UEFA-Pokal-Finale: Spielen statt reden

Von am 23. Mai 2008 – 23.00 Uhr 86 Kommentare

Gemeinsames GruppenbildRund 60 Medienvertreter hatten sich einen Tag vor dem Rückspiel im Finale des UEFA Women’s Cup zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Umeå IK (ab 14.00 Uhr live auf ZDF und im Streaming von ZDF und uefa.com) im Presseraum der Frankfurter Commerzbank-Arena eingefunden, um letzte Informationen von den beiden Teams und den Spielerinnen zu erhalten. Doch eine der Hauptdarstellerinnen fehlte zunächst.

Birgit Prinz kam mit einer Verspätung von 45 Minuten, weil sie im Stau stecken geblieben war. Doch sie gestand später ein, dass sie auch gar keine rechte Lust auf die Veranstaltung hatte.

Die ewige Leier vom Duell der beiden Weltfußballerinnen der vergangenen fünf Jahre, Prinz gegen Marta, hatte ihr Nervenkostüm sichtlich strapaziert. „Das ist eine reine Pressegeschichte“, raunzte sie in die Runde.

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Und auch Marta schien sich nicht so recht wohl in ihrer Haut zu fühlen. Nervös blies sie die Backen auf, ihr angespannter Blick wurde nur selten von einem Lächeln verdrängt, etwa als die Übersetzerin die Sprachen Deutsch und Schwedisch verwechselte und damit für Heiterkeit in der Runde sorgte.

Lob für die Rahmenbedingungen
Es wird Zeit, dass der Ball endlich rollt, dachten sich wohl alle anwesenden Spielerinnen, Trainer und Verantwortliche. Marta antwortete artig, dass sie sowohl auf Kunst- wie auch auf Naturrasen gerne spiele und sie lobte Essen, Hotel und den perfekten Rasen im Stadion. „Wir fühlen uns hier alle sehr wohl“, sagte sie, um dann urplötzlich auf das Sportliche überzuleiten: „Wir müssen einfach gewinnen, aber es wird sehr schwer“, so die Weltfußballerin von 2006 und 2007.

Birgit Prinz blieb trotz der nach dem 1:1 im ersten Finale guten Ausgangsposition vorsichtig. „Wir haben uns im Hinspiel gut verkauft, ich bin relativ zufrieden mit unserer dortigen Leistung. Aber jetzt haben wir ein richtiges Endspiel, die Chancen stehen 50:50.“ Bei angekündigten sommerlichen Temperaturen von knapp 25 Grad und des wegen der Fernsehübertragung geschlossenen Stadiondachs wollen die Frankfurter ihren dritten Erfolg im UEFA-Pokal unter Dach und Fach bringen.

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Probe des ErfolgsfallsAttraktives Spiel
FFC-Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks meint: „Ich erwarte morgen ein tolles Spiel zweier offensivstarker Teams. Dieses fantastische Erlebnis wird den Frauenfußball weiter nach vorne bringen.“

Sein Gegenüber Andrée Jeglertz haderte immer noch ein wenig mit den verpassten Chancen der Vorwoche. „Leider haben wir dort nicht mehr Tore geschossen.“ Die routinierte Kapitänin Frida Östberg soll für Ruhe sorgen. „Sie ist eine sehr wichtige Spielerin für das Team. Sie kann mit ihrer Erfahrung die Hektik aus dem Spiel nehmen.“

Vorstoß in neue Dimensionen
Die beiden Manager, Siegfried Dietrich und Roland Arnquist, freuen sich auf die Partie. Dietrich meint: „Wir haben eine neue Dimension im Frauenfußball erreicht. Mehr als 21.000 Tickets sind bereits verkauft, die Nachfrage ist ungebremst.“ Und Arnquist erklärte: „Es kann keine bessere Paarung morgen geben.“

Es ist also angerichtet und man darf gespannt sein, welches dieser beiden starken Teams am Ende die Oberhand behält. Für Marta steht das außer Frage: „Ich habe es satt, immer Zweiter zu werden. Ich will endlich einmal den Geschmack des Sieges kosten.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

86 Kommentare »

  • ViolA sagt:

    hm…. darf ich einen kleinen wunsch äußern? ich finde es wirklic großartig, dass ihr hier so den verlauf postet und ich denke es ist auch super spannend wenn man ihn aktiv mitließt. wenn man allerdings nachträglich das ganze nachließt, dann ist es ermüdent. ich schätze diese seite sehr auf grund der themenbezogenen diskussionen die sehr angeregt und gut geführt werden. durch solche „live-ticker“-beiträge geht das für mich völlig verloren und ich mag das weder alles durchlesen noch fühle ich mich dann noch angeregt zu diskutieren. wäre es vielleicht eine möglichkeit dazu einen eigenen bereich aufzumachen (evtl. mit verlinkung hier)?

