Umeå auch ohne Marta spitze
“Es ist an der Zeit, dass die Medien aufhören, immer nur nach Marta, Marta, Marta zu fragen”, sagte die 18-jährige Schweizerin Ramona Bachmann nach dem 2:0-Sieg von Umeå IK bei AIK in Solna. Die Experten hatten den Meister der vorigen vier Jahre nur noch auf Platz 3 getippt, nachdem die weltbeste Spielerin nach langen Verhandlungen doch den Verein verlassen hatte und zu Los Angeles Sol gegangen war. In der Tat begann die Saison auch alles andere als vielversprechend, doch das Team hat sich schnell wieder gefangen und ziert nun nach der ersten Saisonhälfte die Tabellenspitze.
Da gab es zu Beginn das sensationelle Ausscheiden nach schwacher Leistung gegen den russischen Meister Zvezda im Halbfinale des UEFA Women’s Cup und obendrein noch die genauso überraschende Heimniederlage (1:2) im Lokalderby gegen das 150 Kilometer entfernte Sunnanå. Vor allem in der Chancenverwertung zeigte Umeå erhebliche Probleme.
Mit taktischen Umstellungen zum Erfolg Vor dem Spiel bei Djurgården in Stockholm stellte Trainer Mika Sankala dann um, ließ Madelaine Edlund und Bachmann die Plätze in der Spitze tauschen - mit Ramona in der Mitte platzte dann der Knoten. Strahlende Gesichter und Freudentänze nach dem souveränen 5:2-Sieg bei Djurgården. “Ich wusste, dass es früher oder später so ausschauen würde,” sagte Sankala. “Wir haben so hart trainiert und die Spielerinnen sind dermaßen motiviert, das konnte nicht so weitergehen.”
Umeå siegte auch in den Spitzenspielen gegen die beiden anderen Goldfavoriten Linköpings FC und vor allem LdB Malmö FC jeweils mit 2:1. In Malmö zeigte sich, dass es nicht ausreicht, nominell den mit Abstand stärksten Kader zu besitzen. Im Vorrundenschlager gegen Umeå versagten die Nerven, man war nah dran, aber es war Umeå, dass im entscheidenden Augenblick stärker war, wie schon in den Jahren zuvor.
Martas Weggang beflügelt Teamkolleginnen Der Weggang von Marta scheint sehr viele Spielerinnen motiviert zu haben, die das Gerede leid waren, dass die Erfolge von UIK ausschließlich an Marta hängen würden. Der heutige Sturm mit der flinken und dribbelstarken Dänin Johanna Rasmussen, Edlund und vor allem Bachmann ist zweifelsohne der stärkste der Liga. Die Schweizerin hat sich dabei enorm verbessert und ist endgültig zur Weltklassespielerin geworden, ein Quantensprung. Sie will die Beste der Welt werden, hat sie immer wieder allen gesagt, die es hören und nicht hören wollten. Trainer Sankala dazu: “Sie ist ein großes Talent und hat alles, was man braucht. Aber sie muss es auch ruhig nehmen. Wenn man die Beste der Welt werden will, braucht es auch eine Portion Demut”.
Topfavorit Malmö scheiterte gegen Umeå nicht nur an den eigenen Erwartungen, es gab noch drei weitere Niederlagen - zum Auftakt in Göteborg (1:2) und dann gegen Örebro (0:2) und zuletzt das bittere 0:4 daheim gegen Sunnanå. Sanft wurde die Trainerfrage gestellt, aber soweit sind wir im Frauenfußball wohl noch nicht, denn nach den dunklen Wolken der vergangenen Wochen begann die Rückrunde nun mit einem glänzenden 4:0 zu Hause gegen den Überraschungszweiten Göteborg.
Treffsichere Liljegärd Der Weggang Lotta Schelins scheint Göteborg ähnlich beflügelt zu haben wie das mit Umeå und Marta der Fall war. Die 20-jährige Linnéa Liljegärd schoss Göteborg mit ihren 14 Treffern aus zwölf Spielen auf den zweiten Rang, aber auch die solide Abwehr mit Nationaltorfrau Hedvig Lindahl und der Innenverteidigung Jane Törnqvist/Stina Segerström hat da einen entscheidenden Anteil. Trotzdem holte Malmö Göteborg nun wohl auf den Boden der Realität zurück.
Ganz unten die Aufsteiger: Piteå und Stattena. Besonders das letztere Team aus Helsingborg hat sich schon eine Reihe von haushohen Niederlagen eingefangen, begann die Saison mit zwei Heimspielen, die jeweils 0:7 (!) verloren wurden. Die Damallsvenskan besteht bestenfalls aus neun, eventuell zehn Teams, die das Prädikat “erstligatauglich” auch verdienen. Zu groß der Unterschied zwischen der ersten und den beiden zweiten Ligen, als dass die Aufsteiger das mit normalen finanziellen Ressourcen gleich schaffen würden, im Oberhaus zu bestehen.
Zweitligist Tyresö auf dem Weg nach oben In der Nordgruppe der zweiten Liga allerdings wächst mit Tyresö FF (dem wohl vierten künftigen Erstligateam aus Groß-Stockholm ein Team, das mit ganz anderen Voraussetzungen arbeiten kann und einen Durchmarsch zu machen scheint. Da sind mit Kathrin Schmit und Helen Nottebrock auch zwei deutsche Spielerinnen und vorne stürmt die D 21/23-Nationalspielerin Emma Stålhammar, die aus Malmö kam.
Auch wenn Umeå jetzt mit einem Polster von zwei Punkten auf Göteborg, vier Punkten auf Linköping (bei einem Spiel weniger) und sechs Punkten auf Malmö am Montag gegen Örebro in die Rückrunde startet, bleibt zumindest der Kampf um nahezu alle weiteren Plätze spannend.
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