Inka Grings: „Wenn ich gehe, werde ich Tränen in den Augen haben“

Von am 26. Februar 2009 – 23.59 Uhr 27 Kommentare

Seit ein paar Tagen beschäftigt Frauenfußball-Deutschland eine Frage: Bleibt Topstürmerin Inka Grings beim FCR 2001 Duisburg oder wechselt sie zu einem anderen Verein? Im Interview mit Womensoccer spricht sie über ihre Abwanderungsgedanken, neue Herausforderungen und die WM 2011.

Womensoccer: Sie haben gerade ein erfolgreiches  Comeback in der Nationalmannschaft gefeiert, stehen mit ihrem Verein im DFB- und UEFA-Pokal-Halbfinale und kämpfen als Tabellenzweiter in der Bundesliga um den deutschen Meistertitel. Warum wollen Sie trotz dieses sportlichen Höhenflugs aus Duisburg weg?

Inka Grings: Mein möglicher Wechsel hat nichts mit Duisburg zu tun, sonst hätte ich dort nicht fast 15 Jahre gespielt. Das Drumherum, das Team, die Trainerin und das Training sind perfekt, ich bin eigentlich zufrieden. Aber es gibt Dinge, die mich beschäftigen, deswegen denke ich über eine Veränderung nach. Ich suche einfach noch einmal eine neue Herausforderung.

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Womensoccer: Ein Wechsel ins Ausland wäre aber doch zum jetzigen Zeitpunkt nicht besonders geschickt, wo Sie gerade dabei sind, wieder in der DFB-Elf Fuß zu fassen.

Grings: Das kann ich nicht beurteilen, dass müsste ich mit Silvia Neid abklären. Ich war über drei Jahre nicht bei der Nationalmannschaft, ich will mir sicherlich nichts verbauen.

Womensoccer: Zumal die WM 2011 bei Ihren Überlegungen eine Rolle spielen dürfte.

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Grings: Die WM im eigenen Land habe auch ich logischerweise im Hinterkopf, aber ich möchte Schritt für Schritt denken.

Womensoccer: Dann bleiben Sie wohl doch besser in Deutschland, z. B. in Frankfurt?

Grings: Frankfurt ist nicht die erste Adresse, es gibt auch andere Vereine, die gute Möglichkeiten bieten.

Womensoccer: Die da wären?

Grings: Da möchte ich keine Namen nennen. Duisburg ist sehr bemüht, aber ich habe ein Angebot von einem anderen Verein, das weit darüber liegt.

Womensoccer: Sie würden für einen Wechsel auch sportliche Einbußen in Kauf nehmen?

Grings: Das kann man so nicht sagen. Ich würde nicht zu einem Verein wechseln, wenn es dort keine sportlichen Perspektiven geben würde. Ich will mein Niveau halten, das kann ich nur mit guten Mitspielerinnen.

Womensoccer: Denken Sie schon länger über einen möglichen Wechsel nach?

Grings: Bis letztes Jahr habe ich gar keinen Gedanken daran verschwendet. Dieses Jahr denke ich zum ersten Mal intensiver darüber nach.

Womensoccer: Bis wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Grings: Ich bin vor einem Monat mit den Verantwortlichen in Duisburg zusammengesessen und da haben wir vereinbart, dass ich mich bis Ende Februar entscheide. Ich muss ja auch meinen neuen Weg planen, und auch der Verein braucht Planungssicherheit. Ich werde jetzt noch einmal mit Martina Voss sprechen und dann auch noch einmal ein Gespräch mit dem anderen Verein führen.

Womensoccer: Die Entscheidung fällt also zwischen zwei Vereinen?

Grings: Ja.

Womensoccer: Sie haben also die Qual der Wahl.

Grings: Natürlich bin ich Duisburg verbunden, denn ich fühle mich hier wohl, habe Familie und Freunde. Und nach meiner Suspendierung damals, weiß ich absolut zu schätzen, wie man mit mir umgegangen ist. Wenn ich gehe, werde ich Tränen in den Augen haben. Es spricht sicherlich vieles für Duisburg, aber auch vieles für den anderen Verein.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

27 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    @mrx und Fuxi: Klingt auf den ersten Blick plausibel, was ihr schreibt. Ich denke aber, dass die aktuellen Entwicklungen im Frauenfußball die Landschaft schneller verändern können, als man das vielleicht glaubt und deswegen auch alte Hierarchien schneller einstürzen, als man das vielleicht denken würde.

    Es mag ja vielleicht sein, dass Teams wie Hoffenheim, Bremen, Hertha, Leverkusen etc. noch ein paar Jahre brauchen, um es im Frauenfußball ganz nach oben zu schaffen.

    Doch alle anderen Verein werden sich auf die Hinterbeine stellen müssen, um bei dieser Entwicklung nicht im Regen stehen zu bleiben. Sie müssen sich jetzt wappnen, um von dieser Konkurrenz in Zukunft nicht einfach überrannt zu werden.

    Hinzu kommt ja, dass durch die Erhöhung der TV-Erlöse (jeder Verein bekommt ab der kommenden Saison 180.000 Euro statt 69.000) der finanzielle Spielraum wächst.

    Ich denke schon, dass die meisten Männer-Bundesligisten mit dem Geld einigermaßen um sich schmeißen können (wenn sie denn wollen.. ;-)).

    Und wenn man sieht, dass Hertha BSC Berlin mal eben eine Million Euro aus der Portokasse locker macht, um sie in den Frauenfußball zu stecken, warum sollten andere im Zuge dieser Entwicklung nicht nachziehen?

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  • Marcel sagt:

    Das sollte doch bei Duisburgfans wieder für Entspannung sorgen 😀

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  • janisthemenace sagt:

    mir fallen die ersten steine vom herzen… der fcr braucht inkas „natürlich energie“ wie voss es im aktuellen ff-magazin so schön nennt!

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  • mrx sagt:

    Tja Fuxi, Du musst die Sache etwas langfristiger sehen und hier geht es ja um eine Verpflichtung zur nächsten Saison und nicht ab jetzt Anfang März. Mag ja sein, dass die Etats für diese Saison festgelegt und Dir bekannt sind. Aber das schließt ja nicht aus, dass es für die nächste Saison Etaterhöhungen geben wird. Allein schon wegen den erhöhten TV-Geldern dürfte das bei fast allen der Fall sein. Ich hab nicht gesagt, dass die Männer-Bundesliga-Vereine das Geld zum Frauenfußball-Fenster raushauen. Aber wenn es darum geht, in der nächsten Saison den Etat mal eben um 50K oder 150K zu erhöhen, dann haben die Männer-Clubs entscheidende Vorteile. Andere Vereine ohne so einen Background müssen dafür Sponsoren anhauen, wo fraglich ist, ob sie so eine Steigerung in der Summe überhaupt hinbekommen.

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  • Fuxi sagt:

    Zumindest auf den HSV bezogen sehe ich durch die erhöhten TV-Gelder keinen erhöhten Etat. Eher, dass die Stützung des Etats durch den Gesamtetat Lizenzfußball verringert wird. Jeder Euro, der da eingespart wird, ist ein Euro, der für Huntelaar oder ähnliche Kaliber bereitsteht…
    Theoretisch könnte ein Männer-Club den Etat spontan aufblasen. Es scheitert jedoch an der Realität…

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  • Brandy74 sagt:

    …der HSV wär`es also gewesen…

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  • SCW sagt:

    Inka bleibt bis 2012 Duisburg erhalten. Richtige Entscheidung wie ich finde. Wichtiger Erfolg für den FCR!

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