Die Tops und Flops der Woche 48/2009

Von am 1. Dezember 2009 – 10.48 Uhr 30 Kommentare

Im Mittelpunkt der Tops und Flops dieser Woche stehen ein überraschender Auswärtssieg, ein packendes Zweitligaspiel und eine unüberwindbare Torhüterin, aber auch die Formkrise des Vizemeisters, eine verkürzte Bundesligasaison und eine Europameisterin, die für negative Schlagzeilen sorgt.

Top 5

1. Glückliches Händchen
Nach der unglücklichen 0:1-Heimniederlage gegen Tabellen-Schlusslicht SC Freiburg hatten nur wenige dem Hamburger SV zugetraut, beim Vizemeister FC Bayern München Zählbares mitzunehmen. Doch auch von einem schnellen 0:1-Rückstand ließen sich die Hanseatinnen in Aschheim nicht aus der Ruhe bringen. Ana-Maria Crnogorcevic glich kurz der Pause mit einem feinen Drehschuss aus und HSV-Trainer Achim Feifel bewies mit der späten Einwechslung von Imke Wübbenhorst (82.) ein glückliches Händchen. Denn nur drei Minuten später köpfte sie den Siegtreffer. „Endlich war das Glück einmal auf unserer Seite“, so Feifel.

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2. Torfestival beim Zweitligagipfel
Zwei Topteams, eine vierstellige Zuschauerzahl und acht Tore – das 4:4 im rheinischen Derby der 2. Frauenfußball-Bundesliga Süd zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem 1. FC Köln machte Appetit auf mehr. Auch wenn sich Leverkusens Trainerin Doreen Meier die Haare raufte, dass ihr Team einen 4:2-Vorsprung noch aus der Hand gab, der im Kampf um den Aufstieg ein Sechs-Punkte-Polster vor dem schärfsten Konkurrenten aus der Domstadt eingebracht hätte. So blieb der Abstand bei drei Punkten, das Kopf-an-Kopf-Duell dürfte bis zum Saisonende weiter gehen.

3. Laudehr glänzt als Mittelstürmerin
Wer gedacht hat, das Fehlen von Topstürmerin Inka Grings würde dem FCR 2001 Duisburg beim SC Freiburg Sorgen bereiten, sah sich getäuscht. Das lag vor allem an Simone Laudehr, die statt auf dem linken Flügel für Grings als zentrale Sturmspitze agierte. „Ich habe ihr gesagt, dass sie auf der Position alle Freiheiten hat. Das hat sie dann auch umgesetzt und sich sehr laufstark und engagiert gezeigt“, so Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. Laudehr bedankte sich für so viel Freiheit mit den Treffern zum 2:0 und 3:0.

4. Unüberwindbare Richter
2:0 gewann der VfL Wolfsburg sein Heimspiel gegen den FF USV Jena. Und dies lag in erster Linie an einer, die in den vergangenen Monaten viel Kritik einstecken musste: Torhüterin Nadine Richter. Mit einer überragenden Leistung hielt sie den hart umkämpften Sieg ihres Teams fest. Ob gegen Sylvia Arnold, Susann Utes oder Lisa Seiler – an Richter gab es an diesem Nachmittag kein Vorbeikommen. „Wir hatten heute eine klasse Torfrau, die uns endlich mal einen Sieg festgehalten hat“, so Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann.

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5. Veth lässt es klingeln
Christine Veth, Torjägerin des SC Sand, präsentierte sich gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München in Torlaune. Innerhalb von nur 16 Minuten traf Veth zwischen der 17. und 33. Minute gleich dreimal mitten ins bayerische Herz. Zweimal staubte sie ab, einmal schlenzte sie den Ball ins lange Ecke. Und fast wäre sie vor der Pause sogar noch ein viertes Mal erfolgreich gewesen, doch die Bayern-Abwehr klärte auf der Linie.

Flop 5

1. Bayern rutscht ins Mittelmaß
Aus in DFB-Pokal und Champions League und nach der 1:2-Heimniederlage gegen den Hamburger SV nun neun Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Platz – der FC Bayern München ist in diesen Tagen nicht zu beneiden. Der Tanz auf drei Hochzeiten und die Verletztenmisere haben das Team außer Tritt gebracht und gezeigt, dass der Kader in der Breite nicht gut genug besetzt ist. Hinzu kommt, dass das Selbstvertrauen der Spielerinnen angeknackst, Bayern somit derzeit nur noch Mittelmaß ist. Und ausgerechnet in dieser Phase wartet am kommenden Samstag der nächste Brocken: UEFA-Pokal-Sieger FCR 2001 Duisburg.

