U20-WM: ein erstes Zwischenfazit
Alle 16 Teams der U20-Frauenfußball-WM in Deutschland haben ihre ersten Gruppenspiele absolviert. Zeit für ein erstes kleines Zwischenfazit.
Wenn noch einer bezweifelt haben sollte, dass die Weltspitze im Frauenfußball weiter zusammengerückt ist und zweistellige Siege wie der 11:0-Erfolg der DFB-Elf bei der WM 2007 in China gegen Argentinien der Vergangenheit angehören, der sieht sich schon nach zwei Spieltagen bei der U20-WM eines Besseren belehrt. Denn die ersten Spiele waren technisch anspruchsvoll und geprägt von Tempofußball, guten Spielzügen, hohem Niveau, starken individuellen Leistungen und größtenteils knappen Ergebnissen. Das machte Vorfreude auf die nächsten Spiele und auch auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011.
Teams aus Asien und Afrika überzeugen Zu den großen Gewinnern durften sich die Teams aus Asien und Afrika zählen. Während der 1:0-Sieg Nordkoreas gegen Brasilien nur noch flüchtige Frauenfußball-Beobachter überrascht haben dürfte, sorgte vor allem die Art und Weise, wie Südkorea die Schweiz, immerhin U19-EM-Halbfinalist im Vorjahr, mit einem 4:0-Sieg in die Schranken verwies, für Erstaunen. Und in der dreifachen Torschützin Ji So Yun hatte das Land die wohl bisher auffälligste Spielerin des Turniers zu bieten. Was die 19-Jährige auf dem Spielfeld auch machte, es hatte Hand und Fuß. Mit einem Wort: Weltklasse.
Iwabuchi wirbelt Für Japan reichte es beim 3:3 gegen Mexiko zwar nicht zum Sieg, doch die erfrischende Spielweise des Teams und der Kampfgeist, mit dem man einen 1:3-Rückstand wettmachte, überzeugte die Zuschauer. Und Mana Iwabuchi zuzuschauen, macht einfach großen Spaß. In unnachahmlicher Weise bereitete sie den ersten Treffer ihres Teams vor, zwei Minuten vor Schluss erzielte sie selbst den Ausgleich. Von ihr dürfte man im weiteren Turnierverlauf noch einiges zu sehen bekommen.
Individuelle Klasse Und wer hätte gedacht, dass WM-Neuling Ghana dem Favoriten aus den USA beim 1:1 einen Punkt abtrotzen und Nigeria den Europameister England ebenfalls mit einem 1:1 an den Rand einer Niederlage bringen würde? Doch auch Ozeanien-Meister Neuseeland hinterließ bei der knappen 1:2 Niederlage gegen Schweden einen guten Eindruck und hätte mit etwas mehr Glück als Sieger vom Platz gehen können. Nicht nur Ji So Yun und Mana Iwabuchi gaben am ersten Tag eine Visitenkarte ihrer individuellen Klasse ab. Svenja Huth, Alexandra Popp und Marina Hegering ragten beim deutschen Sieg gegen Costa Rica heraus , Lady Andrade aus Kolumbien bestach als Lenkerin und Denkerin ihres Teams . An feinen Aktionen mangelte es nicht, beispielhaft sei die Vorarbeit von Stephany Mayor zum dritten mexikanischen Tor erwähnt, als sie am rechten Flügel die japanische Abwehr überlief.
Favoriten patzen Des einen Freund, war des anderen Leid. USA, England, Frankreich und Schweiz – gleich ein ganzes Quartett hoch gehandelter Teams konnte bei seinem ersten Auftritt nur wenig überzeugen oder enttäuschte sogar . Wobei die Amerikanerinnen andeuteten, zu welchen Leistungen sie im Turnierverlauf noch fähig sein werden. Mit der sommerlichen Wärme im deutschen Juli kamen offenbar nicht alle Teams gut zurecht. Doch von früheren Juniorinnenturnieren weiß man, dass die Karten schon im nächsten Spiel neu gemischt werden. Mehr als ein Fingerzeig waren die ersten Spiele also sicherlich nicht.
Welches Team der U20-WM war im ersten Spiel am Stärksten?