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2007

DFB-Elf: Mangelnde Selbstkritik gefährdet WM-Mission

Es ist schon bemerkenswert, dass man sich auf der offiziellen Website des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach dem 0:0 gegen England – immerhin ein Team, das in der FIFA-Weltrangliste zehn Plätze hinter Deutschland liegt – über den „Punktgewinn“ freute. Und auch die „überraschend zufriedene Bundestrainerin“ (taz) Silvia Neid vermisste nur ein wenig Präzision und Effektivität vor dem Tor, und wollte nicht mal etwas von einem Dämpfer wissen. „Wir haben gut gespielt, gut gearbeitet in Abwehr und Mittelfeld. Wir haben keine Punkte abgegeben, sondern einen dazu gewonnen.“

Weniger diplomatisch, aber dafür gewohnt unverstellt äußerte sich einzig die dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz: „Man kann sich negative Erlebnisse immer ins Positive drehen. Davon halte ich nichts. Wir müssen beim nächsten Mal nur einfach wieder besser spielen, wir waren nicht die Kreativsten“, lieferte Prinz eine genauso klare, wie konträre Einschätzung der Teamleistung im Spiel gegen England.

Vorschau Deutschland – Japan

Möglicherweise war der schwere Gang gegen das Team von der Insel, das man vor elf Monaten noch mit 5:1 in einem Testspiel in Aalen besiegte, nur ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit nach dem zu leicht heraus gespielten zweistelligen Sieg gegen Argentinien.

Doch es könnte auch sein, dass das Spiel erste Indizien dafür bot, dass das Potenzial des deutschen WM-Kaders im Jahr 2007 nicht ausreichend ist, um gegen andere Topteams zu bestehen. Hinzu kommt eine zumindest in der Öffentlichkeit dargestellte mangelnde Bereitschaft die eigene Leistung kritisch zu hinterfragen.

Denn die Engländerinnen wussten sicherlich in punkto Fitness und Zweikampfverhalten zu gefallen und hielten gut dagegen. Eine spielerische Glanzleistung bot das Team von Trainerin Hope Powell jedoch nicht. „Wir können mit der Weltelite mithalten“, sagte Powell vor der Partie und sollte an diesem Tag Recht behalten, doch vermied sie bei dieser Formulierung bewusst, sich selbst schon zur absoluten Weltelite zu zählen.

Umso bedenklicher, dass der deutschen Elf die spielerischen Mittel fehlten, England auszuhebeln. Und nicht weniger bedenklich, dass Neid den Gegner nach dem Spiel stärker redete, als er ist. „Die Weltspitze ist zusammengerückt.“ Das mag stimmen, doch an England sollte man es nicht festmachen, und schon gar nicht die Leistung des Gegners als Entschuldigung für eigene Defizite geltend machen.

Gegen Japan unter Zugzwang

Gegen die mit vielen Vorschusslorbeeren ins Turnier gegangenen Japanerinnen, die in ihren beiden bisherigen Auftritten nur ansatzweise zu gefallen wussten, wird es vor allem aufgrund der körperlichen Vorteile sehr wahrscheinlich noch reichen. Doch spätestens im Viertelfinale, wo Gegner vom Kaliber USA oder Nordkorea auf das deutsche Team warten, die körperlich und spielerisch die DFB-Elf stärker denn je fordern werden, droht das vorzeitige Turnier-Aus.

Die Leichtigkeit des Seins ist dem deutschen Team zumindest schnell abhanden gekommen. Ernüchterung und eine gewisse Verunsicherung haben sich breit gemacht, wenngleich etwa Linda Bresonik verkündet: „Das 0:0 gegen England finde ich gar nicht so schlimm. Es ist doch nichts passiert.“ Den durch den Rekordsieg zum Auftakt erworbenen psychologischen Vorteil hat man durch das torlose Remis wieder verspielt. Die Gegner wissen seit diesem Spiel, dass die DFB-Elf keine Übermannschaft ist.

Bartusiak doch kein Laudehr-Ersatz

Kann man nur hoffen, dass die „Mühsal im Mittelfeld“ (Spiegel online) im Spiel gegen Japan ein Ende finden wird, wenngleich Renate Lingor weder die Form der WM 2003 noch der EM 2005 hat, und auch diesmal keine kongeniale Partnerin an ihrer Seite, wie es etwa in den USA damals Bettina Wiegmann war.

Zudem ist Simone Laudehr, die wegen ihrer zweiten Gelben Karte für das Spiel gegen Japan gesperrt ist, bei allem Talent aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung sicherlich keine Idealbesetzung für das Schaltzentrum der deutschen Mannschaft neben einer Lingor, die nicht in Topform ist.

Saskia Bartusiak sollte ursprünglich anstelle von Laudehr den Platz im defensiven Mittelfeld einnehmen, verletzte sich aber im Abschlusstraining an den Adduktoren. So könnte das Schicksal Bresonik doch noch unverhofft ins Mittelfeld spülen, nachdem sie zuvor auf der linken Außenbahn Abwehrarbeit verrichtete auf einer Position, die sie zwar gut ausfüllt, die aber auch die nicht nominierte Bianca Rech gut hätte übernehmen können.

Annike Krahn wird in der Innenverteidigung erneut die nach wie vor am Oberschenkel verletzte Sandra Minnert ersetzen. Will man im Viertelfinale dem dann wohl seit 50 Spielen ungeschlagenen Weltranglistenersten aus den USA aus dem Weg gehen, muss ein Sieg her. „Wir sind stark genug, um die Japanerinnen zu besiegen“, sagt Ariane Hingst.

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger flog am Sonntag nach Deutschland zurück, will aber zu einem eventuellen Viertelfinale am kommenden Samstag ins Reich der Mitte zurückkehren. „Das Viertelfinale müssen die Mädchen einfach schaffen und das werden sie auch“, versprüht Zwanziger Optimismus. Auf mehr wollte er sich aber offenbar nicht festlegen.