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2009

DFB-Elf: Die letzte Kaltschnäuzigkeit hat gefehlt

In der Vergangenheit überzeugte die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft bei Siegen nicht immer rundum, doch in Augsburg war es bei der 0:1-Niederlage gegen die USA vor 28 367 Zuschauern in der ausverkauften Impuls-Arena umgekehrt. Trotz einer vor allem in der ersten Stunde starken Leistung stand am Ende die erste Heimniederlage seit dem 0:1 gegen China in Homburg im März 2006.

45 Minuten lang hatte die gegenüber dem 6:2-Sieg im EM-Finale gegen England nur auf einer Position veränderte deutsche Mannschaft (Fatmire Bajramaj für Melanie Behringer) das US-Team von Trainerin Pia Sundhage im Griff wie nie zuvor und ein Offensivfeuerwerk abgebrannt, dem die Amerikanerinnen nichts entgegenzusetzen hatten.

Gegen die USA stark wie nie zuvor „Das war sicher unsere dominanteste Halbzeit, die wir je gegen ein amerikanisches Team gezeigt haben“, bestätigte Bundestrainerin Silvia Neid auf Nachfrage die Einschätzung. Angetrieben von der starken Bajramaj am linken Flügel und mit geschickten Steilpässen in die Schnittstelle der US-Viererkette brachten die DFB-Spielerinnen das US-Team gehörig ins Schwitzen, dem die mangelnde Spielpraxis anzumerken war - das letzte Länderspiel, ein 1:0-Sieg gegen Kanada, lag mehr als drei Monate zurück. Doch eine reaktionsschnelle und umsichtige US-Torhüterin Hope Solo, die im vierten Spiel in Folge gegen Deutschland ohne Gegentreffer blieb, eine Portion Glück und die Physis und Defensivstärke der Amerikanerinnen verhinderten eine deutsche Führung.

Abby Wambach (l.) und Shannon Boxx feiern den Treffer des Tages.

Wambach erzielt Treffer des Tages Die gelang dann überraschend Abby Wambach, die nach 34 Minuten die erste ernst zu nehmende Chance für die Amerikanerinnen verwertete, als Innenverteidigerin Saskia Bartusiak über eine Flanke von Yael Averbuch säbelte, Wambach den Ball per Kopf über die herauseilende Nadine Angerer ins Netz setzte . „Ich hätte wohl auf der Linie bleiben sollen“, so Angerer. In der zweiten Halbzeit erarbeitete sich die DFB-Elf zwar weiter eine optische Überlegenheit, zwingende Chancen konnte sich das Team aber nicht mehr herausspielen.

Glück für DFB-Elf Die Wechsel auf beiden Seiten taten ein Übriges, um den Spielfluss nach und nach immer mehr zum Erlahmen zu bringen. Die Auswechslung von Bajramaj quittierten die Zuschauer mit einem gellenden Pfeifkonzert. Am Ende musste man froh sein, nicht höher verloren zu haben, denn Angerer musste bei einem US-Konter gegen Amy Rodriguez Kopf und Kragen riskieren, um einen zweiten Gegentreffer zu verhindern, die ungarische Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal verwehrte dem US-Team zudem einen klaren Elfmeter, als Bartusiak US-Stürmerin Wambach im Strafraum zu Fall brachte. In den letzten 30 Minuten war dem DFB-Team zudem anzumerken, dass in den Köpfen vieler Spielerinnen die nahenden Partien in Bundesliga und Champions League davon abhielten, das letzte Quäntchen Energie in die Waagschale zu werfen.

Beim Aufwärmen angeschlagen, im Spiel die Antriebskraft: Fatmire Bajramaj.

Bärenstarke Bajramaj Neid nahm die Niederlage im ersten WM-Test sportlich. „Das macht mir in einem Testspiel überhaupt nichts, solange wir daraus lernen.“ Und auch für Bajramaj war das 0:1 „kein Weltuntergang“, weil „wir von der 1. bis zur 90. Minute“ das bessere Team waren. „Wir haben heute gelernt, dass wir lernen müssen, Tore zu schießen, auch wenn das im Training gut klappt“, so Bajramajs Fazit. Die härtere Trainingsintensität beim 1. FFC Turbine Potsdam tut der früheren Duisburgerin sichtlich gut. Und so wunderte sie sich darüber, dass „die Zuschauer das erste Mal gepfiffen haben, als ich ausgewechselt wurde.“

„Frauenbeine sind schöner als Männerbeine“ Den Fauxpas des Tages leistete sich bereits vor dem Spiel Andreas Rettig, Manager des Männer-Zweitligisten FC Augsburg. Der machte sich im Kreis der ranghohen DFB-Frauenfußball-Funktionäre mit seiner Antwort auf die Frage, warum es die Frauenfußball-Nationalmannschaft anders als sein eigener Verein geschafft habe, das Stadion bis auf den letzten Platz zu füllen, keine Freunde: „Der einfache Grund dafür liegt darin, dass Frauenbeine schöner sind als Männerbeine.“

Schlagwörter: A-Nationalmannschaft • Abby Wambach • Fatmire Bajramaj • USA