2. Verkürzte Bundesligasaison, gestrichener Hallenpokal
Die Frauenfußball-WM 2011 im eigenen Land genießt oberste Priorität. Und dem großen Ziel hat sich alles unterzuordnen. Auch die Bundesliga. Deren Vereine können sich nur widerwillig mit dem auf März vorgezogenen Bundesligaende anfreunden. Der DFB-Hallenpokal wurde gar ganz geopfert. Spielt das DFB-Team eine erfolgreiche WM, geht die Rechnung auf, bei einem frühen Scheitern dürfte die Entwicklung der Liga aber Schaden nehmen.

3. Kulig als Spielball
Sportlich ist Europameisterin Kim Kulig wegen eines Bänderrisses im linken Fuß derzeit außen vor, doch für Schlagzeilen sorgt die Hamburger Spielerin dennoch. Noch letzte Woche wurde man beim Besuch von Kuligs Website automatisch zu der des 1. FFC Frankfurt weitergeleitet. Ein peinlicher Fauxpas, der das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Frankfurt und Hamburg einer neuerlichen Belastungsprobe ausgesetzt hat. Der sich für das kommende Jahr abzeichnende Wechsel Kuligs an den Main dürfte hinter den Kulissen für weiteren Zündstoff sorgen.

4. Drohender Sponsorenverlust
Es ist nicht gerade ein Lieblingsszenario, weniger als zwei Jahre vor der Frauenfußball-WM im eigenen Land den Hauptsponsor der Nationalmannschaft zu verlieren. Doch der Küchenhersteller ALNO erwägt ein vorzeitiges Ende seines Engagements. Die Begründung:  „Wir überprüfen gerade, ob die ALNO mit ihrem Anspruch, ein technisches Produkt zu machen, im Frauenfußball gut reflektiert wird“, so ALNO-Vorstandschef Jörg Deisel. Doch der Schuh drückt wohl eher woanders – am lieben Geld.

5. Keine „Fußballerin des Jahres“ in Asien
In 18 Kategorien wurden vorige Woche auf einer großen Gala in Kuala Lumpur (Malaysia) die Besten Asiens ausgezeichnet. Doch erstmals seit Einführung kürte die asiatische Fußball-Konföderation (AFC) keine „Fußballerin des Jahres“. Begründet wurde der Schritt damit, dass es im zu bewertenden Zeitraum keine aussagekräftigen Wettbewerbe auf AFC- und FIFA-Ebene gegeben habe. Ein Schlag ins Gesicht aller Spielerinnen, die sich das ganze Jahr um Leistung und Anerkennung ihrer Sportart bemühen.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

30 Kommentare »

  • Jonos sagt:

    Die HSV-Frauen wurden von ca. 20 – 30 HSV- Anhängern aus dem Süden angefeuert. Nach dem Spiel haben sich die Spielerinnen für dieses Engagement bedankt. Meines Wissens stimmten die Fans dann Schlachtgesänge an und die Spielerinnen haben danach getanzt. Dass sich die Spielerinnen angesichts der Freude über den Sieg mitreißen ließen, kann hier wohl entschuldigt werden. Die Initiative ging wohl nicht von den Spielerinnen aus. Ganz im Gegenteil weiß ich, dass die HSV-Frauen eine Anfrage an den FC St. Pauli gestellt haben, wonach sie ein Befefizspiel gegen die Herren-Mannschaft der Paulianer durchführen wollen. Dieses Spiel soll auch dem besseren Verständnis der beiden Hamburger Clubs dienen. Aber vielleicht kann uns Bernhard mehr dazu sagen. Bei den Spielerinnen des HSV handelt es sich um anständige Mädchen und Frauen.
    Jonos

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  • nobby sagt:

    @Jonos
    Die Mädels haben keine Spielbeziehungen zu diesen Clubs. Derartige Sprüche hört man schon Mal in der Arena und kommen eindeutig aus dem Männerbereich.
    Übrigens besteht auch zwischen skandieren und sagen ein feiner Unterschied, sprach der Lateiner.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Also, wenn ich diese halbseidenen Aussagen lese, dann bin ich schon froh nicht auch noch lesen zu müssen, dass das nur der bayrische Frust über diese weitere Niederlage ist, der dort geschrieben wurde!
    Man(n), oh man(n), macht ihr es Euch leicht mit einer Persilwäsche für Euren Verein!
    Keine Spielbeziehung zu diesen Clubs – das ist reine Blasphemie, die Rivalität dieser Nordclubs ist doch altbekannt und da ist es völlig egal, ob Männer- oder Frauenmannschaften dahinter steckten. Nur war es eben im geschilderten Fall nicht so, dass sich die Aktiven von der „HSV-Fangruppe aus dem Süden“ anstecken ließen – sie waren die Initiatoren der chaotischen Show. Und genau das ist es, was mir nicht nur Kopfschütteln bereitet!
    Ich für meinen Teil glaube definitiv dem Verfasser des FCB-Livetickers, der mit dieser Verhaltensanprangerung gut getan hat, und ich hoffe regelrecht auf ein deftiges Nachspiel höheren Orts, wo es eine eindeutige und nachhaltige Sanktionierung derartiges Verhaltens geben wird!

