Das endlose Tauziehen um Marta

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Es ist schon bemerkenswert, wie der Verhandlungspoker um die zweifache Weltfußballerin Marta in den vergangenen Wochen im Frauenfußball bisher ungekannte Ausmaße angenommen hat. Gleich vier Vereine buhlten zunächst um die Gunst der 22-jährigen Ausnahmekönnerin, einer ist inzwischen ausgestiegen, ein neuer hinzu gekommen.

Martas umtriebiger Manager Fabiano Farah spielt geschickt die Interessenten gegeneinander aus, treibt den Preis seines Rohdiamanten in die Höhe und maximiert somit den eigenen Profit – der Männerfußball lässt grüßen.

Seit 2004 spielt Marta erfolgreich in der schwedischen Damallsvenskan bei Meister Umeå IK. Schnell avancierte sie in Nordschweden zum Publikumsliebling, sorgte mit ihren Treffern und Torvorlagen für Meisterschaften, einen Pokalsieg und den zweimaligen Einzug ins Finale des UEFA-Pokals. Gerne würde man in Umeå weiter auf Martas Dienste zurückgreifen, doch international wie national hat sich Konkurrenz formiert.

LA Sol mit den besten Chancen
So erwarb der ab April 2009 in der neuen US-Profiliga Women’s Professional Soccer (WPS) antretende Verein Los Angeles Sol beim „International Draft“ die Rechte, Verhandlungen mit der Brasilianerin aufnehmen zu dürfen. Doch anstatt des ersehnten schnellen Vertragsabschlusses ziehen sich die Gespräche in die Länge. Mal heißt es, Marta wolle mehr Geld, dann sie wolle einen Dreijahresvertrag, der auch Bestand hat, sollte die Liga wieder dicht machen, ein anderes Mal war zu hören, sie würde nur nach Kalifornien wechseln, wenn LA auch Freundin Johanna Frisk verpflichten würde.

Bei den Verantwortlichen und den Vereinen in den USA weiß man, dass der WPS mit einem Zugpferd à la Marta leichter zum Erfolg verholfen werden kann. Zudem soll Marta in der Öffentlichkeit als neue Werbe-Ikone in die Fußstapfen der legendären Mia Hamm treten, wenn sie sich zu einem Wechsel entschließt. Das weiß auch Farah, dessen Gehaltsvorstellungen für seinen Schützling in Richtung einer Million Dollar pro Saison ausschlagen sollen. Viel Geld in Zeiten von Finanzkrise und Konjunkturschwäche.

Verstrichenes Ultimatum
Marta wird der WPS dennoch nicht jeden Preis wert sein, will man doch gerade mit einem im Vergleich zum Vorgänger WUSA solideren Geschäftsmodell und überschaubarem finanziellen Volumen erst einmal das Vertrauen potenzieller Investoren für eine langfristige Zusammenarbeit gewinnen. Den Avancen der Amerikaner wollte man in Schweden nicht tatenlos zu sehen, sich aber auch nicht von Farah auf der Nase herumtanzen lassen. Doch das ist inzwischen geschehen.

Nachdem Umeå Marta zunächst ein Ultimatum bis Anfang November stellte, das wirkungslos verstrich, und dann demonstrativ Verhandlungen mit der Australierin Lisa de Venna ankündigte, hat man nun noch einmal die Sponsoren, angeführt von Volkswagen, zusammengetrommelt, um das Angebot an Marta erneut aufzustocken. Zu einem Dreijahresvertrag, bei dem Marta in Umeå dann 150.000 Euro im Jahr verdienen würde.

Sponsoren bündeln
Die Geduld von Umeå-Managerin Britta Åkerlund neigt sich aber dem Ende entgegen. „Wir können nicht jedes Jahr bei allen anderen Dingen Stillstand haben, nur um Marta im Verein zu halten.“ Doch selbst der Verlag, in dem die lokale Tageszeitung Västerbottenskuriren erscheint, will sein Schärflein dazu beitragen, Marta im Norden Schwedens zu halten. Zwischen 30.000 und 40.000 Euro jährlich möchte man beisteuern, um auch weiterhin brasilianischen Zauberfußball im hohen Norden bewundern zu dürfen.

