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2010

1. FFC Frankfurt: Das Imperium schlägt zurück

Nach zwei mageren Jahren hat der 1. FFC Frankfurt erstmals wieder die Tabellenspitze der Bundesliga erklommen und sich mit dem klaren 4:1-Sieg gegen Meister 1. FFC Turbine Potsdam nicht nur neuen Respekt verschafft, sondern sich endgültig in der Beletage des deutschen Frauenfußballs zurückgemeldet.

„Das ist schon ein besonderer Moment“, freute sich Frankfurts Trainer Sven Kahlert, der sich aber der Euphorie des Moments nicht vollends hingeben wollte: „Abgerechnet wird nach 22 Spielen.“

Prinz und Garefrekes bärenstark Denn trotz der starken Leistung seines Teams, in dem routinierte Spielerinnen wie Birgit Prinz oder die von einer Knieprellung wiedergenesene Kerstin Garefrekes den Spaß am Fußballspielen neu entdeckt haben und auch junge Kräfte wie U20-Weltmeisterin Dzsenifer Marozsan überzeugten, fiel der Sieg ein wenig zu hoch aus. Frankfurt hatte in den fünf Minuten vor der Pause eine kritische Phase zu überstehen und musste zufrieden sein, nicht mit einem Rückstand in die zweite Halbzeit zu gehen.

Frankfurt wackelt, aber fällt nicht Nach dem Ausgleich von Nadine Keßler , die einen Fehler von Gina Lewandowski gnadenlos bestrafte, hatten sowohl Fatmire Bajramaj als auch Anja Mittag gegen kurzzeitig indisponierte Frankfurterinnen die Führung auf dem Fuß, doch beide ließen beste Chancen aus. „Da hätten wir uns nicht beschweren dürfen, wenn wir mit einem 1:2 oder 1:3 in die Pause gegangen wären“, räumte Kahlert ein. Doch in der zweiten Halbzeit spielte Frankfurt seine ganze Routine und Klasse aus und ließ dem Gegner, allem voran dem gegnerischen Mittelfeld, auch dank großer physischer Präsenz nur wenig Luft zum Atmen.

Vom Jäger zum Gejagten „Unser Team ist körperlich in einem guten Zustand“, so Kahlert. Gespannt sein darf man allerdings, wie der 1. FFC Frankfurt nun in den kommenden Wochen mental mit der neuen Situation umgeht. „Wir waren Jäger, doch jetzt sind wir die Gejagten.“ Begünstigt wurde der Frankfurter Erfolg auch durch einige fragwürdige taktische Maßnahmen auf Seiten des Meisters.

Torhüter-Rotation geht nach hinten los So musste sich Turbine-Trainer Bernd Schröder zähneknirschend eingestehen, sich in der Wahl seiner Torhüterin an diesem Tag verzockt zu haben. „Schumann war unter der Woche im Training wesentlich besser“, versuchte der 68-Jährige zu rechtfertigen, warum er ihr überraschend den Vorzug vor Anna Felicitas Sarholz gegeben hatte. Doch er räumte ein: „Es sind Tore in einer Zone gefallen, wo Sarholz vielleicht gestanden hätte und sich andere nicht ran getraut hätten. Aber Schumann hat das Vertrauen gehabt, auch wenn es nicht so gelaufen ist.“ Das permanente Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel hat inzwischen bei beiden Torhüterinnen Spuren hinterlassen und wird auf Dauer wohl nicht den gewünschten Erfolg zeitigen.

Taktik geht nicht auf Die Entscheidung, die nervenstarke Sarholz auf die Bank zu verbannen, erwies sich an diesem Nachmittag als Bumerang. Denn Schumann hielt zwar in der ersten Halbzeit einige Male glänzend, leistete sich aber neben anderen Schnitzern unter anderem den Fauxpas den Eckball zu unterlaufen, der zum vorentscheidenden 1:3 führte. Schwer nachzuvollziehen war auch, warum Bajramaj vom linken auf den rechten Flügel wechselte, obwohl sie in der Anfangsphase Frankfurts Außenverteidigerin Meike Weber schier schwindlig spielte. „Unsere Spielerinnen spielen nicht positionsgebunden“, versuchte Schröder die Rochade auf die andere Seite zu verteidigen.

Potsdam zu grün hinter den Ohren Schröder gratulierte Frankfurt zum verdienten Sieg und erklärte: „Wir haben in der zweiten Halbzeit zu viele individuelle Fehler gemacht, die durch die routinierten Frankfurter Spielerinnen provoziert wurden, das muss man anerkennen. Daran sieht man, dass wir noch etwas grün sind. Wir haben uns zu weit zurückdrängen lassen und unser Mittelfeld war nicht mehr präsent genug.“ Doch eine Entscheidung in der Meisterschaft ist noch lange nicht gefallen. „Man hat gesehen, welches Potenzial beide Teams haben“, so Schröder.

Dietrich: “Liga ist attraktiver geworden” FFC-Manager Siegfried Dietrich durfte sich darüber freuen, dass sein Team durch den Sieg einer Teilnahme an der Champions League in der kommenden Saison einen gewaltigen Schritt nähergekommen ist. Und auch im Sinne der Liga zog er ein positives Fazit: „Die Bundesliga ist heute ein Stückchen spannender geworden. Es ist schön, dass da vorne auch noch zwei, drei andere Teams mitspielen, dadurch ist die Liga attraktiver geworden.“

Tore aus der Konserve kein Grund zum Ärgernis Und er ließ sich auch nicht dadurch die Laune verderben, dass die Liveübertragung des Spitzenspiels durch Schaltungen zur Ankunft von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel unterbrochen wurde, die Tore der ersten Halbzeit gar nur als Konserve nachgereicht wurden. „Es ist ein Glück, dass sich der HR für diese Liveübertragung entschieden hat. Ich habe Verständnis für diese Entscheidung, es wird nicht jeden Tag jemand Weltmeister. Man wird trotzdem alle Emotionen des Spiels gesehen haben und ich denke, vielleicht hat auch mancher Formel-1-Fan Spaß am Frauenfußball gewonnen.“