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo ViolA, danke für die Anregung. Ich werde einfach bei zukünftigen Events, also vor allem Live-TV-Spielen, einen eigenen Thread dafür aufmachen, ok?

    Dann haben wir die Liveblogging-Einträge separat und es bleibt übersichtlicher. Man kann dann ja auch gegenseitig die Artikel verlinken, das ist kein Problem.

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  • ViolA sagt:

    dennoch zur oben gestarteten diskussion…

    ich kann das durchaus nachvollziehen, markus, und mir geht es da oft auch nicht viel anders. ich sehe aber dennoch auch den menschen dahinter und das was er leisten kann und auch bereit ist.
    ich denke birgit ist jemand, der viel gegeben hat in der vergangenheit (auch den medien) und dem auch ne menge genommen und aufgebürdet wurde. für mich daher durchaus verständlich, wenn sie dann einfach – auch aus ihrer natur heraus – sagt, dass sie einfach keine lust mehr dazu hat.
    das die spielerinnen davon profitieren mag ich nicht abstreiten, dass ist auf jeden fall so. was die verpflichtung gegen über den medien angeht tue ich mich ehrlich gesagt schwer das so zu definieren. spielerinnen wie birgit spielen nicht um berühmt zu werden und in aller munde zu sein, sie spielen sicherlich auch nicht um reich zu werden und viele sponsoren zu finden, auch wenn sie den finanziellen aspekt sicher nicht mit füßen treten. ganz im gegensatz zu solchen spielerinnen wie marta die gerne im rampenlicht stehen.
    andererseits sehe ich aber auch die problematik, dass journalisten immer wieder mehr verlangen als das gegenüber zu geben bereit ist. das ist ganz natürlich wenn man die standpunkte betrachtet. ich stehe selbst als eben solch eine journalistin immer wieder vor dem problem: was darf ich und was geht zu weit? natürlich ist eine gewisse bissigkeit nötig und auch das nachhacken – allein schon wegen dem auftraggeber – allerdings muss man den spieler auch als menschen an sich sehen und ich finde, dass das viel zu oft verloren geht.
    wie birgit schon sagte: im fußballbereich hat sie sich damit arrangiert. sie gibt immer noch viele interviews (beim hinspiel und auch gestern beim rückspiel), sie versucht dass aber auf einem lowlimit zu halten und andere vorzulassen. einfach um nicht immer wieder die fixperson der medien zu sein die sie einfach nicht gerne ist. ich denke dass kann man ihr durchaus auch zugestehen, eben wie jedem anderen auch.
    was die mauligkeit angeht so kann man das sicherlich kritisieren. ich sehe das auch mit gemischten gefühlen. nur auch da denke ich, dass die medien oft zuviel reininterpretieren bzw das zu stark betonen (kenne ich von meinem eigenen chef nur zu gut). natürlich geht es um die wirkung nach aussen, aber niemand ist unfehlbar und wenn man sowieso keine lust hat auf ein erneutes interview, deswegen im stau stand und man eine frage zum 50. mal hört, dann ist natürlich klar dass – in diesem falle – birgit nicht freudestrahlend sagt: oh ja super ich freue mich.
    übrigens noch etwas: auch wenn die jüngeren spielerinnen sich an die entwicklung gewöhnen und da hinein wachsen muss das deswegen noch nicht richtig sein. ich halte die medien durchaus für sinnvoll (sonst wäre ich ja selbst auch nicht ein teil dessen), dennoch sehe ich auch meine arbeit immer wieder kritisch weil ich mir sage, dass über vieles zu sensationslüsternd berichtet wird und das eigentlich wichtige verloren geht.
    ich darf dazu das beispiel wattenscheid bringen. es lief eine menge schief, es wurde die schuld rumgeschoben, niemand wollte verantwortung übernehmen, es wurde zu schnell und unüberlegt gehandelt,…. wir wissen alle was die presse zu berichten wußte. aber weder haben wir einen wirklichen einblick in die situation (und da ist meine kritik eben, dass viele journalisten irgendwas als aufreißer nehmen, was der wahrheit durchaus oft entbehrt) noch sehe ich die medien in diesem falle als nützliche hilfe oder kritik an der führung des vereins an. die herren und damen dort sind sich sicherlich selbst im klaren darüber, dass das so nicht gut war und daran ändert auch ein medialer druck nichts. oft verschärft er die problematik eher (trainerentlassung,…). das einzige was solche oft sensationslüsternden artikel bezwecken ist die fans, etc. aufzuwirbeln und selbst daraus profit zu schlagen.

