Neid: „Wer sich nicht an die Regeln hält, spielt nicht mit“

18

In einem ungewöhnlich langen Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat sich Deutschlands Bundestrainerin Silvia Neid über ihr Traineramt in der Nationalmannschaft und ihren Führungsstil geäußert. „Manchmal muss Kritik ganz hart sein, damit sie verstanden wird. Disziplin ist da ganz wichtig. Ich habe eben Regeln, und daran muss man sich halten, und wer sich daran nicht hält, der spielt auch nicht.“

Neid bezeichnet ihren eigenen Führungsstil als „nicht mehr ganz so impulsiv und laut, nach außen etwas ruhiger, aber immer noch ganz direkt“, was für die Spielerinnen manchmal nicht schön sei. Aber wenn man etwas von einer Spielerin erwarten würde, dann müsse „die das irgendwann auch umsetzen können.“

Hart, aber herzlich
Und wenn nicht, dann müsse man sich ohnehin „eine andere suchen oder eine andere aufbauen auf der Position.“ Auf dem Feld müsse gearbeitet werden, dort könne man nicht viel Zeit mit Lachen verbringen. „Aber nach dem Training oder dem Spiel bin ich auch mal ein Kumpeltyp, aber auf dem Feld, da will ich Leistung haben.“

„Ich wollte einen Torwarttrainer, der immer für uns da ist und nicht nur ein paar Monate, und wenn ein besseres Angebot da ist, ist er wieder weg. Das mit unserem Athletiktrainer, dem Norbert Stein, hat dann auch geklappt. Das war auch wichtig, dass einer die Spielerinnen in diesem Bereich das ganze Jahr über betreut, und nicht nur, wenn man vor einem Highlight steht.“

Der Bauch entscheidet mit
Das Bauchgefühl sei ein wichtiger Faktor ihrer Trainertätigkeit. „Mein Bauchgefühl verlässt mich eigentlich sehr, sehr selten. Ich muss mich einfach mit meiner Entscheidung wohlfühlen, dann kann ich das auch durchziehen und weiß, das ist richtig. Da können hunderttausend andere sagen: Du hättest lieber die oder die mitnehmen sollen – das ist mir wurscht. Natürlich kann man auch mal falsch liegen und sich täuschen. Oder eine Spielerin, die vorher gut war, fällt plötzlich in ein Loch. Aber auch das kann man dann trotz allem begründen.“

Internationale Anforderungen
Im Vergleich zwischen der Bundesliga und internationalen Aufgaben bräuchten die Spielerinnen in der Bundesliga im Zweikampfverhalten „nur etwa 70 Prozent von dem, was international gefordert ist. „Dann geht es auch um Schärfe im Passspiel, weil sie in ihren Vereinen den Ball so spielen, dass die damit was anfangen können, nur wenn sie international so passt, ist der Ball weg, weil die Gegnerin dazwischen geht.“ Neid erklärt: „Man muss Spielerinnen auch reizen, damit sie an ihre Grenzen gehen. Man muss auch mal Kontrapunkte setzten, damit die Spielerinnen etwas haben, wo sie dagegen sind und daran zusammenwachsen können.“

Unbeliebtheit erforderlich
Man dürfe als Trainerin nicht beliebt sein und man könne es nicht jedem recht machen. „Vielleicht bei den ersten elf, aber ab der 12 geht es auch schon los mit dem Ärger, weil sie  nicht spielt.“ Realistisch gesehen, würden auch wieder einmal schlechtere Zeiten kommen. Die Bedeutung der WM 2011 im eigenen Land setzt sie hoch an. „Etwas Größeres gibt es nicht, auch für eine Trainerin.“

FRAUENFUSSBALL - Weltmeisterschaften 1991 bis 2019: Enzyklopädie des Sports
1 Bewertungen
FRAUENFUSSBALL - Weltmeisterschaften 1991 bis 2019: Enzyklopädie des Sports
  • Roland M. Weissbarth
  • Herausgeber: Independently published
  • Taschenbuch: 272 Seiten

Letzte Aktualisierung am 9.10.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

18
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
18 Kommentar-Themen
0 Themen-Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf den am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar-Thema
10 Kommentatoren
Tom RollosDetlefViolAoliistSteffen Neueste Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
ViolA
ViolA

sehr interessant und ich muss ihr in gewisser weise auch recht geben. als trainerIN steht man im besonderen licht des öffentlichen interesses und da muss man sich auf sich selbst konzentrieren und auf die eigene arbeit. entscheidungen sind nicht einfach zu treffen und oft auch sehr unpopulär, der erfolg gibt ihr bisher aber mehr als recht.
sie hat auch eine große entwicklung vorangetrieben was den weg zur professionalisierung des natio angeht und ich sehe das durchweg positiv. hoffen wir, dass es so weiter geht und wir weiter von großartigem fußball verwöhnt werden.

