Zwanziger: „Frauenfußball-Bundesliga ist größte Herausforderung“

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Am 25. Januar fällt in Frankfurt mit der offiziellen Eröffnung des Organisationskomitee-Büros der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 der Startschuss für die Titelkämpfe im eigenen Land. Zwar beträgt die Vorbereitungszeit nur dreieinhalb Jahre, doch kaum einer zweifelt, dass Deutschland 2011 wie schon 2006 eine perfekte WM organisieren wird.

Mehr Sorge bereitet hingegen die Entwicklung der Frauenfußball-Bundesliga. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger erklärt: „Das ist die Herausforderung des deutschen Frauenfußballs. Das wird die große parallele Anstrengung zur Vorbereitung des Turniers sein. Wenn diese Weltmeisterschaft 2011 einen Sinn haben soll, dann muss nach dieser WM eine stärkere, attraktivere, spannendere und ausgeglichenere Frauenfußball-Bundesliga da sein.“

Fehlendes Konzept

Doch wie der Weg zu einer besseren Liga konkret aussehen soll, bleibt nach wie vor im Dunkeln. Von einem konzeptionellen Ansatz oder gar einem durchdachten Konzept ist bisher nichts zu sehen. Bundestrainerin Silvia Neid regte am vergangenen Samstag eine Verkleinerung der Liga von 12 auf 8 Mannschaften an und zog sich prompt die Kritik einiger Bundesligatrainer zu. Doch immerhin ist es ein erster Gedankenanstoß, sich in Zukunft systematischer mit Entwicklung der Liga zu beschäftigen. Eigene konkrete Ideen, wie man die Frauenfußball-Bundesliga auf ein höheres Niveau hieven kann, hatten die Kritiker auch nicht parat.

In England ist man bereits einen Schritt weiter. Dort hat der Frauenfußball-Ausschuss des englischen Fußball-Verbands (FA) eine auf Sport spezialisierte Unternehmensberatung beauftragt, eine Ist-Analyse der Liga vorzunehmen, Meinungen von beteiligten Spielerinnen, Trainern, ehrenamtlichen Mitarbeitern, Fans, Sponsoren und den Medien einzuholen. Am vergangenen Wochenende diskutierte der Verband mit allen beteiligten Vereinen erste Ergebnisse, die in Handlungsempfehlungen und konkrete Anweisungen münden sollen.

Gespräche vonnöten

Auch in Deutschland gilt es, einen ähnlichen Weg zu beschreiten. „Ich werde mit allen Bundesligaclubs, dem Frauenfußballausschuss und mit all den vielen Leuten in Deutschland, die an der Weiterentwicklung des Mädchen- und Frauenfußballs interessiert sind, darüber sprechen, auf welchem Wege wir weiter kommen können. Das setzt Gespräche und auch Entscheidungen voraus“, so Zwanziger.

„Wenn wir diese Nachhaltigkeit nicht im Blick haben und verschlafen, dann haben wir vieles von dem, was uns die Frauenfußball-WM an Chancen geben wird, nicht umgesetzt“, befürchtet Zwanziger, der einige allgemeine Handlungsanweisungen gibt. „Das Sportliche und auch das gesamte Ambiente in den Stadien muss verbessert werden. Dazu auch das Verhältnis zu den Medien. Da müssen viele Facetten ineinander greifen.“

Bewusstsein stärken

Auch die ganz jungen Spielerinnen möchte er bereits im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern. „Bereits unter den 17-jährigen Mädchen sind ganz erstaunliche junge Persönlichkeiten und Typen, die häufiger in die Öffentlichkeit gebracht werden müssen. Sie können für diese Gesellschaft Vorbildcharakter entwickeln.“

Auch bei der Verhandlung der neuen Fernsehrechte hofft Zwanziger, bessere Konditionen für den Frauenfußball herausschlagen zu können. „Wir werden 2009 natürlich versuchen, angemessene, ehrliche, korrekte wirtschaftliche Daten auch für den Frauenfußball zu bekommen. Speziell für die Nationalmannschaft. Dort sind die Einschaltquoten so gut, dass wir Ansprüche stellen können. Die Bundesliga ist da leider noch nicht soweit.“

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Letzte Aktualisierung am 15.09.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Rainer
Rainer

Ich kann Herrn Zwanziger nur zustimmen und bin zuversichtlich, dass sich all die klugen Köpfe neue Konzepte überlegen werden. Es ist manchmal auch gar nicht so schwer. In vielen Bereichen des Frauenfußballs (ich spreche nur von Schweden, weil ich die aktuelle Situation in D nicxht so gut kenne, antizipiere aber, dass es durchaus Paralellen gibt) wird einfach (noch) nicht professionell gearbeitet. Die Verkleinerung der Bundesliga, der Vorschlag von Frau Neid, ist definitiv der falsche Schritt. Talente, die sich entwickeln können, sind in Deutschland mit Sicherheit genügend vorhanden, um, die richtigen Rahmenbedingungen vorausgesetzt, auch eine 12er oder gar 16er Bundesliga mit… Weiterlesen »

Rosa
Rosa

Ich finde es schade, dass in der öffentlichen Diskussion um die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland viele wichtige Komponenten, die meiner Meinung nach prägend sind, ausgelassen werden. Insbesondere Aussagen in den Massenmedien wie von Sylvia Neid (z.B.“der Bundesliga fehlt Leistungsniveau“) fallen meiner Ansicht nach zu flach aus und schaden eher dem Versuch eine größere Öffentlichkeit über die Nationalmannschaft hinaus zu erreichen. Daraus resultieren dann auch wahrscheinlich zu kurz gedachte Lösungsvorschläge, wie etwa die Bundesliga zu verkleinern. Wenn man die Präsenz des deutschen Frauenfußball als Konglomerat aus vielen und vielfältigen Komponenten betrachtet, fällt sehr schnell auf, dass eine ausreichende Thematisierung nicht… Weiterlesen »

