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2009

Tanja Schulte: “Wir müssen anderthalb Ligen aufsteigen”

Elf Spiele, elf Siege. Der Herforder SV Borussia Friedenstal hat seine Favoritenstellung in der Hinrunde der Zweiten Bundesliga Nord eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch die Vormachtstellung zeigt auch Probleme auf. Womensoccer sprach mit Trainerin Tanja Schulte über das Training, bei dem die Mannschaft stärker gefordert werden soll als in der Liga, die Lehren aus dem Abstiegsjahr sowie die Schatten, die die verkürzte Saison 2010/2011 bereits jetzt voraus wirft.

Sie haben von Anfang an offensiv das Ziel Wiederaufstieg in die Erste Bundesliga propagiert. Aber war mit einer so erfolgreichen Hinrunde zu rechnen? Nein. Ich habe damit gerechnet, dass wir der Favorit in der Liga sind, und dieser Rolle sind wir uns auch bewusst. Dass es mit 33 Punkten aus elf Spielen endet, haben wir nicht erwartet. Das spricht aber auch nicht nur für uns. Ich bin vom Niveau in der Liga schon enttäuscht. Bei uns haben teilweise durchschnittliche Leistungen, oder eine gute halbe Stunde, gereicht, um die Spiele zu gewinnen. Es war selten, außer gegen Potsdam, dass wir richtig gefordert wurden. Ansonsten wussten wir immer, ein Spiel nur selbst verlieren zu können. Das ist schön für uns, vor allem auch mit unserer Zielsetzung. In der Südliga würden unsere Leistungen aber nicht für diesen Tabellenplatz reichen.

Ist es perspektivisch nicht ein Nachteil, so wenig gefordert zu werden? Einmal das, wobei wir innerhalb des Trainings, und auch nach den Spielen, immer wieder sagen, dass diese Leistungen nichts mit der ersten Liga zu tun haben. Wir sind für die erste Liga sicherlich im Offensivbereich gerüstet. Im Defensivverband muss auf jeden Fall etwas getan werden, inklusive der Torhüterin, damit dort eine andere Konkurrenz herrscht. Der Stand jetzt ist nicht bundesligareif, das haben die Erfahrungen aus dem Abstiegsjahr gezeigt. Wir versuchen, das Niveau im Training so hoch zu halten, dass wir dort mehr gefordert werden, als in der Meisterschaft. Wir wissen die Liga und unsere Leistung einzuschätzen und werden mindestens anderthalb Ligen aufsteigen müssen, um uns halten zu können.

Kann sich in der Defensive schon in der Winterpause etwas tun? Wir sind in der Position, frühzeitig planen zu können. Es ist klar, dass wir jetzt Ausschau halten nach Spielerinnen, die in anderen Vereinen, oder auch in den Zweitvertretungen, vielleicht nicht mehr zum Stammpersonal gehören. Berlin ist das beste Beispiel: Etliche Spielerinnen sind von Potsdam II gekommen, spielen eine ordentliche Saison, hätten bei Potsdam aber nie die Chance gehabt, in der ersten Mannschaft zu spielen. Es sollte auch unser Weg sein, für das Unterfangen Klassenerhalt nicht nur auf die Jugend zu setzen. So würden wir den Klassenerhalt nicht schaffen. Wir sind jetzt dabei, die ersten Kontakte zu knüpfen, wir müssen für die Rückrunde nicht unbedingt neue Spielerinnen holen. Teilweise rufen auch die Vereine an und bieten bereits Spielerinnen selbst an, weil sie nicht zum Einsatz kommen. Unser Kader ist so dünn besetzt, dass wir jede Verstärkung gebrauchen können. Ob das dann auch Spielerinnen für die erste Liga sind, bleibt abzuwarten.