Steffen
Steffen

Interessanter Artikel!

Jogi
Jogi

Wo sie Recht hat, hat sie recht. Ohne Disziplin ist in der Weltspitze nix zu holen.

Max Diderot
Max Diderot

„Disziplin ist das Tor zum Glück“, so doppeldeutig wurde im September 2006 ein Artikel im „Spiegel“ überschrieben, der sich in einem Gespräch mit dem Autor Bernhard Bueb und dessen nicht unumstrittenen Thesen seines Buches „Lob der Disziplin“ auseinandersetzte. Nun sind internationale Wettbewerbe, sportliche zumal, nicht zwangsläufig Ringelpietz-Veranstaltungen, aber mir missfällt ein wenig der Unterton, den Frau Neid recht eloquent durch das SZ-Gespräch transportiert und der mich an antiquierte Begriffe der Sportpsychologie erinnern lässt, deren Entstehung zeitgleich datiert sein dürfte mit der Phrase „11 Freunde müßt ihr sein“. Dabei will ich nicht in Abrede stellen, dass Disziplin im modernen Mannschaftssport notwendig… Weiterlesen »

Maskal69
Maskal69

Klasse Artikel, der mal wieder unterstreicht warum Sie so erfolgreich ist.
Das beste was Deutschland auf dieser Trainerposition zu bieten hat.
Das zeigte sich auch zuletzt bei der Olympia Nominierung, besser konnte es man nicht machen.
Ich hoffe Sie bleibt noch lange Trainerin der Nationalmannschaft.

Detlef
Detlef

Ich glaube mir wird gleich schlecht hier!!!
Wenn ich immer proklamiere, dass vor allem die Leistung entscheidet,
ich dann aber hauptsächlich auf mein „Bauchgefühl“ höre, mache ich mich doch total lächerlich!!!
WARUM ist sie nicht ehrlich, und sagt von Anfang an, dass sie nur Spielerinnen mitnimmt, dessen Nase ihr auch gefällt???
Natürlich kann niemand „everybodys Darling“ sein, der so eine Selektion vornehmen muß!!! Aber wer nicht von Anfang an mit offenen Karten spielt, verliert für mich jegliche Glaubwürdigkeit!!!

ViolA
ViolA

ich sehe das eine das andere nicht ausschließen, detlef. es waren nunmal 21 top feldspielerinnen mit bei den lehrgängen und ich denke, dass bei einigen entscheidungen eben von der leistung her nicht direkt was auszumachen war. wenn du also zwei spielerinnen hast die in deinen augen und von den ergebnissen der leistungstests gleich gut sind, dann musst du dich für eine entscheiden wenn du nur eine mitnehmen kannst dafür. und was bleibt einem in so einem fall? das bauchgefühl. das ist doch überall und in jedem job so. und ich finde genau das hat sie auch zum ausdruck gebracht. ich… Weiterlesen »

Spocky
Spocky

Also alles was Silvia Neid in dem Artikel sagt über Diziplin, Trainerin muss sog. „Härte“ zeigen usw. = das ist ja alles schon mal da gewesen …! Aber die Aussage, dass „… auf dem Feld hart gearbeitet wird und dass dort auch wenig gelacht wird …“, dies sehe ich nicht so! Wenn man/frau nur will, sollte es doch möglich sein, die Arbeit auf dem Trainingsplatz mit Spaß und auch Lachen zu verbinden … Dass Silvia Neid bei der Entscheidung, wer nach China mitfliegt, es nicht jedem recht machen kann, ist mir schon klar; aber was sie mit der Spielerin BIANCA… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

@Viola, lassen wir doch mal das Bauchgefühl weg, und betrachten die Fakten!!! WARUM stand CONNY POHLERS angeblich auf der Kippe??? Sie hat nicht ein Pflichtspiel versäumt, und eine Menge Tore geschossen!!! WARUM ist sie dann für Frau Neid „nur“ ein JOKER??? Sandra Smisek hat in der letzten Saison sehr oft auf der Bank gesessen, eben weil sie von CONNY verdrängt wurde!!! Nun lese ich in der neuesten FF, dass Sandra Smisek für Frau Neid eine gute und konstante Leistung erbracht hat!!! WORIN??? Im Banksitzen??? Eine Martina Müller war, bis zu ihrer Verletzung, der einzig wirkliche Garant für Tore in Wolfsburg!!!… Weiterlesen »

thoddey
thoddey

Na ja so ganz falsch ist deine Theorie mit der Sympathie sicher nicht, ich will jetzt ja nicht das alte Thema Grings aufbringen, aber schlussendlich waren wir nicht bei den Lehrgängen mit dabei. Ich lege mich sowieso nicht so gerne auf einzelne Spielerinnen fest, da ohnehin am Ende die Mannschaftsleistung zählt und vor knapp einem Jahr eine ähnliche Diskussion stattfand, die mit dem Weltmeistertitel widerlegt werden konnte. Nichtsdestotrotz kann auch ich nicht nachvollziehen, warum Sandra Smisek Conny Pohlers vorgezogen wird. Wahrscheinlich will man dem Sturmduo Prinz-Smisek noch mal eine Chance geben. Warten wir doch erst mal Mittwoch ab, mit Norwegen… Weiterlesen »

