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2008

Sissy Raith: „Frankfurt ist eine lösbare Aufgabe“

Am Ostermontag, 24. März, 13.00 Uhr (live in BR und HR), steht für die Frauenfußball-Mannschaft des FC Bayern München das Highlight der Vereinsgeschichte auf dem Programm: das DFB-Pokal-Halbfinale gegen den amtierenden Meister und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt.

Seit der Auslosung beim DFB-Hallenpokal im Januar fiebert man bei den Bayern dem Spiel entgegen. Die Vorbereitung und das Training sind ganz auf den Pokalhit ausgerichtet, der Traum vom ersten Einzug ins DFB-Pokalfinale in Berlin seit 1990 soll wahr werden.

Im Interview mit Womensoccer.de spricht Bayern-Trainerin Sissy Raith über die Stärken ihres Teams, die Chancen gegen Frankfurt und warum ein 0:0 für sie nicht in Frage kommt.

Wenn Bayern Münchens Trainerin Sissy Raith darüber nachdenkt, wie man dem großen 1. FFC Frankfurt ein Bein stellen kann, wandern ihre Gedanken immer wieder zurück zum 19. August vergangenen Jahres. Damals verloren die Münchnerinnen zum Bundesliga-Auftakt in Frankfurt von der Papierform her deutlich mit 2:5. Doch die Kräfteverhältnisse waren an diesem Tag alles andere als klar verteilt.

Vergebener Matchball Nach einem scheinbar aussichtslosen 0:2-Rückstand zur Halbzeit hatte Bayern zu Beginn der zweiten Halbzeit binnen fünf Minuten ausgeglichen und sich gegen den verunsicherten Gegner plötzlich spielerische Vorteile erarbeitet. Und dann vergab die routinierte österreichische Stürmerin Nina Aigner frei vor Frankfurts Torhüterin Stephanie Ullrich die große Chance zur Bayern-Führung. Der FFC wankte, fiel aber nicht. Die eingewechselte Conny Pohlers brachte die Hessinnen zurück auf die Siegerstraße.

„Das war wirklich bitter und die Niederlage auch im Ausmaß nicht verdient“, erinnert sich Raith im Gespräch mit Womensoccer.de . „Wir haben aber an diesem Tag gezeigt, dass wir nicht nur mithalten, sondern auch gute Spiele zeigen können“, schöpft sie eine Menge Hoffnung aus der Partie im vorigen Sommer.

Unbändige Moral Und aus der unglaublichen Moral, die ihre Spielerinnen im bisherigen Saisonverlauf schon mehrfach gezeigt haben. Etwa beim 2:1-Auswärtssieg gegen Turbine Potsdam nach frühem 0:1, beim 3:3 gegen die SG Essen-Schönebeck nach 1:3, im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den FCR 2001 Duisburg, als man mit einem 0:2 in die Halbzeit ging und der Gegner das Spiel schon abgehakt hatte, oder auch eine Runde zuvor, als man den SC Freiburg nach 0:1-Rückstand noch mit 2:1 besiegte.

Raith kommt die Außenseiterrolle gerade recht. „Über die Favoritenrolle brauchen wir nicht zu reden. Die Frankfurter Spielerinnen haben zusammen um die 1.000 A-Länderspiele, bei meinen Spielerinnen sind es 22. Aber das ist alles nur die Papierform. Gerade weil es ein schwerer Gegner ist, ist die Aufgabe lösbar. In Saarbrücken oder Köln hätten wir uns viel, viel schwerer getan.“ Schritt für Schritt soll das Ziel Pokalsieg realisiert werden. „Eine Etappe war, dass wir im Halbfinale ein Heimspiel kriegen, die zweite, dass wir nach Berlin kommen und die dritte, dass wir auch Pokalsieger werden.“

Respekt ablegen Die Spielerinnen sind heiß auf das Duell vor 2.500 Zuschauern im ausverkauften Sportpark Aschheim. „Wir haben gut trainiert und sind gut vorbereitet“, so Raith, die am vergangenen Wochenende beim DFB-Länderpokal in Duisburg sechs ihrer Spielerinnen aus der ersten Mannschaft noch einmal persönlich in Augenschein nahm. Sie hofft vor allem eines: „Wir dürfen nicht zu viel Respekt haben und uns nicht selbst im Weg stehen. Meine Spielerinnen müssen einmal 90 Minuten vergessen, dass sie gegen den großen FFC spielen. Wenn an diesem Tag alles zusammenpasst und bei Frankfurt ein bisschen Sand im Getriebe ist, dann können wir Frankfurt schlagen.“

Taktisch will sich Raith nicht in die Karten schauen lassen. „Wir haben schon ein paar probate Mittel. Aber ich möchte mich nicht voll und ganz auf den Gegner einstellen. Wir wollen uns nicht verstecken und auch unser Spiel aufziehen. Wir wollen uns nicht ein 0:0 ermauern und dann ins Elfmeterschießen gehen. Wir wollen auch Fußball spielen.“

Ausgeglichener Kader Das Bayerische und das Hessische Fernsehen übertragen die Partie live, noch nie hat der Frauenfußball im Verein soviel Aufmerksamkeit bekommen, wie in diesen Tagen. Das Medieninteresse steigt von Tag zu Tag. „Ein Pokalhalbfinale gab es überhaupt noch nicht in München, der Frauenfußball brummt sowieso gerade.“ Mit einem Sieg am Montag würde der Frauenfußball bei Bayern München weiteren Auftrieb erhalten.

Raith hält ihr Team vor allem in der Breite für deutlich stärker als in der Vergangenheit. „Wir haben 21 Spielerinnen im Kader der ersten Mannschaft, von denen 15 oder 16 absolut gleichwertig sind. Da entscheidet die Trainingsleistung und der Gesundheitszustand über einen Einsatz. Ich bin froh, dass ich immer wieder noch zwei oder drei Spielerinnen als Alternative habe. Anders, als vielleicht noch vor zehn Jahren.“

Schnaderbeck für Baunach Schmerzlich vermissen wird man bei Bayern trotz dieser Ausgeglichenheit Katharina Baunach. Die U20-Nationalspielerin muss nach einem Zusammenprall mindestens sechs Wochen pausieren, da Mikroeinrisse im Knie festgestellt wurden. Ein frühzeitiger Comeback-Versuch scheiterte.

Fehlen werden darüber hinaus die langzeitverletzte Sonja Spieler und aller Voraussicht nach Corinna Paukner, die eine traumatische Knochenprellung am Sprunggelenk erlitten hat. Für Kathleen Krüger und Katharina Würmseer dürfte ein Einsatz ebenfalls zu früh kommen.

Für Baunach wurde eine Spielerin aus der zweiten Mannschaft nominiert, die bei Bayern noch für Furore sorgen soll: Viktoria Schnaderbeck . Und vielleicht kann ja die 17-jährige Österreicherin mit dem Riesentalent dank ihrer Unbekümmertheit zum Zünglein an der Waage werden.