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2009

Potsdam zittert sich Richtung Champions League

Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder strahlte nach dem glücklichen, aber nicht unverdienten 2:1-Auswärtssieg beim 1. FFC Frankfurt in einer Mischung aus Freude und Genugtuung über das ganze Gesicht. Denn obwohl seine Mannschaft zuvor 90 Minuten lang eine ihrer schwächeren Saisonleistungen abgeliefert hatte, durfte man die Heimreise vom Brentanobad mit drei wertvollen Punkten im Gepäck antreten.

Und so wird ein Szenario immer realistischer, dass dem jungen Team vor zwei Jahren und auch im Dezember nach der 1:2-Niederlage bei Bayern München kaum einer zugetraut hat. „Wir sind noch nicht ganz da, aber eventuell spielen wir in der nächsten Saison Champions League.“

Dass es in Frankfurt vor 2 460 Zuschauern in einer intensiven geführten, aber keineswegs hochklassigen Partie, nicht so rund lief, hatte mehrere Gründe. „Wir waren heute leider ein bisschen verkrampft, jeder weiß, dass wir junge Spielerinnen haben.“

  1. Saisontreffer für Mittag Und Stürmerin Anja Mittag, die nach einem Fehler von Frankfurts Verteidigerin Gina Lewandowski das wichtige 1:0 und ihren bereits 20. Saisontreffer erzielte, räumte ein: „Der Druck war natürlich groß, denn wenn wir dieses Spiel nicht gewonnen hätten, hätten wir fast keine Chance mehr auf die Champions League gehabt.“ Auch Schröder gab zu: „Wir haben glücklich gewonnen, dafür aber beim Hinspiel in Potsdam unglücklich Punkte abgegeben.“

Bei den Gastgeberinnen haderte Trainer Günter Wegmann zum wiederholten Mal in dieser Saison mit dem Schicksal. „Mir standen heute nur zwölf gesunde Spielerinnen zur Verfügung. Wenn man diese Umstände betrachten, haben wir heute eine bemerkenswerte Leistung gezeigt. Und das von einer Mannschaft, von der man seit Monaten liest, dass sie nichts drauf hat. Heute haben wir Moral, Leidenschaft und Stärke gezeigt und den Zuschauern 90 Minuten alles geboten.“

Mangelnde Chancenverwertung Dass die Frankfurterinnen am Ende ohne Punkte da standen, lag auch zum wiederholten Mal an der fahrlässigen Chancenverwertung. Kerstin Garefrekes, Lewandowski und die in der Schlussphase eingewechselte Pia Wunderlich ließen beste Chancen aus. „Wir haben auch zwei ganz klare Elfmeter nicht bekommen“, kritisierte Wegmann zudem Schiedsrichterin Anja Kunick.

Die lag aber in der ersten strittigen Szene vollkommen richtig, da Garefrekes schon aus freien Stücken abhob, bevor sie von Turbine-Torhüterin Desiree Schumann berührt wurde. Bei der zweiten diskussionswürdigen Aktion hingegen kam Schumann nach einer Garefrekes-Flanke zu spät aus ihrem Tor, prallte beim Versuch den Ball zu erobern mit Sandra Smisek zusammen und brachte diese zu Fall – hier hätte sich Turbine über einen Elfmeterpfiff nicht beschweren dürfen. „Ich hoffe, dass wir eine neue, bessere und attraktivere Saison erleben werden“, will Wegmann schnell einen Haken unter die verkorksten Saison machen.

Gegen Wolfsburg ums Champions-League-Ticket Für den 1. FFC Turbine Potsdam stehen hingegen zwei echte Endspiele vor der Haustür. Erst geht es am 30. Mai im DFB-Pokalfinale in Berlin gegen den FCR 2001 Duisburg, acht Tage später soll dann mit einem Sieg im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg Platz 2 in der Bundesliga und die Champions-League-Teilnahme perfekt gemacht werden.

„Wir sind noch nicht durch, aber wir haben jetzt erst mal 14 Tage Pause, dann das DFB-Pokalfinale und danach Heimvorteil.“ Die Pause wird den Turbinen gut tun, denn „bei uns ist ein bisschen die Luft raus.“ Gegen Wolfsburg erwartet Schröder ein äußert unangenehmes Spiel. „Einige der Wolfsburger Spielerinnen wohnen ja noch in Potsdam, die werden alles versuchen. Das wird ein besonderes Spiel“, warnt er vor der Schwere der Aufgabe.

Saisonziele erreicht Dass rein rechnerisch sogar noch der Titel möglich ist, beschäftigt Schröder nicht. „Über die Meisterschaft haben wir nie gesprochen. Wir haben den DFB-Hallenpokal gewonnen, haben das DFB-Pokalfinale erreicht und stehen unter den Top 3 in der Liga. Wir haben alle unsere Ziele erreicht, ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft.“

Und wenn es in der Meisterschaft nicht für Platz 1 reichen sollte, ist das zumindest dafür geeignet, dass seine Spielerinnen die Bodenhaftung nicht verlieren. „Junge Leute tun sich heute oft schwer, das rechte Maß zu finden. Im Nachhinein sind wir gar nicht so böse, wenn wir nicht Meister werden.“ Dafür verspricht Schröder eine schlagkräftige Mannschaft für die kommende Saison. „Wir werden eine Super-Mannschaft haben, die auch in der Champions League wunderbar bestehen kann.“

Schlagwörter: 1. Bundesliga • 1. FFC Frankfurt • 1. FFC Turbine Potsdam • Bernd Schröder • Günter Wegmann