Tritschoks: „Marta ist keine Weltfußballerin“
90 Minuten begeisternden Frauenfußball hatten die Rekordkulisse von 27.640 Zuschauern und Millionen vor den Fernsehschirmen beim UEFA-Pokal-Finale zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Umeå IK in der Frankfurter Commerzbank-Arena gesehen. Dennoch gab es nach der Partie kräftige Misstöne.
Denn die in den vergangenen Jahren gewachsene Rivalität der beiden derzeit besten europäischen Teams und die wiederholten Sticheleien von Umeå-Trainer Andrée Jeglertz waren der Auslöser dafür, dass Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks nach dem Spiel der Kragen platzte.
In der Vorwoche hatte Jeglertz den Frankfurterinnen vorgeworfen, das 1:1 im Hinspiel bereits wie den Titelgewinn gefeiert zu haben. Eine Sichtweise, die Tritschoks mit Unverständnis quittierte.
Wortgefecht der beiden Trainer Und als der Schwede dann vor den Medienvertretern zur Zuschauerschelte ausholte („Es mag ja ein tolles Spiel für das Publikum gewesen sein, aber es ist bedauerlich, wenn die weltbeste Fußballerin ausgepfiffen wird“), war schnell klar, dass die beiden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr werden würden.
„Wer sich auf dem Platz so verhält, ist für mich keine Weltfußballerin“, konterte Tritschoks. „Das Provozieren, das Fallenlassen und das Theatralische vor allem im Hinspiel – das alles hat sie nicht nötig und bringt auch den Frauenfußball nicht weiter. Es rechtfertigt vielleicht nicht die Pfiffe, aber man muss dann damit rechnen“, führte er aus.
Frustrierte Schweden Die Worte trafen die ob der Niederlage eh schon frustrierten Schweden wie Peitschenhiebe. Und nun schaltete sich Umeås Manager Roland Arnqvist ein: „Wir danken Frankfurt für dieses Fußballfest, aber auf diesem niedrigen Niveau wollen wir uns nicht bewegen. Wir akzeptieren die Pfiffe als Fakt, aber wir werden nicht darüber weiter diskutieren, sonst verlassen wir die Pressekonferenz.“
Nur langsam glätteten sich die Wogen und man besann sich, fortan über das Sportliche zu reden. Doch auch als die Pressekonferenz längst vorbei war, waren die Pfiffe gegen Marta das beherrschende Thema. Arnqvist giftete: “Es gibt nur eine Sache, die schlimmer ist, als ein schlechter Verlierer, nämlich ein schlechter Gewinner. Und diese Ehre gebührt Frankfurts Trainer.”
„Marta ist keine Teamplayerin“ Tritschoks hingegen unterstrich noch einmal seine Sichtweise: „Natürlich kann man die Pfiffe nicht akzeptieren. Marta ist auf jeden Fall eine Superspielerin und ich habe Respekt vor ihrer Leistung. Aber sie provoziert und polarisiert, das wollen die Leute eben nicht sehen. Eine Weltfußballerin hat für mich auch eine Vorbildfunktion und das fehlt ihr. Sie ist keine Teamplayerin, sondern eine Alleinunterhalterin.“
Birgit Prinz wollte öffentlich keine Stellungnahme abgeben, Silke Rottenberg meinte: „Diese Theatralik hat sie gar nicht nötig als Weltklassefußballerin. Die Fans mögen so etwas halt nicht, aber ich fand es schade, dass die Pfiffe bis zum Ende angehalten haben, irgendwann muss Schluss sein.“
Pfiffe einfach ignorieren Conny Pohlers wollte der Angelegenheit keine allzu große Bedeutung beimessen. „Sie ist nun mal so, entweder man akzeptiert das, oder nicht. Ich habe mit ihr noch keine schlechten Erfahrungen gemacht und fand ihr Verhalten gar nicht so schlimm. Aber man kann den Zuschauern nicht vorschreiben, was sie zu tun haben. Mich würden die Pfiffe eher zusätzlich motivieren.“
Martas verletzte Sturmkollegin Hanna Ljungberg meint: „Man muss mental stark sein und sie einfach ignorieren. Im Männerfußball kommt das ja auch vor. Wir werden uns daran gewöhnen.“
Pfiffe gegen Weltfußballerin Marta - richtig oder falsch?