Herzlichen Glückwunsch, FCR 2001 Duisburg!
Ich weiß: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Aber nach dem furiosen 6:0 (1:0)-Auswärtssieg bei Zvezda-2005 im Final-Hinspiel des UEFA-Pokals ist dem FCR 2001 Duisburg der Titel und somit auch der Startplatz für die in der kommenden Saison erstmals ausgetragenen Champions League nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu nehmen. Bei diesem tollen sportlichen Erfolg nimmt man dann sicherlich auch gerne in Kauf, dass sich die Last-Minute-Ticketkäufe in der kommenden Woche in Grenzen halten werden. Nur ein einziger Wermutstropfen trübt die Freude.
Dabei musste man sich fast eine Halbzeit lang Sorgen um die Löwinnen machen. Nicht, weil sie schlecht gespielt hätten, sondern weil sie trotz drückender Überlegenheit eine Vielzahl hochkarätiger Torchancen nicht in Tore ummünzten. Der verschossene Elfmeter von Linda Bresonik, der Pfosten beim Freistoß von Inka Grings und eine gut aufgelegte russische Torhüterin Nadezhda Baranova verhinderten zunächst die überfällige Duisburger Führung.
Drückende Überlegenheit Denn mit dem Pressing und dem Tempo des Duisburger Spiels war der Finalgegner, der im Halbfinale noch den Vorjahresfinalisten Umeå IK eliminiert hatte, sichtlich überfordert. Und auch wenn die Russinnen anfangs der zweiten Halbzeit etwas besser in die Partie fanden, echte Sorgen musste man sich nach der Führung durch den schönen Heber der immer wertvoller werdenden Femke Maes nicht mehr machen.
Dass dann sogar noch das halbe Dutzend vollgemacht werden konnte, lag wohl in erster Linie daran, dass nach dem verwandelten Handelfmeter von Grings nach einer guten Stunde bei den Russinnen die Laufbereitschaft abnahm und die Duisburgerinnen die sich nun bietenden Räume perfekt nutzten. Allen voran Grings, die im Rückspiel in Duisburg alles daran setzen wird, ihren nun 12 Treffern im Wettbewerb weitere folgen zu lassen. Denn mit drei weiteren Treffern würde sie zur alleinigen Torschützenkönigin werden, derzeit hat noch Margrét Lára Vidarsdóttir mit 14 Treffern die Nase vorn. Jene Isländerin, die 2006 für ein paar Monate in Duisburg spielte.
Spektakel in der MSV-Arena Einige befürchten nun vielleicht, dass Trainerin Martina Voss nach dem klaren Sieg im Finalhinspiel in der MSV-Arena ein paar ihrer Schlüsselspielerinnen für das bevorstehende Saisonfinale in der Bundesliga und das DFB-Pokalendspiel schonen könnte. Doch wahrscheinlich ist das nicht, denn erstens will man kein Restrisiko eingehen, so gering es auch sein mag, zweitens will man den fast 20 000 Zuschauern noch einmal ein Frauenfußball-Spektakel der Extraklasse bieten und vor allem den Rhythmus behalten. Dann wird allerdings eine fehlen, die großen Anteil am Erfolg in dieser Saison hat. Linda Bresonik wird wegen ihrer zweiten Gelben Karte im Final-Rückspiel fehlen, vor einem Freistoß für die Russinnen schlug sie den Ball wohl ein wenig zu kräftig weg. Mehr als ärgerlich.
Und durch den klaren Erfolg und den zu 99,99 Prozent wahrscheinlichen UEFA-Pokal-Sieg ist auch dem vier Tage später folgenden Bundesligaspiel beim FC Bayern München ein wenig die Brisanz genommen. Die Konzentration dürfte sich bei der nahezu sicheren Teilnahme an der Champions League bereits auf das DFB-Pokalfinale am 30. Mai in Berlin gegen den 1. FFC Turbine Potsdam richten.
Perfekte Debütsaison im UEFA-Pokal Mit dem Erfolg in Kasan haben Voss und ihr Team das i-Tüpfelchen unter eine herausragende UEFA-Pokal-Saison gesetzt. Die Ergebnisse auf europäischem Parkett können sich wahrlich sehen lassen: 4:1 gegen Brøndby, 5:0 gegen Levante, 5:0 gegen Naftokhimik, 3:1 und 2:0 gegen den 1. FFC Frankfurt, 1:1 und 3:1 gegen Olympique Lyon und nun das 6:0 bei Zvezda-2005 – keiner der Gegner konnte den Duisburgerinnen ernsthaft Paroli bieten. Und der internationale Höhenflug dürfte sich für die Duisburgerinnen mehrfach bezahlt machen.
Zum einen streift man sportlich endlich den Nimbus des ewigen Zweiten ab, den man sich in den vergangenen Jahren durch vier Vizemeisterschaften in der Bundesliga und ein verlorenes DFB-Pokalendspiel erworben hatte. Darüber hinaus ist die Mannschaft, allen voran junge Spielerinnen wie Alexandra Popp oder Marina Hegering, gereift und sportlich auf einem ganz neuen Niveau angelangt.
Schaulaufen für die Sponsoren Und durch den europäischen Titel dürfte auch die Aufmerksamkeit der Medien und Sponsoren wachsen. Am kommenden Freitag, 22. Mai, 19.30 Uhr, hat man nun die Chance, vom Druck befreit vor großer Kulisse in der MSV-Arena potenzielle neue Geldgeber auf sich aufmerksam zu machen – um dann auch finanziell für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein, wenn immer mehr Großklubs in den Frauenfußball stoßen werden.