Doch auch der Damallsvenskan-Konkurrent LdB Malmö, der dank eines zahlungskräftigen Kosmetikkonzerns im Rücken ebenfalls an einer Verpfichtung an Marta interessiert ist, hofft weiter: „Ich habe das Gefühl, dass das Interesse an uns gewachsen ist“, so Klubchef Kent Widding Persson. Andere Gedankenspielen sahen gar vor, Umeå bei Martas Verpflichtung finanziell beizuspringen. Allerdings nicht ganz uneigennützig, denn im Gegenzug wollte man die Schweizerin Ramona Bachmann nach Malmö lotsen. Doch Umeå winkte ab. In Linköping hat man inzwischen aufgegeben. „Das Geld, das wir bräuchten, um Marta zu holen, haben wir einfach nicht“, so Klubchef Christer Mård. Dafür soll kürzlich auch noch Norwegens Meister Røa in den Bieterwettbewerb eingestiegen sein.

Cristiane best bezahlte Spielerin
Und so dürften Marta auf Heimaturlaub in Brasilien und Manager Farah in aller Seelenruhe das letzte, noch einmal verbesserte Angebot Umeås abwarten, das in diesen Tagen auf den Tisch flattern soll. Bis Anfang 2009 dürfte dann spätestens eine Entscheidung gefallen sein.

Doch egal, welches Angebot Marta letztendlich annehmen wird – der Verhandlungsmarathon liefert einen ersten Vorgeschmack wie Transfergespräche mit Topspielerinnen in Zukunft auch im Frauenfußball aussehen werden. Best bezahlte Spielerin wird Marta aber dennoch nicht werden. Das ist weiterhin Nationalmannschaftskollegin Cristiane. Die verdient bei Corinthians São Paulo dank des klubeigenen Sponsors pro Woche rund 10.000 Euro. Summen, die im deutschen Frauenfußball noch Utopie sind.

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Max DiderotRainerdjaneRosaBaraka Neueste Kommentartoren
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djane
djane

Obwohl der Frauenfussball den Herren zwar noch in einigen Dingen hinterherhinkt (professionelle Trainingsbedingungen, Stadien, Zuschauerzahlen, Gehälter etc.), was den Nervfaktor bei Spielertransfers angeht, ist er inzwischen (leider) ebenbürtig. Dieses Hickhack um Marta geht einem inzwischen dermaßen auf den Keks, ich kann ja verstehen, daß sie auch mal was vom großen Kuchen abhaben will- aber der FF hat halt noch nicht die Dimensionen des Männerfussballs erreicht, da kann man sich doch nicht hinstellen und Millionen verlangen. Ich finde, es schadet dem Image des FF nur, abgesehen davon, das gleich mehrere Vereine planungstechnischen Stillstand haben, solange sich die Dame vom Zuckerhut nicht… Weiterlesen »

Max Diderot
Max Diderot

Ein sehr informativer, interessanter Artikel. Aber weshalb soll die im Mittelpunkt stehende Protagonistin Marta (steht sie überhaupt in diesem oder ist es nicht vielmehr ihr Management und die darüber berichtenden Medien) mit ihren Versuchen, Gehaltsvorstellungen durchsetzen zu wollen, die bis dato noch als utopisch im Frauenfußball angesehen werden, eben diesem Schaden? Einen gewissen Grad an Verzweiflung, provokativ könnte auch von Dummheit gesprochen werden, dürfte doch den beteiligten Klubs zugebilligt werden. In den USA mag es ja zum Prozedere des Sports gehören, dass der Einzelne im Mittelpunkt steht, umso unverständlicher ist mir das Verhalten der Schweden aus Umeå. Vielleicht sollten sich… Weiterlesen »

Manne
Manne

Wundert mich etwas angesichts des (noch) stiefmütterlichen Daseins des FF im öffentlichen Interesse – das mag in den USA etwas anders sein – dass überhaupt solche Summen ins Spiel kommen. Es geht doch hier um reine Spekulationsobjekte, irgendeine wirklich tragfähige handfeste wirtschaftliche Basis ist doch überhaupt nicht vorhanden. Wie können zumindest in Europa solche Summen für Spielerinnen gezahlt werden, wenn zu den Ligaspielen durchschnittlich 1000 – 3000 Zuschauer kommen?

