Duisburg gegen Potsdam: Duell der Wundertüten

Von am 8. April 2011 – 7.57 Uhr 23 Kommentare

Am Samstag, 9. April, 15.25 Uhr (live in WDR und RBB), steigt das Halbfinalhinspiel in der Champions League zwischen dem FCR 2001 Duisburg und dem 1. FFC Turbine Potsdam. Die Leistungen beider Teams waren in der Saison schwankend, die Tagesform dürfte entscheiden. Und es gilt, für 90 Minuten die Unruhe hinter den Kulissen aus den Köpfen zu bekommen.

Für die Gastgeberinnen hat die Partie richtungsweisenden Charakter. Denn vor allem vom Fortkommen in der Königsklasse wird abhängen, wie viele Spielerinnen der Verein für die kommende Saison wird halten können.

200 000 Euro bei Finaleinzug sicher
Bereits der Finaleinzug wird mit 200 000 Euro versüßt, was den finanziellen Spielraum deutlich vergrößern würde, im Falle eines Champions-League-Siegs bekäme man sogar 250 000 Euro, so dass der personelle Aderlass zur kommenden Saison etwas geringer ausfallen könnte. Doch auch beim Titelverteidiger herrscht Unruhe hinter den Kulissen, vor allem ob der hartnäckigen Wechselgerüchte, dass Fatmire Bajramaj ab der kommenden Saison am Main ihre Fußballschuhe schnüren wird. Der umworbenen Nationalspielerin liegt ein lukratives Angebot vor.

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Gute Ausgangsposition schaffen
Für beide Teams gilt es, sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel acht Tage später zu verschaffen. „Es wird eine schwere Partie“, weiß Turbine-Trainer Bernd Schröder, dass angeschlagene Gegner oft am unangenehmsten zu spielen sind. Bereits in der vergangenen Saison trafen beide Teams im Halbfinale aufeinander, damals mit dem glücklicheren Ende für die Potsdamerinnen.

Tagesform entscheidet
„Das Glück vom Vorjahr hat man nicht zweimal“, glaubt Schröder, dessen Team sich zwar zum dritten Mal in Folge den deutschen Meistertitel sicherte, sich im DFB-Pokalfinale aber dem 1. FFC Frankfurt geschlagen geben musste. „Die Tagesform ist entscheidend, wir wollen ein gutes Resultat erspielen und ohne Gegentor bleiben“, meint Schröder und deutet damit an, dass sein Team in dieser Saison eine Wundertüte ist. Mal zeigt seine Elf starke Leistungen wie beim 6:2-Viertelfinalsieg gegen den FCF Juvisy, mal tut sie sich in Spielen gegen vermeintlich schwächere Gegner schwer. „Wir wissen nicht, wo wir stehen“, so Schröders Fazit.

Grings: „Das ist ein 50:50-Spiel“
Auch Duisburgs Kapitänin Inka Grings glaubt:„Keine Mannschaft ist besser als die andere. Das ist ein 50:50-Spiel, bei dem auch die Tagesform entscheidet.“ Doch auch bei den Duisburgerinnen, die auf die gelbgesperrte Simone Laudehr und weiter auf die verletzte Torhüterin Uschi Holl verzichten müssen, war die Saison von Hochs und Tiefs geprägt, guten Leistungen wie bei der knappen 0:1-Niederlage in Potsdam in der Bundesliga folgten schlechte Spiele wie beim 0:3 im Viertelfinale des DFB-Pokals beim FC Bayern München. Und Linda Bresonik gibt sich kämpferisch: „Fakt ist, dass wir noch eine Rechnung mit Turbine offen haben, wegen der Champions League, aber auch wegen der Saisonspiele, in denen wir nur einen Punkt geholt haben; deshalb haben wir uns ganz klar vorgenommen: Diesmal hauen wir Potsdam weg!“

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Alexandra Popp (re.)

Babett Peter (li.) und Alexandra Popp sind nur zwei von vielen Nationalspielerinnen, die im Halbfinale auf einandertreffen © Frank Scheuring / girlsplay.de

Vorweggenommenes Finale
Bundestrainerin Silvia Neid bereut, dass die beiden Teams bereits im Halbfinale aufeinandertreffen und nicht das Finale der Champions League bestreiten, das am 26. Mai in London stattfinden wird. „So ist das nun einmal mit Auslosungen.“ Doch sie ist sich fast sicher, dass am Ende wieder ein deutsches Team die Trophäe in Händen halten wird. „Bisher hatte ich nicht den Eindruck, dass irgendeine andere Mannschaft diesen beiden Mannschaften das Wasser reichen kann.“

Bajramaj in Topform, Duisburg im Pech
„Potsdam hat in Lira Bajramaj eine super Spielerin, die im Moment in einer richtig guten Form ist. Auch die jüngeren Spielerinnen haben Fuß gefasst“, äußert sich Neid positiv zur Entwicklung in Potsdam. Und auch Duisburg schätzt sie stark ein, obwohl das Team nur Dritter in der Meisterschaft wurde. „In Duisburg ist es ähnlich. Es ist ein bisschen schade, dass sie einige verletzte Spielerinnen hatten und dass auch Uschi Holl im Moment nicht das Tor hütet, aber ich glaube trotzdem, dass sie sich gut entwickelt haben im letzten Jahr und auch jüngere Spielerinnen integriert haben.“

Großes Interesse, Live-Übertragung im TV
Fast 3 000 Tickets wurden im Vorverkauf trotz Topzuschlags für die Partie im PCC-Stadion abgesetzt, Duisburgs Trainer Marco Ketelaer verspricht: „Alle sind extrem konzentriert bei der Arbeit, alle wollen unbedingt nach London ins Endspiel. Wir versprechen den Fans, alles dafür zu tun.“ Die Partie wird in den dritten Programmen von WDR und RBB live übertragen, das Rückspiel am Sonntag, 17. April, wird dann ab 14 Uhr sogar live im ZDF zu sehen sein.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

23 Kommentare »

  • Sven sagt:

    Duell der Viererketten: „Wensing, Oster, Kiesel, Grings“ vs. „Peter, Kerschowski I., Henning, Bajramaj“ …

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  • Webcam sagt:

    Mein Tipp: Am Ende gewinnt auf jeden Fall Potsdam, wie immer zuletzt in den wichtigen Duellen mit Glück, zumal Duisburg wieder seine Chancen nicht nutzen wird …

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  • Webcam sagt:

    15.43 h und es läuft schon ganz wie ich angekündigt habe 😉

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