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2007

WM 2011: Sommermärchen light

Es war nicht wirklich eine Überraschung, als FIFA-Präsident Sepp Blatter am Dienstagnachmittag kurz nach 15 Uhr verkündete, dass Deutschland Gastgeber der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 sein wird. Bereits im Vorfeld war Deutschland als klarer Favorit gehandelt worden und es lag vielleicht daran, dass einzig DFB-Präsident und Frauenfußballförderer Dr. Theo Zwanziger seinen Emotionen freien Lauf ließ, während der Rest der Delegation mit kontrollierter Freude reagierte.

Die Welt zu Gast bei Freunden hieß das Motto der Männer-WM 2006 und die stimmungsvolle Atmosphäre des damaligen Turniers war noch in bester Erinnerung, als das FIFA-Exekutivkomitee sich nun dafür aussprach, 2011 zum Wiedersehen mit Freunden erneut nach Deutschland zu kommen. Der Frauenfußball weltweit dürfte stark vom Turnier profitieren, wenn wieder Bilder der Begeisterung rund um den Erdball gehen werden. Denn es herrscht Einigkeit darüber, dass die WM 2011 erneut weite Teile der Bevölkerung in Partystimmung versetzen wird.

Auch Public Viewing dürfte bei den Titelkämpfen eine Selbstverständlichkeit sein, wenn auch in kleinerem Rahmen. Denn die nötigen Zutaten sind erneut vorhanden. Ein sportliches Großereignis verbunden mit einem Erfolg versprechenden deutschen Team, und eine Öffentlichkeit, die wieder danach dürsten wird, die Alltagssorgen für ein paar Wochen beiseite zu schieben, um mit wildfremden Menschen, denen man sonst auf der Straße nur widerwillig Hallo sagen würde, eine gigantische Sommerparty zu feiern.

Frauenfußball als Wachstumsmotor

Die Entscheidung pro Deutschland setzt aber vor allem auch Hoffnung darauf, dass die WM ein finanzieller Erfolg wird und weltweit auch in Gebieten, in den der Frauenfußball noch eine kaum wahrnehmbare Rolle spielt, für eine Initialzündung sorgen wird. Längst hat die FIFA erkannt, dass man mittel- bis langfristig nur über den Frauenfußball die Erlössituation des Weltverbands nachhaltig in neue Rekordhöhen wird schrauben können, wenn mit wachsendem weltweiten Interesse auch die Nachfrage nach den TV-Rechten und somit auch die Erträge ansteigen werden.

Blatter, der wohl 2011 nicht mehr zur Wiederwahl als FIFA-Präsident kandidieren wird, könnte sich zudem mit einem erfolgreichen Turnier einen nachhaltigen Abgang verschaffen.

Doch mit der Gunst, die Frauenfußball-WM 2011 ausrichten zu dürfen, ist auch eine große Verpflichtung verbunden. Denn der Frauenfußball in Deutschland hat in vier Jahren die vielleicht einmalige Chance, in der öffentlichen Wahrnehmung dauerhaft aus dem Schatten zu treten und sich endgültig als weibliche Mannschaftssportart Nummer eins zu etablieren.

Wachsender öffentlicher Druck

So wird die WM im eigenen Land sportlich eine noch größere Herausforderung sein als in der Vergangenheit. Denn Zielsetzung kann nur sein, zum dritten Mal in Folge das bedeutendste Frauenfußball-Turnier zu gewinnen. Der Druck auf Trainerin Silvia Neid und ihre Spielerinnen wird größer denn je sein, eine Situation, an die man sich erst wird gewöhnen müssen.

Ob die Ausrichtung der WM 2011 mit voraussichtlich nach wie vor 16 Mannschaften sich allerdings auch positiv auf den Ligabetrieb auswirken wird, ist fraglich, solange die sportliche Qualität in der Breite nicht weiter zunehmen wird. Ein kleines Sommermärchen wird Deutschland 2011 dennoch erleben.

Schlagwörter: Deutschland • Frauenfußball • Frauenfußball-WM 2011