DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger: “Angerer ist das neue Gesicht im Frauenfußball”

Von am 1. Oktober 2007 – 13.52 Uhr

DFB-Präsident Theo ZwanzigerDFB-Präsident Theo Zwanziger schreibt weiter an der Geschichte des Frauenfußballs. In Schanghai beim WM-Finale folgte beim “Edelfan” eine Gefühlswallung auf die nächste. Ein Fußballkrimi mit gutem Ausgang zwischen Deutschland, das als erste Nation weltweit seinen Titel verteidigte und ohne ein einziges Gegentor durch die WM marschierte, und Newcomer Brasilien, das bis zum Schluss ein großartiges Spiel lieferte.

Das Duell der Megastars, der wuchtigen Führungsfigur Birgit Prinz gegen Brasiliens Zaubermaus Marta, entschied Prinz aufgrund ihres 1:0-Treffers für sich. Marta wurde dafür Turniertorschützenkönigin und gewann die Trophäe der besten Spielerin vor Prinz und der ehemaligen Potsdamerin und Wolfsburgerin Cristiane. Die Auszeichnung der besten Torfrau ging an Potsdams Nadine Angerer, die im Finale – wie auch schon im Viertelfinale gegen Nordkorea – Spielerin des Spiels wurde. Rainer Hennies zeichnete das Gespräch in der Mixed Zone nach dem Spiel auf.

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Herr Zwanziger, herzlichen Glückwunsch zur Titelverteidigung Ihrer Mannschaft. Zum ersten Mal in der Geschichte der Frauen-WM gelingt eine Titelverteidigung.

Zwanziger: Das ist in der Tat ein wahnsinniger Erfolg, der den Frauenfußball weiter aufwerten wird.

Inwiefern?

Zwanziger: Weltweit ist die Zahl der guten Teams größer geworden. Das hat der Weg ins Finale gezeigt. Es gibt mittlerweile 20 bis 25 Nationen, die mithalten können. Ich denke da etwa an Frankreich. Auf anderen Kontinenten ist die Breite noch nicht so vorhanden.

Wie war Ihnen beim Elfmeter zumute?

Zwanziger: Ich habe den Glücksbringer aus dem Jackett geholt, mit beiden Händen fest umschlossen und gebetet.

Das Sommermärchen 2006 hat ein Herbstmärchen 2007 dazu bekommen. Wie ist Ihre Gefühlslage jetzt, nachdem sie schon beim Halbfinale Halbfinale vom größten Erlebnis Ihrer Karriere gesprochen haben?

Zwanziger: Glück hat fuer mich zwei Faktoren: Gesundheit und Zufriedenheit. Ich müsste Ihnen also jetzt so etwas antworten wie Glück hoch 27. Nein, ich freue mich, hier dabei gewesen zu sein. So etwas habe ich noch nie erlebt. Die ganze Mannschaft, damit schließe ich das Serviceteam ein, hat ganz hervorragende Arbeit geleistet. Das war eine klare Aussage für einen Mannschaftserfolg.

Die Mädels haben Sie als 22. Mann in den Kader aufgenommen, scheint es. Sie wurden, umarmt, geherzt. Waren Sie auch in der Kabine?

Zwanziger: Ja, aber nur kurz und weil die Mädels, ich sage das noch immer, weil es meine Mädels sind, mich darum gebeten haben. Sie haben mich regelrecht in die Kabine geschleppt.

Wie kann der Frauenfußball in Deutschland von diesem erneuten Triumph profitieren?

Zwanziger: In vielfacher Weise. Nadine Angerer zum Beispiel war sehr wichtig. Ihre Rolle ist so bedeutend geworden, das sie nun zum zweiten Gesicht neben Birgit Prinz werden kann, die ja längst Kultstatus hat. „Natze“ ist eine sehr starke Persönlichkeit und intelligente offene junge Frau. Solche Typen sind wichtig. Die schreiben Geschichten mit ihren Spielleistungen. Oder die kleine Laudehr, die da den Mut hat, durch die brasilianischen Reihen zu stürmen – hin und her. Da ist mir um die Zukunft nicht bange.

Wie würden sie Nadines WM-Geschichte betiteln?

Zwanziger: Die Überfliegerin. Bloß nicht so wie bei Kahn, mit Titan oder so. „Die Überfliegerin“ passt gut.

Bislang wurden die Möglichkeiten in der Kommunikation nicht ausgereizt.

Zwanziger: Das wird sich ändern. Ich werde persönlich dafür sorgen, das diesbezüglich mehr Verantwortungsgefühl entwickelt wird. Darüber werden wir sprechen, auch mit den Mädchen. Wir müssen als DFB aktiv auf die Medien zugehen, bei Projekten mitmachen und auch mal eine Überstunde leisten.

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