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2010

Duisburg beweist Moral, Aufsteiger zeigen Zähne

Trikotwechsel, Stutzentausch und ein Kreuzbandriss von Mirte Roelvink – der FCR 2001 Duisburg ließ sich beim FC Bayern München durch nichts aus der Bahn werfen. Am Ende gingen die Punkte dank Kampfgeist und Cleverness nach Duisburg. Eine Kampfansage an die Konkurrenten im Titelrennen, die erste Zeichen von Schwäche zeigten, während die Aufsteiger ein kräftiges Lebenszeichen von sich gaben.

„Dieses Spiel war für den Kopf sehr wichtig, das gibt Mut für die nächsten Wochen“, so das positive Fazit von Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg nach dem hart erkämpften 4:2-Erfolg. Dabei schien sich an diesem Tag zunächst alles gegen Duisburg verschworen zu haben. Vor dem Spiel hatte Schiedsrichterin Anja Kunick die orangefarbenen Auswärtstrikots wegen zu großer farblicher Nähe zur Heimmannschaft untersagt und ordnete zudem einen Stutzenwechsel an, so dass die Spielerinnen im Trikot der zweiten Mannschaft auflaufen mussten, da kein zweiter Trikotsatz vorhanden war.

Duisburg mit Biss und Cleverness Doch an den ungewohnten Rückennummern lag es nicht, dass die Duisburger Abwehr in der ersten Halbzeit ein ums andere Mal ins Schwimmen geriet, wie etwa beim Kopfballtor von Petra Wimbersky, dem Treffer der starken Isabell Bachor und zahlreichen Standardsituationen. Doch nachdem Roelvink nach einer guten Stunde schwer verletzt vom Platz musste, ging noch einmal ein Ruck durch die Duisburger Reihen. Die sonst unauffällige Femke Maes lieferte Sekunden später den präzisen Pass zum vorentscheidenden 3:2 von Kozue Ando, die gesamte Elf bot bis zum Schluss eine konzentrierte Leistung. „Darauf müssen wir aufbauen“, so Voss-Tecklenburg. Zumindest besteht Hoffnung, dass sich kommende Woche das Lazarett durch die Rückkehr von Mandy Islacker ein wenig lichtet. Voss-Tecklenburg nimmt ihre Spielerinnen in die Pflicht: „So wie Inka müssen auch andere Spielerinnen an ihre Grenzen gehen und sich durchbeißen.“ Vielleicht war die spielerisch durchwachsene, aber kämpferisch starke Leistung in München der Startschuss dafür, dass die Mannschaft in den kommenden Wochen enger zusammenrückt.

Verbesserte Bayern hadern mit Schiedsrichterin Bei Bayern München stand man trotz der Leistungssteigerung gegenüber dem Heimspiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam am Ende erneut ohne Punkte da. Bayern-Trainer Thomas Wörle haderte: „Wir waren mehr als ebenbürtig und brauchen uns fußballerisch nicht vor einer Spitzenmannschaft wie Duisburg nicht zu verstecken. Aber wir haben unsere Chancen nicht genutzt, obwohl wir aktiv und mutig nach vorne gespielt haben. In vielen Situationen ist Duisburg einfach cleverer, daran müssen wir arbeiten, aber das ist ein Reifeprozess. Wenig positive Worte fand er für die Schiedsrichterleistung. „Der erste Elfmeter war ein Oberwitz. So eine Schiedsrichterleistung macht ein Spiel kaputt, auch wenn ich nichts pauschalieren will. Viele Schiedsrichter haben selber nicht Fußball gespielt und können Dinge nicht abschätzen“, so die Kritik Wörles.

Turbine schwächelt Bisher verlief die Saison für Meister 1. FFC Turbine Potsdam wie aus einem Guss. Doch beim mühsamen 2:1-Sieg gegen den Herforder SV wackelte das Team von Trainer Bernd Schröder zum ersten Mal in dieser Saison. „Kombinationsfußball war rar und die Abwehr, unser Glanzstück, hat überhaupt nicht gestanden“, bemängelte Schröder. „Wir haben schlecht gespielt, weil wir selber schlecht waren und weil der Gegner uns nicht besser hat spielen lassen“, so sein Fazit. Ganz unter dem Eindruck der durchwachsenen Leistung von Desiree Schumann, die beim 1:1 einen haltbaren Treffer kassierte und unnötig den Elfmeter verursachte, den sie dann aber gegen Marie Pollmann parierte, äußerte sich Schröder ungewohnt offen zur Torhüterinnenfrage. „Wir haben bisher immer rotiert und bei jungen Leuten muss man lange das Feuer offen halten“, so Schröder. Doch immer mehr kristallisiert sich heraus, dass Anna Felicitas Sarholz das Duell um die Nr. 1 gewonnen hat. „Gegen Frankfurt hat sie Weltklasse gehalten und sie wird auch die nächsten beiden Spiele im Tor stehen“, legte sich der 68-Jährige ungewohnt früh fest.

