadionsprechern sehr unterschiedliche Stile gibt. Ich selbst bevorzuge die eher sachliche Art, die dann im Einzelfall durchaus emotional angereichert werden kann, ohne aber dem Gegner gegenüber unfair oder persönlich zu werden. Inwieweit andere Kollegen hier übers Ziel hinausschießen, kann ich nicht beurteilen.

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  • ballander sagt:

    @ lucy: das stimmt. beim ffc frankfurt hört der spaß auf 😉 nein, im ernst: es kommt ganz auf die gesamtumstände an. man muss schon ein gespür für solche sachen an den tag legen. die grenze zwischen humor und häme ist fließend. aber ein bisschen lockerheit, also so ein plakat mit augenzwinkern, kann uns allen nur gut tun. dann bin ich mal gespannt, was ihr euch ausdenkt, wenn turbine kommt 😉

    @ herrn schulze: das ist ja übel, was der herr da von sich gibt. den würde ich sofort rausschmeißen. das hat nichts mehr mit einer gesunden und fairen rivalität zu tun. das ist ehrverletzende häme. soll sich einen stammtisch suchen. das muss doch den ffc-spielerinnen und den zuschauern auch peinlich sein, wenn ihre konkurrentinnen mit solchen sprüchen konfrontiert sind. da hat jemand nicht verstanden, was es heisst, GASTGEBER zu sein.

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  • Lucy sagt:

    Soweit ich weiß, ist der Töppi fast allen FFC-Fans peinlich mit seinen Sprüchen ! Vielleicht denkt er immer, er wäre noch im TV… 😉

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  • Herr Schulze sagt:

    @FFan: Tatsächlich der Töppi? Danke für den Hinweis, das wusste ich gar nicht.

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  • jochen-or sagt:

    @Lucy 12.00
    Da würden in Fußballdeutschland alle lachen, wenn ein Frankfurter Würstchen auf eine Thüringer Rostbratwurst losgehen würde!

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  • Sheldon sagt:

    Okay, um diese leidige Diskussion mal zu beenden: Man hätte das Ganze recht einfach umgehen können, wenn man einfach mal nicht die Halbzeitstände durchgegeben hätte!

    Gerade beim Fall Duisburg ist nunmal im Moment sehr viel Vorischt geboten, das kann ganz leicht als Häme gedeutet werden:
    Wir sprechen hier von einem Verein, der das gesamte letzte Jahr von allen Seiten mit Füßen getreten wurde, vor allem medial im Internet (ich erinnere auch nur ungern zurück an bestimmte Diskussionen, die noch bis vor kurzem hier geführt wurden).
    Dieser Verein war komplett gespalten und ist infolgedessen personell fast vollständig ausgeblutet! Vor dieser Saison musste man mit einem sehr verkleinerten Kader neu anfangen, fast runderneuert, unglaublich verjüngt, viele Spielerinnen aus der II. Mannschaft mussten aufrücken!

    Und dann rappelt sich dieser Verein mit aller Müh und Not wieder auf, mit einem Trainer, der fast Wunder wirkt, mit einem Personal, dass über sich hinauswächst, mit sehr vielen treuen Fans, die sich nicht von der letzten Saison haben verscheuchen lassen.
    Das ist fantastisch!

    Und dann kommen, sobald es mal einmal 0:0 gegen einen Abstiegskandidaten steht, gleich wieder die Nadelstiche von einem Verein, der sich seit Jahren die Spieler holen kann, die er will, der sein Geld zum Fenster rauswerfen kann, der keinen Erfolg haben muss und die Kohle trotzdem bekommt.

    […]

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  • render sagt:

    @jochen-or,@waiiy, @KateS
    Ich fand Jenny Zietz auch nicht so schlecht am Sonntag, hinten ist sie wieder zentraler und hier kommt ihr kämpferherz ihr zugute, ist nur die frage wie es babett passt. Ich fand das ist noch einen weiteren Versuch wert!
    Ansonsten hat mich das mit den vergebenen Chancen und dem immer über die rechte Seite furchtbarerweise an die letzte Saison erinnert, Patti hatte auch nicht den besten Tag…
    Kann nur besser werden, siehe Viola 🙂

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  • Krissi sagt:

    @jochen-or 23.02 Uhr: der ist gut, ha,ha,ha – hab mir das gerade mal bildlich vorgestellt und musste herzhaft dabei lachen ;-))) – ich denke auch, dass man das Plakat ein bisschen mehr mit Humor nehmen sollte, glaube nicht, dass da „böse Absicht“ von Duisburg hinter steckt.

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  • Lucy sagt:

    @jochen-or
    „Da würden in Fußballdeutschland alle lachen, wenn ein Frankfurter Würstchen auf eine Thüringer Rostbratwurst losgehen würde!“

    Hatte das jetzt gar nicht im Sinne von Frankfurter Würstchen gemeint, sondern rein theoretisch, die Frankfurter hätten einen Löwen als Wappentier 😉

    Ich meine ein „Kampf“ unter Würsten wäre ja langweilig 😀

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  • Krissi sagt:

    @Lucy – sorry, wollte in kein Fettnäpfchen treten – aber ich hatte mir gerade den „Kampf unter Würsten“ sehr lustig vorgestellt *fröhlichglucks*

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  • jochen-or sagt:

    Ein gut gemachtes Plakat mit zwei kampfkräftigen Würstchen (natürlich weiblich!) in den Team-Trikots wäre bei dieser Vorgeschichte doch ein echter Gag.
    Als Metapher für die Überlegenheit des Frankfurters kann die Thüringer ja angebraten sein!

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  • ballander sagt:

    ja, das wäre auch ein gag im stadion wert: ich würde thüringer rostbratwurst und frankfurter anbieten. und dann den verkaufsstand durchgeben. ich bin sicher, die roster würde haushoch gewinnen. sozusagen: stand zur halbzeit 2318 roster zu 1041 frankfurter. hihi… dann können wir wieder über das raunen der fans philosophieren 😉

    ach so: gegen die gute preußische kartoffel des alten fritz in potsdam müssen sich die würste was einfallen lassen…

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  • speedy75 sagt:

    Jetzt wird der Frauenfußball von manchen schon auf „Würstchen“ reduziert oh man wo leben wir nur.
    Wobei man sagen muss die Kartoffel des alten Fritz hat schon was.

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