Konzeptloser Kick, taktischer Offenbarungseid

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Man hätte wohl kaum enttäuschender aus der Frauenfußball-WM ausscheiden können, als es die DFB-Elf gegen Japan getan hat. Gegen eine gute, aber keineswegs überragende Mannschaft rannten die deutschen Spielerinnen sang- und klanglos ins Verderben – konzeptlos, ideenlos und ohne jede Kreativität.

„So ist das eben wenn die Nummer zwei der Welt auf die Nummer vier trifft. Da entscheiden Nuancen“, redete sich Bundestrainer Silvia Neid das WM-Aus nach der 0:1-Niederlage gegen Japan schön.

Kein Konzept
Denn trotz einer Torschuss-Statistik von 23:9 zugunsten der deutschen Mannschaft fühlte sich der Sieg der Japanerinnen am Ende nicht unverdient an. Denn die Aktionen der DFB-Elf wirkten über die gesamte Spielzeit eher zufällig, als einem spielstrategischen Konzept geschuldet. Dass das Team im Vorfeld der WM eine dreimonatige Vorbereitung genossen hatte, war auf dem Spielfeld nicht zu bemerken.

Überraschungsmoment fehlt
Die japanische Auswahl war erwartet laufstark und kompakt in der Defensive. Keine echte Überraschung, doch die DFB-Elf über fand über 120 Minuten trotz körperlicher Überlegenheit keine Mittel gegen die Asiatinnen. Immer wieder rannten die DFB-Spielerinnen auf das gegnerische Tor an, doch die spielerischen Mittel fehlten, um mit Überraschungsmomenten oder schnellen Flankenläufen Löcher in die Abwehr zu reißen.

Trauer im deutschen Team
Almuth Schult (li.), Simone Laudehr und Linda Bresonik trauern © Zetbo / Framba.de

Durchschaubares Spiel
Melanie Behringer kämpfte unermüdlich, führte ihre Freistöße aber wie ein Roboter aus, im Mittelfeld vermisste man Akzente, die vielleicht eine Fatmire Bajramaj hätte setzen können, die schon im Spiel um Platz 3 bei Olympia in Peking die Japanerinnen mit zwei Toren in Angst und Schrecken versetzt hatte. Doch ihr blieb ein Einsatz genauso verwehrt, wie etwa Birgit Prinz, die möglicherweise die gegnerische Verteidigungslinie aus dem Gleichgewicht hätte bringen können. Doch die Nummer zwei und Nummer drei der Wahl zur Weltfußballerin des Jahres wurden von der Welttrainerin des Jahres verschmäht.

Keine stimmigen Wechsel
Es wäre zu einfach, die Probleme im deutschen Spiel auf das frühe verletzungsbedingte Aus von Kim Kulig zurückzuführen, die überraschend durch Bianca Schmidt und nicht durch Lena Goeßling ersetzt wurde. Die kam dann erst in der zweiten Halbzeit für Linda Bresonik, die im defensiven Mittelfeld agierten musste, auf einer Position, die sie in der Nationalmannschaft schon lange nicht mehr eingenommen hatte und dennoch bis zu ihrer Auswechslung ordentlich löste. Ein verschenkter Wechsel, denn Goeßling hätte Kulig auch gleich auf der Doppel-Sechs ersetzen können. Auch Alexandra Popp kam viel zu spät, um dem festgefahrenen Spiel noch frische Impulse verleihen zu können.

Unter Wert geschlagen
Darüber hinaus muss sich Silvia Neid ankreiden lassen, Birgit Prinz ein unrühmliches Ende ihrer Karriere verschafft zu haben. Daran können auch die hemdsärmeligen Bestrebungen, Prinz ein Abschiedsspiel zu verschaffen, nichts ändern. „Ich habe mich fit gefühlt, aber die Trainerin hat anders entschieden“, verbarg Prinz nur unverhohlen ihren Unmut. Eine besonders gute Figur machte Neid weder gegen Japan noch zuvor. Was bleibt, ist eine WM, die trotz dreier Siege in vier Spielen einen faden Beigeschmack hinterlässt, denn bei diesem Turnier wäre mehr drin gewesen.

Letzte Aktualisierung am 19.11.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Schenschtschina FutbolistaWinterHolleberggruen1laasee Neueste Kommentartoren
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psychio
psychio

selten spricht mir ein bericht so aus der seele das hab ich schon lange gesagt. lustig ist nur wie ich hier auf dieser seite immer kritisiert wurde wenn ich was gegen frau neid gesagt habe und auf einmal fällt es mehreren auf 🙂

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

Habe diese nüchterne, sachliche und völlig zutreffende Einschätzung eigentlich etwas überraschend, weil doch ungewohnt kritisch für Herrn Juchem, zur Kenntnis genommen! 😉 🙂
Fehlte nur noch die demonstrative Rücktrittsforderung in Richtung Bundestrainerin Frau Neid, als diejenige, die dieses fatale Vorkommnis zu verantworten hat. Die Folgen für unseren geliebten FF haben einen dermassen nachhaltigen Effekt, dass man davon ausgehen muss, dass ein Führungswechsel unvermeidbar erscheint, wenn man die Glaubwürdigkeit an die eigenen Ziele nicht verlieren will!

