Pokalerfolg als Wundheilung
„Im Pokal ist alles möglich“ heißt es so schön - bei den Frauen allerdings eher weniger. Die zweite Runde des DFB-Pokals hielt kaum eine Überraschung bereit. Dafür konnten sich einige Teams nach zuletzt turbulenten Tagen und enttäuschenden Resultaten rehabilitieren.
Herford nimmt Niederlage locker Dass Zweitligist Herforder SV sich nicht ernsthaft Hoffnungen auf eine Pokalüberraschung machte, klang im Vorfeld der Partie beim amtierenden UEFA-Cup-Sieger FCR Duisburg bereits an. Dass die Ostwestfälinnen aber gleich mit 0:9 untergingen, hatte sich wohl niemand vorgestellt. Den HSV-Kasten hütete dabei nicht Sonja Speckmann, sondern Nina Göking in ihrem ersten Pflichtspiel überhaupt. “An ihr lag es am allerwenigsten, dass wir neun Stück kassiert haben. Nina hat ihre Sache gut gemacht”, lobte HSV-Trainerin Tanja Schulte die Vertretung für die verletzte Sonja Speckmann.
Auch Göking war froh, ihren Einstand gegen ein Spitzenteam feiern zu können, um sich auszuzeichnen. Geklingelt hat es in ihrem Kasten insgesamt neunmal, schon nach 32 Sekunden fiel der Führungstreffer durch Inka Grings, dem sie noch drei weitere folgen ließ. Die anderen Tore erzielten Alexandra Popp, Simone Laudehr (2) sowie Femke Maes und Jennifer Oster. Viele Tore, und so bedankte sich Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg beim HSV, dass er sich nicht hinten rein gestellt, sondern mitgespielt habe. Genau das ließ auch Schulte die Niederlage vergleichsweise locker nehmen. „Wir haben besser mitgespielt als in der vergangenen Erstligaserie, in der wir 1:3 und 0:6 verloren haben. Aber der FCR hat in Sachen Tempo und Dynamik noch einmal zugelegt.”
Sven Kahlert hat gegen Bad Neuenahr einen optimalen Einstand gefeiert.
Nationalmannschaftsmodell in Frankfurt Bislang blieb der SC 07 Bad Neuenahr in der Bundesliga verlust- und gegentorlos – angesichts der Beurlaubung des Frankfurter Trainers Günter Wegmann lag auf dem Erstligaduell ein besonderes Augenmerk. Der neue FFC-Coach Sven Kahlert überraschte in Koblenz mit einigen Änderungen in der Mannschaft und berief Kerstin Garefrekes auf die rechte Abwehrseite, eine Position, in der sie auch in der Nationalmannschaft gelegentlich aushilft. Darüber hinaus lief Neuzugang Laura del Rio García von Beginn an auf, beim Bundesligaspiel am vergangenen Sonntag hatte Wegmann noch erklärt, dass 90 Minuten für die Spanierin, die mit muskulären Problemen zu kämpfen habe, zu viel seien; man wolle behutsam vorgehen.
Del Rio bedankte sich für das Vertrauen und traf. Mal wieder muss man sagen, denn bislang gab es noch kein FFC-Spiel, bei dem sich die Spanierin nicht in die Torschützenliste eintrug. Am Ende hieß es 4:0 für die Frankfurterinnen, Garefrekes, Birgit Prinz und Dzsenifer Marozsán erzielten die weiteren Treffer vor insgesamt 1.600 Zuschauern.
Auch Potsdam und München weiter Fast ebenso deutlich, wie Duisburg, erreichte der 1. FFC Turbine Potsdam die nächste Runde. Der Deutsche Meister gewann mit 7:0 gegen Zweitligist FFC Oldesloe. Ein Doppelschlag der Norwegerin Leni Larsen Kaurin in der sechsten und neunten Minute brachte die Turbinen bereits frühzeitig auf die Siegerstraße.
