„Zick, Zack, Lesbenpack“

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„Kabarett darf unverschämt sein, Kabarett darf ungerecht sein, Kabarett darf übertreiben“, sagte der altehrwürdige Kabarettist Werner Schneyder anlässlich seines 70. Geburtstags. Und wie sieht es mit der weniger politischen Comedy aus?

Darf sie derart unverhohlen den Frauenfußball und seine Akteurinnen verunglimpfen, wie das Matthias Knop und Oliver Pocher in der ARD-Sendung „Schmidt & Pocher“ am 24. April 2008 im Rahmen der Parodie „Die Bayern-WG“ taten?

Verkleidet als Oliver Kahn und Franz Beckenbauer diffamierten sie nicht nur den Frauenfußball, sondern werteten auch die sexuelle Ausrichtung der Spielerinnen ab. Der verantwortliche Sender, die öffentlich-rechtliche ARD, findet das in Ordnung.

Innerhalb der Parodie entspann sich folgender Dialog zwischen Oliver Kahn und Franz Beckenbauer:

Oliver Kahn: „Ich weiß nicht, ob es Dir aufgefallen ist, aber ich habe am Samstag zwei Titel geholt, bin zweimal da Pokalsieger geworden.“

Franz Beckenbauer: „Wie? Das verstehe ich jetzt nicht, warum, was war los?“

Kahn: „Ja, Silke Rottenburg, ich hab’ bei den Frauen auch mitgespielt.“

Beckenbauer: „Rottweiler, gell, richtig (Lachen),  ja genau. Du meinst das Spiel der Weiber vorm eigentlichen Finale? Jo, ich hab’s gesehen, ich sag nur: ‚Zick, Zack, Lesbenpack“.

[youtube sogA1XTpS2s „Schmidt & Pocher“ vom 24.4.2008]

ARD-Programmdirektor Dr. Günter Struve erklärte auf Anfrage von Womensoccer.de: „In der satirischen Rubrik ‚Die Bayern WG‘ nehmen die Darsteller Matthias Knop sowie Oliver Pocher in unterschiedlichen Rollen Denk- und Sprechweisen namhafter Fußballgrößen aufs Korn und persiflieren damit auch landläufige Vorurteile. So ging es am 24. April 2008 nicht darum, den Frauenfußball zu diffamieren, sondern vielmehr darum, die immer noch vielerorts zu hörende, abschätzige Meinung über den Frauenfußball zu entlarven.“

Und weiter: „Dass sich diese keineswegs etwa mit der persönlichen Auffassung Oliver Pochers deckt, mag schon ein Beispiel zeigen: Bei der letzten Siegesfeier der Nationalmannschaft der Frauen war Oliver Pocher eingeladen, gemeinsam mit allen Spielerinnen auf dem Balkon des Frankfurter Römers den Jubel der Fans zu genießen. Was er gerne tat.“

[poll=88]

Letzte Aktualisierung am 18.11.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Marcel
Marcel

Ich würd mich eher über diesen platten Witz ärgern was unorigineleres ist denen wohl nicht eingefallen.
Ansonsten ists ja nichts ungewöhnliches das Schmidt&Pocher unter die Gürtelinie gehen da werden die „Weiber“ wohl auch keine Ausnahme sein.

moya
moya

comedy darf das schon, das macht es aber nicht halb so wild und nicht weniger peinlich.
die reaktion der ard geht für mich auch am problem vorbei: schon der wortlaut zeigt, dass das letzte, was diese ‚parodie‘ ihren zuschauern bieten will, eine „entlarvung“ gängiger vorurteile ist. da ist es völlig irrelevant, was Pocher persönlich für eine einstellung gegenüber frauenfußball hat.
ich kann mir jedenfalls keinen kontext vorstellen, in dem das wort „lesbenpack“ witzig wäre.
nunja, aber zum glück ist das ja nur schlechtes fernsehen und so kann man es sich einfach weiterhin ersparen einzuschalten.