Da wartet man doch schon wieder auf das Platzen solcher Blasen …

Rainer
Rainer

Im Moment herrscht weitgehend Funkstille in Sachen Marta, was auch daran liegen mag, dass die meisten Vereine derzeit ihre Anrufbeantworter eingeschaltet haben. Nach meiner Einschätzung spricht vieles dafür, dass Marta auch 2009 das Trikot von Umeå IK tragen wird, denn die des Englischen nicht mächtige Brasilianerin hat in Västerbotten so etwas wie ihre zweite Heimat gefunden und nach unbestätigten Angaben soll sich Los Angeles Sol auch aus dem Pokerspiel verabschiedet haben. Die amerikanische Profiliga startet zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt inmitten der größten wirtschaftlichen Krise seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Außerdem ist der Spielbetrieb mit zunächst sieben Vereinen, die… Weiterlesen »

Manne
Manne

@Rainer: guter Beitrag.

Aber: warum muss oder sollte der FF diesen Weg gehen? Wird er jemals wirtschaftlich tragbar sein, wenn die Gelder alleine über Werbung bzw. Sponsoren reinkommen (solange das Publikumsinteresse nicht grösser ist)? Und was anderes ist es ja nicht, wenn Spielerinnen wie Marta als „Marke“ verkauft werden. Spätestens wenn angesichts wirtschaftlich schwieriger Zeiten kein Geld mehr dafür locker ist, bricht das ganze Kartenhaus wieder zusammen. Keine sehr gesunden Aussichten für einen professionellen FF.

Rainer
Rainer

Ich fürchte auch, dass FF in einer selbst langfristigen Perspektive wirtschaftlich nicht auf die Beine kommen wird. Wenn man hierzulande in Schweden die Spiele in Stockholm anschaut und bei einem „normalen“ Spiel (also nicht gegen Umeå oder kein Lokalderby) 300-500 Zuschauer hat, die bei einem Eintrittspreis von ca. 8 € also maximal 4.000 € in die Kasse bringen, dann ahnt man, dass damit kein Team aus 18-20 Spielerinnen, kein Betreuerstab, kein Marketing etc. zu finanzieren ist. Zwar wimmelt es (noch) von Sponsoren, die mehr aus Goodwill denn aus Gewinninteresse den FF unterstützen, aber irgendwann wollen die auch ihr Geld zurück.… Weiterlesen »

Max Diderot
Max Diderot

Ein amerikanisches Sprichwort: „Der Optimist sieht eine Gelegenheit in jeder Schwierigkeit, der Pessimist eine Schwierigkeit in jeder Gelegenheit.“. So weit, so gut. Aber weshalb gleich ein kollektives Lamento über die Zukunftsaussichten des Frauenfußballs einsetzt, vermag ich nicht ganz nachzuvollziehen. Mir sind die Verhältnisse in Schweden nicht so genau bekannnt, und aus der Ferne bringe ich den Amerikanern jenen Respekt entgegen, der bewundernd erstaunt, wie schnell ein einstmals gescheitertes Projekt neu firmiert und demnächst als WPS Erfolge feiern soll. Und in Europa? Europa ist doch in punkto Frauenfußball von jener pseudo-behenden Agilität, wie ihn die Kanzlerin jüngst den Banken vorwarf, „Starr… Weiterlesen »

