Fragwürdige deutsche Unterstützung

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„Der afrikanische Frauenfußball hat sehr großes Potenzial und die Begeisterung für unseren Sport ist nahezu grenzenlos“, freut sich Steffi Jones, Präsidentin des Organisationskomitees der FIFA Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland, über den Besuch der U17-Frauenfußball-Nationalmannschaft Ghanas in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Freitag.

Das Team bereitet sich derzeit in Deutschland auf die U17-Weltmeisterschaft in Neuseeland vor, wo man im zweiten Gruppenspiel am 1. November in Christchurch auf Deutschland treffen wird. Das zweiwöchige Trainingslager im hessischen Heusenstamm wird aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert – ein fragwürdiges Unterfangen.

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Das Auswärtige Amt hat in der Vergangenheit schon häufiger wertvolle Unterstützung im Frauenfußball geleistet, etwa bei Projekten zum Aufbau des Sports in Afghanistan oder Ruanda.

Doch ist dieses Engagement vergleichbar mit der finanziellen Unterstützung eines afrikanischen Spitzenteams in direkter Vorbereitung auf ein WM-Turnier, bei dem die deutsche Elf als Gruppengegner wartet?

Starker Gegner
Die Westafrikanerinnen sind alles andere als Kanonenfutter, in der WM-Qualifikation bezwang man unter anderem den zweiten afrikanischen WM-Teilnehmer Nigeria mit 1:0. Neben dem zweiwöchigen Aufenthalt in Deutschland, wo man unter anderem Testspiele gegen die 2. Mannschaft des 1. FFC Frankfurt, den 1. FC Schweinfurt 1905 und eine hessische Verbandsauswahl bestreiten wird, steht ein weiteres dreiwöchiges Trainingslager in Australien auf dem umfangreichen Trainingsprogramm.

Ergänzt durch Testspielserien in der Elfenbeinküste und in Südafrika. Möglichkeiten, von denen Deutschlands U17-Nationaltrainer Ralf Peter im eng gestrickten Terminkalender seiner Schützlinge nur träumen kann.

Ghanas Spielführerin Mercy Myles erklärt: „Wir fahren ja nicht als Reisegruppe dahin, sondern als echte Fußballerinnen aus Ghana und wir wollen nach Möglichkeiten in die Fußstapfen der Starlets und der Black Stars treten.“

Unterstützung beim Aufbau neuer Strukturen im Frauenfußball ist begrüßenswert, finanzielle Hilfe für einen deutschen WM-Gegner in der direkten Turniervorbereitung schießt meines Erachtens über das Ziel hinaus. Eure Meinung ist gefragt.

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djane
djane

Abgesehen davon, dass ich die Abstimmung etwas polemisch finde (erinnert so an die Blöd-Zeitung „finden Sie es richtig, dass Ausländer in Deutschland Sozialleistungen beziehen dürfen..“) ist es mir persönlich lieber, wenn das AA den afrikanischen Sportlerinnen die Möglichkeit gibt, hier trainieren zu können als das es klammheimlich Lösegelder für deutsche Mitbürger berappt, die meinen, auf ihrem Egotrip mit dem Rucksack durch Syrien oder andere gefährdete Regionen dieser Welt reisen zu müssen und prompt gekidnappt werden.

Tom Schlimme
Tom Schlimme

Ist diese Frage wirklich ernsthaft gemeint? Sollen wir uns wirklich ernsthaft darüber empören, dass die deutsche Bundesregierung über das Auswärtige Amt den Mädchenfußball in Ghana durch ein solches Trainingslager unterstützt? Obwohl genau diese Mannschaft dann auch gegen die deutsche U17 spielen wird? Neee, ne? Ich habe in der Vergangenheit öfter über den Frauenfußball in Afrika, speziell auch Ghana, recherchiert und immer wieder festgestellt, dass die Mädels dort zwar viel Potential haben, die Strukturen aber meilenwert, eigentlich sind es Lichtjahre, hinter unseren hier hinterhinken. Wenn die reichen Länder dort Hilfe leisten, ist das nur fair und kann gar nicht genug sein.… Weiterlesen »

Max Diderot
Max Diderot

Meine Stimme hat dieses Projekt erhalten. Wobei, eigentlich sollte ich mit „ja aber“ votieren. Wenn das AA finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, steckt vermutlich mehr als nur die Selbstlosigkeit der deutschen Politik hinter diesem Unterfangen. Gleichzeitig ist Ghana eines der wenigen demokratischen Länder auf diesem wunderbaren afrikanischen Kontinent, und deren Bemühen sollten in jedweder Form unterstützt werden. Vielleicht hat ja auch Anthony Baffoe, der ehemalige Bundesligaprofi, bei Herrn Steinmeier antichambriert, da er seit zwei Jahren eine Art internationaler Repräsentant des ghanaischen Fußballverbandes ist. Und möglicherweise kommt ja demnächst auch einmal eine Einladung aus Ghana an die deutschen Mädchen oder Frauen,… Weiterlesen »

djane
djane

@Max, vielleicht erfolgt die Einladung ja auch an die Frauen Fussball-Natio, die würden sich bestimmt freuen, mal irgendwo anders hin als China reisen zu dürfen…

