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2009

Scheitert Bayern München an seinen Nerven?

Man soll das Fell des Bären nicht verkaufen, bevor man ihn nicht erlegt hat, heißt eine alte Redewendung. Und sie scheint auch auf den FC Bayern München zuzutreffen, dem viele die Meisterschale nach dem Sieg beim Hamburger SV am liebsten bereits per Post zugeschickt hätten.

Doch nach der sang- und klanglosen 0:4-Niederlage gegen den FCR 2001 Duisburg und dem verschenkten Vorteil der besseren Tordifferenz gegenüber dem 1. FFC Turbine Potsdam wird die Titel entscheidende Partie beim TSV Crailsheim statt einer lockeren Pflichtaufgabe zum brisanten Nervenspiel.

Die im Sportpark Aschheim ungewöhnliche Kulisse von 3 112 Zuschauern, die Bedeutung des Topspiels und die mehrwöchige Spielpause lähmte den Bayern-Frauen sichtlich die Beine und so reichte den müden Spielerinnen des frisch gebackenen UEFA- und DFB-Pokalsiegers eine durchschnittliche Leistung, um den Bayern-Traum von der Meisterschaft ins Wanken zu bringen und sich selbst noch einmal ins Titelrennen zurück zu katapultieren.

Wörle: “Druck hat uns gelähmt” „Bei meiner Mannschaft ging heute gar nichts“, so Bayern-Trainer Günther Wörle, der während des Spiels von Gegentor zu Gegentor immer blässer wurde. „Der Druck hat uns richtiggehend gelähmt. Sehr bedauerlich bei dieser Kulisse.“ Doch ob der hohen Niederlage gegen den zweifachen Titelträger wird der Druck nun am Sonntag noch größer.

Denn nun befindet man sich in der unbequemen Ausgangssituation, im schlimmsten Fall gar noch die Champions-League-Teilnahme zu verspielen, einen Punktverlust in Crailsheim darf man sich nicht leisten, vorausgesetzt, Potsdam (gegen den VfL Wolfsburg) und Duisburg (gegen den SC Freiburg) bewältigen ihre Heimspiele fehlerfrei.

Herzschlagfinale am Sonntag Die Crailsheimerinnen wollen sich zudem mit Anstand aus Liga eins verabschieden, das Duell gegen ihren früheren Trainer dürfte die Gastgeberinnen zusätzlich motivieren. “Mit der heutigen hohen Niederlage kommt es am kommenden Sonntag zum Bundesliga-Herzschlagfinale.”

Erstaunlich war dabei, dass ausgerechnet die Routiniers im Team das Nervenflattern bekamen und nicht etwa die jungen Spielerinnen, wie die souverän agierende Katharina Baunach oder die später eingewechselten Julia Simic und Stefanie Mirlach, die das Bayern-Spiel sichtlich belebten. „Das tut richtig weh. Doch wir werden den Kopf hochnehmen und nach vorne schauen“, so Nicole Banecki, die nach einer guten halben Stunde Pech hatte, als sie mit einem Schuss nur die Latte traf (33.).

Bayern läuft ins offene Messer Doch fast mit dem Pausenpfiff leitete Inka Grings mit einem verwandelten Foulefmeter das Bayern-Fiasko ein (45.). Innenverteidigerin Sandra de Pol, die nicht gerade ihren besten Tag erwischte, hatte Simone Laudehr mit einer Grätsche im Strafraum ins Straucheln gebracht, die ging mit Verzögerung zu Boden, ein harter, wenn auch vertretbarer Elfmeterpfiff von Schiedsrichterin Christine Beck.

In der zweiten Halbzeit wollten die Gastgeberinnen den Zuschauern zeigen, was sie wirklich können, doch weit aufgerückt und mit zahlreichen individuellen Fehlern liefen sie den Duisburgerinnen ins offene Messer. Laudehr eroberte noch in der Anfangsviertelstunde der zweiten Halbzeit im Mittelfeld den Ball, überlief locker die Bayern-Abwehr und netzte abgebrüht zum 2:0 ein (56.).

Psychologe Wörle gefragt Und spätestens als dann auch noch die eingewechselte, kleine Vanessa Martini ausgerechnet per Kopf nach einem Freistoß die Führung in die Höhe schraubte (66.), stand fest, dass die Bayern an diesem Tag kein Bein mehr auf den Boden kriegen würden, zumal Mirlach die beste Bayern-Chance ausließ (77.). Grings versetzte dem entthronten Tabellenführer in den Schlussminuten mit ihrem 27. Saisontreffer den endgültigen K.o. (86.).

In den kommenden Tagen dürften vor allem die psychologischen Fähigkeiten von Bayern-Trainer Wörle gefragt sein. Es gilt, die ramponierte Bayern-Seele wieder aufzupäppeln und mit voller Energie und Konzentration in drei Tagen ins Endspiel in Crailsheim zu gehen, wo jeder erzielte Treffer entscheidenden Einfluss auf die Meisterschaft nehmen wird.