Ralf Peter: „Unsere erste Elf könnte in der Bundesliga mithalten“
Es war eine Mischung aus Stolz, Erleichterung und stiller Genugtuung, mit der U17-Frauenfußball-Nationaltrainer Ralf Peter am Samstag in Bottrop nach dem 3:0-Sieg gegen Polen und der erfolgreichen Qualifikation für die EM- Endrunde in der Schweiz und die WM in Neuseeland vom Rasen schritt.
Die Erwartungshaltung vor der zweiten Runde der EM-Qualifikation war hoch, doch die Souveränität und Kaltschnäuzigkeit, mit der sich die deutschen Juniorinnen der Pflichtaufgabe schließlich entledigten, ließ bei den Besuchern in Essen und Bottrop viel Raum für Bewunderung.
Wie einem Winzer, der bereits frühzeitig das Potenzial eines ganz besonders guten Jahrgangs zu erkennen weiß, ist auch Peter bewusst, dass man seinem derzeitigen Kader getrost bereits jetzt Spitzenqualität attestieren kann.
Nur selten konnte ein U17-Trainer in der Vergangenheit dermaßen aus dem Vollen schöpfen, nur der Jahrgang 1988 mit Spielerinnen wie Fatmire Bajramaj, Célia Okoyino da Mbabi und Babett Peter war von ähnlicher Leistungsstärke. Doch bei aller Euphorie hat Peter den Blick für die Realität nicht verloren. „Die WM wird für uns nicht einfach“, blickt er bereits einige Monate voraus.
Denn die anderen Mannschaften schlafen nicht. Nordkorea ist bereits seit November im Internat zusammen und bereitet sich ebenso wie Neuseeland ein ganzes Jahr lang auf die WM vor. „Von solchen Verhältnissen können wir nur träumen“, so Peter.
Wie stark ist die Konkurrenz? Die europäische Konkurrenz um EM-Halbfinalgegner Dänemark, Frankreich oder England kann man gut einschätzen und auch die USA sind dank des regelmäßigen Austauschprogramms kein Buch mit sieben Siegeln. Doch: „Südamerika ist für uns schwer einzuordnen, genauso wie Asien und Afrika“, räumt Peter ein.
Die deutsche U17-Elf braucht sich jedoch nicht verstecken. Das Niveau ist bereits jetzt enorm hoch. „Unsere erste Elf könnte auf jeden Fall in der Bundesliga mithalten“, ist Peter von seinen Schützlingen überzeugt. Schon im Vorjahr deutete die Mannschaft in Testspielen ihr Können an, etwa beim 7:0 über Herford, wo sogar Spielerinnen wie Turid Knaak, Dzsenifer Marozsan oder Kristine Zumbült fehlten, oder auch bei der knappen 2:3-Niederlage gegen Wattenscheid 09, wo man die 2:0-Führung erst nach zahlreichen Wechseln aus der Hand gab.
Mehrere Kandidatinnen für die WM 2011 Dass einige seiner Spielerinnen im WM-Kader 2011 stehen werden, steht für Peter außer Frage. „Aber es ist schwer zu sagen, wer das sein wird.“ Denn die WM-Teilnahme ist von vielen Faktoren abhängig. „Alle Spielerinnen haben das Ziel, die WM 2011 zu spielen.“
Eine der heißesten Kandidatinnen dürfte die nur durch Zufall auf einem Hallenturnier in Hagen entdeckte Alexandra Popp sein, die als Linksfuß später einmal eine Lücke in der A-Nationalmannschaft füllen könnte und mit ihrer Athletik, Kopfballstärke und ihren Allrounder-Fähigkeiten auf der linken Seite bereits die Aufmerksamkeit von Bundestrainerin Silvia Neid auf sich gezogen hat.
Und auch die Innenverteidigung um Inka Wesely und Valeria Kleiner ist heute bereits weiter in der Entwicklung als andere dies in ihrem Alter in der Vergangenheit waren. Das Denken ist leistungsorientiert, ohne Murren werden nach dem Training wenn gefordert Extraschichten gefahren.
Talente auf breiter Front Gespannt sein darf man, zu welchen Vereinen es die Juniorinnen in der nahen Zukunft verschlagen wird, die bisher noch nicht bei einem Erst- oder Zweitligisten unter Vertrag stehen, denn davon wird ihre Entwicklung in entscheidendem Maß abhängen. So wird Ivana Rudelic, das erst vor kurzem eingebürgerte Sturmtalent vom TSV Tettnang, bereits von der halben Bundesliga gejagt.
Die hoch talentierte Lynn Mester wechselt ins Fußball-Internat nach Kaiserau, wo sie sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche bestreiten und an ihrer Athletik arbeiten wird, um dann möglicherweise in einem Jahr reif für die Bundesliga zu sein.
Für die Nationalmannschaft gilt es nun bis zum EM-Halbfinale gegen Dänemark und der WM in Neuseeland im November am Feinschliff zu arbeiten. „Ich habe noch vieles gesehen, dass man verbessern muss“, sagt Peter, der sich freut, dass er mit seinen Spielerinnen nun noch ein halbes Jahr länger arbeiten kann. Vor allem das Spiel mit und ohne Ball, das Zulaufen der Räume, das Defensivverhalten und die Standards sollen optimiert werden.
Highlight Neuseeland Schon jetzt freut sich das Team auf das Abenteuer der kommenden Monate. „Die Mannschaft versteht sich gut, wie eine Familie. Und jetzt kommen zwei Events, die echte Highlights sind. Das Halbfinale einer EM zu spielen, ist bereits toll, wir haben die Chance, durch einen Sieg um den EM-Titel mitzuspielen. Und die WM ist natürlich eine ganz besondere Attraktion.“
Am Dienstag können sich die Fans in Essen im abschließenden Qualifikationsspiel gegen Schweden (18.00 Uhr) noch einmal ein Bild von der Stärke der deutschen Elf machen. Im Tor bekommt dann Almuth Schult eine Chance und auch auf dem Feld gibt es wohl einige Wechsel. So wird möglicherweise Turid Knaak geschont, die nach dem Polen-Spiel Probleme in der Leiste hatte, Kristine Zumbült plagten starke Rückenbeschwerden, so dass auch ihr Einsatz fraglich ist.