Real Madrid macht Ernst mit dem Frauenfußball

Von am 2. Februar 2008 – 13.24 Uhr 6 Kommentare

Milene Domingues soll das Aushängeschild im Frauenfußball von Real Madrid werdenVon 2002 bis Anfang 2007 erfreute man sich bei Real Madrid an den fußballerischen Künsten des Brasilianers und dreifachen Weltfußballers Ronaldo, der in 127 Partien 83 Treffer erzielte. Nun haben die „Königlichen“ vor einigen Wochen Ronaldos Ex-Frau Milene Domingues unter Vertrag genommen. Nicht ohne Grund.

„Ronaldinha“, wie die Fans in Spanien sie nicht gerade zu ihrer Freude nennen, soll ab der kommenden Saison das Aushängeschild einer Mannschaft werden, die es noch gar nicht gibt: der Frauenfußball-Mannschaft von Real Madrid.

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In der Schublade von Real-Präsident Ramón Calderón sollen bereits Verträge schlummern, die vorsehen, dass Real die Frauenfußball-Abteilung des Madrider Vorortvereins C.F. Pozuelo übernimmt, sobald dieser den Aufstieg aus der zweitklassigen Nationalliga in die erstklassige Superliga schafft.

Durch die Übernahme der Lizenz von Pozuelo, der 80.000-Einwohner-Stadt 15 Kilometer westlich von Madrid, könnte man bei einem erfolgreichen Aufstieg sofort in der höchsten spanischen Frauenfußball-Liga durchstarten, ohne sich mehrere Jahre lang, wie etwa Werder Bremen in Deutschland, nach oben kämpfen zu müssen.

Tore für den Aufstieg

Im September 2007 unterzeichnete Domingues bei Pozuelo einen Zweijahresvertrag, zuvor spielte sie bei Rayo Vallecano, Fiammamonza, El Torrejón und weiteren Vereinen. Mit ihren Toren soll die 27-Jährige den derzeitigen Tabellenführer in der Gruppe 4 der 1. Nationalliga in die spanische Eliteliga schießen, zuletzt gab es einen 2:1-Sieg gegen Albacete, den zehnten Sieg in Folge.

Durch den exklusiven Vertrag mit Domingues erhält Real das Recht, die attraktive und ballgewandte Brasilianerin zwei Jahre lang für Marketingzwecke einzusetzen und als Gesicht des Frauenfußballs von Real aufzubauen. Schon heute ist Domingues eine begehrte Werbefigur, die häufig im Fernsehen zu sehen ist.

Bekannt und beliebt

Vor zwei Jahren schoss ihr Beliebtheitsgrad in die Höhe, als sie an der Show „Mira quién baila“ („Schau, wer tanzt“) des spanischen Fernsehsenders TVE teilnahm. Darüber hinaus kommentierte sie eine Zeitlang für den Sender Telemadrid in der Sendung „Fútbol es Fútbol“ („Fußball ist Fußball“) Spiele der spanischen Fußball-Liga oder auch im Radio Europapokalspiele von Real Madrid. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Domingues bereits im April 1999, als sie Ronaldo heiratete, von dem sie sich im Jahr 2003 wieder scheiden ließ.

Im Alter von drei Jahren begann sie mit ihren Brüdern Fußball zu spielen. Mit nackten Füßen und aufgeschürften Knien. Obwohl sie gut war, musste sie als Mädchen meistens zuschauen.  Mit 15 war sie die Pausenattraktion beim brasilianischen Klub SC Corinthians – für 1.500 Euro im Monat verzückte sie das Publikum mit artistischen Einlagen. Als 17-Jährige schaffte sie es bei einem Wettbewerb, neun Stunden lang einen Ball 55.187 Mal in Folge mit Fuß, Knie, Brust, Schultern und Kopf in der Luft zu halten, ohne dass er auf den Boden fiel. Es folgten Werbeverträge, Fernsehauftritte und ein Vertrag für die Frauenmannschaft von Corinthians.

Birgit Prinz im Visier

Real Madrids Flirt mit dem Frauenfußball ist nicht ganz neu. Bereits im Juli 2006 wollte man die dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz unter Vertrag nehmen. „Wir wollen die beste Mannschaft haben und brauchen dafür natürlich die besten Spielerinnen“, sagte Calderón damals.

Dass nun der weltweit bekannteste Fußballverein in Zukunft ernsthaft auf die Karte Frauenfußball setzen will, dürfte auch in anderen europäischen Ländern nicht unbemerkt bleiben und interessiert zur Kenntnis genommen werden. „Es ist eine tolle Sache, wenn sich solch namhafte Klubs auf einmal für den Frauenfußball interessieren“, hatte Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt, bereits 2006 gesagt.

Reals Engagement für den Frauenfußball könnte also die bereits eingesetzte Entwicklung verstärken und Signalwirkung für andere renommierte Vereine in Deutschland und anderen europäischen Ländern haben, in Zukunft die Zeichen der Zeit zu erkennen und ebenfalls mit der Gründung von Teams die Frauenfußball-Landschaft zu bereichern.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Nicole Killisperger sagt:

    Hallo,
    mir gefällt vor allem dass der Frauenfußball immer populärer wird, denn eigentlich ist es ganz schön unfair die Männer zu vergöttern und mit Millionen zu überhäufen während manche Topspielerinnen gerade so viel verdienen dass sie davon leben können. Manche müssen nebenbei noch arbeiten gehen was bei Männern unvorstellbar ist.
    In Deutschland ist es inzwischen relativ bekannt durch die andauernden Erfolge, darum freut es mich umso mehr dass auch Vereine wie Real Madrid den Frauenfußball in Spanien ausbauen wollen.
    Ich interessiere mich sehr dafür und schreibe demnächst eine Arbeit über den Frauenfußball in Spanien, also meldet euch bei mir wenn ihr etwas darüber wisst! Bis dann!

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  • Daschner Christine sagt:

    Hallo,
    habe gehört, dass eine deutsch-türkin Meric Yamal (weiss nicht ob das richtig geschrieben ist) bei den Damen Tainerin ist. Ich habe mit ihr im Landkreis München Fusball gespielt.
    Könnten sie mir Kontakt verschaffen?

    Vielen Dank

    Lg. Ch.

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  • waiiy sagt:

    Konkurrenz belebt, wenn ich auch glaube, dass Barcelona mindestens 2 Jahre Vorsprung und das bessere Konzept hat. Barcelona ist die Mannschaft, vor der man in der CL langsam Angst kriegen sollte…

    waiiy

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  • bneidror sagt:

    Der Artikel ist vier Jahre alt. Die Pläne scheinen nie Realität geworden zu sein.

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  • Speedy75 sagt:

    Der Artikel ist wirklich schon älter. Interessant ist vielleicht noch dass mit Miriam Steck vom TSV Crailsheim 2. BL Süd eine Abwehrspielerin in der kommenden Saison zur 2ten des FC Barcelona wechselt.

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  • bneidror sagt:

    Die deutschen Juniorinnen verteilen sich für ihr jeweiliges Studium konstant in der Weltgeschichte, auch dieses Jahr bildet keine Ausnahme (Mirjam Steck nach Spanien; Sophie Howard, Isabella Schmid, Natalie Moik, Hanna Kallmaier, Christina Schedel, Marina Siegl etc. in die USA; Valentina Maceri nach Italien).

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