Jena sollte sich nicht zu früh freuen
Es waren schon etwas seltsam anmutende Szenen, die sich nach dem 1:0-Sieg des USV Jena gegen den SC Sand abspielten. Freudentänze, Interviews und auch schon ein paar Sektduschen. Zugegeben: Jena fährt nächste Woche mit einem dicken Polster von drei Punkten und 15 Toren zum direkten Konkurrenten um den Aufstieg in die 1. Bundesliga nach Sindelfingen.
Doch auch wenn die rechnerische Wahrscheinlichkeit gering ist, den Sprung in Liga eins noch zu verpassen, zu sicher sollten sich die Spielerinnen noch nicht fühlen.
Denn auch Spitzenspiele zweier Mannschaften auf Augenhöhe können gelegentlich eine ganz eigene Dynamik entfalten. In diesem Zusammenhang sei uns ein Blick über den Tellerrand zum Männerfußball ins Nachbarland Österreich gestattet.
Dort kam es vor nicht einmal zwei Monaten am 23. März zum Spitzenspiel zwischen den damaligen Titelanwärtern Red Bull Salzburg und Rapid Wien. Eine ganz enge Auseinandersetzung erwarteten alle Experten vor dem Spiel. Das Ergebnis: Der Vizemeister unterlag gegen den späteren Meister auf eigenem Platz mit 0:7!
Sindelfingen hat Aufstieg noch nicht abgehakt Für Sektduschen und dergleichen gibt es also derzeit für die Jenaerinnen noch keinen Grund, denn die Spielerinnen des VfL Sindelfingen werden mit aller Macht versuchen, das Unmögliche noch möglich zu machen. Und mit ein, zwei schnellen Treffern zu Beginn könnte auch dieses Spiel eine ganz eigene Dynamik entwickeln.
Das sieht auch VfL-Trainer Dietmar Sehrig so: „Es wäre falsch, die Saison abzuhaken. Schließlich wird am Ende abgerechnet. Und deshalb müssen wir von Beginn an gegen Jena Druck machen, schnell in Führung gehen. Vielleicht wird dann die eine oder andere nervös, und wir bekommen einen Euphorieschub.”
Zittersieg für Jena Beim letzten Heimspiel der Saison zitterte sich das nervöse Team aus Jena vor 500 Zuschauern zu einem 1:0-Sieg gegen Sand. Lisa Seiler erzielte in der 67. Minute den erlösenden Siegtreffer mit einem Flachschuss aus zehn Metern.
Der VfL Sindelfingen gewann sein Auswärtsspiel beim TuS Niederkirchen hingegen deutlich mit 5:1, die Treffer erzielten Tanja Coblenzer (6.), Tanja Hees (19.), Kim Kulig (22. und 49.) und Melanie Müller (83.), den Ehrentreffer für Niederkirchen schoss Christine Veth (27.).
Somit steht fest, dass Sindelfingen das Heimspiel gegen Jena kommenden Sonntag im Floschenstadion mit acht Toren Unterschied gewinnen muss, um selbst noch in die Bundesliga aufzusteigen. Nicht wahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich…Spannende 90 Minuten dürften es allemal noch einmal werden.