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2008

Hallenspektakel und Dunkelbier in Jöllenbeck

Eine Woche nach dem attraktiven Budenzauber beim DFB-Hallenpokal in Bonn wurde auch beim Traditionsturnier in Jöllenbeck vor den Toren von Bielefeld Frauenfußball vom Feinsten geboten. Mit bärenstarker internationaler Beteiligung wie etwa dem isländischen Meister Valur Reykjavik.

Spielerisch erste Sahne war das Finale des FCR 2001 Duisburg gegen Bröndby aus Kopenhagen. Vanessa Martini, Anne van Bonn trafen. Die Däninnen glichen jeweils aus. Und wenige Sekunden vor der Schlusssirene entschied Annike Krahn das Spiel. Der deutsche Vizemeister gewann 3:2.

FCR-Trainer Thomas Obliers strahlte zur Siegerehrung. „Hoffentlich hilft uns das in der Feldrunde mental weiter. In der Halle bin ich sehr zufrieden, auch wenn es immer auch ein bisschen des Glücks bedarf, ein Finale zu gewinnen“, spielte Obliers auf das Wochenende zuvor an, als Turbine die Nase vorn hatte.

Mit Inka Grings stellte der FCR auch die Torschützenkönigin. Kurios: Die beiden Finalisten starteten äußerst schwerfällig ins Turnier. Noch kurioser. Das am ersten Tag ungeschlagene Djurgården aus Schwedens Hauptstadt Stockholm holte am zweiten Tag keinen Punkt mehr, wurde Achter und damit Letzter hinter SC Bad Neuenahr. Um Platz fünf hatte Kolbotn Il aus Norwegen mit 3:1 die Nase vor dem FC Gütersloh, dem Lokalmatadoren aus der 2.Liga Nord.

Vidarsdottir beste Spielerin

Beste Spielerin wurde Reykjaviks Margret Lara Vidarsdottir, die einen sensationellen Auftritt nach dem anderen mit dem Turnier-Neuling erlebte, in der Torliste mit vorne lag und am ersten Tag noch mutig ins Hallenmikrophon sprach. Ein sympathischer Debütant, der gerne wieder kommen darf, war allgemeiner Tenor. „Wir wollen hier Spaß haben, gut spielen und gewinnen“, hatte Islands Sportlerin des Jahres verkündet.

Weil es am ersten Tag super lief, nutzte das Team die freien 90 Minuten abends ungewöhnlich: Die Girls fuhren auf den letzten Drücker in die City zum Shoppen. Nach der Verkündung der besten Torhüterin gab es weiteres Übergepäck. Denn Nationaltorhüterin Gudbjörg Gunnarsdottir wurde zur Nummer eins gekürt und erhielt neben dem Pokal noch eine Kiste Dunkelbier. Barre Bräu, Dein Herz erfreu! Es muss ein lustiger Rückflug auf die Insel im hohen Norden geworden sein.

Das Spiel zwischen Turbine und Valur war vielleicht das rassigste und intensivste des gesamten Turniers. Turbine mit etwas mehr Kraft, Valur mit mehr Cleverness im Angriff. Eine packende Mischung. Leni Larsen Kaurin schießt für Potsdam das 1:0. Fast im Gegenzug fällt das Tor von Margret Lara Vidarsdottir, die 20 Sekunden später ihr Team mit 2:1 in Führung bringt.

Hopfen und Malz scheinen für Turbine verloren, doch erneut Kaurin und Carolin Schiewe schaffen es tatsächlich noch bis zum Ausgleich – 3:3. Im Neunmeterschießen war Potsdams Torhüterin Desirée Schumann überragend, die von vier Valur-Fehlschüssen drei parierte. 3:2 gewannen die Turbinen am Ende knapp die Entscheidung vom Punkt und sicherten sich somit Platz 3.

„Das Turnier in Jöllenbeck hat hochklassigen Sport erbracht. Ich meine sogar, dass das Niveau höher war als in Bonn. Ganz einfach, weil in Bielefeld international gespielt wurde. Das ist noch mal eine andere Ebene. Erst recht, wenn Weltelite am Start ist“, meinte Duisburgs Trainer Obliers. „Die vielen knappen Resultate belegen das.“ Schröder pflichte dieser Auffassung bei. Die finale Torschützin Annike Krahn meinte, es habe ihr in Bielefeld noch besser gefallen, „weil auf dem Linol der Ball schneller läuft als auf Kunstrasen.“

Potsdams Trainer Bernd Schröder verstärkt die Duisburger Einschätzung gerne. Auch die Organisation des Turniers sei exzellent. Nur mit den Einzelauszeichnungen ging er nicht immer d’accord. „Anja Mittag war genauso wenig zweitbeste Spielerin wie Nadine Angerer zweitbeste Torhüterin.“

Möglicherweise liegt in der internationalen Klasse die Zukunft. Kompetent vorgestellt fehlt bei stets ausverkauften Rängen nur das Fernsehen in der Weiterentwicklung. Und wenn die deutschen Sender es nicht wollen, findet sich vielleicht eine Produktionsfirma, um Bildsignale zu verschicken. Etwa für Schwedens Sportsender TR 4 oder für Island, Norwegen oder Dänemark.

Attraktiv für die Teams ist auch der Modus mit Hin- und Rückspiel. Bei 15-minütiger Spieldauer kommt es so zu sechs Spielen, in denen die Feinheiten den Umgang miteinander ausmachen und über die gesamte Turnierdauer niemand ausscheidet. Sieben, mit Halbfinals acht Spiele bedeuten 120 Minuten Volldampf in der Halle mit akzeptabler Pausenlänge. Das ist für Trainer wie Spielerinnen und Zuschauer gleichermaßen attraktiv. Den Beweis gibt es beim TuS Jöllenbeck und seiner Öffentlichkeit, die die Weltklasse wirklich noch anfassen kann.