DFB-Elf: Die letzte Kaltschnäuzigkeit hat gefehlt

Von am 30. Oktober 2009 – 8.34 Uhr 28 Kommentare

In der Vergangenheit überzeugte die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft bei Siegen nicht immer rundum, doch in Augsburg war es bei der 0:1-Niederlage gegen die USA vor 28 367 Zuschauern in der ausverkauften Impuls-Arena umgekehrt.  Trotz einer vor allem in der ersten Stunde  starken Leistung stand am Ende die erste Heimniederlage seit dem 0:1 gegen China in Homburg im März 2006.

45 Minuten lang hatte die gegenüber dem 6:2-Sieg im EM-Finale gegen England nur auf einer Position veränderte deutsche Mannschaft (Fatmire Bajramaj für Melanie Behringer) das US-Team von Trainerin Pia Sundhage im Griff wie nie zuvor und ein Offensivfeuerwerk abgebrannt, dem die Amerikanerinnen nichts entgegenzusetzen hatten.

Gegen die USA stark wie nie zuvor
„Das war sicher unsere dominanteste Halbzeit, die wir je gegen ein amerikanisches Team gezeigt haben“, bestätigte Bundestrainerin Silvia Neid auf Nachfrage die Einschätzung. Angetrieben von der starken Bajramaj am linken Flügel und mit geschickten Steilpässen in die Schnittstelle der US-Viererkette brachten die DFB-Spielerinnen das US-Team gehörig ins Schwitzen, dem die mangelnde Spielpraxis anzumerken war – das letzte Länderspiel, ein 1:0-Sieg gegen Kanada, lag mehr als drei Monate zurück. Doch eine reaktionsschnelle und umsichtige US-Torhüterin Hope Solo, die im vierten Spiel in Folge gegen Deutschland ohne Gegentreffer blieb, eine Portion Glück und die Physis und Defensivstärke der Amerikanerinnen verhinderten eine deutsche Führung.

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Abby Wambach (l.) und Shannon Boxx feiern den Treffer des Tages.

Abby Wambach (l.) und Shannon Boxx feiern den Treffer des Tages.

Wambach erzielt Treffer des Tages
Die gelang dann überraschend Abby Wambach, die nach 34 Minuten die erste ernst zu nehmende Chance für die Amerikanerinnen verwertete, als Innenverteidigerin Saskia Bartusiak über  eine Flanke von Yael Averbuch säbelte, Wambach den Ball per Kopf über die herauseilende Nadine Angerer ins Netz setzte . „Ich hätte wohl auf der Linie bleiben sollen“, so Angerer. In der zweiten Halbzeit erarbeitete sich die DFB-Elf zwar weiter eine optische Überlegenheit, zwingende Chancen konnte sich das Team aber nicht mehr herausspielen.

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Glück für DFB-Elf
Die Wechsel auf beiden Seiten taten ein Übriges, um den Spielfluss nach und nach immer mehr zum Erlahmen zu bringen. Die Auswechslung von Bajramaj quittierten die Zuschauer mit einem gellenden Pfeifkonzert.  Am Ende musste man froh sein, nicht höher verloren zu haben, denn Angerer musste bei einem US-Konter gegen Amy Rodriguez Kopf und Kragen riskieren, um einen zweiten Gegentreffer zu verhindern, die ungarische Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal verwehrte dem US-Team zudem einen klaren Elfmeter, als Bartusiak US-Stürmerin Wambach im Strafraum zu Fall brachte. In den letzten 30 Minuten war dem DFB-Team zudem anzumerken, dass in den Köpfen vieler Spielerinnen die nahenden Partien in Bundesliga und Champions League davon abhielten, das letzte Quäntchen Energie in die Waagschale zu werfen.

Beim Aufwärmen angeschlagen, im Spiel die Antriebskraft: Fatmire Bajramaj.

Beim Aufwärmen angeschlagen, im Spiel die Antriebskraft: Fatmire Bajramaj.