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  • sabse sagt:

    Ich war am Sonntag in Aschheim und habe die beschriebene Aktion nach dem Spiel recht genau mitbekommen.
    Die HSV-Spielerinnen sind wie nach einem Sieg gewohnt zu ihren (15 bis 20) Fans gegangen. Die Fans haben das allseits bekannte Humba Humba Täterä angestimmt, die Spielerinnen sich vor den Fans auf den Rasen platziert.
    Die Aussprüche: „…scheiss Werder Bremen, scheiss St.Pauli…“ KAMEN VON DEN FANS, ob vereinzelte Spielerinnen da mitgesungen haben, war für mich nicht zu erkennen.
    Ich denke, solange es keine eindeutigen Beweise gibt, dass Spielerinnen des HSV solche Gesänge mitgesungen oder gar angestimmt haben, sollte man sich mit Forderungen nach eindeutiger und nachhaltiger Sanktionierung zurückhalten. Vor allem wenn man selber nicht dabei war.
    Wie kommst du denn darauf, dass die Spielerinnen die Initiatoren der Aussprüche gewesen sein sollen? „Skandieren“ heißt doch nur, dass sie angeblich mitgemacht hätten und das ist nicht bewiesen. Nur der Pressesprecher des FCB hat dies in den Ticker geschrieben.

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  • Play the Game sagt:

    @Schenschtschina Futbolista

    Ich war vor Ort, nach dem Spielende gingen die Spielerinnen aus Hamburg zu den angereisten Fans. Diese forderten die Mannschaft auf sich hinzusetzen. Die Initiatoren und das skandieren kam von den Fans. Weshalb der Verfasser des FCB-Livetickers das anders darstellt, kann ich leider nicht nachvollziehen. Aber ich bin jetzt gespannt welche Sanktionen es geben wird.

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  • sabse sagt:

    @Play the Game
    … danke für die Bestätigung meiner Beobachtungen

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Skandieren heißt wohl in diesem Falle: im Stehen verkünden

    Für mich steht der Leumund des erwähnten FCB-Pressesprechers nicht im Geringsten im Zweifel, zumal ich weder ausgesprochener Fan des einen oder anderen Teams bin – ich sehe diese Problemtik also gänzlich vereinsunparteiisch, eher im Sinne eines fairen Sports, der geprägt von gegenseitiger Achtung, Fairness etc. sein sollte. Andernfalls brauchen wir uns über Hooligans nicht mehr aufregen, denn wo fängt etwas an und wo hört es auf!
    Das ich etwas beurteile, wo ich persönlich dazu keinen Kontakt hatte, ist so ungewöhnlich nicht, geschieht es doch tagtäglich in allen möglichen Bereichen unseres Lebens und jeder beteiligt sich in irgendeiner Form mehr oder weniger immer daran – und seien es nur Kommentare zu TV-Beiträgen, die diskutiert werden! Also bitte keine Vorwürfe dieser Art, dass ich kein Recht hätte, so darüber zu schreiben!

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  • Jonos sagt:

    Hier geht es nicht um den Leumund des FCB Sprechers! Vielleicht hat er die Situation selber etwas anders wahrgenommen. Glaube mir, dass die Mädels den Kontakt zum FC St. Pauli aufgenommen haben, um für ein besseres Nebeneinander der Nordclubs zu werben. Vertraue den Aussagen von Play the Game und sabse und versuche nicht länger den Leser/Innen etwas anderes zu suggerieren; ansonsten bekommt man tatsächlich den Eindruck, dass niedere Beweggründe dich treiben.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Einen sauberen, fairen Sport, wo der Gegner respekiert und geachtet wird, frei von Drogen, Fremdenhass, Hooligans, Wettmafia und ähnlichem Gesocks – sind das niedere Beweggründe genug?

    Mir persönlich fehlt die rosarote Brille, durch die ich Aktionen und Reaktionen meines Lieblingsvereins filtere und solange hier Aussage gegen Aussage steht, sollen andere Gremien ein Urteil und eine Entscheidung im Sinne des (Frauen-)fussballs fällen!

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  • Mini sagt:

    ich möchte mich an dieser Stelle für meine unqualifizierte Aussage über Frankfurt entschuldigen..und räume ein,dass ich mich von dem gesehenen in Potsdam leiten hab lassen.

    und wollte noch sagen:
    Wir sind alle nur fans..jeder sei dem verein verbunden zu dem er sich „hingezigen“ fühlt.

    Our Game..Is Fairplay.

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