Neid plädiert für Verkleinerung der Bundesliga

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Über eines sind sich alle Verantwortlichen des Frauenfußballs einig: Die Bundesliga muss an Qualität gewinnen, will man bis zur Frauenfußball-WM 2011 und darüber hinaus neue Zuschauerkreise erschließen und den Sport auch für das Fernsehen attraktiver machen. Uneinigkeit herrscht jedoch über den Weg, der zum Erfolg führen soll.

Bundestrainerin Silvia Neid sprach sich am Rande des DFB-Hallenpokals nachdrücklich für eine Verkleinerung der Liga von 12 auf 8 Vereine aus. „Wir brauchen mehr Highlights“, so Neid. Doch dieser Vorschlag stößt nicht bei allen Bundesligavereinen auf Gegenliebe.

Die mangelnde Attraktivität der Liga lasse sich an den geringen Zuschauerzahlen ablesen. „Als ich noch gespielt habe, war die Liga zweigeteilt und zum Finale kamen schon damals 5.000 Zuschauer. Aber heute steht schon Mitte Mai fest, wer Meister wird. Es ist doch logisch, dass man da als neutraler Zuschauer nicht mehr hingeht.“

Play-offs zur Steigerung der Attraktivität

Mit der Einführung von Play-off-Spielen soll die Bundesliga für Zuschauer wie Medien gleichermaßen an Attraktivität gewinnen. „Man könnte beispielsweise die besten vier Mannschaften über Kreuz noch einmal gegeneinander antreten lassen.“ Eine Verkleinerung der Liga mit der damit verbundenen geringeren Anzahl von Spieltagen (14 statt 22) würde zudem zu einer Entzerrung des jetzt schon engen Terminkalenders führen, der die Nationalspielerinnen schon heute an die Grenzen der Belastbarkeit führt.

„Wir können ja nicht auf die Qualifikation für Olympia, EM und WM verzichten, nur damit unsere Spielerinnen regenerieren können, das ist nicht der Sinn der Sache. Die Nationalmannschaft ist immer noch das Aushängeschild des deutschen Frauenfußballs.“

Neid appelliert an alle beteiligten Teams, im Sinne des Frauenfußballs, eigene Interessen hinten anzustellen. „Man muss sich jetzt an einen Tisch setzen und überlegen, was für den Frauenfußball bis 2011 am Besten ist. Man darf nicht egoistisch denken, sondern muss den gesamten Frauenfußball im Auge haben, damit wir das Optimale herausholen und eine gute WM spielen.“

Ablehnung der Reformpläne

Sonst könnte der deutsche Frauenfußball an Boden gegenüber der Konkurrenz verlieren. „Wir sollten über den Tellerrand schauen. Man sieht ja etwa, was in Holland passiert, wo die Vereine an den Männerfußball gekoppelt werden. Da wird die ganze Woche in Richtung Nationalmannschaft gearbeitet und deren Philosophie vertreten.“

Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder weist derartige Gedankenspiele jedoch zurück. „Die Arbeit der Clubs wird immer viel zu negativ dargestellt. Woher kommen denn die Top- Spielerinnen? Man tut jetzt so, als wäre man Weltmeister geworden ohne die Vereine.“ Eine Verkleinerung der Liga kommt für ihn nicht in Frage. „Wir brauchen eine breite und starke Liga. Wenn es da unten nichts mehr gibt, haben wir Inzucht.“

„14 Spieltage sind zu wenig. Wichtiger wäre, dass alle Vereine einen so großen und ausgeglichenen Kader haben, dass sie auch mal auf eine Auswahlspielerin verzichten können“, ist Tanja Schulte, Trainerin von Wattenscheid 09, ebenfalls gegen eine Verkleinerung.

