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2008

Tritschoks: „Der skandinavische Fußball ist uns voraus“

Am Samstag, 17. Mai, steht ab 13.00 Uhr (live auf hr, Eurosport und uefa.com) für den amtierenden deutschen Frauenfußball-Meister 1. FFC Frankfurt das nächste Saisonhighlight auf dem Programm. Im ersten UEFA-Pokal-Finale müssen die Frankfurterinnen beim schwedischen Meister Umeå IK antreten.

Im Interview mit Womensoccer.de spricht Frankfurts scheidender Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks über den Gegner, die internationale Zielsetzung der Frankfurterinnen und geplante Verstärkungen des Kaders.

Womensoccer.de: Herr Tritschoks, wie stufen Sie Ihren Gegner Umeå IK ein?

Tritschoks: Umeå gehört zur absoluten europäischen Spitze, da gibt es keinen Zweifel. Die wichtigsten Spielerinnen sind dort schon seit Jahren Vollprofis. Der skandinavische Fußball ist uns da schon ein wenig voraus, weil der Frauensport dort traditionell einen höheren Stellenwert hat. Wir sind innerhalb der Bundesliga sehr gut, aber an internationalen Maßstäben gemessen wartet noch eine Menge Arbeit auf uns.

Womensoccer.de: Der Finaleinzug ist unter diesem Gesichtspunkt bereits ein großer Erfolg.

Tritschoks: Er ist umso höher zu bewerten, als ja auch bei Teams wie Rossiyanka und Bardolino zahlreiche Spielerinnen auf professioneller Basis arbeiten, wenn ich etwa an Patrizia Panico denke. Auch diese Teams kann man nicht mehr so einfach schlagen. Die Tendenz in Europa ist eindeutig, wenn man sich Mannschaften wie Brøndby, Arsenal oder Kolbotn ansieht. Sie sind mit den jeweiligen Nationalmannschaften inzwischen fast identisch. Man muss diesen Weg mitgehen und darf den Zug nicht verpassen. Es ist wichtig, dass man sich nicht nur an nationalen Gegebenheiten orientiert.

Womensoccer.de: Umeå IK setzt ja viel stärker auf Ausländerinnen als der 1. FFC Frankfurt. Gefällt Ihnen dieses Konzept?

Tritschoks: Es hat Vor- und Nachteile. Mit der Chinesin Ma Xiaoxu hatten sie nicht so viel Glück. Potsdam spürt mit Leni Larsen Kaurin auch die Abstellungsproblematik am eigenen Leib. Wenn wir zukünftig wie im Männerbereich einen einheitlichen Spielplan bekommen, wird man aber in Zukunft verstärkt auf Ausländerinnen setzen. Die einen sagen, es ist gut, wenn sich junge Spielerinnen in kleineren Vereinen weiterentwickeln können. Aber man muss stärker professionalisieren, drei- bis viermal die Woche zu trainieren wird nicht mehr reichen, um mit der Nationalmannschaft Weltmeister zu werden.

Womensoccer.de: Die beiden UEFA-Pokal-Finalspiele werden live im Fernsehen übertragen.

Tritschoks: Ich fände es toll, wenn es auch in der Bundesliga Live-Übertragungen im Fernsehen gäbe, da müssen wir Schritt für Schritt hinkommen. Wir haben im Internet DFB-TV, was ich für eine sehr gute Sache halte. Das ist ein guter Anfang. Aber wir sind eine junge Sportart, die Zeit braucht. Eine Stagnation darf es allerdings nicht geben.

Womensoccer.de: Ihr Team ist stark ins Jahr 2008 gestartet, doch dann kam ein Einbruch, bevor es zuletzt wieder besser lief. Haben Sie diese Berg-und-Tal-Fahrt erwartet?

Tritschoks: Ich denke, dass es normal war. Die WM-Spielerinnen hatten nach dem Turnier nur drei Tage frei, hinzu kam dann die Mehrfachbelastung durch Liga, DFB-Pokal, UEFA-Pokal und Nationalmannschaft. Der Hallenpokal kam viel zu früh, wir mussten bereits am 8. Januar das Training wieder aufnehmen. Es war klar, dass die Kräfte irgendwann nachlassen. Aber mir gefällt, wie die Mannschaft die Initiative übernimmt und sich dagegen stemmt. Sicherlich sind Freiburg und Potsdam andere Gegner als Umeå, aber man merkt, dass wir auf dem aufsteigenden Ast sind und die Konzentration der Spielerinnen auf die nächsten Aufgaben stimmt.

Womensoccer.de: Gina Lewandowski stand gegen Potsdam erstmals wieder in der Startformation. Warum haben Sie sie zuvor auf die Ersatzbank verbannt?

Tritschoks: Das hatte sportliche Gründe. Man kann nicht immer erwarten, dass Neuverpflichtungen hundertprozentig einschlagen. Jede Spielerin braucht einen Anpassungsprozess und fällt auch einmal in ein Loch. Es gibt viele Spiele, Verletzungen, Spielerinnen außer Form. Das zeigt, dass wir den Kader weiter aufrüsten müssen, um unsere Ziele zu erreichen, auch wenn das der Bundesliga nicht gut tut. Der FFC wird die erste Mannschaft sein, wo die Spielerinnen professionelle Strukturen vorfinden werden und sich ausschließlich auf den Fußball konzentrieren können. Die Entwicklung muss weitergehen, man darf sich nicht nur auf den DFB verlassen. So etwas wie zuletzt in Saarbrücken darf einfach nicht passieren.

Womensoccer.de: Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf in punkto Kaderverstärkung?

Tritschoks: Wir müssen uns insgesamt vergrößern, vor allem im Abwehrbereich, weil die eine oder andere aufhört oder aus beruflichen Gründen wechseln wird. Dort wird man ansetzen. Vorne sind wir sehr gut besetzt, aber auch im Mittelfeld gibt es mit Sicherheit Bedarf.

Womensoccer.de: Annike Krahn wäre doch sicherlich eine Verstärkung…

Tritschoks: Ich will nicht vorgreifen, aber Annike Krahn ist für jeden Verein eine interessante Spielerin. Es gibt aber noch eine ganze Reihe anderer Spielerinnen, die für den FFC interessant sind und mit denen wir gesprochen haben. Es ist aber fraglich, ob sich das im Einzelfall realisieren lässt. Ich will nicht unnötig Öl ins Feuer gießen, man muss die Entwicklung abwarten. Wir werden uns nicht unter Druck setzen, aber Sie müssen unsere Seite verstehen, dass wir hier Stillschweigen vereinbart haben. Die meisten Spielerinnen haben ja ihre Verträge verlängert, mit Ronny Borretti habe ich darüber hinaus ein eigenes Konzept für den Nachwuchsbereich entwickelt.

Womensoccer.de: Svenja Huth ist eines der hoffnungsvollen Talente. Hat sie das Potenzial, es bis an die Spitze zu schaffen?

Tritschoks: Sie ist auf einem guten Weg, sie hat ja in Freiburg und gegen Potsdam gespielt, aber wir wollen sie nicht verheizen. Manch andere ist mit 18 schon kaputt, hat Probleme mit den Knien oder der Achillessehne. Man muss sie behutsam aufbauen, es bringt nichts, wenn sie eine Saison super spielt und dann einen Einbruch erleidet. Das wäre der falsche Weg.