„Zick, Zack, Lesbenpack“

Von am 2. Mai 2008 – 10.36 Uhr 43 Kommentare

„Kabarett darf unverschämt sein, Kabarett darf ungerecht sein, Kabarett darf übertreiben“, sagte der altehrwürdige Kabarettist Werner Schneyder anlässlich seines 70. Geburtstags. Und wie sieht es mit der weniger politischen Comedy aus?

Darf sie derart unverhohlen den Frauenfußball und seine Akteurinnen verunglimpfen, wie das Matthias Knop und Oliver Pocher in der ARD-Sendung „Schmidt & Pocher“ am 24. April 2008 im Rahmen der Parodie „Die Bayern-WG“ taten?

Verkleidet als Oliver Kahn und Franz Beckenbauer diffamierten sie nicht nur den Frauenfußball, sondern werteten auch die sexuelle Ausrichtung der Spielerinnen ab. Der verantwortliche Sender, die öffentlich-rechtliche ARD, findet das in Ordnung.

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Innerhalb der Parodie entspann sich folgender Dialog zwischen Oliver Kahn und Franz Beckenbauer:

Oliver Kahn: „Ich weiß nicht, ob es Dir aufgefallen ist, aber ich habe am Samstag zwei Titel geholt, bin zweimal da Pokalsieger geworden.“

Franz Beckenbauer: „Wie? Das verstehe ich jetzt nicht, warum, was war los?“

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Kahn: „Ja, Silke Rottenburg, ich hab’ bei den Frauen auch mitgespielt.“

Beckenbauer: „Rottweiler, gell, richtig (Lachen),  ja genau. Du meinst das Spiel der Weiber vorm eigentlichen Finale? Jo, ich hab’s gesehen, ich sag nur: ‚Zick, Zack, Lesbenpack“.

[youtube sogA1XTpS2s „Schmidt & Pocher“ vom 24.4.2008]

ARD-Programmdirektor Dr. Günter Struve erklärte auf Anfrage von Womensoccer.de: „In der satirischen Rubrik ‚Die Bayern WG‘ nehmen die Darsteller Matthias Knop sowie Oliver Pocher in unterschiedlichen Rollen Denk- und Sprechweisen namhafter Fußballgrößen aufs Korn und persiflieren damit auch landläufige Vorurteile. So ging es am 24. April 2008 nicht darum, den Frauenfußball zu diffamieren, sondern vielmehr darum, die immer noch vielerorts zu hörende, abschätzige Meinung über den Frauenfußball zu entlarven.“

Und weiter: „Dass sich diese keineswegs etwa mit der persönlichen Auffassung Oliver Pochers deckt, mag schon ein Beispiel zeigen: Bei der letzten Siegesfeier der Nationalmannschaft der Frauen war Oliver Pocher eingeladen, gemeinsam mit allen Spielerinnen auf dem Balkon des Frankfurter Römers den Jubel der Fans zu genießen. Was er gerne tat.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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