Flo
Flo

schade finde ich nur das ein herr pocher der sich von seinem niveau
her ganz unten befindet überhaupt puplikum bekommt
er ist einfach nur schlecht und lachen konnte ich über ihn noch nie.
er sollte sich mal ein beispiel an herrm polt nehmen (um nur einen guten zu nennen) der würde so ein thema wenn überhaupt mit viel mehr niveau und nicht so plump angehen.

spoonman
spoonman

Sorry, aber das halte ich nun wirklich für einen Sturm im Wasserglas.

Frau Krawall
Frau Krawall

Macht sich wirklich jemand Gedanken über Herrn Pocher ? Ich finde, dass O. Pocher auf einem Level läuft, dass man einfach unkommentiert stehen lassen sollte.
Und falls er sich mal wieder meint im Glanze unserer Nationalmannschaft auf dem Balkon des Römer zeigen zu müssen, sollte sich Silke Rottenberg ein einziges Mal auf sein Niveau herablassen und ihn schlicht von der Brüstung werfen. Dann gucke ich auch wieder ARD.

Conny68
Conny68

Zunächst – „Comedy“ in Deutschland ist leider oft einfach nur platt und „tumm“ – aber das Niveau langt wohl einem gewissen Publikum. Wer niveauvoll unterhalten werden will, sollte sich an Kabarett halten, wie z.B. „Neues aus der Anstalt“, „Scheibenwischer“ oder „Ottis Schlachthof“.
Ich bin mir nicht sicher – „Sturm im Wasserglas“ oder „unverschämte Parodie“. Das überhaupt noch darüber diskutiert wird „Wie lesbisch darf Frauenfußball sein?“ – ist eigentlich das Schlimme an der Sache. Ich meine, wir (alle, die dem Frauenfußball verbunden sind) sollten selbstbewußter mit diesem Thema umgehen, wahrscheinlich würden dann solche O.P.-Sprüche sowieso ins Leere laufen.

Zidane64
Zidane64

Ich rate mal zu etwas mehr Gelassenheit. Klar: Der Grat zwischen dem Entlarven eines Vorurteils und dem Spekulieren auf Applaus aus der falschen Ecke ist bei comedy immer schmal. Aber völlig von der Hand zu weisen ist das Argument von Dr. Struve, dass ein landläufiges Vorurteil auf die Schippe genommen worden sei, ja nun auch wieder nicht. V.a. wenn man bedenkt, dass auch die Originalkommentare von „Firlefranz“ Beckenbauer, dem hier das L-Wort in den Mund gelegt worden war, nicht immer ernst genommen werden. Klinsmann ist in einem Sketch, in dem Harald Schmidt in die Rolle von Lothar Matthäus geschlüpft ist,… Weiterlesen »

Shark
Shark

Einfach den Ball flach halten. Wers gut findet, schaut es sich an und wer nicht, der lässt es eben sein. Man muss sich nicht über alles aufregen – das machen meist eh nur die Sympathisanten und in den seltensten Fällen die Betroffenen selbst. Man sollte lieber froh sein, dass Frauenfußball ein derart öffentliches Thema geworden ist, dass sich eine namhafte Sendung in einem großen Sender damit beschäftigt. Witze leben immer von Klischees und Vorurteilen, egal ob es die klauenden Polen, die käseessenden und in Wohnwagen hausenden Holländer, die faulen Beamten, die dummen männlichen Fußballer, die lesbischen weiblichen Sportlerinnen oder was… Weiterlesen »

Conny68
Conny68

Hallo Shark, in meinem Beitrag verlange ich nicht Toleranz für den Frauenfußball: Ich schrieb, dass ich auf „Normalität“ beim Thema(Frauen)Fußball und Homosexualtiät hoffe – abgesehen davon halte ich das Wort „Toleranz“ in Bezug auf Frauenfußball auch falsch gewählt. Ich wollte auch nicht vorgeben, wer was als lustig anzusehen hat. Heute läuft auf allen Kanälen etwas unter dem Begriff „Comedy“ – und Quantität hat mit Qualität leider oft nichts zu tun. Aber es zählen die Einschaltquoten – und wenn es bei einem Testbild 30% Einschaltquote gäbe, würde das auch täglich gesendet werden. „Womensoccer“ ist sicherlich auch nicht das richtige Forum, um… Weiterlesen »

