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2010

Algarve Cup: Gelungenes Experiment mit kleinen Kratzern

Der 17. Algarve Cup ist vorbei, die von Spiel zu Spiel bunt durcheinander gewürfelte deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft hat mit dem zweiten Platz das beste Ergebnis seit 2006 erzielt und in der Gruppenphase mehr Tore geschossen als jedes andere Team zuvor. Doch die erneute Niederlage gegen die USA dämpfte den positiven Gesamteindruck.

Die Art und Weise, wie sich die DFB-Elf auf dem matschigen Boden des Estádio Algarve in Faro in der ersten halben Stunde wie ein Stier an den Hörnern von den Amerikanerinnen vorführen ließ, enttäuschte und dokumentierte, dass sie gegen offensivstarke Gegner, denen man nicht von Beginn an das eigene Spiel aufzwingen kann, Probleme im Defensivverhalten hat.

Konkurrenzkampf geschürt “Es wäre doch schlecht, wenn wir nichts mehr hätten, woran wir arbeiten können”, gewann Bundestrainerin Silvia Neid der verdienten Niederlage dennoch Positives ab . „Wir haben viel probiert und wir haben viel gesehen. Wir wissen auch, dass wir noch viel zu tun haben. Aber wir haben viele Alternativen, der Konkurrenzkampf ist eröffnet.“ Flexibilität heißt das Zauberwort, mit dem Neid bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land erfolgreich sein will.

Positionsspiele Ein Kader, bei dem die Spielerinnen ohne Leistungseinbußen auf unterschiedlichsten Positionen einsetzbar sind, soll die DFB-Elf unberechenbar und somit nur schwer bezwingbar machen. Und so durfte man Birgit Prinz auf der Sechserposition bewundern, Kerstin Garefrekes mal als linke, mal als rechte Außenverteidigerin, Babett Peter kam hingegen sowohl in der Außen- als auch in der Innenverteidigung zum Einsatz. Kaum eine Spielerin, die sich nicht zumindest einmal auf ungewohntem Terrain bewegen musste.

Die Nachwuchshoffnungen Alexandra Popp (li.) und Nadine Keßler erzielten beim Algarve Cup ihre ersten Tore (FF-Archiv, Nora Kruse)

Jugend forscht Nadine Keßler von Meister 1. FFC Turbine Potsdam kam zu ihrem Debüt in der Nationalmannschaft und bedankte sich mit einem Tor, auch Alexandra Popp vom FCR 2001 Duisburg konnte ihre Torgefährlichkeit unter Beweis stellen und erhielt ein Sonderlob der Bundestrainerin für ihre proaktive Spielweise. Inka Grings wurde mit sieben Treffern beste Torschützin des Turniers und auch zur besten Spielerin gekürt, auch ohne Prinz als Vorbereiterin trifft die EM-Torschützenkönigin offenbar nach Belieben ins Schwarze, flankiert von den starken Flügelspielerinnen Melanie Behringer und Fatmire Bajramaj oder auch dank der Unterstützung der quirligen Célia Okoyino da Mbabi.

Birgit Prinz in neuer Rolle Eine der wesentlichen Erkenntnisse im Süden Portugals dürfte für den DFB-Trainerstab gewesen sein, dass Prinz zum Ausklang ihrer Karriere auf der Sechserposition eine neue Heimat gefunden haben könnte. Recht unverblümt schreibt die DFB-Website, dass die deutsche Mannschaft mittlerweile „nicht einmal mehr auf die stürmenden Birgit Prinz angewiesen ist.“ Und Neid urteilte über die Leistung der deutschen Rekordnationalspielerin auf der ungewohnten Position: „Birgit war sehr präsent. Was sie gemacht hat, hatte Hand und Fuß. An Birgit müssen die anderen erst einmal vorbeikommen.”

Defensivprobleme Erwartungsgemäß erwiesen sich 16 Monate vor der WM nicht alle Experimente als erfolgreich. So fand etwa die umformierte Viererkette mit Kerstin Garefrekes und Bianca Schmidt auf der Außenbahn sowie Sonja Fuss und Babett Peter in der Innenverteidigung kein Mittel, um der Durchschlagskraft des brandgefährlichen US-Duos Abby Wambach und Lauren Cheney und einer wieder erstarkten Carli Lloyd Einhalt zu gebieten. In dieser Formation dürfte man die DFB-Abwehr kaum wiedersehen.

Überlegenes US-Team Im Finale rächte es sich, dass die Mannschaft in den ersten drei Spielen defensiv nicht gefordert worden war und zudem in Annike Krahn und Ariane Hingst das angestammte Duo in der Innnenverteidigung fehlte. Die schwierigen Platzverhältnisse schienen zudem den deutschen Spielerinnen größere Probleme zu bereiten als ihren US-Kontrahentinnen. „Wir waren in der ersten Halbzeit klar überlegen. Der Sieg gibt uns einen gewaltigen Schub Selbstvertrauen“, freute sich Wambach nach dem diesmal, anders als beim 1:0-Sieg in Augsburg Ende Oktober 2009, verdienten Sieg über den Erzrivalen, der sogar höher hätte ausfallen können, wäre man nicht zu nachlässig mit der Chancenverwertung umgegangen.

Nächste Länderspiele Nach den nun anstrengenden Wochen im Vereinsfußball mit einem geballten Programm an Bundesligaspielen und den Champions-League-Viertelfinalspielen für Duisburg und Potsdam stehen auch mit der Nationalmannschaft bald die nächsten Highlights auf dem Programm. Am 22. April empfängt die DFB-Elf in Dresden den Weltranglistenvierten Schweden, am 22. Mai geht es über den Atlantik zu einem weiteren Duell mit dem Weltranglistenersten USA. Nicht unwahrscheinlich allerdings, dass dann nicht der beste Kader zur Verfügung stehen wird. Denn am 20. Mai findet in Getafe, einem Vorort Madrids, das Finale der UEFA Champions League statt, ein deutscher Finalteilnehmer wäre keine große Überraschung.