Fünf Røa-Spielerinnen erklären Rücktritt aus Nationalelf
Meuterei auf der Bounty: Während sich in Deutschland gerade Bundestrainer Joachim Löw, Kapitän Michael Ballack und Torsten Frings ein Duell um die Macht in der Nationalmannschaft liefern, haben in Norwegen gleich fünf Spielerinnen des frisch gebackenen Meisters Røa IL erklärt, bis auf weiteres nicht mehr in der Nationalelf spielen zu wollen.
Marie Knutsen, Siri Nordby, Guro Knutsen, Marit Fiane Christensen und Lene Mykjåland schrieben in einer gemeinsam verfassten Presseerklärung: “Das Vergnügen, in der Nationalmannschaft Fußball zu spielen, war in letzter Zeit nicht besonders hoch und wir wissen, dass wir mehr opfern, als wir zurück bekommen.”
Berntsen unter Druck Trainer Bjarne Berntsen steht im Kreuzfeuer der Kritik. Er soll den Spielerinnen unter anderem vorgeworfen haben, nicht genügend Opfer für ihren Sport zu bringen. Darüber hinaus sollen sich zahlreiche Spielerinnen an seinem autoritären Führungsstil stoßen.
„Wir brauchen Führungspersonen, die das Beste aus jedem Einzelnen und dem Team herausholen können. Leider deckt sich dies nicht mit unserer Wahrnehmung, seit wir zur Nationalelf gehören“, so das Quintett in der Erklärung weiter.
Wiik: Verständnis für beide Seiten Asker-Spielerin Melissa Wiik gibt den fünf Spielerinnen Rückendeckung. „Ich denke, der Übergang vom Männer- zum Frauenfußball war groß für Bjarne. Nicht alle mögen einen autoritären Trainer. Aber wir sollten lernen, ein dickeres Fell zu bekommen und mit Kritik besser umzugehen.“
Der norwegische Fußballverband (NFF) drängt nun auf eine schnelle Aussprache der fünf Spielerinnen mit Berntsen. In einer Erklärung heißt es : „Bjarne Berntsen und sein Assistent Pål Arne Johansen bedauern, dass fünf Spielerinnen nicht mehr im Nationalteam spielen wollen und die beiden werden sie zu einem Treffen einladen, um eine Lösung des Problems zu finden.“
Verhärtete Fronten Berntsen erklärt: „Es sind fünf gute Spielerinnen. Es wäre also bedauerlich, wenn sie nicht weiterspielen würden.“ NFF-Generalsekretärin Karen Espelund sagt, sie habe Vertrauen, dass das Team-Management die Situation zu einem guten Ende bringen werde. Doch nur wenig deutet derzeit auf eine einvernehmliche Lösung hin.
„Ich werde meine Meinung nicht ändern“, so Marit Fiane Christensen. Und Siri Nordby meint süffisant: „Es war eine Überraschung, dass er nach dem Abschneiden bei den Olympischen Spielen nicht gehen musste.“ Berntsen kontert: “Wir haben in diesem Jahr die weltbesten Teams geschlagen. Sollen andere beurteilen, ob meine Arbeit gut genug ist.”
Gulbrandsen: Berntsen muss gehen Ragnhild Gulbrandsen, die nach der WM im Vorjahr ihren Rücktritt erklärt hatte, sagt: „Ich bin nicht überrascht. Das stand schon länger zur Debatte.“ Der NFF müsse Berntsen nun als Nationaltrainer ersetzen, wenn man die Frauen ernst nehmen wolle. Berntsens Vertrag wurde aber erst vor kurzem verlängert, er läuft bis Ende 2009.
Doch es scheint dennoch fraglich, ob die Fünf den Matchkampf gegen Berntsen gewinnen können, so lange sich nicht weitere Spielerinnen öffentlich gegen den Trainer aussprechen.
Ein neuer Fall Pellerud? Vor zwei Jahren gab es in Kanada Probleme zwischen dem norwegischen Trainer Even Pellerud und drei kanadischen Spielerinnen. Das Ergebnis: Die Drei spielten nie wieder in der Nationalmannschaft, Pellerud ist inzwischen nicht mehr Trainer der Ahornblätter, dem Team hat die damalige Entwicklung eher geschadet als genützt.
Der Vertrag des früheren US-Trainers Greg Ryan wurde hingegen nach einem internen Streit mit Torhüterin Hope Solo nicht mehr verlängert . Man darf gespannt sein, zu wessen Gunsten das Machtwort des NFF ausfallen wird. Zu beneiden ist der Verband um die Entscheidung nicht.