UEFA-Pokal-Finale: Spielen statt reden

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Gemeinsames GruppenbildRund 60 Medienvertreter hatten sich einen Tag vor dem Rückspiel im Finale des UEFA Women’s Cup zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Umeå IK (ab 14.00 Uhr live auf ZDF und im Streaming von ZDF und uefa.com) im Presseraum der Frankfurter Commerzbank-Arena eingefunden, um letzte Informationen von den beiden Teams und den Spielerinnen zu erhalten. Doch eine der Hauptdarstellerinnen fehlte zunächst.

Birgit Prinz kam mit einer Verspätung von 45 Minuten, weil sie im Stau stecken geblieben war. Doch sie gestand später ein, dass sie auch gar keine rechte Lust auf die Veranstaltung hatte.

Die ewige Leier vom Duell der beiden Weltfußballerinnen der vergangenen fünf Jahre, Prinz gegen Marta, hatte ihr Nervenkostüm sichtlich strapaziert. „Das ist eine reine Pressegeschichte“, raunzte sie in die Runde.

Und auch Marta schien sich nicht so recht wohl in ihrer Haut zu fühlen. Nervös blies sie die Backen auf, ihr angespannter Blick wurde nur selten von einem Lächeln verdrängt, etwa als die Übersetzerin die Sprachen Deutsch und Schwedisch verwechselte und damit für Heiterkeit in der Runde sorgte.

Lob für die Rahmenbedingungen
Es wird Zeit, dass der Ball endlich rollt, dachten sich wohl alle anwesenden Spielerinnen, Trainer und Verantwortliche. Marta antwortete artig, dass sie sowohl auf Kunst- wie auch auf Naturrasen gerne spiele und sie lobte Essen, Hotel und den perfekten Rasen im Stadion. „Wir fühlen uns hier alle sehr wohl“, sagte sie, um dann urplötzlich auf das Sportliche überzuleiten: „Wir müssen einfach gewinnen, aber es wird sehr schwer“, so die Weltfußballerin von 2006 und 2007.

Birgit Prinz blieb trotz der nach dem 1:1 im ersten Finale guten Ausgangsposition vorsichtig. „Wir haben uns im Hinspiel gut verkauft, ich bin relativ zufrieden mit unserer dortigen Leistung. Aber jetzt haben wir ein richtiges Endspiel, die Chancen stehen 50:50.“ Bei angekündigten sommerlichen Temperaturen von knapp 25 Grad und des wegen der Fernsehübertragung geschlossenen Stadiondachs wollen die Frankfurter ihren dritten Erfolg im UEFA-Pokal unter Dach und Fach bringen.

Probe des ErfolgsfallsAttraktives Spiel
FFC-Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks meint: „Ich erwarte morgen ein tolles Spiel zweier offensivstarker Teams. Dieses fantastische Erlebnis wird den Frauenfußball weiter nach vorne bringen.“

Sein Gegenüber Andrée Jeglertz haderte immer noch ein wenig mit den verpassten Chancen der Vorwoche. „Leider haben wir dort nicht mehr Tore geschossen.“ Die routinierte Kapitänin Frida Östberg soll für Ruhe sorgen. „Sie ist eine sehr wichtige Spielerin für das Team. Sie kann mit ihrer Erfahrung die Hektik aus dem Spiel nehmen.“

Vorstoß in neue Dimensionen
Die beiden Manager, Siegfried Dietrich und Roland Arnquist, freuen sich auf die Partie. Dietrich meint: „Wir haben eine neue Dimension im Frauenfußball erreicht. Mehr als 21.000 Tickets sind bereits verkauft, die Nachfrage ist ungebremst.“ Und Arnquist erklärte: „Es kann keine bessere Paarung morgen geben.“

Es ist also angerichtet und man darf gespannt sein, welches dieser beiden starken Teams am Ende die Oberhand behält. Für Marta steht das außer Frage: „Ich habe es satt, immer Zweiter zu werden. Ich will endlich einmal den Geschmack des Sieges kosten.“

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Antje aus London
Antje aus London

Das ist wieder so ein typischer Birgit-Prinz-Moment, den die Presse als maulig oder unprofessionell einordnen mag. Aus Sicht der Spielerin, die am naechsten Tag eines der wichtigsten Spiele ihrer Karriere spielen wird, finde ich ihre Reaktion total verstaendlich. Da will sie sich doch lieber weg vom Trubel in Ruhe in die richtige Stimmung fuer das Spiel bringen, als die immer gleichen Phrasen zu dreschen, die aufkommen, wenn sie gegen Marta spielt. Leider ist gute Oeffentlichkeitsarbeit jedoch ein wichtiger Teil der Professionalisierung des Frauenfussballs und da kann man verstehen, dass die Presse dieses Duell der beiden besten Spielerinnen der Welt im… Weiterlesen »

ViolA
ViolA

vielen dank für diesen beitrag antje. ich hatte direkt schon erwartet eben jene kritik an birgit lesen zu müssen, nur weil sie keine lust hatte schon wieder an einer pressekonferenz teilzunehmen und sich schon wieder fragen zu lassen wie das spiel laufen würde mit marta und blablabla. wenn man dann deswegen noch im stau steht ist man eh bedient in ihrem falle. daher finde ich ihre reaktion und ehrlichkeit eigentlich eher positiv als negativ. sie nimmt es wie immer mit humor. verlangt mir sogar tatsächlich respekt ab. ich glaube ich wäre dagegen ziemlich ungeniessbar.

