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2009

DFB-Elf: Schuss vor den Bug zur rechten Zeit?

Zugegeben: Eine 2:3-Niederlage gegen den Weltranglisten-Vierten Schweden fünfeinhalb Monate vor der Europameisterschaft in Finnland ist nicht grundsätzlich ein Beinbruch. Dennoch gibt es einige Indizien, die Zweifel nähren, ob die DFB-Elf im Sommer in der Lage sein wird, ihren Europameistertitel zu verteidigen.

Noch bis vor wenigen Monaten hätten viele es wohl für undenkbar gehalten, dass sich die deutsche Mannschaft einmal binnen zehn Minuten drei Gegentore einfängt.

So geschehen im Halbfinale der Olympischen Spiele, als die DFB-Elf sich bei der 1:4-Niederlage gegen Brasilien in Shanghai in der zweiten Halbzeit von Marta und Cristiane wie ein Stier an den Hörnern durch die Arena führen ließ. Ein einmaliger Ausrutscher, glaubte man.

Déjà-vu der besonderen Art Doch nun ist das Ganze bereits zum zweiten Mal innerhalb von sieben Monaten passiert. Diesmal musste das Team von Bundestrainerin Silvia Neid gar drei Treffer in einer Halbzeit binnen zehn Minuten hinnehmen. Gegen eine junge schwedische Elf, deren Spielerinnen sich überwiegend noch in der Saisonvorbereitung befinden, und die in den vergangenen Monaten offensiv nicht gerade Angst und Schrecken verbreitet hatten.

Nachlässigkeiten Nach ordentlichem Beginn war es zunächst eine defensive Nachlässigkeit von Linda Bresonik, die in ihrem Rücken die junge Kosovare Asllani in ihrem erst dritten Länderspiel entwischen ließ, die Deutschland auf die Verliererstraße bracht. Die Mittelfeldspielerin von Linköpings FC bedankte sich mit einer präzisen Hereingabe auf Nilla Fischer, die schneller als Sonja Fuss an den Ball kam – 0:1.

Individuelle und taktische Fehler Nach dem Rückstand verlor die DFB-Elf komplett die Ordnung. Nach einem weiten Schlag von Asllani aus dem Mittelfeld verschätze sich Innenverteidigerin Saskia Bartusiak beim Versuch, den Ball per Kopf zu klären, dergestalt, dass Schwedens Topstürmerin Lotta Schelin sich bedankte und nur noch einschieben musste – 0:2.

Schelin zum Zweiten Und die nun zu weit aufrückende deutsche Mannschaft wurde schnell erneut bestraft, als Schelin nach einem weiten Schlag von Kapitänin Victoria Svensson mit Ball schneller war als die komplette deutsche Verteidigung ohne und dann auch noch Nadine Angerer die Kugel durch die Beine schob, um die Demütigung perfekt zu machen – 0:3.

Pure Hilflosigkeit Selten hat man eine deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft derart hilflos agieren sehen, wie in diesen Minuten. Und hätte Schelin zwei weitere hochkarätige Chancen noch vor der Pause nicht etwas überhastet vergeben, hätte sich die DFB-Elf nicht einmal über einen Fünf-Tore-Rückstand zur Halbzeit beklagen dürfen, wie auch Schwedens Trainer Thomas Dennerby erstaunt feststellte.

Moral stimmt Auch wenn die deutsche Mannschaft in der zweiten Halbzeit Moral bewies und gegen einen Gang zurückschaltende Schwedinnen am Ende durch die Treffer der eingewechselten Inka Grings und Kim Kulig fast noch einmal in Reichweite der Finalteilnahme kam, hat sich die Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt.

Desolate Abwehr Die „großen Lücken im Mittelfeld“, die Neid erkannt haben wollte, waren in der Viererkette nicht weniger groß, die sich am gestrigen Tag nicht gerade für höhere Aufgaben aufgedrängt hat. „Unsere Innenverteidigung war in der einen oder anderen Situation schläfrig“, umschrieb Neid höflich die eklatanten Mängel, die sich dort offenbarten.

EM verzeiht keine Auszeiten „Ich bin froh, dass wir gezeigt bekommen haben, wo es noch hapert“, versuchte Neid der Niederlage Positives abzugewinnen. “Die Schwedinnen hatten zehn starke Minuten, wir zehn schwache“ – doch auf diese einfache Formel ließen sich die Probleme im deutschen Spiel nicht herunter brechen, auch wenn dies das knappe Endergebnis suggerieren mag.

Herz und Leidenschaft allein reichen nicht Eine kollektive Auszeit, sei sie auch nur von zehn Minuten Dauer, wird sich das Team bei der EM gegen die starken Gruppengegner Frankreich, Norwegen und Island nicht leisten können. „Ich habe Spielerinnen gesehen, die mit Herz und Leidenschaft aufgetreten sind.“ Doch ob das reichen wird, um bei der EM noch einmal erste Geige zu spielen?