Mehr zittern musste dagegen der FC Bayern München, der das Lokalderby gegen den FFC Wacker München nur mühsam mit 2:1 gewinnen konnte. Der FCB lag dabei zur Halbzeit noch durch einen Treffer von Rebecca Huyleur mit 0:1 zurück. Christina Eckmann glich für den Vizemeister aus, erst in der 79. Minute gelang Bianca Rech der Endstand.
Neues Selbstvertrauen für Freiburg Bislang ist der SC Freiburg in der Ersten Bundesliga punkt- und torlos, im DFB-Pokal sind die Breisgauerinnen dafür nun eine Runde weiter. „Wir hatten heute in den entscheidenden Momenten das notwendige Glück und haben unsere Chancen verwertet,“ analysierte Trainer Günther Rommel, dessen Mannschaft gegen den 1. FC Saarbrücken bereits nach sieben Minuten durch Martina Moser in Führung ging. Gäste-Trainer Stephan Fröhlich haderte mit dem Spiel seiner Elf, „meine Viererkette hat gespielt wie ein Hühnerhaufen.“ Und obwohl Fröhlich in der zweiten Hälfte ein optisches Übergewicht seiner Mannschaft sah, kassierten die Saarbrückerinnen einen weiteren Gegentreffer, Annika Eberhardt sorgte für die Entscheidung und den ersten Freiburg-Sieg in dieser Saison. Um Punkte geht es in anderthalb Wochen zwischen den beiden Teams im Bundesligaduell, „Wir freuen uns auf die Revanche“, so Fröhlichs Kampfansage.
Kiel gewinnt im Elfmeterschießen, Wolfsburg setzt Zeichen Zweitligist gewinnt gegen den Klassenhöheren – nur einmal gelang es in dieser Pokalrunde. Holstein Kiel warf Erstligist TeBe Berlin aus dem Rennen, im Elfmeterschießen musste sich der Bundesligaaufsteiger mit 3:4 geschlagen geben. Zur Heldin des Abends avancierte mit zwei gehaltenen Elfmetern Kiels 17-jährige Torhüterin Victoria Bendt, die sich auch durch einen 20-minütigen Flutlichtausfall nicht aus der Ruhe bringen ließ.
Mit dem Hamburger SV ist ein weiterer Erstligaverein aus dem Pokal ausgeschieden, die Hanseatinnen verloren gegen Ligakonkurrent VfL Wolfsburg. In der Saison konnte der VfL bislang nicht überzeugen, umso wichtiger der Pokalauftritt. „Das tut der Mannschaft nach turbulenten Tagen natürlich richtig gut. Einen Gegner aus der Bundesliga auf Augenhöhe haben wir heute über die gesamte Spielzeit klar dominiert”, so VfL-Trainer Ralf Kellermann . Den Führungstreffer erzielte Stephanie Bunte bereits in der vierten Minute, Nationalstürmerin Martina Müller ließ es beim 3:0 gegen Hamburg noch zwei weitere Male klingeln. „Nachdem wir in der Liga einige Punkte liegengelassen haben, ist das natürlich ein Erfolg genau zur richtigen Zeit“, zeigte sich Kellermann zufrieden.
Die weiteren Ergebnisse: Magdeburger FFC – SG Essen-Schönebeck 1:4 SC Sand – FF USV Jena 0:5 SG Lütgendortmund – 1. FC Lok Leipzig 1:2 SV BW Hohen Neuendorf – SV Werder Bremen 1:4 1899 Hoffenheim – VfL Sindelfingen 0:1 TSV Crailsheim – 1. FC Köln 2:5 SG Wattenscheid 09 – ASV Hagsfeld 2:1 Mellendorfer TV – FSV Gütersloh 0:5 Bayer 04 Leverkusen – TuS Wörrstadt 7:0
Die Auslosung des Achtelfinales findet am Mittwoch, 21. Oktober, in Köln durch Lukas Podolski statt.
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