Silvia Neid hegt Rücktrittsgedanken

Von am 11. Juli 2011 – 23.39 Uhr 134 Kommentare

Direkt nach der bitteren 0:1-Niederlage gegen Japan im Viertelfinale der Frauenfußball-WM in Deutschland schloss Bundestrainerin Silvia Neid Konsequenzen noch aus: „Ich verspüre keine Motivationsprobleme.“ Doch nun erbat sich Neid Bedenkzeit und schließt einen Rücktritt nicht mehr aus.

„Ich brauche jetzt erst mal Abstand. Erst wenn ich in ein paar Wochen wieder im Alltag angekommen bin, werde ich mich fragen: Was will ich eigentlich? Kann ich mich für eine EM in zwei Jahren nochmal motivieren? Und dann auch eine Antwort finden“, so Neid im Interview mit Bild Online.

Rückendeckung vom DFB
Neid erklärte, es gebe auch außerhalb des Fußballs viele Möglichkeiten und einige Anfragen. Angst vor der Zukunft habe sie nicht. Dass ihr Traineramt nach dem WM-Aus in Frage gestellt wird, hält sie für legitim. „Die Frage kann man stellen. Aber das entscheiden ich und mein Arbeitgeber, der DFB. Und von dem bekomme ich Rückendeckung.“ Die Kritik von Stefan Prinz, dem Vater von Birgit Prinz, sie habe Jung gegen Alt ausgespielt, wies sie als „total absurd“ zurück.

Anzeige
Silvia Neid

Bundestrainerin Silvia Neid erbittet sich Bedenkzeit © Marion Kehren / girlsplay.de

Erwartungsdruck zu hoch
Ausschlaggebend für das Ausscheiden sei der Erwartungsdruck gewesen, der „am Ende doch zu groß“ war. „Jede Spielerin wollte das Beste bringen. Aber wenn man immer das Gefühl hat: Ich muss, ich muss, ich muss – dann verliert man seine Leichtigkeit.“ Die Spielerinnen hätte man aber auch nicht besser darauf vorbereiten können.

Ausnahmesituation
„Wir haben alles getan, seit 2009 einen Psychologen dabei und wirklich viele, viele Gespräche geführt. Aber dann sind 70 000 Fans im Stadion, die Spielerinnen lesen, dass 16 Millionen Menschen vor dem Fernseher saßen, die Menschen jubeln uns auf dem Weg ins Stadion zu – wie will man darauf vorbereitet sein? Diesen Druck, der dann entsteht, kann man nicht kanalisieren“, erklärte Neid.

Keine eigenen Fehler
Eigene Fehler könne sie bei sich nicht entdecken. „Ich habe das auch überlegt, aber ich weiß es nicht. Ich bin eine akribische Arbeiterin, habe mich mit meinem Team monatelang auf jedes Detail vorbereitet. Ich muss jetzt alles in Ruhe analysieren.“

Schlagwörter:

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

134 Kommentare »

  • Winter sagt:

    @ SF und ballander

    Das trifft den Kern sehr genau!

    (0)
  • Doc sagt:

    Hmm…wie lautet eigentlich die dienstliche Mailadresse von 20er? Hätte Lust, dem Mann mal die Sichtweise derer nahe zu bringen, die die FF-Stadien bisher und wohl auch demnächst wieder alleine füllen müssen. Andere als uns wird er nicht haben. Wäre ja ein oberpeinlicher Supergau für den Neid-Festhalter, wenn die Besucherzahlen auch noch SCHRUMPFEN!

    Würde dem wirklich gerne mal ein paar Statements zukommen lassen…von der Basis. Ein Schuss Realität in die Chefetage.
    WIR sind das Frauenfußballvolk! Ohne unsere sonntäglichen Besuche ist er nur ein Verwalter von…NIX‘!

    Vielleicht kriegt er ja auch schon Mails. Da er wohl kaum alle liest, werde ich schon in der Überschrift ’ne klare Aussage machen.

    Dieses Podium hier ist das beste, das wir haben. Jedoch tummelt sich hier wohl keine ausreichende Anzahl DFB-Typen oder Spielerinnen. Insofern sind wir hier, falls wir wirklich ein wenig Einfluss nehmen wollen, leider isoliert. Schade!

    Die Frage nach 20ers Mailadresse war übrigens ernst gemeint! 🙂

    Gruß an alle!

    (0)
  • laasee sagt:

    @beggruen1

    The logic of your statement is valid.

    The issue can only be resolved within the DFB.
    There are many similarities with the issue of Fabio Capello and England MF.
    He had a change of contract before WM 2010, he had big criticim for the preparation for WM, he had big criticism for the bad tactics and bad football at WM.

    After WM, Capello only remained as coach because the financial cost of sacking him would have been massive.
    Players, fans, media etc now have very little confidence in Capello and that is not a healthy environment.

    It is a similar scenario with Frau Neid.
    Capello and Neid both have made great success in football and their success will always remain in the record books.
    However, there comes a moment when it is time to leave.
    For Capello the moment was 2010 and for Neid it is here in 2011.
    If the coach remains then that creates additional problems (confidence, belief etc) and that is the position now with England.

    (0)
  • ballander sagt:

    @doc: ja, dein beitrag von gestern sollte herrn zwanziger sofort auf den tisch! im ernst! versuche es doch mal mit folgende mail-adresse: info@dfb.de ich habe ihm unter dieser mail-adresse meinen unmut über die nichtnominierung einiger turbinen und der wenigen wm-spiele in den neuen ländern übermittelt. und nach vier tagen doch tatsächlich eine antwort erhalten, wenn auch mit keinem überraschenden inhalt und „nur“ unterzeichnet vom persönlichen referenten des herrn zwanziger 😉

    (0)
  • Kampfsemmel sagt:

    Ein Rücktritt wird heute, gerade von angesehnen Persöhnlichkeiten, völlig missverstanden.

