Potsdam erneut im Finale

Von am 17. April 2011 – 16.27 Uhr 42 Kommentare

Der 1. FFC Turbine Potsdam hat zum zweiten Mal in Folge das Endspiel der Champions League erreicht. Der Titelverteidiger setzte sich im Halbfinalrückspiel auf heimischem Platz mit 1:0 gegen den FCR 2001 Duisburg durch. Am Rande der Partie erklärte Fatmire Bajramaj ihren Abschied aus Potsdam.

Das Hinspiel in der vergangenen Woche war 2:2 ausgegangen, die Duisburgerinnen waren also unter Druck – traten aber wenig zwingend auf.

Bresonik in der Viererkette
Auf der linken Abwehrseite des FCR stellte Trainer Marco Ketelaer Linda Bresonik auf, um der starken Yuki Nagasato eine erfahrene Gegenspielerin entgegenzustellen. Auch im Mittelfeld nahm Ketelaer Änderungen im Vergleich zum Hinspiel vor. Auf der linken Seite entschied sich der Trainer für Kozue Ando statt Mandy Islacker.

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Grings und Popp nicht zu sehen
Ando zeigte sich in der Tat recht agil und erspielte für den FCR die erste Chance des Spiels. In der zehnten Minute kam sie an der Grenze des Fünfmeterraums frei zum Schuss, Turbine-Torhüterin Anna Sarholz war allerdings zur Stelle. Trotz dieser ersten Möglichkeit zeigte sich der FCR in der Folgezeit wenig zwingend. Dem Spiel des Titelträgers von 2009 mangelte es an Bewegung und Präzision. Vom Sturmduo Inka Grings und Alexandra Popp war so gut wie nichts zu sehen, beide Akteurinnen konnten sich in der ersten Halbzeit keine Chancen erspielen.

Nagasato trifft zur Führung
Anders die drei Potsdamer Spitzen Anja Mittag, Fatmire Bajramaj und Nagasato. Das Trio wechselte laufend die Positionen und wirkte agiler. In der zwölften Minute traf Nagasato nur den Pfosten. In der 40. Minute machte es die Japanerin besser. Einen Einwurf von Isabel Kerschowski verlängerte Viola Odebrecht zu Nagasato – die Nationalspielerin ließ sich nicht zweimal bitten und netzte zum 1:0 ein.

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Yuki Nagasato hat mit ihrem Treffer die Chance gewahrt, den Champions-League-Pokal auch in diesem Jahr in den Händen halten zu können. (c) Nora Kruse, ff-archiv.de

Duisburg kann nicht zulegen
Die Duisburgerinnen hatten bereits im Hinspiel zweimal einen Rückstand aufgeholt, und Ketelaer zeigte sich in der Halbzeitpause noch optimistisch, dass dies auch im Karl-Liebknecht-Station gelingen würde. Doch obwohl der FCR zur zweiten Halbzeit noch stärker unter Zugzwang geriet, konnten die Gäste nicht zulegen. „Uns hat der letzte Wille gefehlt“, haderte Popp mit der Leistung ihres FCR. Stattdessen erspielten sich die Potsdamerinnen ab der 60. Minute ein klares Übergewicht auf dem Feld.

Potsdam mit schwachem Abschluss
Die letzte halbe Stunde gehörte den Gastgeberinnen, die sich eine Vielzahl von Chancen erarbeiten konnten –  aber die Verwertung ließ zu wünschen übrig. Zunächst vergab Mittag (66.), als sie direkt in die Arme von FCR-Torhüterin Christina Bellinghoven schoss. Nur eine Minute später konnte Isabel Kerschowski eine Flanke von Bajramaj nicht verwerten. Bellinghoven verhinderte in der Folgezeit einen höheren Rückstand des FCR. Bajramaj scheiterte in der 70. Minute an der Schlussfrau, die den Ball allerdings nicht festhalten konnte. Beim Nachschuss von Viola Odebrecht behielt sie allerdings erneut die Oberhand.

Von Duisburg war nichts mehr zu sehen, ein geordnetes Aufbauspiel fand nicht statt – ebenso wie Angriffe über die Außen. Einzig Bellinghoven konnte sich noch mehrfach auszeichnen. In der 73. Und 86. Minute blieb sie erneut Siegerin gegen Bajramaj.

Neuauflage gegen Lyon
Im Finale trifft Potsdam am 26. Mai in London auf Olympique Lyonnias. Damit kommt es zu einer Neuauflage des Endspiels von vor einem Jahr. Damals blieben die „Torbienen“ im Elfmeterschießen die Oberhand. Und Sarholz ist sich auch in diesem Jahr sicher: „Wir gewinnen.“

Bajramaj verlässt Potsdam
„Das war mein letztes Heimspiel“, erklärte Bajramaj nach der Partie. Die Nationalspielerin machte den langen Spekulationen um ihre Zukunft ein Ende. Morgen soll ihr Wechsel zum 1. FFC Frankfurt offiziell verkündet werden.

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42 Kommentare »

  • laasee sagt:

    2,400 fans saw that SiDi was there and quickly went back home.

