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2011

Birgit Prinz nur noch Edeljoker?

Am Dienstag plauderte Bundestrainerin Silvia Neid aus, Kapitänin Birgit Prinz habe sich mental nicht dazu in der Lage gefühlt, gegen Frankreich in der Startformation zu stehen. Nur zwei Tage später sind laut Prinz alle Blockaden gelöst. Doch der Weg zurück in die erste Elf dürfte bei der Frauen-WM verbaut sein.

„Ich habe mich wieder ganz gut sortiert und auch gut trainiert“, erklärte die 214-fache Rekordnationalspielerin am Donnerstag und signalisierte damit, sie nicht zu früh abzuschreiben. „Ich kann die PS wieder auf die Straße bringen“, brachte die 33-Jährige zum Ausdruck, dass sie die vergangenen Tage zur Aufarbeitung und Neu-Fokussierung genutzt hat. “Ich habe mir einfach zu viel Druck gemacht.”

Sitzt Birgit Prinz zurecht nur noch auf der Ersatzbank?

Kein Platz mehr in der Startelf? Doch nach dem 4:2-Erfolg der DFB-Elf gegen die Französinnen in Mönchengladbach ist das eingetreten, was bereits vorher zu befürchten stand: Dass nach einer überzeugenden Leistung ohne Prinz der Weg zurück in die Startformation wohl nur noch führen kann, wenn die Mitspielerinnen patzen. Einmal raus, immer raus – dieses Schicksal droht Prinz nun, die mit der Frauenfußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land ihrer einzigartigen Karriere einen krönenden Abschluss verleihen wollte.

Prinz rechnet mit Ersatzbank Mit einem Einsatz von Beginn an im Viertelfinale gegen Japan am Samstag, 20.45 Uhr (live im ZDF) in Wolfsburg rechnet sie nicht. „Wir haben vier Tore geschossen, und es gäbe wenig Grund, in der Offensive etwas zu ändern“, so ihre Einschätzung. Offenherzig verriet Prinz, dass sie die Kritik an ihrer Person hart getroffen hat. „Natürlich habe ich mich angegriffen gefühlt. In der ersten Emotion habe ich mir sogar gedacht: ‚Warum tue ich mir das überhaupt noch an?‘“ Doch schnell kam der Kampfgeist zurück. „Es war eine Option, den Kopf in den Sand zu stecken, eine andere zu versuchen, aufzustehen und zu schauen, was ich für die Mannschaft tun kann.“

“Hatte was von einer Hetzjagd” In zahlreichen Gesprächen mit Teamkolleginnen und Vertrauen verarbeitete sie die nach ihrer Einschätzung ungerechtfertigte und übertriebene Kritik. „Ich stehe dazu, dass die beiden Spiele nicht gut waren, aber es hatte ein bisschen was von einer Hetzjagd. Aber ich konnte das einordnen, ich weiß ja, wie die Presse funktioniert.“ Bei der Verarbeitung half die Erfahrung, die sie vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft in Finnland gemacht hat, als sie ebenfalls in die Kritik geriet. „Vergleichbar ist das aber nicht, denn diesmal war die Kritik grundsätzlicher und hatte eine andere Dimension.“

Mit der Situation arrangiert Unterstützung erhielt sie von Torhüterin Nadine Angerer: „Wir haben ihr deutlich gemacht, dass sie ein Teil von uns ist und ihre Leit- und Führungsfunktion genauso wichtig ist, wenn sie nicht in der Startformation steht.“ Eine Rolle, an die sich Prinz nun möglicherweise für den Rest der WM gewöhnen muss. „Ich habe mich mit der Situation arrangiert. Natürlich würde ich gerne noch einmal spielen, einen anderen Eindruck hinterlassen und für mich einen positiveren Abschluss finden.“ Doch sollte sie nicht mehr zum Einsatz kommen, will sie ihre Fähigkeiten einbringen und die Mannschaft unterstützen. „Ich habe das dann zu akzeptieren.“