Harald
Harald

Ich halte es da mit Kurt Tucholsky:

„Satire darf alles“

Bianca
Bianca

Als Definition für Satire steht im Duden „ironisch-witzige literarische oder künstlerische Darstellung und Kritik. menschlicher Schwächen und Laster“. Weder ist Pocher dabei ironisch witzig noch literarisch gewesen und wenn es eine Kritik menschlicher Schwächen und Laster ( Homosexualität) sein sollte…..Für die meisten von uns ist „Pack“, egal in welchen Zusammenhang einfach eine Beleidigung.

Shark
Shark

@Conny68: ich habe wesentlich größere Probleme mit dem Original „Zick-Zack-Zigeunerpack“ in Fußballstadien, denn dahinter steckt Diffamierung und kein Witz. Dass hier die Lesben statt der Zigeuner genommen werden, ist ein bloßes darauf gemünztes Wortspiel über das Image des Frauenfußballs in der Öffentlichkeit. Das Image schafft die Gesellschaft und kein Oliver Pocher, der bedient sich nur des Klischees. Ich habe schon lustigeres in meinem Leben gehört, aber aufregen kann mich sowas beim besten Willen nicht. Übrigens ist Silke Rottenberg als Bundesliga- und Nationalspielerin genau wie eine Politikerin ganz klar eine Person des öffentlichen Interesses.

Conny68
Conny68

Das Silke Rottenberg eine Person des öffentlichen Interesses ist, bestreite ich nicht. Trotzdem ist es m.E. ein Unterschied, ob z.B. Richling Ulla Schmdit, von Leyen oder Köhler in ihren öffentlichen Funktionen als Ministerinnen oder Bundespräsdient parodiert oder Knop/Pocher in ihrer „Parodie persönliche – private – Seiten von Silke Rottenberg und Kolleginnen „auf die Schippe“ nimmt. Natürlich – das Image schafft die Gesellschaft… aber wird diese nicht sehr viel und in einem hohen Maß von Presse, Fernsehen usw. bestimmt?????? Um noch mal klar zu stellen: Ich will mich nicht künstlich über Pocher und Co. aufregen, weil dieser Spruch wirklich zu blöde… Weiterlesen »

Markus Juchem
Markus Juchem

@Conny68: Schön auf den Punkt gebracht. Genau das war der Punkt, warum ich es überhaupt hier im Blog thematisiert habe. @Shark: Ich sehe zwischen Zigeunerpack und Lesbenpack keine wesentlichen Unterschied. Ich sehe es hier im Zusammenhang mit Frauenfußball eben nicht nur als Wortspiel. Man kann sich ja von mir aus gerne über den Frauenfußball lustig machen, in meinen Augen aber eben nicht über die sexuelle Ausrichtung der Spielerinnen, genauso wenig wie über die der männlichen Pendants. Der Prozentsatz an Schwulen im Männerfußball ist wahrscheinlich nicht niedriger als der an Lesben im Frauenfußball. Ich müsste mich schwer täuschen, aber wir werden… Weiterlesen »

Harald
Harald

@Conny68 + Bianca:
Ich finde, ihr messt dieser Geschichte mehr Bedeutung zu, als sie verdient. Ihr räumt Knop/Pocher mehr mediale Gestaltungsmacht zu, als sie tatsächlich haben. Ihr selbst gebt ihnen die Energie dazu. Das was ihr nicht wollt.

Und wen interessieren überhaupt Christen? Das Christentum mit seiner nekrophilen Grundausrichtung hat eh ausgedient. Also kein wirklicher Grund. Wenn ich schwul oder lesbisch bin, dann wäre das der Grund, einer lebensorientierten Göttin zu folgen, als einer patriarchalen, auf Bestrafung orientierten Glaubensvorstellung.