@psychio
Na, stelle Dich mal nicht so als Einzelkämpfer auf weiter Flur hin, damit tust Du nämlich nicht nur mir Unrecht! 😀

xxfussball-boyxx
xxfussball-boyxx

Irgendwas kann in der Mannschaft nicht gestimmt haben. Es kann doch nicht sein, dass die Weltfussballerinnnen 2 und 3 beide auf der Bank sitzen. Formkrise hin oder her. Entweder man steht zu den beiden oder lässt sie zuhause. Zudem war kein Konzept zu erkennen. Nur lange Bälle (Krahn), wenig bis keine Doppelpässe. Behringer technisch ganz schwach. Ballan- und mitnahme dauert meist viel zu lange. Und das war bereits in den Vorrundenspielen zu erkennen. Tja Fussball besteht halt nicht nur aus Kraft und Ausdauer…

psychio
psychio

@Schenschtschina Futbolista 🙂

stimmt das war ein schnellschuß 🙂

uwe
uwe

ARD Videotext s.818

Zitat: Keine Konsequenzen für Neid.

DFB Präsident Zwanziger: Silvia Neid ist das Beste was wir kriegen können.

S.Neid: Ich verspüre keine Motivatonsprobleme.

ohne Kommentar

jochen-or
jochen-or

Was mich am meisten stört, ist die Tatsache, dass sich weder Silvia Neid noch jemand anderes beim DFB hinstellt und zumindest erklärt, dass man nunmehr in Ruhe die Fehler analysieren müsse, die man in der Vorbereitung gemacht hat. Jeder hat gesehen, dass die Mannschaft nicht in Tritt gekommen ist. Jetzt werden aber Erklärungen wie “ gleichwertiger Gegner“ gesucht, der eben das Quentchen Glück hatte. Der DFB kommt mir vor wie die katholische Kirche – da sind auch der Papst und seine Gehilfen unfehlbar. Schlimm ist nicht das Ausscheiden, sondern schlimm ist die geringe Spielqualität und die Blindheit gegenüber den offensichtlichen… Weiterlesen »

sisyphos
sisyphos

Selbst ein ‚Gefällt mir richtig gut‘ würde völlig unzureichend ausdrücken, was ich beim Lesen Deiner Zeilen empfand, Markus …
Man sollte dies als Pflichtlektüre für den morgigen Tag sämtlichen Entscheidungsträgern und maßgeblichen Personen beim DFB auf den Schreibtisch legen und ihnen dazu verordnen, darüber eine Viertelstunde nachzudenken. Ich wäre gespannt, ob sie es schaffen …

Rainer
Rainer

Ich kann Markus nur zustimmen. Drei Monate intensivster Vorbereitung, ein auch vom DFB erzeugter Hype mit ausgewählten und überwiegend deklassierten Schaukampfgegnern, die problemlos abgefertigt wurden. Vier Testspiele, die den Hype nur noch verstärkten und allgemein die Erwartung, dass Deutschland ins Endspiel spazieren werde, erzeugte. Gegen Kanada, Nigeria und Japan blieb das Neid-Team weit unter dem, was man bei einer WM präsentieren muss, um Gold zu holen. Ich finde übrigens, dass wir selbst beim 4:2 gegen Frankreich nicht so überragend gespielt haben, wie es die Mainstream-Presse beim Bemühen die eigenen Auflagezahlen zu steigern, behauptet hat.Das war eine ordentliche Leistung, aber sie… Weiterlesen »

Michael
Michael

Wie GER bei dieser WM gespielt hat, ist schlicht und einfach eine Schande für den modernen Frauenfußball!

XQ
XQ

Ich glaube, dass das Team Neid/Zwanziger ’ne ganze Menge mehr kaputt gemacht haben, als nur Prinz und den WM-Titel, der übrigens, wenn ich mir so dass Niveau ansehe, eigentlich leichter machbar gewesen wäre als die letzten zwei. Jetzt werden die jubeln, die konsequent gegen FF sind. Eigentlich schade, denn der Imageverlust bringt auch Sponsorenverlust mit sich. Da sollte aber Turbine außen vor sein, denn die Potsdamerinnen sind immerhin auch ein Stück Opfer des Neidschen Klüngels. Eins hat die WM gezeigt, FF funktioniert als Geschäft nicht, Rote Karte für das OK, die staatliche Allianz/Commerzbankabteilung und die Mayer-Vorfelder verkrusteten DFB-Funktionäre. Deren Vorbild… Weiterlesen »

