Renate Lingor: der bange Kampf um Stammplatz und Olympia
Die Stimmungslage bei Frauenfußball-Bundesligist 1. FFC Frankfurt war nach dem souveränen 4:0-Sieg im DFB-Pokalhalbfinale bei Bayern München am Ostermontag von zufriedener Gelassenheit geprägt. Ohne größere Probleme hatte man den Auftakt in die Woche der Wahrheit überstanden und konnte den Blick schnell auf das bevorstehende erste UEFA-Pokal-Halbfinalspiel gegen Bardolino Verona am kommenden Samstag richten.
Doch ein Wermutstropfen trübte die österliche Atmosphäre. Wie ein Häuflein Elend saß Renate Lingor noch lange nach Spielende auf den Treppenstufen zur Umkleidekabine der Frankfurterinnen und musste gar von ihren Teamkolleginnen getröstet werden. Am liebsten wäre sie sogar ohne die Mannschaft zurück nach Frankfurt gefahren.
Obwohl sie sich fit fühlte, sich aufwärmte und auf einen Einsatz brannte, fand die zweifache Frauenfußball-Weltmeisterin an diesem Tag weder in der Startformation noch als Einwechselspielerin Berücksichtigung. Eine bemerkenswerte Maßnahme und eine ungewohnte Situation für die 141-fache Nationalspielerin, die mit einer Goldmedaille beim Olympischen Frauenfußballturnier in Peking ihre Karriere ausklingen lassen will.
„Wir haben einen ausgeglichenen Kader. Von der Warte aus habe ich keinen Grund gesehen, die erfolgreiche Mannschaft der vergangenen Wochen zu ändern“, erklärte FFC-Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, dessen Team im Jahr 2008 bisher alle Spiele gewonnen hat.
Da Mbabi im Nacken „Never change a winning team“ lautet eine altbekannte Fußballweisheit, doch Lingor befürchtet wohl, ohne regelmäßige Spielpraxis die Olympischen Spiele und somit ihr letztes großes Turnier zu verpassen, bahnt sich doch in der wieder genesenen und formstarken Célia Okoyino da Mbabi ernste Konkurrenz im Mittelfeld der Nationalmannschaft an.
„Sie ist nach wie vor eine wichtige und wertvolle Spielerin, wenn sie fit ist“, beschwichtigt FFC-Manager Siegfried Dietrich auf Anfrage von Womensoccer.de . „Wir führen Gespräche mit ihr“, räumt er jedoch ein, dass es einiger Überzeugungsarbeit bedarf, um Lingor wieder aufzubauen. „Ich habe auch Verständnis. Sie hat sich wieder herangearbeitet und es ist doch klar, dass eine Spielerin spielen will“, so Dietrich weiter.
Volle Konzentration auf Bardolino Schnell will man das Thema vom Tisch bekommen, um die Konzentration voll und ganz auf die schweren Spiele im UEFA-Pokalhalbfinale gegen Bardolino Verona zu richten. Denn nach 2005/2006 will man in Frankfurt wieder einmal zu europäischen Meisterehren kommen. Und die Chancen auf eine Finalteilnahme stehen nicht schlecht. „Bardolino ist sicherlich eine lösbare Aufgabe, betrachtet man die anderen beiden im Wettbewerb verbliebenen Teams“, so Tritschoks.
Ob Lingor im Hinspiel am Samstag zum Einsatz kommen wird, werden wohl erst die letzten Trainingseindrücke entscheiden. Einfach wird es für „Idgie“ zum Ausklang ihrer Karriere sicherlich nicht. „Ich kämpfe mich ja schon jetzt ein bisschen durch“, räumte sie zuletzt im FAZ-Interview selbst ein . „Und da muss ich mich fragen, wie lange ich dieses hohe Niveau noch halten kann.“