WM-Begeisterung nur eine Frage des Timings?
Es ist September und wir erleben die Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Aber warum September? “Juni und Juli”, das ist das Mantra von Kolumnistin Christine Brennan von “USA Today”. “Das wäre der perfekte Zeitpunkt, um einer aufstrebenden Frauensportart eine Bühne zu bieten”, schreibt sie .
Wesentlich mehr Medienpräsenz, mehr Interesse, ein nachhaltiger Impuls für die Zukunft - alles wäre möglich. So aber müsse die WM in Konkurrenz zu zahlreichen anderen Sporthighlights treten. Ausgerechnet September, wo im Sport am meisten los sei. “Fände die Männer-WM im September statt, es wäre ein Reinfall sondersgleichen in den USA.”
Doch die Frauen-WM, sie beginnt erst im Herbst. “Und dann schüttelt man verwundert den Kopf und fragt sich, warum sich niemand mehr für die Frauen interessiert.” Juni oder Juli, maximal August - eine Patentlösung für einen großen Erfolg?
Es stimmt, viele Argumente von Brennan sind nicht von der Hand zu weisen. In den ersten Tagen lief noch die Basketball-EM parallel, die Rugby-WM begann gerade und dauert noch bis Mitte Oktober. Gerade in Australien, Neuseeland und bei Titelverteidiger England zieht der Kampf ums “Ei” alle in ihren Bann.
Die Fußball-Ligen haben schon lange wieder ihren Spielbetrieb aufgenommen, die neue Cahmpions-League-Saison startete gestern, in den USA läuft die Baseball-Saison und auch das Politik-Sommerloch haben wir hinter uns gelassen. Die Geliebte von Horst Seehofer schafft es nun sicher nicht mehr auf die Titelseiten der Tageszeitungen. Die Konkurrenz ist also tatsächlich groß.
Komplizierte Abstimmung mit dem Ligenbetrieb
Der Verweis auf den FIFA-Kalender sei keine Entschuldigung, so Brennan weiter. Auch dass das Wetter in China jetzt besser sei, lässt sie nicht gelten. Schließlich werden die Olympischen Spiele im nächsten Jahr auch im August stattfinden. Kein Wunder sei es also, dass nur sieben Journalisten aus den USA vor Ort sein werden.
Das klingt alles einleuchtend, vereinfacht die Problematik allerdings. Aus der Perspektive der USA, für die der Ligenbetrieb keine Rolle spielt, mag das alles plausibel sein. Die Bundesliga-Vereine aber sind froh, wenn ihre Spielerinnen auch mal ein paar Wochen Pause haben und nicht gleich nach Saisonende zur WM müssen, an die sich dann sofort die Bundesliga anschließt.
Wohin physische Überforderung führt, haben wir auch gerade erst mehrfach bei Welt- oder Europameisterschaften der Männer gesehen. Das spielerische Niveau blieb oft hinter den Erwartungen zurück. Ein warnendes Beispiel. Eine WM im Juni oder Juli hätte daher durchaus ihre Schattenseiten. Schließlich verläuft der Ligenbetrieb in den Teilnehmerländern ja auch beileibe nicht parallel.
Dennoch - dass der August eine bessere Lösung wäre, darüber kann und muss man reden. Ist doch die jetzige Situation, dass die Bundesliga nach zwei Spieltagen in eine vierwöchige Pause geht, alles andere als optimal. Ein WM-Überbrückungsturnier hat nur begrenzten Wert.
Saisonvorbereitung der Vereine jetzt schon nicht optimal
Warum also nicht im August die WM spielen und im September die Liga beginnen? Durch die zahlreichen Trainingslager und Testspiele konnten die Nationalspielerinnen schon jetzt keinesfalls optimal in die Saisonvorbereitung der Vereine eingebunden werden.
Schließlich hängt die Begeisterung und das Interesse für eine WM auch von wesentlich mehr Faktoren ab als vom Zeitpunkt. Immerhin 14 Journalisten aus Deutschland berichten direkt aus China. Deutlich mehr als vor vier Jahren in den USA, obwohl der Zeitpunkt der gleiche war.
Was aber selbstverständlich die Frage des günstigsten Zeitpunkts nicht weniger wichtig macht. Juni, Juli, August oder September? Eure Meinung ist gefragt!
Wann sollte die Frauenfußball-WM stattfinden?