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2008

Neid: „Wer sich nicht an die Regeln hält, spielt nicht mit“

In einem ungewöhnlich langen Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat sich Deutschlands Bundestrainerin Silvia Neid über ihr Traineramt in der Nationalmannschaft und ihren Führungsstil geäußert. „Manchmal muss Kritik ganz hart sein, damit sie verstanden wird. Disziplin ist da ganz wichtig. Ich habe eben Regeln, und daran muss man sich halten, und wer sich daran nicht hält, der spielt auch nicht.“

Neid bezeichnet ihren eigenen Führungsstil als „nicht mehr ganz so impulsiv und laut, nach außen etwas ruhiger, aber immer noch ganz direkt“, was für die Spielerinnen manchmal nicht schön sei. Aber wenn man etwas von einer Spielerin erwarten würde, dann müsse „die das irgendwann auch umsetzen können.“

Hart, aber herzlich Und wenn nicht, dann müsse man sich ohnehin „eine andere suchen oder eine andere aufbauen auf der Position.“ Auf dem Feld müsse gearbeitet werden, dort könne man nicht viel Zeit mit Lachen verbringen. „Aber nach dem Training oder dem Spiel bin ich auch mal ein Kumpeltyp, aber auf dem Feld, da will ich Leistung haben.“

„Ich wollte einen Torwarttrainer, der immer für uns da ist und nicht nur ein paar Monate, und wenn ein besseres Angebot da ist, ist er wieder weg. Das mit unserem Athletiktrainer, dem Norbert Stein, hat dann auch geklappt. Das war auch wichtig, dass einer die Spielerinnen in diesem Bereich das ganze Jahr über betreut, und nicht nur, wenn man vor einem Highlight steht.“

Der Bauch entscheidet mit Das Bauchgefühl sei ein wichtiger Faktor ihrer Trainertätigkeit. „Mein Bauchgefühl verlässt mich eigentlich sehr, sehr selten. Ich muss mich einfach mit meiner Entscheidung wohlfühlen, dann kann ich das auch durchziehen und weiß, das ist richtig. Da können hunderttausend andere sagen: Du hättest lieber die oder die mitnehmen sollen – das ist mir wurscht. Natürlich kann man auch mal falsch liegen und sich täuschen. Oder eine Spielerin, die vorher gut war, fällt plötzlich in ein Loch. Aber auch das kann man dann trotz allem begründen.“

Internationale Anforderungen Im Vergleich zwischen der Bundesliga und internationalen Aufgaben bräuchten die Spielerinnen in der Bundesliga im Zweikampfverhalten „nur etwa 70 Prozent von dem, was international gefordert ist. „Dann geht es auch um Schärfe im Passspiel, weil sie in ihren Vereinen den Ball so spielen, dass die damit was anfangen können, nur wenn sie international so passt, ist der Ball weg, weil die Gegnerin dazwischen geht.“ Neid erklärt: „Man muss Spielerinnen auch reizen, damit sie an ihre Grenzen gehen. Man muss auch mal Kontrapunkte setzten, damit die Spielerinnen etwas haben, wo sie dagegen sind und daran zusammenwachsen können.“

Unbeliebtheit erforderlich Man dürfe als Trainerin nicht beliebt sein und man könne es nicht jedem recht machen. „Vielleicht bei den ersten elf, aber ab der 12 geht es auch schon los mit dem Ärger, weil sie nicht spielt.“ Realistisch gesehen, würden auch wieder einmal schlechtere Zeiten kommen. Die Bedeutung der WM 2011 im eigenen Land setzt sie hoch an. „Etwas Größeres gibt es nicht, auch für eine Trainerin.”