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2009

EM-Bilanz: Hohes Niveau, wenig Zuschauer

Nach knapp drei Wochen Finnland mit 25 EM-Spielen und ein paar Tagen Abstand ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Womensoccer blickt auf ein packendes Turnier zurück, bei dem am Ende wieder einmal Deutschland die Nase vorn hatte. Doch auch andere Teams konnten Duftmarken setzen.

Ein internationales Turnier wie die Frauenfußball-EM in Finnland ist immer eine Standortbestimmung, bei der man Vergleiche mit früheren Turnieren zieht. Bereits zum fünften Mal in Folge, zum siebten Mal insgesamt durfte sich am Ende die DFB-Elf über den Erfolg freuen. Insofern bot das Turnier auf den ersten Blick nur wenige neue Erkenntnisse. Nicht wenige hätten England im Finale den EM-Triumph gegönnt, in der Hoffnung, dass der Frauenfußball den Makel der Berechenbarkeit los wird.

Doch auch wenn Deutschland seinem Ruf als Seriensieger alle Ehre machte, war die Tendenz unverkennbar, dass sich alle Teams enorm weiterentwickelt und sich neue ins Rampenlicht gespielt haben, die möglicherweise bereits in zwei Jahren bei der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland erneut positive Schlagzeilen schreiben können.

Schneller und präziser als 2005 Das Gefälle zwischen den Teams ist deutlich geringer geworden als noch vier Jahre zuvor, das Spiel ist inzwischen stärker von Taktik geprägt, was für den Zuschauer im Stadion und an den Fernsehschirmen nicht immer zu einer positiven Wahrnehmung geführt hat. Doch dies darf nicht darüber hinweg täuschen, welche Fortschritte alle Teilnehmer gemacht haben. So hat sich gezeigt, dass das technische Niveau aller 12 teilnehmenden Teams hoch war, gerade die Topteams aus Deutschland, England, Norwegen, Schweden und Frankreich bestachen durch eine hohe Qualität beim Passspiel. Die Entwicklung des europäischen Frauenfußballs in den vergangenen vier Jahren kam durch zwei Faktoren besonders zum Ausdruck: Es gibt viel mehr schnelle Spielerinnen, die Qualität der Flanken hat sich im Vergleich zur EURO 2005 zudem deutlich verbessert.

Starke Abwehrreihen Ebenfalls frappierend: Die Abwehrarbeit aller Teams war auf außerordentlich hohem Niveau, sehr zum Leidwesen der Stürmerinnen, die sich vermehrt an gut positionierten Abwehrspielerinnen die Zähne ausbissen. Und auch die athletische Ausgeglichenheit aller Teams war augenfällig.

Der Modus mit 12 teilnehmenden Teams, der den beiden besten Gruppendritten den Aufstieg ins Viertelfinale ermöglichte, brachte es mit sich, dass anders als in der Vergangenheit diesmal auch bewusst auf Ergebnis gespielt wurde. Doch man muss diese Entwicklung nicht zwangsläufig negativ sehen, denn es spricht von hoher taktischer Qualität, auf ein Resultat hinarbeiten zu können. Aber auch der Offensivfußball kam beim Turnier nicht zu kurz, wie etwa das Finale eindrucksvoll unterstrich, das ob seiner Qualität auch so manchen Kritiker zum Schweigen gebracht haben dürfte. Auch andere Spiele hatten hohen Unterhaltungswert, wie etwa Englands 3:2-Sieg gegen Russland oder auch Norwegens 3:1-Sieg gegen Schweden im Viertelfinale.

Schweden patzt im entscheidenden Moment Schweden schaffte es trotz guter Leistungen nicht, im entscheidenden Moment sein volles Potenzial abzurufen , durch die Niederlage gegen Norwegen schaffte es das Team von Trainer Thomas Dennerby auch im dritten großen Turnier hintereinander nicht, sich unter die besten Vier zu schieben. Zwar hatte man auch ein wenig Pech, dennoch zeigte sich erneut, dass die Schwedinnen in kritischen Situationen oft eine Antwort schuldig bleiben.