Nicht immer mit der Leistung in der Hinrunde zufrieden: Tanja Schulte

Mit Blick auf die Saison 2010/2011 haben Sie kürzlich gesagt, dass es der denkbar ungünstigste Zeitpunkt zum Aufstieg sei. Ist eine so gestraffte Saison mit dem kleinen Kader, den Sie seit anderthalb Jahren haben, überhaupt machbar? Nein, und ich muss ganz klar sagen, dass ich diese Saisonplanung nicht nachvollziehen kann. Das wird eine Katastrophensaison, bei der noch gar nicht klar ist, dass sie so durchgezogen werden kann. Bis zum 15. März geht offiziell die Meisterschaft. Da darf kein Spiel ausfallen, ansonsten spielt man Englische Wochen. Bei einem Kader, so wie wir ihn jetzt haben – mitunter auch durch die Berufe der Spielerinnen - würde das überhaupt nicht funktionieren. Da würde man die Saison gar nicht zu Ende spielen können, geschweige denn konkurrenzfähig sein. Eine noch nicht einmal schwerwiegende Verletzung einer Spielerin kann schon ein Fehlen von drei, vier Meisterschaftsspielen hintereinander bedeuten.

Wie wurde die Saisonplanung mit den Trainern abgestimmt? Sie sind von Silvia Neid Anfang des Jahres, also bei uns Björn Kenter zu unseren Erstligazeiten, angerufen worden. Es wurde mehr als deutlich auf den Wunsch hingewiesen, der Nationalmannschaft eine dreimonatige Vorbereitungszeit einzuräumen. Wir stehen ja auch dahinter – aber bis zu einem gewissen Punkt. Und der ist überschritten mit der Belastung, besonders auch in finanzieller Hinsicht, die auf die Vereine zukommt. Wer zahlt ab März die Gehälter? Von was? Welcher Sponsor lässt sich darauf ein, dass in der besten Zeit im Jahr keine Wettbewerbe mehr stattfinden? Es wird für die Vereine ziemlich schwer das aufzufangen. Für Vereine, wie Potsdam oder Duisburg, die in einem ganz anderen Trainingsrhythmus sind und es gewohnt sind, mehr Spiele zu absolvieren, ist es vielleicht etwas Anderes. Ebenso für Vereine, dessen Etat durch die Männerabteilungen gedeckt ist. Aber Vereine, die einen Kader von 18 Spielerinnen haben, haben mit drei, vier Verletzten dann ein großes Problem. Das wissen wir jetzt frühzeitig, also müsste man sich eigentlich den Kader vollpacken. Nur stellt sich dann die Frage: Von welchem Geld?

Was macht es für die Bundesliga so schwer, ihre Interessen durchzusetzen? Die Entscheidung, die Bundesliga so früh zu beenden, zeigt, dass das Prädikat Bundesliga völlig außen vor steht. Sie ist kein Zugpferd für den DFB, das ist in erster Linie die Nationalmannschaft. Wenn die erste Liga für sie so eine große Bedeutung hätte, würden sie sie nicht so beschneiden, sondern versuchen, eine andere Lösung zu finden. Von der Entscheidung sind über 200 Spielerinnen aus der ersten und zweiten Liga betroffen, die nicht an der WM teilnehmen. Bei den Trainertagungen sagen immer die gleichen Leute etwas, es geht immer in die gleiche Richtung: Warum wird der Länderpokal noch ausgetragen, warum müssen Spielerinnen dort teilnehmen, die ohnehin schon gesichtet werden. Und das Gewicht, das diese Traineraussagen für den DFB haben, sieht man daran, dass sich seit Jahren an diesen Maßnahmen nichts verändert hat.

Wie gehen die Vereine mit der langen Pause um, wird die Sommerliga eine feste Marke? Ja. Wobei die Auswärtsfahrten in der Liga natürlich schon Geld kosten. Die Sommerliga spielt man nicht nur vor der Haustür, da werden nochmal Fahrten auf die Vereine zukommen. Diese Saison wird mehr Geld kosten als jede andere, und vermutlich wird man weniger einnehmen.

Es überwiegt bei Ihnen also die Sorge, dass Ansehen und Entwicklung der Liga Schaden nehmen können. Wenn die WM ein Erfolg wird, kann die Liga enorm profitieren. Das wird entscheidend sein. Ein WM-Erfolg kann erfahrungsgemäß einen Boom bei den Vereinen für die ersten Wochen auslösen. Wenn die Nationalmannschaft erfolgreich ist, oder die WM generell gut angenommen wird, wird es für die Bundesliga nicht so schlimm. Dann sind die Vereine selbst gefordert, daraus etwas zu machen. Sollte der Erfolg ausbleiben, womit ich nicht ausschließlich den Gewinn des Titels meine, wird es ein Drama.

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