    was ich damit sagen will: die presse ist gut und wichtig, aber meiner meinung nach überschätzt sie ihren zuständigkeits- und geltungsbereich etwas und mischt sich letztendlich in dinge ein, die ohne sie durchaus besser laufen könnten und in denen sie teilweise nichts zu suchen hat (stichwort: boulevardmagazine).

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  • ViolA sagt:

    vielen dank markus, dass ist wirklich super 🙂

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  • Markus Juchem sagt:

    ViolA, so negativ sollte es gar nicht rüber kommen. Ich denke, wenn man Birgit ein bisschen länger kennt, weiß man ja durchaus, dass es gar nicht so gemeint ist. Sie ist ein zielstrebiger, geradliniger Mensch, ihre direkte Art ist teils sehr erfrischend, manchmal aber auch anstrengend. Nach dem Finale, als der größte Trubel vorbei war, war sie sehr entspannt im Gespräch.

    Es stimmt schon, dass sich die Medienanfragen häufig auf sie fokussieren. Hier sind aber auch Verein bzw. Verband gefragt, andere Spielerinnen stärker als bisher an die Medien heranzuführen, da kommt meines Erachtens zu wenig. Es gibt hier noch viele ungeschriebene Geschichten, die berichtenswert wären.

    Natürlich gibt es keinen Zwang Einzelner, den Medien Auskunft zu geben, es gibt auch im Männerfußball ja Beispiele von Spielern, die das strikt ablehnen. Etwa Mehmet Scholl am Ende seiner Karriere. Oder hat schon mal jemand in den letzten Jahren ein Interview mit Paul Scholes von Manchester United gelesen?

    Aber um beim Frauenfußball zu bleiben – es gibt auch Spielerinnen, die nicht sehr auskunftsfreudig sind, sich zwei Tage später aber beschweren, dass die Medien viel zu wenig über den Frauenfußball berichten würden und diese daran Schuld seien, dass der Frauenfußball nicht schon viel weiter in seiner Entwicklung sei. So kann es natürlich auch nicht funktionieren.

    Natürlich muss man als Journalist auch immer eine Interessensabwägung vornehmen. Ich habe auch eine Weile überlegt, ob ich die Kritik an Marta überhaupt aufgreifen sollte. Ich stand noch unter dem Eindruck eines angenehmen, unkomplizierten Treffens mit ihr am Freitagnachmittag. Dazu die nächsten Tage noch mal mehr im Blog.

    Ich fand es dann aber doch zu wichtig, um gar nicht darüber zu schreiben, es war einfach ein zentrales Thema, das ja auch bereits von mehreren Medien in ganz unterschiedlicher Form aufgegriffen wurde. Die Pressekonferenz fand ich peinlich, Ort, Zeit und Rahmen für die Diskussion waren unpassend.

    Ich meinte das mit dem Hineinwachsen dahingehend, dass sie einfach von der Jugend an eine ganz andere Medienkompetenz erhalten, als dies bei den Spielerinnen vor 10 oder 15 Jahren überhaupt möglich war. Und das ist grundsätzlich erstmal positiv.

    Sicher kann man Boulevardmagazine kritisch sehen, aber auch sie bedienen nur eine bestehende Nachfrage, sonst wären sie längst wieder verschwunden. Auch hier ist es aber nicht so, dass der böse Boulevard ausschließlich den echten und den Möchtegern-Promis auflauert, oft ist es auch umgekehrt bzw. eine wechselseitige Beziehung und Abhängigkeit. Im neuen „Spiegel“ gibt es dazu einen interessanten Artikel über die Sängerin Amy Winehouse.

    Was Wattenscheid angeht – auch da muss jeder Journalist sich an die eigene Nase fassen. Wir haben das Thema auf Womensoccer aus mehreren Gründen bisher nur am Rande gestreift. Sagen wir mal so – die Außendarstellung des Vereins hat sicherlich Optimierungspotenzial, unabhängig von vorhandenen oder nicht vorhandenen Einblicken. Aber das gilt auch für andere Vereine.