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Detlef
Detlef

Dieser Vorschlag ist nicht ganz neu!!! Man kann sicher darüber debattieren, ob damit der Bundesliga geholfen ist, oder nicht!!! Für mich ist dieser Vorschlag nur Augenwischerei, ohne Auswirkungen auf die Qualität des FF!!! Es würde nur die Qualität der 2. Ligen steigern, wenn Klubs wie Freiburg, Wattenscheid, HSV und Saarbrücken, wieder „zwangsweise“ absteigen müßten!!! Aber es ändert nix an der finanziellen Situation der anderen Klubs!!! Frankfurt hätte deswegen nicht weniger-, und Potsdam, Duisburg und Essen nicht mehr Kapital!!! Und die oben genannten Vereine hätten noch weniger Mittel, um ihre guten Spielerinnen halten zu können!!! Nur um die Termine besser in… Weiterlesen »

Bernhard
Bernhard

>
Stimmt. Warum habe ich aber hier das Gefühl, dass hier nur an den Egoismus der Vereine gedacht sein könnte. Und nicht vom Egoismus des DFB.

helena
helena

Auch wenn ich einmal mehr Detlef widersprechen muß…;-) Der Vorschlag ist mit Sicherheit noch nicht zu Ende gedacht, aber er ist auch nicht so indiskutabel wie es dargestellt wird. Und sie hat, wenn ich den Artikel richtig gelesen habe, auch nicht gesagt, daß die Verkleinerung der Liga das Allheilmittel gegen die Mittelmäßigkeit der Liga ist, sondern dies als EINEN Vorschlag in die Runde geworfen – was dann GEMEINSAM diskutiert werden muß. Daß Herr Schröder einmal mehr gegen Frau Neid spricht, ohne jemals einen ganz konkreten besseren Vorschlag gemacht zu haben (jedenfalls habe ich, außer Aussagen zur hervorragenden Arbeit der Potsdamer… Weiterlesen »

Boris
Boris

Vielleicht sollte man ja auch mal daran denken, so etwas wie den Algarve-Cup, 4-Nationen-Turnier und/oder Nordic-Cup abzuschaffen. Ich möchte nicht wissen, wie z. B. Ulli Höneß reagieren würde, wenn seine Natio-Spieler neben allem anderen auch noch diese Turniere spielen müßten.

jayden
jayden

also man sollte doch mal überlegen. So ein großer Unterschied ist doch in der Bundesliga gar nicht mehr. Natürlich… der FCR, der FFC und Turbine sind schon etwas hervorgehoben, aber ist dies nicht in allen Ligen so? Und wie man sieht, schaffen es auch die „kleinen“, die „großen“ mal stolpern zu lassen. Der FCR ist im Pokal gegeb Bayern rausgeflogen. Der Abstiegskampf ist dieses Jahr so spannend wie noch nie. Und sollte man zum Ende der Saison noch eine K.O.-Runde machen, dann finde ich dies ziemlich unangebracht. 1. haben wir für sowas den DFB-Pokal, 2. kann man durch Verletzungen, fehlende… Weiterlesen »

helena
helena

@jayden: Wenn die besten vier (bis sechs) Mannschaften am Ende der Saison (nach natürlich nicht ganz so vielen Spieltagen insgesamt) eine Art Miniturnier (den Modus, etwa die Spieltage und die Austragungsorte, Heimspiele/Auswärtsspiele etc. wären ja eh zu diskutieren) auszurichten, gäbe zumindest auch den Vereinen, die jetzt „nur“ auf Platz 4, 5 oder 6 stehen die Möglichkeit, Meister zu werden und damit die „großen 3“ mehr als zu ärgern. Die gesamte Saisonleistung zeigt sich im Tabellenstand bis zum Miniturnier, im Miniturnier würden die Karten neu gemischt. Damit könnten sich etwa auch die „großen 3“ nicht sicher sein, wirklich Meister zu werden,… Weiterlesen »

jayden
jayden

Überleg doch mal: wenn man schon unter den ersten 1 bis sagen wir mal 6 landen muss, ist der Druck schon groß. Landest du unter den letzten 6, spielst du um den Klassenerhalt, unter den ersten 6, um die Meisterschaft. Nur dadurch entsteht hoher Druck, die Spielerinnen bekommen noch weniger Zeit zur Regeneration und am Ende der Saison muss man auf höherem Niveau spielen als am Anfang der Saison. Ausserdem entstrafft das nicht den Terminplan, sondern wir müssten dann noch länger spielen. Oder hätten einen noch strafferen Spielplan.