Norwegen schaffte es hingegen mit einer jungen Mannschaft bis ins Halbfinale, wo man Deutschland eine Halbzeit lang an den Rand einer Niederlage brachte, ehe man in der zweiten Halbzeit vor allem die physische Überlegenheit der deutschen Elf anerkennen musste. Die größte Enttäuschung im Turnier war zweifelsohne Dänemark, die in einer machbaren Gruppe bereits in der Vorrunde ausschieden und nur phasenweise ihr Leistungsvermögen abrufen konnten. Ein Manko, dass das Team in den vergangenen Jahren nie völlig in den Griff bekommen hat.

Niederlande überrascht Frankreich erreichte zwar das Viertelfinale, dort schied man aber sang- und klanglos gegen die Niederlande aus, weil man es über 120 Minuten nicht verstand, die gut eingestellte niederländische Abwehr zu knacken. Zwar stellten die Französinnen in Camille Abily eine der überragenden Spielerinnen des Turniers, doch sie alleine konnte das Ruder für das Team von Trainer Bruno Bini nicht herumreißen, das Defizite in der Abwehr und vor allem im Offensivspiel offenbarte. Die Niederländerinnen machten angeführt von ihrer cleveren Trainerin Vera Pauw hingegen das Beste aus ihren begrenzten Möglichkeiten und erkämpften sich einen Platz im Halbfinale, wo nach 120-minütigem Kampf gegen England allerdings Endstation war.

Eine Bereicherung für das Turnier war Island, das sich in einer schweren Gruppen mit Norwegen, Frankreich und Deutschland teuer verkaufte und mit etwas Glück den einen oder anderen Punkt hätte mitnehmen können. Vor allem in der Defensive lieferte das Team gute Arbeit ab, doch im Spiel nach vorne stießen die Isländerinnen im Duell mit den besten Teams an Grenzen. Doch dank guter Nachwuchsarbeit sollte das Team auch in den kommenden Jahren immer mal wieder für eine Turnierteilnahme gut sein, wo man dann wieder die tollen isländischen Fans bewundern kann, die dem Turnier vor allem Spiel gegen Deutschland einen besonderen Farbtupfer verliehen.

Russland im Pech Nicht nur Dänemark wurde unter Wert geschlagen, auch Russland hätte mit etwas mehr Glück das Viertelfinale erreichen können. Gegen England gab man eine 2:0-Führung aus der Hand, gegen Italien vergab man reihenweise beste Chancen oder scheiterte am Aluminium, so dass das Team von Trainer Igor Shalimov auch frühzeitig die Heimreise antreten musste.

Gastgeber Finnland schaffte es trotz des Viertelfinaleinzugs nur bei den eigenen Spielen, die Fans in die Stadien zu locken, ansonsten herrschte zumeist gähnende Leere, wenngleich das Finale in Helsinki mit fast 16 000 Zuschauern zumindest für einen einigermaßen versöhnlichen Abschied sorgte. Das geringe Interesse am Frauenfußball, die nahende Eishockeysaison und die mangelnde Berichterstattung in den Medien sorgten für viele leere Sitze in Helsinki, Tampere, Lahti und Turku. Freuen wir uns also schon auf 2011, wo der Zuschauerzuspruch deutlich höher ausfallen wird.

Niederlande 2013? Unglücklich fanden alle Beteiligten, dass aufgrund des Wettbewerbsformat mit 12 Teilnehmern etwa Dänemark nach seinem letzten Gruppenspiel zwei Tage warten musste, bis feststand, dass das Team die Heimreise antreten muss. Deswegen sind die Überlegungen, das Turnier ab 2013 auf 16 Mannschaften aufzustocken, weit fortgeschritten und finden breiten Anklang.

Einer der potenziellen Ausrichter ist die Niederlande, die zuletzt noch einmal den Willen bekräftigt hat, in vier Jahren die besten Teams Europas zu beherbergen. Das deutsche Nachbarland bewies bereits 2005 als Ausrichter der U20-Weltmeisterschaft der Männer, dass man auch große Turniere gut bewältigen kann, damals sogar mit 24 Teams.

Schlagwörter: Europameisterschaft 2009