Markus Juchem
Markus Juchem

Hallo Rosa, herzlich willkommen auf Womensoccer und vielen Dank für Deinen langen Beitrag. Ich gebe Dir Recht, dass die ganze Problematik in der Öffentlichkeit bisher ansatzweise bis gar nicht diskutiert wird. Auch hinter den Kulissen scheint noch nicht allzu viel zu passieren, zumindest entsteht dieser Eindruck. Zum Thema Medien hatte ich bereits einmal mit Detlef eine Diskussion geführt. Ich sehe hier vor allem erst einmal die Vereine in der Pflicht. Warum sollte eine renommierte Sportseite topaktuell sein, wenn manch ein Club selbst es nicht schafft, Ergebnisse oder Spielberichte zeitnah und aktuell auf der eigenen Website zu publizieren? Man darf nicht… Weiterlesen »

Rosa
Rosa

Hallo Markus, danke für diese Seite! Du hast recht, dass die Vereine in der Pflicht stehen eine bessere Berichtserstattung zu gewährleisten. Dieser Bereich ist noch zu viel von ehrenamtlichen Kräften abhängig, die sich bemühen, die Anforderungen aber Verständlicherweise nicht ausreichend erfüllen können. Die Verantwortlichen in den Vereinen scheinen da noch nicht die Veranlassung zu sehen die nötigen Veränderungen in den Strukturen vorzunehmen. Das sollte aber zu einem Ziel werden, auch einem, das der DFB anstrebt. Ich glaube man sollte auch nicht vergessen, dass der Frauenfußball auch zu einem großen Teil zu einer Randsportart gemacht wird (damit will ich nicht sagen,… Weiterlesen »

Max Diderot
Max Diderot

Für mich ist das nicht ganz nachvollziehbar, weshalb der Terminus Randsportart für den Frauenfußball in Deutschland herangezogen wird. Weder quantitativ noch qualitativ. Unsisono allen Sportarten, abseits des dominierenden Männerfußballs, ist zu eigen, dass ihnen eine Art Aufmerksamkeitsdefizit zugestanden werden muss. Diese Missachtung von teilweise sehr attraktiven Wettbewerben (i.e. Volleyball) ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass ihnen eine adäquate und strukturierte Öffentlichkeitsarbeit abgeht. Dem Frauenfußball geht es im Vergleich mit anderen sportlichen Institutionen in Deutschland darob vergleichsweise gut. Auch wenn ich Rosa zustimme, dass das Marketing für den Film „Die besten Frauen der Welt“ eher suboptimal denn gut war, und dieses… Weiterlesen »

Winfried Kramer
Winfried Kramer

Die Bundesliga ist nicht zu gross, sondern zu klein. Eine Miniliga mit 12 Vereinen wird von externen Interessierten und potentiellen Sponsoren nicht ernst genommen. Kurzfristig muss eine Erweiterung auf 14, mittelfristig auf 16 Vereine erfolgen. Dafür sollte der Unterbau gestrafft werden – z.B. nur eine zweite Liga und 2 Regionalligen. Eine Verkleinerung der Liga führt dazu, dass Nachwuchskräfte noch weniger Chancen auf Spielpraxis haben und begünstigt einseitig die starken Clubs. Es spielen immer mehr Frauen und Mädchen Fussball – dies müssen sie im Wettkampf mit den besten Spielerinnen tun können, also in der Bundesliga. International wäre es wünschenswert, einen Landesmeisterwettbewerb… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

@Winfried, da möchte ich Dir wiedersprechen!!! Für eine kurzfristige Erweiterung der Bundesliga, ist es nach meiner Einschätzung noch zu früh!!! Allerdings zeigt der derzeitige Tabellenstand, dass wir uns wohl auf einen extrem spannenden Abstiegskampf gefasst machen können!!! Wenn man die Tabellenplätze 4-12 so betrachtet, ist der Unterschied gar nicht sooooo groß!!! Zumindest vom spielerischen Potenzial her!!! Und wer die Breisgauerinnen, etwas besser kennt, der weis genau, die kommen nochmal!!! Auch Wattenscheid, hatte einige gute Ansätze, und kann sich sicher noch steigern!!! Langfristig gebe ich Dir aber recht, da sollten Teams wie Gütersloh, Köln, Sindelfingen und TeBe Berlin sicher eine Chance… Weiterlesen »

Max Diderot
Max Diderot

Mit zwei Hinweisen auf Links möchte ich noch einmal diesen Blogbeitrag reanimieren. Zur kommenden Spielzeit 2008/09 soll ja im Herrenfußball die III. Liga als eingleisiges Projekt die bisherigen Regionalligen ersetzen. Der verantwortliche DFB-Direktor ist Helmut Sandrock. Nun gibt es ein interessantes Gespräch mit ihm über das Vorhaben. Interessant weniger ob etwaiger Innovationen oder richtungsweisender Konzepte. Vielmehr erinnern mich die Antworten von Herrn Sandrock an einen Exkurs in Diplomatie und Diskretion, möglichst keine rhetorischen und faktischen Wagnisse eingehen zu wollen. Für mich ein Beispiel, wie möglicherweise auch die Professionalisierung des deutschen Frauenfußballs an-, be- oder hintertrieben wird. Hier der Link: In… Weiterlesen »