Bayern München schafft kleines Wunder gegen Turbine Potsdam
„Ich dachte, dass wir heute erstmals ein Spiel verlieren“, gab Bayern Münchens Trainer Günther Wörle nach dem glücklichen 2:1 (0:1)-Sieg gegen den 1. FFC Turbine Potsdam am 12. Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga unumwunden zu.
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Mehr als eine Stunde lange hatten die Gäste die Partie im Griff – zweikampfstark, ballsicher, spielerisch, taktisch und läuferisch überlegen, ließen sie den Münchenerinnen nur wenig Luft zum Atmen.
Doch ein verwandelter Foulelfmeter von Melanie Behringer und ein Kopfballtor von Nina Aigner in der Schlussphase sorgten für den nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg.
Turbine-Trainer Bernd Schröder trottete nach dem Schlusspfiff einsam über den Rasen und grantelte: „Wir waren die bessere Mannschaft, wir haben klar besser gespielt und lassen uns dann zwei Dinger reinhauen. Anja Mittag hatte noch die große Ausgleichschance. Wir hatten das Ding im Griff, diese Niederlage tut weh.“
Turbine kommt besser ins Spiel Die 463 Zuschauer im Sportpark Aschheim sahen eine Turbine-Mannschaft, die das Spiel von Beginn an in die Hand nahm. Und die formstarke Anja Mittag ließ sich nicht zweimal bitten, als sie eine perfekte Vorlage von Viola Odebrecht mustergültig zu ihrem zehnten Saisontreffer verwertete (17.). Julia Simic, die zur Pause ausgewechselt wurde, vergab nach einer guten halben Stunde nach Vorarbeit von Melanie Behringer die beste Bayern-Chance, als sie freistehend aus aussichtsreicher Position den Ball über das Tor setzte.
Neue taktische Marschroute Wörles kurze, aber knackige Halbzeitansprache sowie personelle und taktische Änderungen trugen zunächst keine Früchte. Turbine wirkte nach wie vor entschlossener, Mittag fand ihre Meisterin aber in Bayern-Torhüterin Ulrike Schmetz, die sich der Turbine-Stürmerin entgegen warf (54.). Bayern gestaltete das Spiel jedoch in der Folge ausgeglichener, ohne sich aber Chancen herauszuspielen.
Ausgleich durch Behringer Doch Mitte der zweiten Halbzeit dann der Knackpunkt der Partie: Isabel Kerschowski holte Aigner im Strafraum von den Beinen, Schiedsrichterin Christine Beck zückte Gelb und entschied sofort auf Elfmeter. Behringer verwandelte sicher zum 1:1 (69.). „Eine unglückliche Aktion, so muss sie da nicht hingehen“, so Schröder.
Starke Rudelic Angetrieben durch den Ausgleich und die kurz zuvor eingewechselten Ivana Rudelic und Mandy Islacker verlagerte der Tabellenführer das Spiel nun immer mehr in die Hälfte des Gegners. Das nun druckvollere Spiel der Bayern wurde aber erst durch eine Standardsituation belohnt.
Siegtreffer durch Aigner – Mittag verpasst Ausgleich Katarina Baunach trat einen Freistoß von links aus fast 25 Metern in den Strafraum und Aigner hielt den Kopf hin, Turbine-Torhüterin Desirée Schumann war ohne Chance (84.) - der Spielverlauf war nahezu auf den Kopf gestellt. Im Gegenzug hätte Mittag fast den Ausgleich erzielt. Die spät eingewechselte Leni Larsen Kaurin gab den Ball mit gutem Einsatz scharf vom linken Flügel herein, doch Schmetz rettete den Bayern mit einem Reflex auf der Linie den Dreier.
Kein Glück für Turbine „Wir haben alles gegeben, mehr ist nicht drin. Wir haben heute gut gespielt, aber das Glück war nicht auf unserer Seite“, so ein enttäuschter Schröder. „Man muss auch Schwein haben“, gab er Bayerns Nationalspielerin Behringer mit auf den Heimweg.
Offenes Titelrennen Wörle warnte trotz des Sieges: „Es ist schon ein kleines Wunder, die Meisterschaft wird aber noch ganz eng. Ich traue Frankfurt mit Ariane Hingst und vielleicht Nadine Angerer und weiteren Verstärkungen zu, eine Serie hinzulegen. Vor Saisonbeginn haben wir Platz 3 als Ziel ausgegeben, jetzt wollen wir wegen einer möglichen Champions-League-Teilnahme Erster oder Zweiter werden. Dadurch hat die Bundesliga an Wertigkeit gewonnen.“
Neue Karriereplanung? Die Aussicht Champions League beschäftigt nicht nur den Trainer, sondern hat auch Einfluss auf die Karriereplanung. „Ich bin schwer am Überlegen, ob ich nicht weiter mache“, so Bayern-Torhüterin Ulrike Schmetz, die zum Saisonende ihre Karriere beenden wollte. Mit Bayern in der Champions League spielen – diesen Traum würde sich Schmetz schon noch gerne erfüllen.
FC Bayern München – 1. FFC Turbine Potsdam 2:1 (0:1) FC Bayern: Schmetz, Rech, Paukner, de Pol, Baunach, Behringer, Wörle, Mirlach (66. Rudelic), Simic (46. S. Banecki), Aigner, N. Banecki (60. Islacker)
Turbine: Schumann, Draws, Peter, Schmidt, I. Kerschowski, Odebrecht, Zietz, Schiewe, Kemme (68. Bagehorn), Wich (71. Larsen Kaurin), Mittag
Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)
Gelbe Karte: I. Kerschowski