Ich bleibe nochmal bei Tucholsky, daß Satire alles darf!
Ich würd euch auch noch gern den Spiegel mit Hagen Rether vorhalten…

Markus Juchem
Markus Juchem

Hallo Harald, die mediale Gestaltungsmacht heißt zumindet 1,5 Millionen Zuschauer pro Sendung im Schnitt. Ich finde das nicht so wenig. Genauso mag man über die Bild-Zeitung schimpfen, doch aufgrund ihrer Auflage und großen Leserschaft hat sie nunmal mediale Relevanz, ob einem das schmeckt oder nicht…

Dass Satire eben nicht alles darf, zeigen ja die zahlreichen Prozesse, die in der Vergangenheit unter anderem gegen Titanic, Nebelspalter oder pardon geführt wurden. Alleine gegen Titanic gab es zwischen 1979 und 2001 40 Gerichtsverfahren, 28 Ausgaben wurden verboten.

Bianca
Bianca

@Harald : Was hat Christentumin diesem Zusammenhang zu tun ? Auch wenn es heute dort noch viele Resentiments gegenüber Homosexuellen, in einigen islamischen Ländern besteht auf Homosexualität Gefängnis oder die Todesstrafe.Nekrophilie bedeutet Sexualtrieb, der auf Leichen ausgerichtet ist, was hat das mit dem Thema zu tun ??? @ Shark: Frage doch mal 100 Homosexuelle nach verbalen oder körperlichen Angriffen im Alltag oder andere Nachteile im beruf oder beim Versuch eine Wohnung zu bekommen. Da wirrst du viele negative Geschichten hören,ist aber alles nur Spaß…. Und in unserer heutigen Gesellschaft, wo es bildungstechnisch nicht gerade wenige auf niedrigem Niveau leben, ist… Weiterlesen »

Shark
Shark

Was sollen wir tun? Die Presse- und Medienfreiheit einschränken, dass ausgewählte Themen nicht mehr angepackt werden dürfen?!? Wir haben nun wirklich schon weit mehr Reglementierungen und Gesete als nötig. Wenn Silke Rottenberg sich beleidigt fühlt, soll sie sich einen Anwalt nehmen und klagen.

Und eben weil vielen Leuten die BILD Zeitung zu schlecht ist, gibt es zum Glück auch Zeitungen wie die FAZ, die Welt, die Financial Times u.v.m. – soll sich doch jeder bitte für das entscheiden, was ihm gefällt. Ob Zeitung oder Fernsehen…

Detlef
Detlef

Ich halte es auch für einen platten Gag!!! Wie gewöhnlich eben, wenns von Pocher kommt!!! Ich kann daran nichts Satirisches finden, einfach nur „dummes Gelaber“, eben typisch COMEDY, ohne Sinn und Verstand!!! Lohnt sich nicht, sich darüber zu ärgern!!! Mein Lieblingskabarettist hat sein Verhältnis zur Comedy mal so beschrieben, als er gefragt wurde, ob er das Kabarett dadurch bedroht sehe!!! Er fühle sich durch die Comedy etwa so sehr bedroht, wie sich sein Lieblingsrestaurant, durch den Verkauf von Hundefutter bedroht fühle!!! Er fügte noch hinzu, „es gibt sicher gutes Hundefutter, und wer es mag………….“!!! Ich sehe es ganz genau so,… Weiterlesen »

oliist
oliist

@Detlef
Nun musst du uns aber auch erzählen,wer diesen Hundefutter-Comedy Vergleich gezogen hat.Wir wollen ja nicht dumm sterben. 🙂
Apropos dumm.Da war doch noch was…Achja.Pocher.Gott,was soll man zu jemandem sagen,der so erschreckend unoriginell und pseudoprovokativ ist?
Ich halte es da mit Herrn Lustig.Abschalten.