    (0)
  • FFFan sagt:

    Nachdem ich nun endlich Zeit gefunden habe, das Spiel nochmals komplett zu sehen, folgt hier die Spiel-Analyse:

    Gezwungenermaßen krempelte Turbine-Coach Schröder seine Abwehr um: Wesely ersetzte die gesperrte Schmidt, für Henning (Steißbeinprellung) rückte Kemme eine Position nach hinten, auf der linken Außenbahn erhielt dafür C.Schröder eine neue Chance; Odebrecht kehrte auf ihre angestammte Position im zentralen Mittelfeld zurück – eine Maßnahme, die sich auszahlen sollte, denn die Ex-Nationalspielerin sorgte für viel Schwung nach vorne und stieß gelegentlich sogar selbst gefährlich in die Spitze.
    Auch Duisburgs Trainer Ketelaer würfelte sein Team im Vergleich zum Hinspiel durcheinander: Nach Ablauf ihrer Sperre rückte Laudehr ins Mittelfeld auf die Position von Bresonik, die diesmal hinten links aufgestellt wurde. Dadurch rückten Fuss in die Innenverteidigung und Wensing auf die rechte Abwehrseite. Himmighofen musste ebenso wie Nationalspielerin Krahn auf der Bank Platz nehmen. Außerdem wurde im linken Mittelfeld Islacker durch Ando ersetzt.

    Taktisch vertraute Potsdam auf sein bewährtes System mit Dreierkette in der Abwehr und drei Sturmspitzen, die ständig die Positionen tauschten. Die Gäste setzten dem ein flexibles 4-4-2 entgegen, bei dem im Mittelfeld Laudehr die defensiven Aufgaben übernehmen und Maes den Rücken freihalten sollte. Auf den Außenbahnen sollten Oster und Ando mit nach vorne rücken, um die Stürmerinnen Grings und Popp von der Grundlinie mit Vorlagen zu ‚füttern‘.

    Durch das Hinspielergebnis in Zugzwang, ergriff der FCR in der Anfangsphase die Initiative und riss einige Lücken in den Potsdamer Abwehrverbund. Dabei zeichnete sich besonders die emsige Ando aus, die mit ihren Schüssen aber an Sarholz scheiterte (10./18.) Allerdings hatte Duisburg von Beginn an Probleme im Spielaufbau: die Angriffe wurden zu behäbig vorgetragen, wofür vor allem Fuss verantwortlich war, die oft den Ball zu lange hielt; ihr fehlten aber auch die Anspielstationen, weil sich aus dem Mittelfeld niemand anbot. A propos Mittelfeld: hier war Maes einmal mehr nahezu ein Totalausfall und Laudehr nur unwesentlich besser. Dadurch hingen die Spitzen Grings und Popp in der Luft, schienen aber auch schnell die Lust zu verlieren.
    Spätestens ab Mitte der ersten Halbzeit hatte der Titelverteidiger das Spiel im Griff und kam seinerseits zu Torchancen, die Zietz(28.), Odebrecht(29.) und Nagasato(33.) zunächst noch vergaben. In der 40.Minute war es dann aber soweit: Einwurf I.Kerschowski, Odebrecht Kopfballsieger gegen Laudehr und Nagasato handlungsschneller als Wensing – 1:0!
    Nach der Pause (M.Kerschowski kam für die indisponierte C.Schröder) machte Potsdam den Raum sehr eng, zog sich teilweise weit zurück und schuf meist Überzahl in Ballnähe. Nach Balleroberung schalteten sie blitzschnell um und schwärmten aus. Im Abschluss aber fehlte die Konzentration: Mittag(66./71.), Bajramaj(70./73.) und Odebrecht(70.) verpassten die Vorentscheidung.
    Mit der Hereinnahme von Knaak und Weichelt (für Maes und Oster) setzte Duisburg in der Schlussphase auf totale Offensive (was blieb ihnen angesichts des Spielstands auch anderes übrig?), schaffte es aber in der gesamten 2.Halbzeit nicht, gegen die nun äußerst souveräne Turbine-Deckung auch nur eine einzige klare Torchance herauszuspielen. Stattdessen wurden sie mehrfach klassisch ausgekontert und konnten sich am Ende bei Bellinghoven, die gegen Bajramaj(87., nach mustergültigem Zuspiel von Mittag) und Nagasato(90.+1.) bravourös parierte, bedanken, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel.

    Fazit: Turbine Potsdam, nicht einmal in Bestbesetzung, verdiente sich durch eine kämpferisch starke und taktisch kluge Leistung den Sieg (und den Finaleinzug) gegen zahnlose ‚Löwinnen‘, die spielerisch vieles schuldig blieben.

    Einzelkritik:

    TP: Sarholz (2) – Wesely (3), Peter (2), Kemme (2,5) – I.Kerschowski (3), Odebrecht (3), Zietz (4), C.Schröder (4,5) – Bajramaj (3), Mittag (2,5), Nagasato (1,5)

    46. M.Kerschowski (3,5) für C.Schröder

    FCR: Bellinghoven (3) – Wensing (4), Kiesel (3,5), Fuss (4), Bresonik (3) – Oster (3,5), Laudehr (4,5), Maes (5), Ando (2,5) – Grings (4), Popp (4)

    59. Knaak (4,5) für Maes
    70. Weichelt (-) für Oster

    SR: Kirsi Heikkinen (Finnland), Note 2, leitete die Partie unauffällig und souverän.

    SdS: Yuki Nagasato (Turbine Potsdam), die Japanerin absolvierte ein riesiges Laufpensum, setzte Duisburgs Abwehrspielerinnen schon an deren Strafraum durch engagiertes Pressing unter Druck, und bescherte ihrer Mannschaft durch ihren Treffer den Sieg.

    (c) FFFan

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