Steffen
Steffen

🙂 Wow, dass die Meinungen da soweit auseinander gehen. Also bei der Conny Pohlers habe ich auch gedacht, als sie erst kurz vor Ende gegen England eingewechselt wurde, was ist denn hier los, was hat die Sylvia Neid vor, will sie die Conny Pohlers wieder ausbooten? Und wenn ich das höre guter Joker, da wird’s mir auch schlecht. Sie war überragend in der Liga und hat das UEFA-Cup-Finale mit Birgit Prinz fast allein entschieden. Kurz danach hätte Sylvia Neid nicht sagen können, guter Joker. Das wäre nicht haltbar gewesen. Aber 2 Monate später sieht die Welt schon wieder ganz anders… Weiterlesen »

ViolA
ViolA

wieso conny auf der kippe stand verstehe ich auch nicht, vor allem wenn sie dann mittag mitnimmt die meiner meinung nach lange schon nicht mehr gut gespielt hat (in der natio). und auch das mit smi verstehe ich schon lange nicht mehr. ich hätte sie schon zur wm nicht mitgenommen. eine stürmerin zeichnet sich eben vor allem durch tore oder vorlagen aus und beides kriegt smi nicht sonderlich gut auf die reihe. sie mag vielleicht für unruhe sorgen und sich oft unentdeckt durchwurschteln, aber das können andere auch. warum mm nur ein joker ist begründe ich mal damit, dass wenn… Weiterlesen »

oliist
oliist

Hat Frau Neid denn in jüngster Zeit behauptet,das Pohlers nur eine Art Joker sei bzw. auf der Kippe stehe?Wo habe ich das überlesen oder überhört? Vom ARD Moderator mal abgesehen,nämlich beim Spiel gegen England,höre ich hier zum ersten mal davon. Daß Pohlers so spät eingewechselt wurde,bedeutete für mich schlicht und ergreifend,daß ihr Einsatz bei den olympischen Spielen überhaupt nicht in Frage gestellt sein könnte und die Bundestrainerin sich nur eine alternative Startformation anschauen wollte. Conny ist wohl gerade auf ihrem absoluten Zenit und somit sicherlich nicht nur in meinen Augen vollkommen unersätzlich.Deshalb wundert mich diese Diskussion um so mehr,wie immer… Weiterlesen »

oliist
oliist

Ich meinte natürlich: „…ARD Kommentator…”

Detlef
Detlef

@Viola,
also ich habe bis heute noch kein Spiel der Natio gesehen, in dem Martina von Beginn an gespielt hat???
CONNY gehört absolut unstrittig in die Startelf, OHNE WENN UND ABER!!!
@oliist,
CONNY hatte schon einige von diesen „absoluten Zeniten“, in ihrer Karriere!!! Nur eben nicht für Frankfurt!!!
Zu Sandra Smisek kann ich leider nicht umhin festzustellen, dass ihre besten Tage wohl vorbei sind!!! Für mich war sie auf ihrem sportlichen Höhepunkt, als sie die letzten Spiele für den FSV Frankfurt gemacht hat!!! Danach konnte sie leistungsmäßig nie wieder dort anknüpfen!!!

ViolA
ViolA

@detlef sie hat 71 partien gespielt für die natio und wurde bei 48 davon eingewechselt, macht 23 in denen sie von anfang an auf dem platz stand. das letzte mal in der startelf stand sie beim algarve cup gegen dänemark. dort wurde sie in der 68. minute ausgewechselt und durch lena goeßling ersetzt. das spiel davor, welches du vielleicht gesehen haben könntest, war die partie gegen belgien im nov 2007. dort wurde sie in der halbzeit ausgewechselt und lira kam herein. es war die abschiedspartie von minni. die letzte partie die sie komplett durchgespielt hat ist schon sehr sehr lange… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

Es bleibt dabei, ich kann mich an kein Spiel erinnern, in dem sie von Beginn an gespielt hat!!!

Tom Rollos
Tom Rollos

Ganz klare Sache und so sollte es auch sein. Wir hoffen doch alle das fair gespielt wir.
Denn nur ein Fairer Sieg ist ein echter Sieg