WM 2011: Sommermärchen light

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Es war nicht wirklich eine Überraschung, als FIFA-Präsident Sepp Blatter am Dienstagnachmittag kurz nach 15 Uhr verkündete, dass Deutschland Gastgeber der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 sein wird. Bereits im Vorfeld war Deutschland als klarer Favorit gehandelt worden und es lag vielleicht daran, dass einzig DFB-Präsident und Frauenfußballförderer Dr. Theo Zwanziger seinen Emotionen freien Lauf ließ, während der Rest der Delegation mit kontrollierter Freude reagierte.

Die Welt zu Gast bei Freunden hieß das Motto der Männer-WM 2006 und die stimmungsvolle Atmosphäre des damaligen Turniers war noch in bester Erinnerung, als das FIFA-Exekutivkomitee sich nun dafür aussprach, 2011 zum Wiedersehen mit Freunden erneut nach Deutschland zu kommen. Der Frauenfußball weltweit dürfte stark vom Turnier profitieren, wenn wieder Bilder der Begeisterung rund um den Erdball gehen werden. Denn es herrscht Einigkeit darüber, dass die WM 2011 erneut weite Teile der Bevölkerung in Partystimmung versetzen wird.

Auch Public Viewing dürfte bei den Titelkämpfen eine Selbstverständlichkeit sein, wenn auch in kleinerem Rahmen. Denn die nötigen Zutaten sind erneut vorhanden. Ein sportliches Großereignis verbunden mit einem Erfolg versprechenden deutschen Team, und eine Öffentlichkeit, die wieder danach dürsten wird, die Alltagssorgen für ein paar Wochen beiseite zu schieben, um mit wildfremden Menschen, denen man sonst auf der Straße nur widerwillig Hallo sagen würde, eine gigantische Sommerparty zu feiern.

Frauenfußball als Wachstumsmotor

Die Entscheidung pro Deutschland setzt aber vor allem auch Hoffnung darauf, dass die WM ein finanzieller Erfolg wird und weltweit auch in Gebieten, in den der Frauenfußball noch eine kaum wahrnehmbare Rolle spielt, für eine Initialzündung sorgen wird. Längst hat die FIFA erkannt, dass man mittel- bis langfristig nur über den Frauenfußball die Erlössituation des Weltverbands nachhaltig in neue Rekordhöhen wird schrauben können, wenn mit wachsendem weltweiten Interesse auch die Nachfrage nach den TV-Rechten und somit auch die Erträge ansteigen werden.

Blatter, der wohl 2011 nicht mehr zur Wiederwahl als FIFA-Präsident kandidieren wird, könnte sich zudem mit einem erfolgreichen Turnier einen nachhaltigen Abgang verschaffen.

Doch mit der Gunst, die Frauenfußball-WM 2011 ausrichten zu dürfen, ist auch eine große Verpflichtung verbunden. Denn der Frauenfußball in Deutschland hat in vier Jahren die vielleicht einmalige Chance, in der öffentlichen Wahrnehmung dauerhaft aus dem Schatten zu treten und sich endgültig als weibliche Mannschaftssportart Nummer eins zu etablieren.

Wachsender öffentlicher Druck

So wird die WM im eigenen Land sportlich eine noch größere Herausforderung sein als in der Vergangenheit. Denn Zielsetzung kann nur sein, zum dritten Mal in Folge das bedeutendste Frauenfußball-Turnier zu gewinnen. Der Druck auf Trainerin Silvia Neid und ihre Spielerinnen wird größer denn je sein, eine Situation, an die man sich erst wird gewöhnen müssen.

Ob die Ausrichtung der WM 2011 mit voraussichtlich nach wie vor 16 Mannschaften sich allerdings auch positiv auf den Ligabetrieb auswirken wird, ist fraglich, solange die sportliche Qualität in der Breite nicht weiter zunehmen wird. Ein kleines Sommermärchen wird Deutschland 2011 dennoch erleben.

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DetlefSoccer_vom_HockerMax Diderot Neueste Kommentartoren
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Max Diderot
Max Diderot

Werdet nüchtern! Man möchte in aktueller protestantischer Ethik daran gemahnen, dass die augenblicklichen Rituale der Freude, über die FIFA-Entscheidung zur Vergabe der Frauen-WM 2011, mit soviel Zinnober beladen werden, dass sie mir zumindest teilweise schon wieder suspekt erscheinen. Vorab: Auch ich freue mich sehr über die Entscheidung und den Zuschlag für den DFB. Aber in unseren Köpfen wird doch noch soviel Kreativität vorhanden sein, die Frauen-WM 2011 nicht zwangsläufig zu einer Kopie der Männer-WM 2006 machen zu wollen. In einer Art medialem Lemmingsverhalten scheinen die Pressekörperschaften schon jetzt suggerieren zu wollen, dass Deutschland im Jahre 2011 das wiederholen wird, was… Weiterlesen »

Soccer_vom_Hocker
Soccer_vom_Hocker

Ich stimme Max Diderot absolut zu: Der DFB hat nun die einmalige Chance und nicht zuletzt die Verpflichtung die Probleme im eigenen Frauenligenbereich anzugehen. Ein Länderspiel der Frauennationalmannschaft hier und da wird das Interesse an der WM 2011 bei der Bevölkerung wohl kaum steigern lassen. Ziel sollte es sein auch die Bundesliga und die internationalen Wettbewerbe im Fernsehen unterzubringen. Machen wir uns aber nichts vor, dazu muss auch das Niveau der Liga erhöht werden. Was die Entscheidung zur WM-Vergabe angeht, so habe ich auch kein anderes Votum erwartet. Ein weiteres Turnier in Nordamerika hätte den internationalen Frauenfussball wohl nicht weiterbringen… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

Wir haben es doch nun schon mehrfach erlebt, immer wenn die Frauen-Nationalmannschaft einen großen Titel geholt hat, gab es Versprechungen, und vollmundige Lippenbekenntnisse!!! Aber bereits kurze Zeit später, war alles wieder vergessen!!! Keine Übertragungen, oder nur sehr kurze Zusammenfassungen von Ligaspielen, nicht mal eine aktuelle Tabelle im Sportstudio von ARD und ZDF!!! Spielberichte von Ligabegegnungen, finden man nur im Regionalteil von wenigen, kaum überregional erscheinenden Printmedien!!! WARUM sollte es jetzt anders werden??? Man hört immer die gleichen faulen Ausreden, wie schon vor 15-20 Jahren!!! Kein Interesse der TV-Zuschauer, zu wenige Stadionbesucher, dafür ist kein Geld da!!! Journalisten meinen, die Vereine… Weiterlesen »