Stefan Lomer
Stefan Lomer

Ich denke dass es eine gute Idee ist die Frauen-Bundesliga zu verkleinern. So kann das Niveau des Frauenfussballs gesteigert werden.

Jonos
Jonos

Hallo, eine Verkleinerung der Bundesliga wäre meines Erachtens auch für die Nationalmannschaft eher schädlich. Gerade bei den kleineren Vereinen können die Talente von morgen Bundesligaerfahrung sammeln und sich somit zu Stützen für die Nationalmannschaft von morgen entwickeln. Als Beispiel möchte ich das Mittelfeld der U20-Frauen des DFB nennen. Hier waren für das letzte Länderspiel mit Nathalie Bock –Wolfsburg-, Nadine Keßler –Saarbrücken- , Jasmin Jannermann –Freiburg- und Imke Wübbenhorst –HSV- Mädels berufen, die in Vereinen spielen, die bei einer Verkleinerung der Liga vermutlich nicht mehr im Oberhaus spielen würden. Ich wage es zu bezweifeln, dass diese Mädels heute bei Vereinen wie… Weiterlesen »

Mathy
Mathy

ich kann Stefan Lomer nur zustimmen!

Detlef
Detlef

@Helena, Schröders konkreter Vorschlag, die Qualität der FF-Bundesliga zu verbessern, lautet schlicht PROFESSIONALISIERUNG!!! Wie er sich diese allerdings konkret vorstellt, habe ich auch noch nicht so ganz verstanden!!! Für mich ist das irgendwie auch ein Widerspruch insich!!! Denn wenn man mal einfach behauptet, dass Frankfurt mit der Profession am Weitesten fortgeschritten ist, Schröder aber selbst immer wieder gebetsmühlenartig erzählt, dass er dieses Modell für sich ablehne, dann ist mir nicht ganz klar, wie er Professionalisierung definiert!!! Aber ich glaube Helena, dass auch Du einem Irrtum aufsitzt!!! Du gehst ganz selbstverständlich davon aus, dass Spielerinnen wie Melanie Beringer, Tanja Vreden, Kerstin… Weiterlesen »

Bernhard
Bernhard

Ich stimm Dir zu, Detlef.

Z.B. in Bayern gibt es garantiert viel viel mehr Talente als bisher bekannt. Der Bay. Fußballverband weiß das und konnte Sissy Raith gewinnen, diese Talente zu entdecken und die nötigen Förderstrukturen aufzubauen. D.h. Bayern, Wacker und Regensburg werden davon profitieren und stärker werden.

Aber darum gings Silvia Neid ja gar nicht: Ihr geht es darum, den Terminplan auf die Nationalspielerinnen zuzuschneiden und nicht auf die Vereine. Wäre die Bundesliga super-attraktiv, müsste Neid viel mehr Rücksicht auf die Vereine nehmen.
Und das fände sie dann auch nicht optimal….

helena
helena

@Detlef: Nun, eine Verkleinerung der Liga widerspricht sich ja nicht mit der Tatsache, daß man junge Talente aus der 2.-4. Liga in eine Mannschaft der 1. Liga holen kann. Daß das in Potsdam gut funktioniert (und man in Frankfurt da etwas hinterher hängt), bestreite ich ja nicht – aber wäre das bei einer Verkleinerung wirklich anders? Schröder hat sich, wie Du ja selber schriebst, die Leute aus den unteren Ligen geholt und nicht aus Absteigervereinen… Der Druck, der auf den etablierten Spielerinnen lasten würde, könnte ansteigen, ja, aber Druck bzw. Leistungsdruck gehören nicht nur im Leistungssport zum Leben und stacheln… Weiterlesen »

Rene
Rene

Ich halte nicht von einer Reduzierung der Bundesliga. Wenn man den Terminplan entzerren will, muß man ja nicht zu jedem Turnier fahren. Z.B. muß man nicht jedes Jahr am Algarve-Cup teilnehmen.
Die Spiele sind nicht aussagekräftig, denn auf wen trifft man, auf Teams deren Saison erst Ende April anfängt (außer Dänemark).

