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2008

Ist der Abstieg des TSV Crailsheim noch zu stoppen?

Zehn Niederlagen in zehn Spielen und ein Torverhältnis von 3:35 – nach der 1:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg am heutigen Sonntag scheint auf den ersten Blick nur noch ein Wunder den TSV Crailsheim vor dem Abstieg in die zweite Liga bewahren zu können. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da galt man als Vorzeigebeispiel eines kleinen Vereins, der aus seinen begrenzten Möglichkeiten das Optimale herausholt.

Nach dem Wiederaufstieg in der Saison 2006/2007 erlebte die bereits im Dezember 1971 gegründete Frauenfußball-Abteilung eine kurze Blütezeit von sportlichem Erfolg und öffentlicher Sympathie. Doch der überhastete Rauswurf von Trainer Günther Wörle Ende 2007 , der Abgang von acht zumeist erfahrenen Spielerinnen und die zunehmenden Bemühungen der Konkurrenz haben die Crailsheimerinnen ins Hintertreffen geraten lassen.

Kein Vertrauen ins eigene Leistungsvermögen Trainer Hubert Müller scheint schon länger den Glauben an sein Team verloren zu haben. Schon mehrfach hat er den Spielerinnen öffentlich die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. Nach dem Wolfsburg-Spiel meinte er: „Wir haben zwar teilweise ein couragiertes Spiel gezeigt, jedoch reicht die Qualität unserer jungen Spielerinnen leider noch nicht ganz für die Bundesliga aus.“ Schon nach der Niederlage gegen den SC 07 Bad Neuenahr hatte er erklärt: „Man muss leider sagen, dass es jetzt fast aussichtslos ist, den Abstieg noch zu verhindern.“

Doch wie sollen die Spielerinnen noch an den Klassenerhalt und sich selbst glauben, wenn es nicht einmal ihr Trainer tut? Die sportliche Situation ist zwar prekär, doch bei noch zwölf ausstehenden Spieltagen, gerade einmal sechs Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz und mit möglichen Verstärkungen in der Winterpause ist der Ligaverbleib zwar nicht einfach, aber auch kein Ding der Unmöglichkeit. Umso wichtiger, das Selbstvertrauen des eigenen Teams zu stärken, anstatt die Spielerinnen von Woche zu Woche schwach zu reden und damit weiter zu verunsichern.

Schwierige Rahmenbedingungen Ob es perspektivisch gelingt, Verstärkungen nach Crailsheim zu holen, ist allerdings fraglich. Der Standortnachteil macht sich nicht nur bei der Verpflichtung von Spielerinnen, sondern auch in vielen anderen Bereichen bemerkbar. So legen etwa viele Spielerinnen bis zu 100 Kilometer zurück, alleine um an den Trainingseinheiten teilzunehmen. Eine Steigerung des Trainingsvolumens ist somit nahezu unmöglich, da mit einer häufigeren Anreise auch zusätzliche Kosten anfallen würden.

Der TSV Crailsheim ist der größte Sportverein der Region mit über 20 Abteilungen und insgesamt rund 3.000 Mitgliedern, die in punkto Sponsoren, Medien und Zuschauer in unmittelbarer Konkurrenz stehen. Dem Versuch, sich als Nischenprodukt und sportliches Aushängeschild in der Frauenfußball-Bundesliga zu etablieren, droht das Scheitern. Denn ohne den sportlichen Verbleib in der ersten Liga ist eine Weiterentwicklung kaum möglich.

Schlechte Aussichten für die Zukunft Dabei hatte man noch in der Vorsaison den Kader in der Breite verstärkt, einen Torwarttrainer eingestellt und die medizinische Versorgung der Spielerinnen verbessert. Hinzu kam zuletzt die Sanierung des Schöneburgstadions, die den Besuch der Spiele für die Zuschauer attraktiver machen sollte.

Für die laufende Saison sollte man die Crailsheimerinnen noch nicht zu früh abschreiben. Doch mittelfristig wird es für den Verein äußerst schwer bis nahezu unmöglich werden, auf der Landkarte der Frauenfußball-Bundesliga erhalten zu bleiben, wenn finanzstarke Klubs in den kommenden Jahren nach oben drängen werden.

Kann der TSV Crailsheim den Abstieg aus der Bundesliga verhindern?