Markus Juchem
Markus Juchem

@ Antje und ViolA: Ich bin da etwas hin- und hergerissen. Bis zu einem gewissen Grade kann ich es sicherlich verstehen, dass es nicht prickelnd ist, immer wieder die gleichen Fragen gestellt zu bekommen. Diese Mauligkeit muss trotzdem nicht sein, das hat auch nichts mit Ehrlichkeit zu tun. Ich habe es aber auch gar nicht so negativ gemeint, deswegen auch die Überschrift. Ich denke, am liebsten hätten gestern schon alle gespielt, anstatt große Reden zu schwingen. Aber mir gefällt auch ganz und gar nicht, wenn die Arbeit der Medien immer als lästiges Übel abgetan wird. Schon heute profitieren ja auch… Weiterlesen »

Satine
Satine

So, ich habe mich vor dem Fernseher positioniert. Wie zu erwarten ist, spricht man von „den ewigen Rivalen“ Frankfurt und Umea.

Markus Juchem
Markus Juchem

Die Aufstellungen:

1. FFC Frankfurt (wie im Hinspiel): Silke Rottenberg – Katrin Kliehm, Tina Wunderlich, Gina Lewandowski, Saskia Bartusiak – Meike Weber, Alexandra Krieger – Kerstin Garefrekes, Petra Wimbersky – Birgit Prinz, Conny Pohlers

Umeå IK (mit einer Änderung):
Ulla-Karin Rönnlund – Anna Paulson, Johanna Frisk, Karolina Westberg, Frida Östberg, Emma Berglund – Lisa Dahlquist, Johanna Rasmusen, Mami Yamaguchi – Madelaine Edlund, Marta

Verteidigerin Emma Berglund steht anstelle von Ramona Bachmann in der Startformation, eine etwas defensivere Variante.

Markus Juchem
Markus Juchem

Hallo Satine, heute kann ich vielleicht ein bisschen nebenbei mitdiskutieren. Allen viel Spaß beim Spiel!

Satine
Satine

Das freut mich. Jetzt muss eigentlich nur noch Max kommen. Und es geht los!

Markus Juchem
Markus Juchem

Was für ein Auftakt. Die Riesenchance von Petra Wimbersky, dann die Chance von Marta. So kann es weitergehen!

Markus Juchem
Markus Juchem

Tooooooooooooooooooor! 1:0 Pohlers! Super!

Satine
Satine

Und es geht schon munter los. Für einen Moment sah es nach einem erneuten frühen Tor aus.
Der Kommentator Norbert Galeske hat offenbar auch schon jede Menge Kaffee getrunken und lässt seinen Emotionen freien Lauf. (Persönlich ist mir ein wenig journalistische Zürckhaltung ja lieber)
Wer von euch hat das erste Finalspiel gesehen? Ich konnte es leider nicht kucken.
Tor von Pohlers!

Satine
Satine

Gilt hier auch die Auswärtstorregel? Nein, oder?

Markus Juchem
Markus Juchem

He, soll ich winken? Sitze direkt eine Reihe über Galeske. 😉

Markus Juchem
Markus Juchem

Ja, auf jeden Fall gilt die Auswärtstorregel.

Markus Juchem
Markus Juchem

Für Conny Pohlers war es bereits das siebte Tor in einem Finale des UEFA Women’s Cup, wenn ich mich nicht verrechnet habe.

Markus Juchem
Markus Juchem

Trainer Jeglertz schaut an der Seitenlinie schon ziemlich bedient aus.

Satine
Satine

Pass auf, dass er seine Stimmbänder nicht überanstrengt. Vielleicht eine beruhigende Tasse Tee in der Halbzeit. 😀
Was für eine unglaubliche Quote von Conny Pohlers.

Markus Juchem
Markus Juchem

Ähnlich wie im Hinspiel hat die Partie nach einer starken Anfangsphase jetzt ein wenig an Intensität verloren, finde ich.

Satine
Satine

Rothenberg mit einer Schulterparade. Es macht einfach Spaß, Martha zuzusehen.
Galeske sprach gerade davon, dass Martha zwischen 10.000 und 50.000 im Monat verdient. Ist das realistisch? Wie sieht es da mit Bundesligaspielern aus?
Während noch eine Wiederholung vor dem Tor Rothenbergs gezeigt wird, kommt Prinz schon wieder zu einer Torchance.

Satine
Satine

Rothenbergs Schulterparade soll rotwürdig gewesen sein?

Markus Juchem
Markus Juchem

Die Zahlen über Martas Gehalt schwanken, ich kann später mal die schwedischen Kollegen aus Umea fragen, ob die Näheres wissen. In der Bundesliga ist die Schere sicherlich groß zwischen Nationalspielerinnen in und außerhalb Frankfurts und dem Rest der Liga.