Max Diderot
Max Diderot

djane, es ist mir eh‘ ein Rätsel, weshalb der DFB nicht vermehrt die sportliche Auseinandersetzung mit Teams des afrikanischen Kontinents sucht. Gerade im Frauenfußball dürfte ein solches Tun ja auch für die Situation der Frauen, der diversen Kulturkreise Afrikas, eine willkomme Unterstützung sein. Man muss nicht zwangsläufig die A-Spielerinnen hinschicken, ob deren vieler Termine, aber in Deutschland gibt es zahlreiche talentierte Akteurinnen, die (noch) nicht dem fußballerischen Ideal von Frau Neid entsprechen und in den Nachwuchsmannschaften ihre Wertschätzung erfahren. Irgendwie und irgendwo hat sich in den vermutlich bescheidenen Hirnwindungen der überwiegend männlichen Fußballfunktionäre der Grundsatz manifestiert, dass der asiatische Fußballmarkt,… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

Also ich „weis nicht“??? Ist es die Aufgabe des aA, sportliche Projekte in der 3. Welt zu fördern??? Oder geht es da um irgendein DEAL, zwischen afrikanischen Machthabern, und absolut (un)eigennützigen deutschen Wirtschaftsinteressen??? Wer weis das schon so genau??? Ich denke da nicht so „blauäugig“ wie Tom, die Starken sollen den Schwachen helfen!!! Aber es geht doch darum, den FF auch international voran zu bringen!!! Die Wettbewerbe müssen spannender werden, damit sie sich besser vermarkten lassen!!! Ist die Zuwendung des aA vielleicht schon eine „Investition“ für 2011??? Bis jetzt haben die Afrikanerinnen bei großen Wettbewerben noch nicht viel gerissen!!! Aber… Weiterlesen »

Tom Schlimme
Tom Schlimme

Detlef, das deutsche Auswärtige Amt ist bestimmt nicht für die Sportförderung in Ghana „zuständig“! Es ist keine Frage der Zuständigkeit, ob man Geld an arme Länder spendet. Es muss übrigens auch nicht immer mit wirtschaftlichen Interessen zu tun haben. Natürlich könnte man auch sagen, man spendet Geld für Medikamente oder für Nahrung, aber nicht für Sport. Aber Sport ist auch ein Teil von Kultur. Ein wichtiger Teil sogar, der wahrscheinlich mehr als viele andere Arten von Kultur dazu geeignet ist, Menschen zu verbinden und einen Beitrag zum Frieden zu leisten. Sport ist auch geeignet, den Menschen in einem Land Kraft,… Weiterlesen »

djane
djane

Laut eigener Hompage stellt das AA im Jahr 2008 insgesamt 20 Mio.€ zur Verfügung. Zitat „Steinmeier stellt auf seiner Reise auch die Aktion Afrika vor: Mit dieser verstärkt Deutschland sein kultur- und bildungspolitisches Engagement auf dem Kontinent. Allein 2008 stellt das Auswärtige Amt 20 Millionen Euro für Projekte und Programme des Kulturaustauschs auf dem Nachbarkontinent bereit.“ Ich schätze, darin ist auch das Ghana-Programm enthalten und somit handelt es sich weder um eine gezielte Förderung etwaigiger Fußball-Gegner, noch um unrechtmäßige Zahlungen, die das AA an den afrikanischen Kontinent leistet. Es ist vielmehr ein gesamtheitliches Förderungsprogramm, da sich das AA vor Ort… Weiterlesen »

Markus Juchem
Markus Juchem

Danke an alle für die zahlreichen Kommentare. Ich habe das Gefühl, ich wurde zumindest teilweise missverstanden. Ich kritisiere nicht, dass das Auswärtige Amt über Hilfsprojekte den Sport bzw. den Frauenfußball fördert. Ich habe auch nirgendwo etwas von „unrechtmäßigen Zahlungen“ oder dergleichen geschrieben, ich stoße mich auch nicht daran, dass Geld ausgegeben wird. Mich stört auch nicht der Zeitpunkt, sondern einzig die Art der Förderung. Es macht für mich einen gewaltigen Unterschied, ob ich beispielsweise im Land selbst Investitionen in Infrastruktur, Ausrüstungsgegenstände, Sportplatzbau etc. tätige, oder aber einer Nationalmannschaft die direkte WM-Vorbereitung finanziere (dass es ein direkter Gruppengegner ist, macht die… Weiterlesen »

djane
djane

@Markus, das „urechtmäßig“ meinte ich auch nicht im Sinne einer juristischen Definition, eher im gefühlten Sinn. Ungerechtfertigt wäre das bessere Wort, sorry

Tom Schlimme
Tom Schlimme

Klar ist es kein Problem, anderer Meinung zu sein, dafür ist ein Blog schließlich da. Gegen eine Unterstützung der Infrastruktur in Ghana durch das AA würde ich natürlich auch nichts sagen, fände ich prima. Allerdings gehören auch Einladungen in fremde Länder zum Sport dazu. Begegnung, Austausch, Kennenlernen fremder Kulturen, auch das ist eine der ganz großen Aufgaben des Sports. Dass so etwas dann häufig in Kombination mit Turnieren oder Turniervorbereitungen läuft, ist doch völlig normal! Für einige dieser jungen Spielerinnen aus Ghana wird es möglicherweise das einzige Mal in ihrem Leben sein, dass sie eine längere Zeit in Deutschland verbringen… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

@Markus,
Vielleicht wäre CHANCENAUSGLEICH der bessere Begriff dafür???
Wenn man zB dem FFC Heike Rheine, die gleichen Trainingsbedingungen zur Verfügung stellen würde, wie dem FFC Frankfurt, wäre es wohl trotzdem sehr unwahrscheinlich, dass Ersterer gegen Letzteren gewinnt!!!