Frankfurt siegt glanzlos, aber souverän
Der 1. FFC Frankfurt hat zum zehnten Mal in Folge das Endspiel des DFB-Pokals in Berlin erreicht. Beim nie gefährdeten 4:0 (2:0)-Sieg gegen Bayern München reichte im mit 2.800 Zuschauern ausverkauften Sportpark von Aschheim eine durchschnittliche Leistung, um die im Torabschluss harmlosen Münchenerinnen in Schach zu halten.
FFC-Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks war zufrieden, dass sich sein Team zum Auftakt in die Woche der Wahrheit keinen Ausrutscher leistete. Bayern-Trainerin Sissy Raith bemängelte die mangelnde Chancenverwertung.
Tritschoks erklärte nach der Partie: „In solchen Spielen kann man keine Superleistung erwarten. Es war wichtig, dass wir unser Ziel erreicht haben, auch wenn wir heute nicht überragend gespielt haben. Aber wir haben das Spiel über die Bühne gebracht und freuen uns auf Berlin.“
Frühe Frankfurter Führung Bereits in der Anfangsviertelstunde stellten die Frankfurterinnen frühzeitig die Weichen auf Sieg. Birgit Prinz ging am linken Flügel auf und davon, fand mit einem exakten Pass Conny Pohlers, die nach einer schnellen Drehung aus elf Metern sicher verwertete (11.).
Die Münchnerinnen hatten zwar in den ersten 45 Minuten optische Vorteile, doch echte Gefahr kam vor dem von Silke Rottenberg gehüteten Tor nur selten auf, zu selten fand im Münchener Offensivspiel der letzte Pass eine Abnehmerin. Ein Freistoß von Sandra de Pol landete in Rottenbergs auffangbereiten Armen (24.), Nina Aigners Distanzversuch war die beste Aktion der Bayern (38.).
Starke Pohlers trifft doppelt Doch die Tore fielen auf der anderen Seite. Rettete zunächst Bianca Rech noch auf der Linie nach einem Schuss von Sandra Smisek für die bereits geschlagene Torhüterin Ulrike Schmetz, war es erneut Pohlers, die kurz vor dem Pausenpfiff ihre starke Leistung mit dem zweiten Treffer krönte (44.).
Zumal die Bayern nicht einmal das Gastgeschenk von Rottenberg annahmen, die bei einem Abstoß in den Boden trat. Bayern-Stürmerin Vanessa Bürki zögerte freistehend an der Strafraumgrenze zu lange, Gina Lewandowski konnte im letzten Moment klären. „Ich wollte noch weiter laufen und habe nicht gesehen, dass noch eine von hinten kommt. Logisch muss ich den reinmachen“, so die Schweizer Nationalspielerin.
Bayern zu harmlos Anders als der FCR 2001 Duisburg im Halbfinale ließ der Meister in der zweiten Halbzeit sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Auch in den zweiten 45 Minuten durften die Münchnerinnen das Spiel gestalten, doch man hatte nie das Gefühl, dass Frankfurt an diesem Tag das Feld als Verlierer verlassen könnte. Auch wenn Rottenberg gegen Sylvie Banecki Kopf und Kragen riskieren musste (57.).
Auf der Gegenseite sorgte die frühere Münchnerin Petra Wimbersky für die endgültige Entscheidung (69.). Kerstin Garefrekes feierte in der Schlussviertelstunde auf Frankfurter Seite ein erfolgreiches Comeback, für sie ging Pohlers vom Rasen.
Bürki ohne Glück Bürki vergab erneut aus aussichtsreicher Position eine gute Chance und fand in Rottenberg ihre Meisterin (87.). Die immer weiter aufrückenden Gastgeberinnen wurden dann in der Schlussminute noch einmal kalt erwischt, als Sandra Smisek den Ball via Pfosten ins Gehäuse beförderte (90.).
Eine ernüchterte Bayern-Trainerin Sissy Raith meinte: „Wir sind natürlich nicht erfreut über das Ergebnis und den Ausgang. Wir haben in der ersten Halbzeit gezeigt, dass wir gut mithalten können. Aber wir mussten zu früh einem Rückstand hinterher rennen. Wir haben uns Chancen erarbeitet, aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor.“
Mangelnde Routine Julia Simic erklärte: „Die haben so viele Nationalspielerinnen, die machen aus dem Nichts ein Tor.“ Und Bianca Rech ergänzte: „Wir haben zwar Druck gemacht, aber die Tore muss man schon selber schießen. Das 0:4 entspricht nicht dem Spielverlauf. Uns hat wohl die Routine gefehlt.“
Der Gast aus Hessen verteilte artig Komplimente: „Sie sind auf einem guten Weg“, so Frankfurts Trainer Tritschoks, der mit den Gedanken aber bereits beim ersten UEFA-Pokal-Halbfinale am kommenden Samstag gegen Bardolino Verona war.
Eine Lanze brach er für Conny Pohlers: „Sie ist viel kritisiert worden, aber heute auf dem Platz hat sie die Antwort gegeben und gezeigt, dass sie eine Weltklassestürmerin ist. Wir sind sehr glücklich, dass sie bei uns ist.“