Duisburg will internationalen Höhenflug fortsetzen
Das Fieber beim FCR 2001 Duisburg vor dem vorläufigen Saison-Höhepunkt auf europäischer Ebene steigt. Am heutigen Sonntag erwartet das Team von Trainerin Martina Voss im Halbfinalrückspiel des UEFA-Pokals im heimischen PCC-Stadion Olympique Lyon (ab 13.45 Uhr live in der ARD). Vor acht Tagen haben sich die Duisburgerinnen mit dem 1:1 eine gute Ausgangsposition verschafft.
Doch nach zwei Niederlagen in der Bundesliga steht ein Fragezeichen hinter der aktuellen Form des Teams . „Ich glaube, Lyon hat uns im Hinspiel unterschätzt und wird das kein zweites Mal tun“, weiß Voss, dass noch einmal zumindest 90 Minuten harter Arbeit auf ihr Team warten.
Mit welcher Ernsthaftigkeit die Französinnen die Sache angehen, war bereits die ganze Woche zu spüren. Am Montag kündigte man an, anders als ursprünglich geplant, bereits am Freitag statt am Samstag Richtung Deutschland aufzubrechen. Am Mittwoch verfolgte dann eine sechsköpfige Lyoner Delegation, darunter Trainer Farid Benstiti und auch zwei Spielerinnen, die 1:2-Niederlage Duisburgs gegen Bayern München , für Sonntag hat auch der mächtige Vereinspräsident Jean-Michel Aulas sein Kommen angekündigt.
Längert fit, Popp-Einsatz wahrscheinlich Duisburg sollte also gewarnt sein, denn in Lyon will man alles daran setzen, dass nicht zum zweiten Mal in Folge Endstation im UEFA-Pokal-Halbfinale ist, im Vorjahr reichte nach einem 1:1 im Hinspiel gegen Umeå IK das torlose Remis im Rückspiel nicht zum Finaleinzug. Während Voss am Sonntag auf die wieder genesene Torhüterin Kathrin Längert setzen kann, ist ein Einsatz von Alexandra Popp nach ihrer Fußverletzung noch nicht hundertprozentig sicher, doch Popp dürfte auf die Zähne beißen.
Bleibt zu hoffen, dass Längert sich voll auf ihre Aufgabe konzentrieren kann. Am Freitag hatte der Verein zum ungewöhnlichen Zeitpunkt nur zwei Tage vor dem wichtigen Spiel bekannt gegeben, dass Nationaltorhüterin Ursula Holl ab der kommenden Saison zum Team stoßen wird . „Auf Null zu Null spielen können wir auf keinen Fall“, so Voss, die mit ihrem Team den erwarteten 4 000 Zuschauern im Stadion und dem Publikum an den Fernsehschirmen ein echtes Spektakel bieten will. „Wir werden alles geben, um dem Favoriten erneut Paroli zu bieten.“
Olympique zuversichtlich Im Stadion wird auch eine große DFB-Delegation, angeführt von Präsident Dr. Theo Zwanziger sein. Ob OK-Präsidentin Steffi Jones, Bundestrainerin Silvia Neid oder Ex-Bundestrainerin Tina Theune – diesen Frauenfußball-Leckerbissen will sich niemand entgehen lassen. In der Halbzeit soll ein Torschuss-Wettbewerb die Fans bei Laune halten, eine Liveband soll die Stimmung musikalisch weiter anheizen.
Im Lager der Französinnen ist die Laune vor dem Rückspiel bestens. Im Privatjet ging es Freitagmorgen von Bron nach Düsseldorf, wo Torhüterin Véronique Pons zur Stärkung ihrer Mitspielerinnen Croissants verteilte. „Wir reisen zu einem großen Spiel, da ist es wichtig, Energie zu tanken“, so Pons lachend. Freitagabend schaute sich die Spielerinnen das Zweitligaspiel zwischen dem MSV Duisburg und dem FSV Mainz 05 an , am Samstag standen neben dem Abschlusstraining noch ein Fahrradausflug und ein Golfplatzbesuch auf dem Programm.
Hoffen auf Nécib Weniger zu lachen hat derzeit Mittelfeldregisseurin Louisa Nécib, deren Einsatz nach wie vor fraglich ist. Sie laboriert noch an den Folgen einer Verletzung an der rechten Wade, wo sich unter dem vernarbten Gewebe ein kleiner neuer Einriss gebildet hat. Trainer Benstiti, der Duisburg am Mittwoch trotz der 1:2-Niederlage ein „großartiges Spiel“ bescheinigte, hofft, dass der Gegner ob der Belastung unter der Woche ein wenig müde ist. „Sie haben großen Anstrengungen unternommen, das Spiel gegen Bayern war sehr intensiv, das wird Auswirkungen haben“, ist er sich sicher.
Benstiti konnte dem enttäuschenden Remis im Hinspiel, in dem sein Team nicht die gewohnte Leistung abrufen konnte, sogar noch Positives abgewinnen. „Ich war von der Spielfreude Duisburgs überrascht. Meine Spielerinnen haben einige Grundprinzipien des Spiels vergessen, mit dem 1:1 sind wir gut weggekommen, denn Duisburg hat uns wirklich Sorgen bereitet.“ Im Hinspiel wollte er bei seinen Spielerinnen sogar „einige panische Momente“ gesehen haben.
Revanchegelüste „Seit drei Jahren spielen wir einen Offensivfußball mit schnellem Spiel am Boden. Vorigen Samstag haben wir es aber mit langen Bällen versucht, das sind wir gar nicht gewohnt.“ Für Sonntag kündigt er eine bessere Leistung seiner Elf an . „Wir wollen Revanche und wir werden zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind.“
Dann hoffentlich mit Necib und auch Lara Dickenmann, die beim 1:1 nach ihrer Einwechslung zeigten, wie wichtig sie für das Aufbauspiel ihres Teams nach dem Weggang von Sonia Bompastor und Camille Abily sind. Benstitis Erfolgsrezept: „Wir müssen athletisch und technisch gleichermaßen die Herausforderung annehmen. Wenn wir kein Risiko eingehen, werden wir das Spiel nicht gewinnen können.“