Baraka
Baraka

Wenn nun auch zunehmend Off-Topic werdend, hier doch auch kurz von meiner Seite etwas bzgl. Perspektiven des FFs: Den Frauenfußball zu professionalisieren – im Sinne von „sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen“, also als ein Einkommen garantierendes Berufsfeld! – halte ich für verfehltes, antiquiertes, um nicht zu sagen, reaktionäres Denken. Dies gilt für das Lohnarbeitssystem als Ganzes. Es hat sich – als unhinterfragbares, alternativloses Einkommenssystem – überlebt, und taugt zunehmend nur noch aufgrund massiver Subventionierung einerseits, und zunehmendem Lohndumping und immer offener zu Tage tretender feudalistischer Mechanismen (sog. „Zeit-/Leiharbeit“) andererseits als flächendeckender Einkommensgarant. Für die Zukunft ist dies keine tragfähige Perspektive,… Weiterlesen »

Rosa
Rosa

Ich finde die Diskrepanzen bei der Bezahlung im Frauenfußball immer wieder erstaunlich/erschreckend/ernüchternd.

Rosa
Rosa

Mit dem Frauenfußball neue politische Welten zu erobern, Politik zu betreiben, halte ich tatsächlich für eine Utopie und ich fühle mich dabei nicht pessimistisch. Die Diskurse werden vor allem im Kleinen gestaltet, Konstruktionen (auch gesellschaftlich) im Kleinen zu Mächtigen. Ich meine nicht plakativ die Hierarchie der Institutionen, sondern gerade die Mechanismen in diesen allen vom Fundament aus (sowohl DFB als auch die Vereine). Den Frauenfußball mit Zeitarbeit zu vergleichen finde ich schlicht eine ungeeignete Gegenüberstellung. Wenn es in erster Linie um „Arbeitsverhältnisse“ gehen soll, gibt es anderes, was sich ebenso gut und argumentierbar heranziehen ließe, die Gegenüberstellung hat einen beliebigen… Weiterlesen »

djane
djane

Oft würde es ja schon helfen, wenn die Vereine im FF mehr Geld für ihre Reiseplanung erhalten würden- wenn ich mir anschaue, wo die Damen überall mit dem Bus hingekarrt werden und wielange das dauert (die Spielzeiten um 11h bzw 14h machen die Sache nicht besser) wundert mich es nicht, daß Beruf bzw. Studium und der Sport schwer zu vereinen sind. Die Männer dagegen fliegen oft, wo es nur geht- auch wenn ich Flugstrecken wie Mannheim-München (siehe beim heutigen Schlager-Spiel in der Männer BuLi) äußerst albern finde. Ich glaube, Herr Lutz vom FCR Duisburg sagte in einem Interview, daß das… Weiterlesen »

Rainer
Rainer

Umeås Stadt- und Regionalzeitung Västerbotten Kuriren schreibt heute ), dass man nun doch nicht noch mehr Sponsorgeld auftreiben konnte als erhofft.

Nach Quellen von Västerbottens Kuriren hatte man bis letzten Freitag so viel Geld gesammelt, um Marta ein Monatsgehalt von 15.000 € netto zahlen zu können. Marta muss nun, wie Markus schon schrieb, zwischen Umeå, Malmö, Röa und Los Angeles wählen.

Schaun mer mal…

Max Diderot
Max Diderot

Aus gewöhnlich gut informierter Quelle verlautbarte heute, dass Marta eine heiße Kandidatin für das neu zu gründende Frauenfußballteam in Nuuk sei. Nuuk ist die Hauptstadt Grönlands und bedeutet in der deutschen Übersetzung soviel wie „Gute Hoffnung“. Fabiano Farah und seiner Klientin sei die Bedeutung dieses Namens so zu Herzen gegangen, dass sie sich, nicht ohne zuvor noch einmal den eh schon stolzen Preis für einen Wechsel kräftig zu erhöhen, auf dieses Pilotprojekt einlassen werden. Die Grönländer sind schier begeistert. Im Zuge der Bestrebungen der politischen und wirtschaftlichen Loslösung von Dänemark werden sie jetzt einen Trupp von 15-20 Mann rekrutieren, ursprünglich… Weiterlesen »

Max Diderot
Max Diderot

Das SZ-Magazin offeriert heute einen informativen Artikel, Autor ist Christian Krug, über Fußball-Transfers (Fokus Südamerika). Einen Zwischending von besonders begabtem Neoliberalismus und dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte.

https://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27374