Chronik 2007 — 2019 8451 Beiträge 513 Transfers145 Vereine 540 Profile
WomenSoccer

2011

Silvia Neid hegt Rücktrittsgedanken

Direkt nach der bitteren 0:1-Niederlage gegen Japan im Viertelfinale der Frauenfußball-WM in Deutschland schloss Bundestrainerin Silvia Neid Konsequenzen noch aus: „Ich verspüre keine Motivationsprobleme.“ Doch nun erbat sich Neid Bedenkzeit und schließt einen Rücktritt nicht mehr aus.

„Ich brauche jetzt erst mal Abstand. Erst wenn ich in ein paar Wochen wieder im Alltag angekommen bin, werde ich mich fragen: Was will ich eigentlich? Kann ich mich für eine EM in zwei Jahren nochmal motivieren? Und dann auch eine Antwort finden“, so Neid im Interview mit Bild Online.

Rückendeckung vom DFB Neid erklärte, es gebe auch außerhalb des Fußballs viele Möglichkeiten und einige Anfragen. Angst vor der Zukunft habe sie nicht. Dass ihr Traineramt nach dem WM-Aus in Frage gestellt wird, hält sie für legitim. „Die Frage kann man stellen. Aber das entscheiden ich und mein Arbeitgeber, der DFB. Und von dem bekomme ich Rückendeckung.“ Die Kritik von Stefan Prinz, dem Vater von Birgit Prinz, sie habe Jung gegen Alt ausgespielt, wies sie als „total absurd“ zurück.

Erwartungsdruck zu hoch Ausschlaggebend für das Ausscheiden sei der Erwartungsdruck gewesen, der „am Ende doch zu groß“ war. „Jede Spielerin wollte das Beste bringen. Aber wenn man immer das Gefühl hat: Ich muss, ich muss, ich muss – dann verliert man seine Leichtigkeit.” Die Spielerinnen hätte man aber auch nicht besser darauf vorbereiten können.

Ausnahmesituation „Wir haben alles getan, seit 2009 einen Psychologen dabei und wirklich viele, viele Gespräche geführt. Aber dann sind 70 000 Fans im Stadion, die Spielerinnen lesen, dass 16 Millionen Menschen vor dem Fernseher saßen, die Menschen jubeln uns auf dem Weg ins Stadion zu – wie will man darauf vorbereitet sein? Diesen Druck, der dann entsteht, kann man nicht kanalisieren“, erklärte Neid.

Keine eigenen Fehler Eigene Fehler könne sie bei sich nicht entdecken. „Ich habe das auch überlegt, aber ich weiß es nicht. Ich bin eine akribische Arbeiterin, habe mich mit meinem Team monatelang auf jedes Detail vorbereitet. Ich muss jetzt alles in Ruhe analysieren.“