Bärenstarke Bajramaj
Neid nahm die Niederlage im ersten WM-Test sportlich. „Das macht mir in einem Testspiel überhaupt nichts, solange wir daraus lernen.“ Und auch für Bajramaj war das 0:1 „kein Weltuntergang“, weil „wir von der 1. bis zur 90. Minute“ das bessere Team waren.  „Wir haben heute gelernt, dass wir lernen müssen, Tore zu schießen,  auch wenn das im Training gut klappt“, so Bajramajs Fazit. Die härtere Trainingsintensität beim 1. FFC Turbine Potsdam tut der früheren Duisburgerin sichtlich gut. Und so wunderte sie sich darüber, dass „die Zuschauer das erste Mal gepfiffen haben, als ich ausgewechselt wurde.“

„Frauenbeine sind schöner als Männerbeine“
Den Fauxpas des Tages leistete sich bereits vor dem Spiel Andreas Rettig, Manager des Männer-Zweitligisten FC Augsburg. Der machte sich im Kreis der ranghohen DFB-Frauenfußball-Funktionäre mit seiner Antwort auf die Frage, warum es die Frauenfußball-Nationalmannschaft anders als sein eigener Verein geschafft habe, das Stadion bis auf den letzten Platz zu füllen, keine Freunde: „Der einfache Grund dafür liegt darin, dass Frauenbeine schöner sind als Männerbeine.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

28 Kommentare »

  • Kay sagt:

    @Conny

    Den Teil über Anja nochmal genau lesen, ich weiß ich schreibe gerne mit wenig Punkt und viel Komma, aber da hast du meines erachtens was komplett missverstanden. Anja steckt den kopf nur SCHEINBAR in den Sand.

    Und Zitat: „Wenn ich noch 25 Minuten Zeit habe, mich zu zeigen, dann sollte von einer Anja Mittag einfach mehr kommen.“ Naja auch nochmal lesen was ich dazu geschrieben habe! Kannst du in einer Drucksituation in der du nur sehr wenig Zeit hast dein volles Potential abrufen? Wie gesagt wenn sie denn mal die Zusage hätte ein Paar Spiele ohne wenn und aber aufgestellt zu werden, wie es Frau Prinz ja auch zugesanden wird egal wie sie spielt, dann wird sie uns zeigen was sie kann, sie hat ja nicht vollkommen Talentfrei bis dato 7 Ligatore erziehlt.

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  • begge sagt:

    Also ich finde dass wir genügend alternativen im Mittelfeld haben, erst mal gehört die 10 ins Mittelfeld und nicht immer in die Abwehr nur weil Frau Neid, irgendwie keine alternative hat. Und Bresonik mit Laudehr oder Kulig find ich die bessere Lösung. Außerdem gibt es ja auch noch Zietz, die hat sich auch noch nicht bewehren können.

    Ehere Problematik sehe ich in der Abwehr, was ist wenn Hingst nicht mehr so gut spielt wie früher? Wer soll rechts spielen, klar Bianca Schmidt ist eine alternative, aber in der EM hat sich gezeigt, dass sie noch sehr unerfahren ist.

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  • Conny68 sagt:

    @kay
    Ich habe nicht geschrieben, dass Anja Mittag talentfrei wäre und deshalb nicht in die Nationalmannschaft gehöre. Sie besitzt ja ein riesiges Potential … aber das alleine genügt doch nicht. Sie muss sich zeigen und sich bei so einem 25minütigen Einsatz zerreißen. Als Spielerin muss man sich das Vertrauen der Trainerin, wie Du es jetzt hier für Anja Mittag einforderst, hart verdienen.

    Oh ja, und dann überhaupt das Thema Druck. Das erinnert mich gerade ganz schrecklich an (m)eine Frauenfußballmannschaft. Bei einigen dieser Spielerinnen beginnt Druck schon damit, dass man vor Saisonbeginn laut über das Ziel nachdenkt, mal nicht gegen den Abstieg zu spielen. Dieser Druck würde lähmen und ihnen jeden Spaß nehmen…- aber das nur nebenbei.

    Im übrigen hat wohl jeder von uns in seinem Leben schon mit Drucksituationen umgehen müssen, vor der Abiturprüfung – Lehrprüfung – Führerscheinprüfung, oder wenn man vor vielen Menschen einen Vortrag halten muss… und im Sport gehören sie doch sowieso dazu, ob im Elfmeterschießen, in einem entscheidenen Aufstiegs/Abstiegsspiel, der letzte Versuch beim Speerwurf, der Start beim 100-Meter-Lauf….

