TuS Niederkirchen: Bitterer Abstieg eines Traditionsvereins
Insgesamt 49 Frauenfußball-Vereine haben beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Lizenz für die Zulassung zu den Frauenfußball-Bundesligen eins und zwei in der Saison 2008/2009 beantragt. Fristgerecht reichten sie die geforderten Unterlagen beim DFB ein. Doch einen aktuellen Zweitligisten vermisste man dabei: den Traditionsverein TuS Niederkirchen.
Somit wird der Deutsche Meister von 1993 in der kommenden Saison nicht mehr in der 2. Liga vertreten sein, sondern nur noch in der Regionalliga antreten können. Die Meinungen über die getroffene Entscheidung klaffen auseinander.
Wolfgang Orth, 1. Vorsitzender des TuS Niederkirchen, erklärt gegenüber Womensoccer.de : „Wir haben schon in den letzten zwei, drei Jahren im Grenzbereich gearbeitet. Wir sind ein kleiner Verein, wir haben keine Sponsoren wie Freiburg oder Frankfurt. Und die Zielvorgaben, die der DFB an Zweitligisten im Hinblick auf die WM 2011 in den kommenden Jahren stellt, sind enorm. Sie haben uns zu diesem Schritt bewogen.“
In Zukunft soll es unter anderem auch bei Zweitligisten hauptamtliche Mitarbeiter geben, beim TuS Niederkirchen ist man davon weit entfernt, schon die Decke an ehrenamtlichen Helfern ist dünn. „Wir können dies einfach nicht leisten, auch wenn es Leute gibt, die anderer Meinung sind. Aber die Verantwortungsträger, darunter auch ich, sind zu dem Schluss gekommen. Für die Mädchen tut es mir Leid, es hat sehr emotionale Diskussionen gegeben.“
Somit streicht einer der großen Traditionsvereine des deutschen Frauenfußballs die Segel. Die Frauenfußball-Abteilung des TuS Niederkirchen existiert bereits seit fast 40 Jahren, größter Erfolg in der Vereinsgeschichte war der Gewinn der deutschen Meisterschaft im Jahr 1993. Im Jahr 2000 stieg der Verein dann aus der Frauenfußball-Bundesliga ab. Nach einem erneuten Wiederaufstieg ging es damals zurück in die Regionalliga Südwest, später wieder nach oben in die neu geschaffene 2. Bundesliga.
„Wir haben im Südwesten eine schwache Struktur. Woanders kann man aus einem großen Fundus an Spielerinnen schöpfen, hier ist das nicht der Fall. Das war vor 10 bis 15 Jahren noch einfacher.“ Darüber hinaus ist die Konkurrenz groß. Im Umkreis von 50 Kilometern liegen Städte wie Kaiserslautern, Karlsruhe, Mannheim und Hoffenheim, so dass es schwer ist, zur Spielzeit am Sonntag um 14 Uhr Zuschauer zu den Spielen zu locken.
Wie es in Zukunft weiter geht, ist noch unklar. „Denkbar ist die Gründung eines reinen Frauenfußballvereins. Wir haben ja einen Tross von 100 Mädchen, die können wir ja nicht alle nach Hause schicken. Vielleicht gibt es eine Lösung im regionalen Bereich, die wirtschaftlich tragfähig ist. Mannheim und Ludwigshafen haben ein Einzugsgebiet von 400.000 Menschen, mit einer adäquaten Mannschaft könnte man sicherlich 800 Zuschauer pro Spiel anlocken. Das sind aber Gedankenspiele, die noch weit weg sind.“
Trotz der prekären Situation hofft Orth, dass seine Elf bis zum Saisonende motiviert weiterspielt, auch wenn der Abstieg in die Regionalliga besiegelt ist. „Das wollen wir definitiv, auch wenn es rund um die Entwicklung eine Trainerdiskussion gegeben hat. Es gibt ja auch einige Spielerinnen, die den Verein wechseln wollen.“ Doch ist dies Motivation genug?
Schon jetzt steht der TuS Niederkirchen als erster Absteiger aus der 2. Liga Süd fest, er rückt gemäß DFB-Statuten am Ende der Saison an den Schluss der Tabelle . Vom Rückzug profitieren die Teams, die direkte Konkurrenten im Abstiegskampf gewesen wären, allen voran der SC Regensburg und der SV Dirmingen, die somit nun bereits ein Punktepolster von fünf bzw. sechs Punkten auf den einzigen verbleibenden Abstiegsplatz haben.
Was die Zukunft der 2. Frauenfußball-Bundesliga angeht, ist Orth skeptisch: „Ich habe noch meine Zweifel, ob sich die 2. Liga in dieser Form auf Dauer etablieren wird. Richtung WM 2011 steigen die Ansprüche an die Teams der 1. und 2. Liga, auch was die Trainingsarbeit angeht. Aber wir haben nicht 2.000 oder 3.000 Zuschauer, wir reden von einer Basis von 80 oder 200.“
Bewerber für die Frauen-Bundesliga bzw. die 2. Frauen-Bundesliga:
Aktuelle Bundesligisten: SC 07 Bad Neuenahr, TSV Crailsheim, FCR 2001 Duisburg, SG Essen-Schönebeck, 1. FFC Frankfurt, SC Freiburg, Hamburger SV, FC Bayern München, 1. FFC Turbine Potsdam, 1. FC Saarbrücken, SG Wattenscheid 09, VfL Wolfsburg.
Aktuelle Zweitligisten: Tennis Borussia Berlin, FC Gütersloh 2000, Herforder SV, FF USV Jena, TuS Köln rrh., 1. FC Lokomotive Leipzig, VfL Sindelfingen.
Bewerber ausschließlich für die 2. Frauen-Bundesliga:
Aktuelle Zweitligisten: 1. FC Union Berlin, FFC Brauweiler Pulheim, SV Dirmingen, FCR 2001 Duisburg II, 1. FFC Frankfurt II, SV Viktoria Gersten, ASV Hagsfeld, Hamburger SV II, KSV Holstein Kiel, FFC Wacker München, FFV Neubrandenburg, FFC Oldesloe, 1. FFC Turbine Potsdam II, SC Regensburg, FFC Heike Rheine, SC Sand.
Aktuelle Regionalligisten: TSV Schwaben Augsburg, FSV Jägersburg, TSV Jahn Calden, SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf, Karlsruher SC, SC Fortuna Köln, FV Löchgau, 1. FC Lübars, SG Lütgendortmund, Magdeburger FFC, GSV Moers, FC Bayern München II, Mellendorfer TV, VfL Sindelfingen II.