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2008

Bernd Schröder: „Wir hätten den FFC nicht so stark erwartet“

Vor dem Spiel hatte Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder noch ganz entspannt sein Gegenüber Dr. Hans-Jürgen Tritschoks begrüßt. Nach Ablauf der 90 Minuten war Schröders gute Laune jedoch sichtlich dahin.

Eine Standortbestimmung für die Leistungsfähigkeit seines jungen Teams hätte die Partie bei Tabellenführer 1. FFC Frankfurt werden sollen. Am Ende stand eine deftige 0:4-Abfuhr, die das Team auf den Boden der Realität zurückholte.

Highlights des Spiel im DFB-TV Und so musste der Hüne nach dem Spiel erst einmal seinem Ärger und seiner Enttäuschung Luft machen. Nachdem er seinen Groll zunächst auf einen Journalisten fokussierte, holte er auch gegenüber seinem Team die verbale Keule raus.

„Die Hintermannschaft war eine Katastrophe“, so Schröder, über Anja Mittags Leistung polterte er: „Da haben wir bessere in der U17, die jetzt zur Europameisterschaft fahren.“

Vom Anpfiff weg standen die Potsdamerinnen bei sommerlichen Temperaturen im Stadion am Brentanobad mit dem Rücken zur Wand. „Wir hatten von Beginn an eine katastrophale Körpersprache. Wir sind eigentlich in einer guten Verfassung, aber Fußball wird im Kopf entschieden“, ärgerte sich Schröder.

Auch den neben Mittag zwei anderen Kandidatinnen auf einen Platz im Kader für die Olympischen Spiele, Jennifer Zietz und Babett Peter, bescheinigte er, unter den Augen von Bundestrainerin Silvia Neid „allesamt enttäuscht“ zu haben.

Lob für Schumann und Kameraj Ganz schlechten Fußball habe man gespielt, nur zwei Spielerinnen nahm er von seiner Kritik aus. Torhüterin Desiree Schumann erhielt genauso Sonderlob wie Aferdita Kameraj, die Frankfurts Stürmerin Conny Pohlers kaum zur Entfaltung kommen ließ.

„Schumann hat souverän gehalten, mehr kann ich von einer 18-Jährigen nicht erwarten.“ Und dank Kamerajs Bewachung habe sich Pohlers „in die Hose geschissen vor Angst“, so die Einschätzung Schröders.

Kein Rot für Notbremse Doch er zollte auch dem Gegner Respekt. „Frankfurt hat heute einfach besser gespielt und wir haben unser Niveau nicht abgerufen. Wir hätten den FFC nicht so stark erwartet.“ Kritik hatte Schröder auch für Schiedsrichterin Nicole Schumacher übrig. „Sie war ganz schwach.“

So ahndete Schumacher eine Notbremse von Carolin Schiewe gegen Birgit Prinz nur mit einer Gelben Karte. „Das war eine klare Rote Karte“, räumte selbst Schröder ein. Doch später musste Schiewe dann nach ihrer zweiten Gelben Karte doch noch vorzeitig in die Kabine, Turbine fast eine Stunde lang mit einer Spielerin weniger auskommen.

Manko im Mittelfeld Eines der größten Probleme für Schröder: „Wir haben derzeit keine Mittelfeldspielerin, die ein Spiel führen und auch mal den Ball halten kann.“ Die Jugend seiner Spielerinnen lässt Schröder nicht als Entschuldigung gelten. „Wenn ich hungrig bin und gut trainiert habe, dann kann ich mit Laufen fußballerische Defizite wettmachen. Aber dann muss ich rennen und mich bewegen, wir hatten zu viel Angst.“

Einen Klassenunterschied wie Frankfurts Trainer Tritschoks hat Schröder aber beileibe nicht gesehen. „Wir hatten drei Chancen, bei denen Frankfurts Abwehr nicht aufgepasst hat. Wenn wir eine davon rein machen, sieht die Sache ganz anders aus.“ Man werde die Niederlage analysieren, ein Beinbruch sei sie aber nicht. „Selbst Spiele zwischen großen Mannschaften gehen manchmal deutlich aus, Fußball ist kein Wunschkonzert. Nächstes Jahr werden wir angreifen.“

Seitenhieb gegen Frankfurt „Die jungen Spielerinnen werden ja nicht schlechter“, hofft Schröder, dass sein Team in der kommenden Saison eine bessere Leistung abrufen kann. „Wir haben damals zwischen 2000 und 2004 auch vier Jahre gebraucht, um das Team zu formen. Wir haben heute bis auf die Torhüterin die gleiche Altersstruktur.“

Einen Seitenhieb auf Frankfurt konnte sich Schröder nicht verkneifen. „Wir werden niemals durchkriegen, dass alle Mannschaften nur Profispielerinnen haben. Das wollen die Frauen gar nicht. Wen interessiert nach Ende der aktiven Laufbahn, ob man irgendwann mal Profi beim 1. FFC Frankfurt war? Spielerinnen wie Lingor, Jones und Fitschen sind Ausnahmen. Mit 32 fängt das Leben erst an, und die Frauen haben dann nicht wie die Männer ausgesorgt. Man sollte also gut überlegen, was man sagt.“