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  • ViolA sagt:

    ich stimme darin auf jeden fall zu, dass versucht werden sollte die fokussierung von einzelnen spielerinnen zu nehmen und auch ich sehe die vereine da in der verantwortung. ein wunderschönes beispiel in diesem zusammenhang ist für mich das heimspiel auf hr. mich freut es, dass dort immer wieder andere spielerinnen des ffc zu sehen sind, so auch tina wunderlich und conny pohlers. was die qualität der fragen angeht ist sicherlich noch einiges verbesserungswürdig (man merkt immer wieder, dass der moderator nur mittelmäßig informiert ist), aber es ist ein guter anfang. ähnliches fällt mir da bei saarbrücken nach dem dfb-pokalspiel ein, auch wenn mir der name der sendung partout nicht einfallen will. dort saßen dann auch zwei spielerinnen und die waren nun nicht die von den medien hervorgehobenen kessler oder kraus. sowas brauchen wir, genauso was die natio angeht (interviews mit annike und simone). ich sehe auch da fortschritte und bin optimistisch, dass das weitergehen wird. auch wenn ich es schade finde, dass das nach der wm wieder ein bisschen eingeschlafen ist. immerhin fallen den leuten nun mehr namen ein wenn man sie nach frauenfußball fragt als nur der name prinz. was ich in diesem zusammenhang aber auch bemerken möchte ist, dass sich die presse nach der wm vor allem auf natze gestürzt hat. das kann auch nicht sinn der sache sein. die mannschaft besteht mehr als nur aus einer herausragenden torfrau, was das team an sich ja auch mehrfach betont hat. schade ist es, weil sie dann in die gleiche rolle gedrängt wurde, die birgit 4 jahre zuvor inne hatte und so schön kommentierte mit den worten: „ich hätte in tausend und einer fernsehshow auftreten könne und sicherlich auch viel geld verdienen können, aber…“ irgendwann ist es eben zuviel des guten. hat natze ja auch selbst angemerkt.
    wenn sich spielerinnen nicht medial äußern wollen und sich dann aber über die fehlende berichterstattung beschweren, dann ist das für mich in der tat wenig glaubhaft. dann fehlt denen einfach das rückrat und das sehe ich durchaus kritisch. von nix kommt eben nix.
    die pressekonferenz war auf jeden fall der falsche ort dazu. es ist nur natürlich dass die situation nicht einfach ist, vor allem wenn der schwedische trainer bereits im vorfeld davon überzeugt war, dass der ffc keine chance hat den pokal zu gewinnen weil er sein team soviel besser einschätzte. da tut eine solche niederlage natürlich doppelt weh. nur nachkarten muss man dann im fall von tritschoks auch nicht. da finde ich martas reaktion deutlich positiver.
    die abhängigkeit der clubs und auch der spielerinnen seien auf jeden fall unbestritten. das haben wir ja auch am uefa-cup-finale gesehen. wo werbung ist, wo berichterstattung ist, da wächst das interesse der menschen. oft ist diese gesunde wechselbeziehung zwischen geben und nehmen jedoch meiner meinung nach negativ gestört. wenn es um die sternchen des buisness geht fallen mir duzende popstars ein die sich derer bedienen und dann auch nicht selten in der boulevardpresse wie the sun riesen groß abgebildet sind. mir fallen da aber auch massig paparazzi ein als gegenstück.
    die anfänge finden sich schon im chat auf isf. fast jede spielerin wird nach ihrem privatleben befragt. die auswüchse finden sich dann in der bild mit der dreiecksgeschichte zwischen linda, inka und holger fach.
    aber ich glaub ich weiche ein bisschen zu weit vom kern ab.
    ich finde es positiv, dass das thema wattenscheid nicht zerpflückt wurde. im ff-forum war das eine ganz andere sache und ich sage mir, dass muss nicht sein. so wühlt man nur noch mehr auf und keiner hat einen nutzen davon. das gleiche ist ja auch das thema mit den trainerwechseln während der saison. realistin die ich bin gehe ich aber davon aus, dass sich dieses weiter negativ entwickeln wird. denn letztendlich wird das interesse an den vereinen und der frauenbl steigen (was wir ja alle wollen), damit einher gehen dann eben auch die sensationen und das suchen nach eben jenen.
    daher hoffe ich dass diese plattform hier das bleibt was sie ist nämlich möglichst objektiv und informierend und vor allem fair.

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