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2010

Team und Publikum noch nicht in WM-Form

Der Sieg gegen Australien fiel mit 2:1 denkbar knapp aus. Das lag vor allem daran, dass sich die DFB-Elf im Aufbau, Abschluss und in der Abwehr noch nicht in WM-Form präsentierte. Noch fehlten die letzte Genauigkeit und Konzentration, doch Thema des Tages war ein anderes.

Der Zuschauerzuspruch in Wolfsburg war wie die Leistung der DFB-Elf noch nicht WM-reif und sorgte für lange Gesichter.

Nur enttäuschende 7 229 Zuschauer verloren sich am Donnerstagabend in der Volkswagen Arena, wo im kommenden Jahr drei WM-Vorrundenpartien und ein Viertelfinale ausgetragen werden. Weniger Zuschauer registrierte man zuletzt im August 2007 beim 5:0-Sieg gegen die Tschechische Republik in Gera, als nicht einmal 5 000 Zuschauer den Weg ins Stadion fanden. Zumindest an den heimischen TV-Schirmen fand das Spiel ordentlich Beachtung , 3,53 Millionen Zuschauer verfolgten die Partie im Schnitt, das entspricht einem Marktanteil von 13,9 Prozent.

Wolfsburg keine Fußball-Hochburg Während die einen die hohen Ticketpreise bis zu 35 Euro für den mangelnden Zulauf verantwortlich machten, versuchte Teammanagerin Doris Fitschen zu beschwichtigen: „An den Preisen liegt es nicht, die waren in Dresden nicht anders und dort kamen über 20 000. Es gibt halt Fußball-Hochburgen, wo die Stadien immer voll sind und andere, wo das nicht der Fall ist.“ Bleibt zu hoffen, dass man in Niedersachsen bis zur WM die Begeisterung für den Frauenfußball noch steigern kann. Die deutsche Mannschaft passte sich in ihrer Leistung dem Zuschauerzuspruch an.

Neid: “Das Ergebnis hat gezählt” Ihr mangelte es in der temporeichen Partie gegen die athletischen und technisch versierten Australierinnen an der letzten Präzision im Spielaufbau und an der nötigen Konzentration im Abschluss vor dem Tor. Bundestrainerin Silvia Neid zog dennoch ein positives Fazit: „In erster Linie hat das Ergebnis gezählt, denn wir wollen die Spiele in diesem Jahr angehen wie WM-Qualifikationsspiele. Insgesamt haben alle ein gutes Länderspiel gemacht.“ Das Spiel lieferte einen Vorgeschmack darauf, wie sich die meisten Gegner der deutschen Elf auch bei der WM präsentieren werden – aus einer kompakten Abwehr mit gelegentlichen schnellen Vorstößen.

Innenverteidigung als Achillesferse Über die größte Problemstelle in ihrem Team hüllte Neid den Mantel des Schweigens. Einmal mehr entpuppte sich die Innenverteidigung als der schwächste deutsche Mannschaftsteil. Schmerzlich vermisst wurde die auf der Tribüne zuschauende Annike Krahn, die wegen eines Kreuzbandrisses eine längere Pause einlegen muss. Der DFB-Elf fehlt die Abwehrchefin, eine die mit klaren Kommandos die Viererkette zusammenhält. Saskia Bartusiak und Lena Goeßling gelang es nicht, Ruhe und Abgeklärtheit auszustrahlen, Babett Peter hatte offensiv gute Momente, wirkte in der Defensive anders als gewohnt aber ebenfalls nicht sattelfest.

Australien mit zu vielen Freiheiten Ein fataler Fehlpass in der Vorwärtsbewegung von Sonja Fuss leitete den Gegentreffer ein. Bartusiak und Peter ließen die gerade erst 17 Jahre alt gewordene Samantha Kerr in der Schnittstelle entwischen, die einen langen Ball von Collette McCallum aufnahm und den Ball eiskalt über Uschi Holl hinweg ins Netz setzte. Und auch in der zweiten Halbzeit hatten die Australierinnen gute Chancen auf weitere Treffer, etwa bei einem Kopfball von Kathryn Gill oder einem Schuss von Sally Shipard.

Grings und Müller drehen Partie Doch zumindest auf die Treffsicherheit von Inka Grings war Verlass, die noch vor der Pause für den schnellen Ausgleich sorgte, kurz darauf aber eine hundertprozentige Torchance nicht verwerten konnte. Und so war es der eingewechselten Lokalmatadorin Martina Müller vorbehalten, den Siegtreffer zu erzielen. „Sie hat sich im Spiel sofort zurechtgefunden und man hat gemerkt, dass sie sich viel vorgenommen hatte”, so das Extralob von Neid. Nach der WM-Auslosung am 29. November werden Neid und ihre Schützlinge die Gruppengegner kennen. Dann beginnt bereits die heiße Pahse der Vorbereitung. „Dann können wir die Gegner besuchen, sie analysieren und unsere Trainingsinhalte planen.“

Sermanni freut sich über großartige Erfahrung Australiens Trainer Tom Sermanni konnte dem Spiel seiner Elf ebenfalls viel Positives abgewinnen. “Es war eine großartige Erfahrung für uns, gegen das beste Team und die besten Spielerinnen antreten zu können. Ich bin sehr zufrieden mit dem Einsatz und der Hingabe meiner Spielerinnen.“

Doch er räumte auch ein, dass auf ihn und sein Team noch eine Menge Arbeit wartet. „Man hat gesehen, dass zwischen uns und den Deutschen noch eine große Lücke ist. Aber ich hoffe, dass wir die bis zur Weltmeisterschaft schließen können. Unsere Liga endet im Januar, ab Februar werden wir mit dem Nationalteam regelmäßig arbeiten können; bis zur Weltmeisterschaft mindestens zehn Tage in jedem Monat.“