    In einem Rücktritt, der nur dann eintreten sollte, wenn die rücktretende Person zweifelt, dass sie die beste Option zur bewältigung dieser Aufgaben ist, steckt immer die Hoffnung, dass eine Weiterentwicklung stattfinden kann.

    Das Neid zweifelt, dass wage ich aus ihren Stellungnahmen herraus zu lesen. Daraus resultiert eigendlich unausweichlich, dass sie das Amt niederlegen sollte.

    Für sie, als Trainerin, bieten sich immer noch viele Optionen, dadurch ist eine einschränkung ihres Lebenswandels vermudlich nicht nötig. Sie verliert natürlich an Prestige – und hier besteht der Knackpunkt.

    Die Eitelkeit heutiger Führungspersonen verbittet ihnen häufig diesen Schritt, sofern nicht öffentlicher Druck ausgeübt wird.

    Dieses ist aber ebenso gefährlich, da er Fehleinschätzungen produzieren kann.

    Ich persönlich denke aber, dass wir in der Nationalmannschaft einen neuen Geist benötigen weil wir seit langer Zeit etwas unstrukturiert auftreten und eine wirkliche (gemeinschaftliche) Spielkultur nicht zu sehen ist.

    Dieser Rücktritt birgt also nicht nur für die Nationalmannschaft Hoffnugn auf Besserung, sondern auch für Neid, die vielleicht in ihrer neuen Aufgabe aufgehen – und ohne vorbelastungen, brilliant arbeiten kann.

    (0)
  • laasee sagt:

    Yes Frau Neid should go but not just as a scapegoat.
    There is a far bigger problem than that.
    The whole identity of FF within the DFB needs to be examined.
    It is not only a DFB issue but also the same with all the other Federations.

    (0)
  • Ballerina sagt:

    Mein Favorit, sollte Frau Neid ihren Posten endlich zur Verfügung stellen und eine Wahl mit der alle Parteien und nicht zuletzt hoffentlich er selbst (wichtig!!!) sich anfreunden könnten, ist Ralf Peter!?

    (0)
  • nike75 sagt:

    So langsam verspielt Frau Neid jeglichen Kredit bei mir:

    https://j.mp/mSsQWk

    Erst macht sie nach dem Spiel Angerer und Popp für das Ausscheiden verantwortlich, jetzt legt sie gegen Prinz nach. Selbstkritik? Fehlanzeige.

    Ich wünschte fast, Prinz wäre etwas anders gestrickt und würde die passende Antwort geben. Wird aber nicht passieren, es sei denn, man reizt sie noch mehr.

    (0)
  • Kampfsemmel sagt:

    Amüsant, dass Neid ihre Kompetenz damit untermauern will, dass sie ja Welttrainerin gewesen wäre.

    Sie erkennt gar nicht, wie wertlos diese Titel gerade im Zusammenhang mit den letzten nominierungen von Spielerinnen betrifft – unsere Weltfußballerinnen oder nominierten sahen nämlich eben so schlecht aus.

    Das ist für alle offensichtlich, genauso ist für jeden offensichtlich, dass für diesen Titel nur Trainer in Frage kommen, die von den starken Vereinen profitieren können und dementsprechend bekannt sind.

    Die Wahl ermöglicht nur eine geringfügige Bewertung der eigendlichen Kompetenz, gerade bei einer Trainerin.

    … sie tut ja gerade so, dass sie den Wahlgewinn allein ihrer Tätigkeit zu verdanken hat, im umkehrschluss ist sie aber zu beschränkt zu erkennen, dass dann auch gelten müsste, dass sie einzig und allein auch für ein Versagen verantwortlich gemacht werden kann.

    Was für eine beschränkte Argumentation.

    (0)
  • Schnappa sagt:

    Das Totschlags- und Pseudoargument „Welttrainerin“ ist ja in den letzten Tagen permanent zu hören gewesen, insbesondere von Seiten des DFB. Dass Frau Neid jetzt selbst darauf verweist macht keinen souveränen Eindruck, erst recht in Verbindung mit unplatzierter und schlecht verpackter Einzelkritik.

    (0)
  • fribu sagt:

    @berggruen1:

    Interessanter Aspekt. Hatte ich in meinen Überlegungen bisher nicht berücksichtigt, aber Du hast Recht: dieser Abwehrmechanismus greift.

    (0)
  • ballander sagt:

    spielerberater weber in der zeit:

    https://j.mp/oYPGbZ

    dieser satz von ihm gefällt mir: „Der Frauenfußball muss im Verband endlich den Status erreichen, dass man ihn kritisieren darf. Immer nur beschützen – so behandelt man Behinderte und Kranke. Diese gönnerhafte patriarchalische Dümmlichkeit hat doch erst zur Stagnation geführt.“

    (0)
  • sodalith7 sagt:

    Die Aussage von Rottenberg gerade beim ZDF finde ich wirklich heftig. „Man braucht so eine lange Vorbereitungszeit, weil das Training in den BuLi-Vereinen zu schwach ist …“
    Wie haben wir das denn dann in den Jahren zufuhr geschafft!!!
    Bei den ganzen Äußerungen der Verantwortlichen in der Presse glaube ich mittlerweile, dass sich wirklich nichts ändern wird.

    (0)
  • Winter sagt:

    @ ballander

    Danke, sehr guter Link!!

    @sodalith7
    Rottenberg quatsch alles vom DFB und von Frankfurt nach, Labertasche!

    (0)