Conny
Conny

100%ige Zustimmung, Markus. Sachlich, kritisch – hervorragender Bericht! Auch mir sprichst Du mit diesen Zeilen aus dem Herzen. Frau Neid hat alles bekommen, was sie wollte. Eine ewig lange Vorbereitungszeit, die BuLi/das CL-Finale wurde als nebensächlich neben diesem WM-Event abgestuft. Wenn für diesen Aufwand dann so ein Ergebnis steht und die Bundestrainerin nicht ansatzweise von Zwanziger/DFB in der Kritik steht, dann weiß ich auch nicht mehr. Es geht dabei nicht darum, dass das Viertelfinale das Ende war, sondern eben, wie Markus in seinem Bericht darstellt, vor allem auch um die Art und Weise. Uns wurde nur ein unterhaltsames Spiel angeboten,… Weiterlesen »

laasee
laasee

I fully agree with this article. The stupidity started in Berlin. Birgit should never have played as a striker. In midfield or as a free role, yes. She still had a lot to offer, because Germany does not have a play maker or creative player. The problem then exploded in the Nigeria game. The player got all the criticism but not the coach. Then against France, Neid includes Inka and one element of the problem is solved. Then it gets crazy again and more changes – 10 of the players that started against Japan also started in the first two… Weiterlesen »

Striker
Striker

Wenn man selbst die Olympiaquali verpasst, was nur das absolute Minimalziel sein konnte (Top 3 in Europa), muss zumindest eine interne knallharte Analyse her. Die kann ja theoretisch durchaus zum Ergebnis haben, dass man keine Änderung für nötig hält. Aber einen Tag später zu sagen „alles ist toll, wir machen weiter so“, ist eine Farce aus dem Märchenwald. Aber es ist ja nur das eingetreten, was Frau Neid befürchtet hat, dann kann man ja zur Tagesordnung übergehen. Ich schlage vor, dass die Bundesligasaison 2014/15 komplett ausfällt und die Teams nicht für die Champions League melden, damit keiner in das Meisterwerk… Weiterlesen »

Rainer
Rainer

Ich will noch ergänzen, dass Deutschland von allen WM-Teilnehmern sicherlich den ausgeglichensten Kader hatte und zum Beispiel gestern gegen Japan mit Fatmire Bajramaj und Birgit Prinz zwei Spielerinnen auf der Bank, die gerade gegen Japan schon das eine oder andere Tor geschossen haben. Von Alexandra Popp hatte ich wesentlich mehr in diesem Turnier erhofft. Von Lira Bajramaj hat man gesagt, sie habe zu viele Termine absolviert und sei dadurch zu stark abgelenkt worden. Da frage ich mich allerdings wieso niemand (Frau Neid?) ein längeres Gespräch mit Lira hatte, um darauf einzuwirken. Selbst Nadine Angerer wird jetzt wohl als beste der… Weiterlesen »

Michele
Michele

Für mich hat diese Niederlage viel mit den Wechseln zutun. Wie kann man eine Linda Bresonik nach einer Stunde auswechseln? Die Freistöße von MelB waren auch schon besser, aber die die gut kamen wurden fahrlässig vergeben. Lira nicht einzuwechseln, war auch keine gute Idee. Sie hätte vielleicht mehr Schwung gebracht.

laasee
laasee

„ARD Videotext s.818

Zitat: Keine Konsequenzen für Neid.

DFB Präsident Zwanziger: Silvia Neid ist das Beste was wir kriegen können.

S.Neid: Ich verspüre keine Motivatonsprobleme.“

Maybe both should be sacked!!

emmi
emmi

https://j.mp/nMo0UJ

Habt ihr das schon gelesen? Wie kann es sein, dass die BT ihrem Jocker Popp Vorwürfe macht?! Unglaublich!!!

Ich finde man müsste echt eine Aktion starten um dem DFB zu symbolisieren, dass die Fans nicht mehr hinter der Trainerin stehen….

laasee
laasee

@emmi

It is embarrassing.

Frau Neid is the only person to blame for this WM debacle.

Karli
Karli

oder das hier:

war auch schwach von Angerer, aber das von der Trainerin geht gar nicht, da war ja Ribbeck souveräner.
Wusste SN eigentlich, dass eine Niederlage mit großer Wahrscheinlickeit die Nichtteilnahme in London bedeutet? Thematisiert wurde es nicht und ist für den FF schlimmer als das jetzige Ausscheiden

uwe
uwe

@emmi
Jemand muss ja Schuld haben und wenn man sich selbst nichts vorzuwerfen hat……
Das S.Neid sich dann ein Mädel raussucht, die gerade mal 16 Länderspiele auf den Buckel hat spricht für sich. Zumal eine Frau Neid in Zukunft auf eine Alex Popp wohl angewiesen ist. Denn so viele junge Stürmerinnen haben wir nun auch wieder nicht.
Für mich ist das Thema S. Neid jedenfalls durch.