Duisburgs Knaller lässt Frankfurts Harmonie bröckeln
14 Siege in Folge, Neuverpflichtungen und Vertragsverlängerungen – beim 1. FFC Frankfurt herrschte vor dem Topspiel gegen den FCR 2001 Duisburg eitel Sonnenschein. Doch die überraschende 0:1-Niederlage verhagelte den Frankfurterinnen die gute Laune, in Duisburg wittert man hingegen wieder Morgenluft im Titelrennen.
Der Siegtreffer von Inka Grings in der 71. Minute traf die Frankfurterinnen im Mark und hinterließ sichtlich Spuren. Dzsenifer Marozsán schlich mit unbewegter Miene und hängenden Schultern durch den Frankfurter VIP-Raum, Conny Pohlers stichelte in Richtung Trainer Sven Kahlert und Melanie Behringer erntete öffentliche Kritik – die Harmonie der vergangenen Monate war mit einem Schlag dahin, das Nervenkostüm angekratzt.
Dabei schien das Team in der ersten Halbzeit unter den Augen von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, WM-OK-Chefin Steffi Jones und Bundestrainerin Silvia Neid bei strahlendem Sonnenschein zunächst an die guten Leistungen vor der winterlichen Zwangspause anknüpfen zu können.
Faire Angerer, angesäuerte Pohlers „Da hat man gesehen, dass wir besser Fußball spielen können“, so Torhüterin Nadine Angerer. Doch die taktischen Umstellungen im Duisburger Team brachten Frankfurt sichtlich außer Tritt, erst in der Schlussphase kam mit der eingewechselten Conny Pohlers noch einmal Schwung ins Offensivspiel.
Doch Duisburgs starke Torhüterin Christina Bellinghoven erwies sich als Fels in der Brandung und machte die wenigen hochkarätigen Chancen allesamt zunichte. „Der Sieg der Duisburgerinnen geht schon in Ordnung“, so Angerers Fazit. Eine sichtlich angesäuerte Pohlers kommentierte ihre späte Einwechslung süffisant:„Auch als Joker braucht man eine gewisse Zeit, um ins Spiel zu finden.”
Öffentliche Schelte für Behringer Auch Trainer Sven Kahlert hielt mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg. In der Pressekonferenz kommentierte er die Leistung der in Hörweite stehenden Melanie Behringer auf Anfrage unverblümt als „nicht gut“. Was den Frankfurterinnen blieb, war die Erkenntnis, dass gute Leistungen im Training und Testspielsiege wie das 4:2 gegen Zvezda-2005 im Trainingslager in der Türkei kein tauglicher Gradmesser für den Bundesliga-Alltag sind. Hinzu kamen die Oberschenkelprobleme bei Birgit Prinz, die unter Woche zwei Trainingseinheiten hatte auslassen müssen und deswegen auch gegen Pohlers ausgewechselt wurde.
Grings: „Enorm wichtiger Sieg“ Den erfolgreichen Duisburgerinnen konnte all dies egal sein, sie schienen ihr Glück direkt nach Schlusspfiff noch gar nicht so recht fassen zu können. „Es war ein glücklicher Sieg und ein harter Kampf, denn Frankfurt hat richtig gut gespielt. Aber man muss auch mal solche Spiele gewinnen. Es war enorm wichtig, dass wir uns als Team die drei Punkte erarbeitet und den Anschluss gehalten haben“, so Torschützin Inka Grings, die nach einem schnell ausgeführten Freistoß von Sonja Fuss einen Stellungsfehler von Gina Lewandowski eiskalt ausnutzte. „Das war toll von Sonja herausgespielt und ich habe gesehen, dass die Frankfurter Defensive unaufmerksam war.“
Duisburg siegt mit neuer Taktik Die taktische Umstellung von einer 4-1-4-1 auf eine 4-4-2-Formation in der zweiten Halbzeit erwies sich für die Duisburgerinnen als entscheidende Maßnahme. „Ich weiß nicht, ob das eine taktische Meisterleistung war“, meinte Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg lachend. „Heute wäre ein Remis sicherlich das gerechte Ergebnis gewesen.“
Knaller macht Titelkampf spannend Linda Bresonik glaubt, dass der Sieg die Initialzündung für die nächsten Wochen war. „Das war der Knaller, den es gebraucht hat. Wenn wir heute nicht gewonnen hätten, wäre es für uns schwer geworden, was die Champions-League-Teilnahme betrifft. In zwei Wochen werden wir wissen, wo wir stehen.“
Duisburg hat es nun in der Hand, mit einem weiteren Sieg am kommenden Sonntag Spitzenreiter 1. FFC Turbine Potsdam zu überflügeln. Für Frankfurt ist die gute Ausgangsposition im Kampf um die deutsche Meisterschaft nach der Niederlage erst einmal dahin. Der Titel und die Champions-League-Startplätze dürften bis zum letzten Spieltag heiß umkämpft bleiben.