Bundesliga-Vorschau: die Abstiegskandidaten
Im dritten Teil unserer Vorschau auf die kommende Saison der Frauenfußball-Bundesliga widmen wir uns den Mannschaften, die vermutlich um den Klassenerhalt kämpfen müssen.
Überraschungen sind nie ausgeschlossen, doch einige Mannschaften werden werden es wohl schwerer haben, in der Ersten Bundesliga zu bleiben – die Aufsteiger aufgrund des großen Leistungsunterschieds zwischen der ersten und zweiten Liga, aber auch für den 1. FC Saarbrücken dürfte es allein um den Klassenverbleib gehen.
Viele Abgänge bei den Saarländerinnen Schon vor der vergangenen Saison hatte der 1. FC Saarbrücken viele Abgänge zu verzeichnen – umso überraschender war, dass der FC damals als Aufsteiger die Klasse halten konnte. Mit Torhüterin Romina Holz kehrt eine der damaligen Abgänge zurück ins Saarland, doch beim FC bleibt die Situation schwierig, denn erneut haben einige Leistungsträgerinnen dem Verein den Rücken gekehrt. Stephanie Kaiser, Sabine Blank und Barbara Legrand beendeten ihre aktive Karriere, Selina Dambier geht zurück nach Frankfurt und die US-Amerikanerinnen Meredith Teague und Kelli Conkrite in die Heimat.
Neben Holz ist Sarah Schatton (vom 1. FFC Frankfurt) der namhafteste Neuzugang, doch es wird trotz allem eine schwere Saison für den FC – die anderen neuen Spielerinnen kommen alle aus Vereinen unterer Ligen, sowie im Fall von Elisabeth Scherzberg und Nina Rauch aus der eigenen Jugend.
Ausgangslage unverändert Die Voraussetzungen, mit denen der FC in die Saison startet, sind im Vergleich zur Vorsaison also nahezu unverändert, auch wenn Saarbrücken weiterhin auf die international erfahrenen Cynthia Uwak und Sif Atladottir zur Verfügung stehen. Aber die Mannschaft hat bereits gezeigt, dass sie überraschen kann und nicht abgeschrieben werden sollte.
Tanja Schulte zuversichtlich Vor zwei Jahren war der Herforder SV zum ersten Mal in die Erste Bundesliga aufgestiegen und am Ende der Saison wieder abgestiegen. Nun sind die Ostwestfälinnen zurück und wollen sich in der Liga halten. Das Auftaktprogramm ist denkbar schwer, an den ersten sechs Spieltagen warten die besten sechs Mannschaften der Vorsaison. „Wir machen aber nicht noch mal den Fehler, dass wir uns gegen die starken Mannschaften erst gar nichts zutrauen. Ich glaube nicht, dass wir da keinen Punkt holen werden“, gibt sich Trainerin Tanja Schulte in einem heute veröffentlichten Westfalen-Blatt-Interview dennoch optimistisch.
Herford verstärkt sich im Ausland Unbegründet ist Schultes Optimismus keineswegs, im Vergleich zum ersten Bundesligaaufstieg konnte sich der HSV weit besser verstärken. Aus Österreich kommen Laura Feiersinger, Verena Aschauer und Marion Gröbner, aus Belgien Heleen Jaques und Jessy Torreele. Lena Wermelt kommt von Bundesligakonkurrent FCR 2001 Duisburg, Christina Drewitz bringt Zweitligaerfahrung aus Gütersloh mit, spielte jedoch zuletzt für Arminia Bielefeld in der Westfalenliga. Neue Nummer Eins wird Tessa Rinkes, U20-Weltmeisterin von 2004. „Wir haben jetzt einen großen und ausgeglichenen Kader. Damit sind wir stark genug“, so Schulte weiter. Qualitativ hat Herford einen Sprung nach vorne gemacht, doch es bleibt abzuwarten, wie der HSV auf mögliche Verletzungen von Leistungsträgerinnen reagieren kann – hier lag in der ersten Erstligasaison der Knackpunkt. Hinzu kommt, dass im Kreise der Neuzugänge kaum Erstligaerfahrung vorhanden ist. Wermelt und Rinkes spielten zwar bereits im Oberhaus, bekamen jedoch kaum Einsatzzeiten.
Leverkusen im WM-Jahr erstklassig Eine der Spielstätten der Frauenfußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr wird Leverkusen sein, und so hat Bayer 04 zum günstigsten Zeitpunkt den Aufstieg in die Erste Bundesliga gefeiert. Die Neuzugänge können sich sehen lassen (u.a. Marith Prießen, Shelley Thompson und Susanne Kasperczyk), die Trainingsbedingungen im Profiverein hatte Trainerin Doreen Meier bereits zu Zweitligazeiten gelobt.
Mit dieser Infrastruktur hat Bayer innerhalb von nur zwei Spielzeiten auf Aufstieg geschafft und die finanziellen Möglichkeiten bekommen, sich gezielt zu verstärken. Doch trotz überzeugender Leistung in der zweiten Liga ist für die Spielerinnen der Druck im Oberhaus ein anderer. Im Duell mit Erstligakonkurrenten gab es zuletzt in der Sommerliga keine überzeugenden Vorstellungen. Bayer erreichte – im Gegensatz zu Herford – zwar das Final Four, schoss dort jedoch kein einziges Tor. Auf eine 0:5-Niederlage gegen Duisburg folgte ein 0:3 gegen Essen-Schönebeck.