    Es sind doch genau diese Situationen, die darüber entscheiden, ob wir in dem Moment zu den Siegern oder zu den Verlierern gehören. Deshalb spielt ja die mentale Stärke auch eine immer größere Rolle im (Leistungs)Sport. Aber das ist natürlich ein weites Themenfeld …

    Kurz und gut – natürlich wünsche ich Anja Mittag, dass sie es schafft, der Bundestrainerin zu beweisen, wie wichtig sie für das deutsche Team sein kann.

    @begge
    Ich sehe Bresonik auch eher im Mittelfeld. Alledings konnte ich die Maßnahme von Silvia Neid verstehen, dass sie gegen die US-Girls zunächst die Viererkette mit Linda stärken wollte. Bianca Schmidt hat noch Defizite, dass hat man bei der EM gesehen. Aber auf lange Sicht hoffe ich, dass sich dort die junge Spielerin etabliert.

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  • eisbär sagt:

    @ Kay

    Im Bezug auf Prinz und Kulig gebe ich dir vollkommen Recht.

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  • Semmel sagt:

    Die Entscheidungen werden dann womöglich nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass dieses Spiel eine Vorbereitung war.

    Gewisse Spieler haben gezeigt, dass sie spielersich Überzeugen können und wurden deshalb ausgewechselt, um andere Spieler eine Chancce zu gebenund somit reallistische Vergleichsbedingungen zu schaffen.

    In diesem Sinne mögen die Entscheidungen für das Spiel nicht unbedingt förderlich gewesen sein, für die Weinterentwicklung und Verbesserung der Startaufstellung aber sicherlich.

    Letztendlich kann man sagen, dass die Deutschen spielerisch überzeugten, jedoch ein Fehler von Angerer letztendlich zur Niederlage führte. Denn der Kopfball war so schwach, dass von ihm keine Torgefahr ausgegangen wäre, wenn Angerer passiv geblieben wäre. Jedoch hatte man auch genügend Möglichkeiten diesen Fehler, die durchaus mal unterlaufen dürfen, auszubügeln. Dieses ist leider nicht geschen. Jedoch ist dieses nicht schlimm, sondern ist eher als Ansporn für die Zukunft zu verstehn.

    An den Fehlern werden sie arbeiten, sie verbessern … und dann wollen wir doch sehn, wer sie schlagen kann …

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  • till sagt:

    Na ja über Prinz brauche ich nicht mehr soviel sagen sie ist eine sehr verdiente Spielerin, aber zurzeit nur noch ein Schatten ihrer Selbst … Sie hätte aus meiner Sicht vor Grinks, die einfach eine super Form hat, ausgewechselt werden müssen. Das mit Lira ist auch sehr fragwürdig und ich könnte das nur verstehen, wenn sie angeschlagen gewesen wäre…
    Bartusiak hat für mich schon lange nicht mehr in die Startelf der Deutschen Nationalmannschaft gehört – wie sie da rein gerutscht ist will mir auch nicht in den Kopf. Ich hätte Sonja Fuss aufgestellt – besonders auch bei der EM, da sie mit Annike Krahn noch eingespielt sein sollte. Wer sagt, dass Bartusiak bis auf die zwei Sitationen gut gespielt haben soll, von dem verlange ich erstmal, dass er mir noch ein paar andere Offensivaktionen der Amerikannerinnen aufzählt – meinem Gedächtnis nach hatten sie nur drei!
    Ein was ist mir noch aufgefallen, wenn mich da nicht meine Augen getäuscht haben. Als Prinz (endlich) vom Platz gegangen ist müsste Simone Laudehr die Kapitänsbinde übernommen haben 😀 Früher war doch Garefrekes die erste „Vize“-Kapitänin … Ist das schon der Anfang vom Ende??

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  • Mini sagt:

    @ till…

    KG war schon vom platz runter als prinz gegangen ist..

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  • till sagt:

    stimmt die durften ja mehr als dreimal wechseln … schade ich dachte mal ein Anzeichen in die richtige Richtung gesehen zu haben… auch Garefrekes ist weit weg von ihrer Normalform

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