Max Diderot
Max Diderot

Verstehe wer will: Ein Land, in der Bevölkerungsdichte und Fläche der Bundesrepublik, mit knapp einer Million aktiver Spielerinnen, soll ihre (Elite-) Liga um acht Mannschaften reduzieren, damit, laut der Bundestrainerin, die Belastungen der Protagonistinnen reduziert werden. Gestern wurde noch allseits proklamiert, dass die Zukunft des Fußballs weiblich sei, und nun das. Ich kann der Bundestrainerin bestenfalls unterstellen, dass ihre Aussage auf mögliche Nachwehen der erfolgreichen Weltmeisterschaft zurückzuführen seien – verständlicher werden sie deshalb für mich nicht! Von einer leitenden Angestellten, und das ist Frau Neid, kann doch erwartet werden dürfen, dass sie bei öffentlichen Verlautbarungen auch auf einen mittelfristigen Nährwert… Weiterlesen »

Max Diderot
Max Diderot

… und ich sollte die Präpositionen besser im Griff haben: Es muss natürlich heißen: „… soll ihre (Elite-) Liga auf acht Mannschaften reduzieren…“.

Detlef
Detlef

@Helena, Wenn Du mal 2-3 Jahre zurückdenkst, da hattte TURBINE eine nahezu perfekte, und schlagkräftige Truppe!!! In die Gefilde von MITTAG; WIMBERSKY; POHLERS; HINGST; CARLSON; FUSS; ANGERER; BECHER und OMILADE, konnte keiner der großen Talente, die in Potsdams ZWEITER spielten, eindringen!!! In Frankfurt ist das bis heute so!!! Dort konnten, bzw können die Talente nur dann mal aufs Feld, wenn sich die Stars mal verletzt haben, bzw geschont werden!!! Gesetz den Fall, es gelingt wirklich, alle guten, und sehr guten Spielerinnen Deutschlands dazu zu bringen, in diese TOP ACHT zu wechseln, wird es keinen Platz für den Nachwuchs mehr geben!!!… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

Achso, hätte ich beinahe vergessen!!!
Bernhard, Du hast absolut recht, in Bayern gibt es ganz sicher nicht weniger Talente, als im Ruhrgebiet, oder im Osten Deutschlands!!! Einige kann man ja schon bewundern, Katharina Grießemer, Katharina Baunach, Julia Simic, und nicht zuletzt unsere JESSICA WICH!!!
Und nur so nebenbei, wir sind immer ganz gut gefahren mit den Mädels aus Bayern!!! (und natürlich auch aus Franken)

Markus Juchem
Markus Juchem

Vielen Dank an alle für die zahlreichen Meinungen und die interessante Diskussion! Ich möchte noch ein paar andere Argumente zur Diskussion stellen. Bisher dreht es sich fast ausschließlich um die sportliche Qualität der Liga bzw. die nicht vorhandene Ausgeglichenheit der Teams. Das ist aber denke ich nur ein Teilaspekt. Ich stelle einfach mal die These auf, dass heute, wenn wir ein spannendes Tabellenbild hätten mit sagen wir drei punktgleichen Teams auf den ersten drei Plätzen und vier Verfolgern dahinter mit zwei Punkten Rückstand, nicht automatisch deutlich mehr Zuschauern in die Stadien kämen. Weitere Ansatzpunkte: Verbesserungsfähiges Ambiente in den Stadien, verbesserte… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

@Markus, Na klar, für jemand der sicher oft zum FC Bayern nach Aschheim fährt, und kein Auto hat, für den ist es echt BESCHEIDEN!!! Aber außer Aschheim, fällt mir gerade keine Sportstätte ein, die dermaßen am Ar….. der Welt liegt, dass man mit dem ÖPNV kaum dahingelangt!!! Selbst SEXAU, wo die Breisgauerinnen früher ihre Heimspiele ausgetragen haben, war mit dem Zug besser zu erreichen!!! OK, das PCC-Stadion in Duisburg ist auch etwas abgelegen, geht aber noch!!! Alle anderen, haben meist eine Haltestelle direkt vor der Haustür!!! INFRASTRUKTUR??? OK, wer auf VIP-Plätze scharf ist, erlebt beim FF wohl oft sein Waterloo!!!… Weiterlesen »