Herford scheitert an den Nerven Herfords Trainerin Tanja Schulte beklagte: „Solche Tage gibt es nicht oft, wo man die Chance hat, Punkte mitzunehmen. Aber wir haben heute gesehen, dass wir auch über 90 Minuten dagegenhalten können.“ Dass Pollmann beim Elfmeter die Nerven versagten, tat Schulte Leid: „Ausgerechnet die stabilste und kämpferisch beste Spielerin verschießt diesen Elfer“, so Schulte. Vielleicht hätte man doch besser Neuzugang Lena Wermelt vom Punkt antreten lassen sollen, die in der vergangenen Saison im Champions-League-Halbfinale für Duisburg in Potsdam im Elfmeterschießen eiserne Nerven bewies. Der verschossene Elfmeter war umso schmerzhafter, da zeitgleich der zweite Aufsteiger Bayer 04 Leverkusen drei unerwartete Punkte eroberte. Doch beide Aufsteiger können aus diesem Spieltag eine Menge Positives ziehen und dürften zu dem Schluss gekommen sein, dass in dieser Liga noch einiges möglich sein wird.

Leverkusen reißt Wolfsburg aus allen Träumen Mit drei Siegen war der VfL Wolfsburg in die neue Saison gestartet, doch bei der 2:3-Niederlage in Leverkusen erhielt das Team von Trainer Ralf Kellermann einen herben Dämpfer. Genau solche Spiele darf man nicht verlieren, will man an der Vormachtstellung der Top 3 in der Liga kratzen. „Wir hätten diese Partie nicht verlieren dürfen, sondern hätten die drei Punkte dem Spielverlauf nach mit nach Wolfsburg nehmen müssen“, ärgerte sich Kellermann, die Partie trotz einer 1:0-Führung verloren zu haben. Und so mancher Spielerin dürfte das Einschlafen schwer gefallen sein. Doch schon am kommenden Samstag besteht die Chance zur Wiedergutmachung. Dann empfangen die Wölfinnen den 1. FFC Turbine Potsdam – allerdings werden einige Stammkräfte wegen den WM-Playoffs fehlen. Leverkusens Trainerin Doreen Meier freute sich : “Das war eine ganz tolle kämpferische Leistung der Mädels, die wirklich nie aufgesteckt haben und sich endlich einmal dafür belohnen konnten.“

Garefrekes in Torlaune Zwei Nationalspielerinnen standen in Frankfurt und Hamburger im Mittelpunkt. Mit drei blitzsauberen Treffer schob sich die überragende Kerstin Garefrekes beim 4:1-Sieg gegen den SC 07 Bad Neuenahr einen Tag nach ihrem 31. Geburtstag auf Platz 3 in der Torschützinnenliste und hat damit mehr Treffer erzielt, als Birgit Prinz, Conny Pohlers und Melanie Behringer zusammen. „Ich hebe ungern eine einzelne Spielerin hervor. Heute ist es eine Ausnahme”, so Trainer Sven Kahlert. Noch agierte die Frankfurter Elf ein wenig ängstlich, doch Kahlert verspricht: “Am Samstag in Duisburg werden wir mit Sicherheit eine andere Mannschaft auf dem Platz sehen.”

Kulig rettet HSV In Hamburg war es Kim Kulig vorbehalten, kurz vor Schluss beim 2:2 gegen den FF USV Jena eine neuerliche Heimpleite zu verhindern. „Wer so viele Chancen auslässt, kann nicht gewinnen“, ärgerte sich HSV-Trainer Achim Feifel , der sich zumindest über das Debüt von Neuzugang Antonia Göransson freuen durfte und darüber, dass sein Team zum zweiten Mal in Folge nach einem Rückstand nicht verloren hatte.

Essen gelingt Befreiungsschlag Der SG Essen-Schönebeck gelang beim 3:1 gegen den 1. FC Saarbrücken nicht nur der erste Saisonsieg, sondern auch der erste Heimsieg seit dem 6. Dezember 2009. Dennoch war Essens Trainer Markus Högner nicht zufrieden mit der Leistung seines Teams: „Wir haben in unserer Offensive die Konsequenz vermissen lassen und defensiv schlecht bei zweiten Bällen reagiert.“ Dass am Ende trotzdem drei Punkte raussprangen, war trotz des Rückstands vor allem dem Ausgleich zum psychologisch wertvollen Zeitpunkt kurz vor der Pause durch den verwandelten Elfmeter von Melanie Hoffmann geschuldet. Katarina Tarr und erneut Hoffmann machten den Sieg perfekt, die Zuschauer am „Hallo“ wissen endlich wieder, wie sich ein Heimsieg anfühlt.